Die Éclaireurs de la Garde impériale (Aufklärer der kaiserlichen Garde) waren drei Regimenter leichter Lanzenreiter der Cavalerie de la Garde impériale des Ersten Kaiserreichs. Die Namensgebung war jedoch irreführend, da sich ihr Auftrag nicht auf Aufklärung beschränkte. Vielmehr waren sie zunächst primär für den Kampf gegen die russischen Kosaken aufgestellt worden, mussten in der Endphase des Kaiserreichs jedoch immer öfter die Rolle als Schlachtenkavallerie übernehmen. Die Ende 1813 aufgestellten Verbände zeichneten sich im Frankreichfeldzug 1814 aus und wurden nach der ersten bzw. zweiten Abdankung Napoleons aufgelöst.

Formationsgeschichte Hintergrund Im Vierten Koalitionskrieg traf die französische Armee 1806 erstmals auf russische Kosaken. Diese Reiter wurden zur Erkundung, zur Vorhut und zu Methoden der Kriegsführung eingesetzt, die bis dahin in den anderen europäischen Armeen unbekannt gewesen waren. Ihre Taktik, Lava genannt, sah den Angriff in aufgelöster Form vor, dabei jedem einzelnen die größtmögliche Bewegungsfreiheit zugestehend. Auf ihren Streifzügen operierten sie in kleinen Gruppen und überfielen mit Vorliebe kleinere Kolonnen und Biwaks.Brunon, 1962, S. 47 und 48 Napoléon hatte sich daraufhin entschlossen, eine vergleichbare Truppe aufzustellen. Vorgesehen waren vier Regimenter „Éclaireurs à cheval“ zu je vier Escadrons, die wegen ihrer Widerstandsfähigkeit mit Camargue-Pferden ausgestattet werden sollten. Dieses Projekt vom 9. Juli 1806 wurde dann jedoch zugunsten der Aufstellung des „Régiment chevau-légers belges d’Arenberg“ aufgegeben, das zunächst zur Bekämpfung der Kosaken vorgesehen war, aber bereits 1808 zum 27. Regiment der Jäger zu Pferde der Linienkavallerie mit entsprechend konventioneller Kampfweise umgewandelt wurde.

Während des Russlandfeldzuges 1812 konnte die schwere französische Kavallerie die unaufhörlich attackierenden Kosaken nicht verfolgen. Sie griffen unvermittelt an und wichen den Gegenangriffen der französischen Kavallerie geschickt aus. Auch fingen sie Kuriere ab und unterbrachen die Nachschublinien.

mini|Offizier und Reiter des Régiment de Krakus (Gemälde von Jan Chełmiński in L’Armée du Duché de Varsovie, 1913) 1813, nach dem Rückzug aus Russland, evakuierte der Général Poniatowski Warschau und zog sich nach Krakau zurück, