miniatur|Unterschrift von Wilhelm Friedrich Goez (1788)|368x368pxWilhelm Friedrich Goez (* 8. Dezember 1737; † 1803) war ein deutscher evangelischer Kirchenrats-Baumeister in Ludwigsburg. Er erbaute in Württemberg sogenannte chorlose Predigtsaalkirchen, die Gottesdienst, Abendmahl und Taufe in der damals vorbildlichen Art abzuhalten erlaubten. Goez erbaute auch Pfarrhäuser und die dazugehörigen Wirtschaftsgebäude.

Leben und Familie Wilhelm Friedrich Goez war der Sohn des Werkmeisters Joh. Wilhelm Goez (1704–1788), der 54 Jahre lang Generalmühlinspektor war. Vermutlich erlernte Wilhelm Friedrich Goez das Handwerk des Zimmermanns. Er begann dann seine Lehrzeit bereits mit 13 Jahren. Nach der Lehrzeit und der Gesellenprüfung begab sich ein Zimmermann auf Wanderschaft. Der Titel eines Meisters setzte die Anfertigung eines Meisterstücks voraus. Um aber den Titel eines Baumeisters zu erlangen, war der Besuch einer Baugewerkschule (heute Fachhochschule) obligatorisch.

Mit Dekret vom 22. Juni 1765 wurde Goez zum Kirchenrats-Baumeister bestellt.Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Präsenzbibliothek: Neues Württembergisches Dienerbuch, Bd. 1, Stuttgart 1957, § 2128, Signatur Ben. Ud 6-1. Von ihm wurden in Württemberg zahlreiche Kirchen, Pfarrscheuern für die evangelische Kirche und für seinen Landesherren erbaut.

Durch seinen Vater hatte Goez vermutlich frühzeitig Kontakte mit Mühlen, also auch mit Sägemühlen für Balken und Bretter seiner Bauwerke. Möglicherweise verwendete Goez deshalb Rundsäulen aus Eichenholz bei allen seinen Kirchen als Emporestützen und Turmtragsäulen. Die Herstellung solcher Säulen (bis 4 Meter Länge) war damals nur mit Drehbänken denkbar, die von einem Mühlrad angetrieben wurden. Goez nennt diese Elemente „Frey-Säulen“, also Säulen, die frei stehend große Lasten tragen. Sie sind in vielen seiner Kirchen unverändert anzutreffen.

Goez heiratete in Ludwigsburg am 29. Juli 1766 Wilh. Beate Wölflin und hatte mit ihr fünf Söhne und zwei Töchter. Nach dem Tod seiner Frau im Jahr 1788 schloss er 1791 eine zweite Ehe.Stuttgart, Württembergische Landesbibliothek: Württembergische Familienstiftungen, 12. Stiftung, Randnummer § 82, Signatur Zn 2100 bzw. Zn 2101. Sein zweiter Sohn war Carl Friedrich Goez (* 1769); dieser studierte ab 1783 Theologie in Blaubeuren und Bebenhausen, dann ab 1788 Jura in Stuttgart mit Studienabschluss 1792 an der Hohen Karlsschule. Später war er Präsident des Gerichtshofes Ellwangen.Hauptstaatsarchiv Stuttgart: Signatur A 272 Bü 326 (Carl Goez). Der zweitjüngste Sohn war Christian Friedrich Goez (* 1779). Er war Waisenhauspfleger und bewarb sich 1803 um eine Anstellung im Staatsministerium. Später war er Obersteuerrat.Hauptstaatsarchiv Stuttgart: Signatur A 205 a Bü 6 (Christian Goez).

Die evangelische Predigtsaalkirche in Württemberg um 1780 miniatur|327x327px|Typische Predigtsaalkirche: Bernbach 1782 – Grundriss von Wilhelm Friedrich Goez Die von Goez geplanten und erbauten Kirchen sind sogenannte „chorlose Predigtsaalkirchen“, wie sie seinerzeit für evangelische Gottesdienste als vorbildlich angesehen wurden. Bei diesen Kirchen wurde kein Chorraum zur Ausübung der Sakramente ausgebildet, da eine Trennung von geistlichem und weltlichem Raum nach der Reformation nicht mehr nötig war. Die chorlose Kirche wurde so zum meist rechteckigen Predigtsaal mit umfangreichen Emporen. Der Mittelgang in der Kirche führt unmittelbar zum Taufstein und dahinter zum freistehenden Altartisch, über welchem in der Regel die Kanzel angeordnet ist. Da Ende des 18. Jahrhunderts im evangelischen Gottesdienst das gepredigte Wort im Mittelpunkt stand, war die Kanzel der zentrale Punkt des Kirchraumes. Besonders zwischen den Emporen (Emporkirche) und der Kanzel (Predigtstuhl) musste akustisch und optisch gute Verbindung sichergestellt sein. Voraussetzung hierfür war, dass die Kanzel mit dem Kanzeldeckel auf Emporenhöhe angebracht wurde. Der Zugang zur Kanzel ist bei vielen Predigtsaalkirchen nur von der Sakristei aus über eine Treppe möglich.Stuttgart, Württembergische Landesbibliothek: Nachlass Adolf Schahl, Signatur Cod. hist. qt .757: Die Predigtsaalkirche in Württemberg vom 16. bis 18. Jahrhundert.

Der Altar war Ende des 18. Jahrhunderts der Kanzel gewissermaßen untergeordnet, weil der vorreformatorische Messe-Gottesdienst zum Wort-Gottesdienst geworden war. Daher wurde der einstige Hochaltar (Opferaltar) mit bildlichen Darstellungen nun zum freistehenden Altartisch (Tisch des Herrn), wo die Gläubigen Brot und Wein als Symbol des erlösenden Christus erhalten. Hatte einst der vorreformatorische Priester seinen Blick gen Osten zum Hochaltar, war nun der evangelische Pfarrer vor oder hinter dem Altartisch stehend der Gemeinde zugewandt.

Bei der vorreformatorischen Taufe wurde die Gotteskindschaft dem Täufling durch die Ganzkörpertaufe im Taufbecken zuteil. In der evangelischen Taufe erfährt er am Taufstein die Liebe des dreieinigen Gottes vor der Gemeinde durch rinnendes Wasser, das der Pfarrer aus der Taufschale schöpft.

Predigtsaalkirchen sind kirchengeschichtlich bedeutende und erhaltenswerte Denkmale aus der Zeit des 18. Jahrhunderts. Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Predigtsaalkirche – wegen ihrer Fokussiertheit auf die Predigt – kritisiert und es gab Bestrebungen, dem Altar als Ort der Sakramente wieder eine hervorgehobenere Stellung zu geben.

Nachweisbare Bauwerke

Predigtsaalkirchen Für die 15 bisher bekannten, von Goez geplanten und erbauten Predigtsaalkirchen fertigte er jeweils mehrere maßstäbliche, kolorierte Risse (Zeichnungen) und den handgeschriebenen sogenannten „Überschlag“ (Beschreibung der Handwerkerarbeiten mit Kostenangaben). Er passte seine Kirchen stets an die Vorgaben und Bedingungen des jeweiligen Ortes an und berücksichtigte deren vorhandene Besonderheiten wie z. B. bescheidene Geldmittel, stark angewachsene Gemeinde, Terminnot nach Brand oder Baufälligkeit der Kirche. Er leitete und überwachte die Bauarbeiten oft selbst.

Bei den folgenden Kurzbeschreibungen der Kirchen in der Reihenfolge ihrer Erbauung wird das Bauwerk jeweils im von Goez geschaffenen ursprünglichen Zustand beschrieben ohne Berücksichtigung später vorgenommener baulicher Veränderungen. Der von Goez in Zeichnungen vorgegebene Altartisch ist als steinerner Block ausgebildet und ist zur Gemeinde hin mit seitlichen, geländerartigen Schranken (Balustraden) versehen. Von dort aus verrichtete der Pfarrer für die Gemeinde Lesung, Gebet und Abendmahl. Die Altarseite aller Kirchen zeigt (teils mit kleinen Abweichungen) nach Osten, Ausnahmen sind Bernbach und Monakam. Die Kanzel befindet sich bei allen Kirchen auf Emporenhöhe. Alle Kirchen besitzen einen Mittelgang. Die Emporen sind meist mittels Rundsäulen aus Eichenholz abgestützt. Einige Kirchen wurden von Goez im Altarbereich mit besonderen Bänken für den Kirchenkonvent ausgestattet. Die ungefähren Kirchenmaße (außen) werden in der Regel ohne Turm und Sakristei angegeben.

Kirche Dachtel Kirchenwiederaufbau in Dachtel samt Oberteil des Seitenturms 1767 nach Brand – erste Kirche 1599/1601 von Heinrich Schickhardt erbaut. 3/8-Abschluss im Osten. Kirchenmaße 20,7 × 11,4 Meter. Altar und Taufstein in Kirchenachse. Kanzel an östlicher Südwand mit sichtbarer Treppe. Sakristei an der Südwand im Turm-Untergeschoss. Emporen im Westen, Norden und Osten.Hauptstaatsarchiv Stuttgart: Signatur A 213 Bü 3579 und N 220 A 1 02, Bild 6 (Dachtel).

Kirche Kohlberg am Jusi Kirchenneubau in Kohlberg (Württemberg) 1768. Kirche rechteckig. Kirchenmaße 18,7 × 12,6 Meter. Altar und Taufstein in Kirchenachse. Sakristei außen an Nordseite mit Treppe zur altarnahen Kanzel. Orgelempore im Osten, weitere Emporen vermutlich im Süden, Westen und Norden. Rechteckiger Dachturm im Westen mit Glocken und Uhr, abgestützt durch 2 Turmtragsäulen.

Martinskirche Wildberg mini|Martinskirche Wildberg, Predigtsaal von 1772, Blick vom Altar aus miniatur|Peter-und-Paul-Kirche Heimerdingen vor 1964 Erneuerung und Vergrößerung 1772 des baufälligen, dreischiffigen Langhauses als rechteckigen Predigtsaal in Wildberg (Schwarzwald), angebaut an den Chor von 1467 und den mehrfach veränderten Seitenturm. Maße des Predigtsaals 27,8 × 15,4 Meter. Kanzel mit sichtbarer Treppe an der Ostwand. Emporen im Süden, Norden und Westen sowie im Chor als Orgelempore. 1773 wurde außen an der Chor-Nordseite die Sakristei angebaut.Landeskirchliches Archiv Stuttgart: Signatur Pfa Wildberg Nr. 143 und 340 (Wildberg).

Stadtkirche Altensteig Kirchenneubau samt Ostturm in Altensteig 1775. Turm an fensterlose Ostseite mittig angebaut. Kirchenmaße 29,4 × 16,9 Meter. Kanzel, Altar und Taufstein in Kirchenachse. Sakristeiräume im Turmbereich mit Zugang zur Kanzel. Im Westen die Orgelempore. Im Süden und Norden teilweise zwei übereinander angeordnete Emporen bis zur Kanzel reichend. Westende der Kirche mit abgeschrägten Ecken. [Siehe Weblink]

Peter-und-Paul-Kirche Heimerdingen Kirchenneubau samt Turm der Peter-und-Paul-Kirche in Heimerdingen 1777 nach Brand. Kirche rechteckig, Turm an fensterlose Ostseite mittig angebaut. Kirchenmaße 23,1 × 13,0 Meter. Kanzel, Altar und Taufstein in Kirchenachse. Sakristei unten im Turm. Sichtbare Treppe zur Kanzel. Emporen im Süden, Westen und Norden.Helmut Immendörfer: 200 Jahre Peter-und-Paul-Kirche in Heimerdingen 1777-1977 (= Heimerdinger Sonderheft 5). Heimerdingen 1977.Ellen Pietrus: Heinrich Dolmetsch. Die Kirchenrestaurierungen des württembergischen Baumeisters; Stuttgart 2008, S. 231 f

St.-Blasius-Kirche in Nellingen auf den Fildern Abriss einer beschädigten Kirche und Neubau einer vergrößerten Kirche in Nellingen auf den Fildern 1777, angebaut an den Ostturm von 1252. Kirchenmaße ca. 24,2 × ca. 11,8 Meter, Westecken abgeschrägt. Altar und Taufstein in Kirchenachse. Kanzel mit sichtbarer Treppe vermutlich an Südwand. Emporen im Westen und Norden, Aufgang außen an der Nordwand.Landeskirchliches Archiv Stuttgart: Pfarrarchive, Kirchenkonventsprotokolle G 75, Signatur 102, Seiten 112, 113, 114, 119 (Nellingen). Kirche wurde 1926 zur Querkirche umgebaut.

Peterskirche Steinheim am Albuch Abriss einer Kirche und Neubau einer nach Osten vergrößerten Kirche in Steinheim a. A. 1780, an vorhandenen Westturm anschließend. 3/8-Abschluss im Osten. Kirchenmaße 25,2 × 11,5 Meter. Altar und Taufstein in Kirchenachse, Kanzel an Südwand. Emporen im Westen, Norden und Osten. Die Ostempore mit der Orgel verdeckt teilweise den Altartisch. Sakristei außen an der Südseite mit Treppe zur Kanzel. Grab des Steinheimer Pfarrers und Kirchenlieddichters Philipp Friedrich Hiller (1699–1769) im Inneren der Kirche.Hauptstaatsarchiv Stuttgart: Signatur A 495 L Bü 21 (Steinheim am Albuch).- hier S. 28/29 Neubaupläne („der Grundriß und Aufzugriß zur neuen Kirch und Sacristey“) aus dem Gemeindearchiv Steinheim

Kirche Göttelfingen Kirchenneubau in Göttelfingen (Seewald) 1780 nach Brand des Dorfes und der Vorgängerkirche. Kirche rechteckig. Kirchenmaße 17,2 × 10,9 Meter. Kanzel, Altar und Taufstein in Kirchenachse. Innenliegende Sakristei in Ecke Ostwand/Südwand mit Treppe zur Kanzel. Emporen im Süden, Westen und Norden. Rechteckiger Dachreiter in Kirchendachmitte mit Glocken und Uhr.Hauptstaatsarchiv Stuttgart: Signatur A 288 Bü 4148 (Göttelfingen).Staatsarchiv Sigmaringen: Signatur Wü 125/8 T 1 Nr. 151a (Göttelfingen).Archiv der Ev. Verbundgemeinde Seewald in Besenfeld (Göttelfingen).

Kirche Zang bei Königsbronn Kirchenneubau in Zang 1781 mit 3/8-Abschluss im Osten. Kirchenmaße 17,2 × 11,2 Meter. Kanzel, Altar und Taufstein in Kirchenachse. Sichtbare Treppe zur Kanzel. Sakristei außen an der Ostseite. Emporen im Süden, Westen und Norden. Rechteckiger Dachturm im Westen mit Glocken und Uhr, abgestützt durch 2 Turmtragsäulen.Hauptstaatsarchiv Stuttgart: Signatur A 495 L Bü 23 (Zang bei Königsbronn).

Kirche Grünwettersbach miniatur|Runde Holzsäulen (Emporestützen) in Grünwettersbach|226x226px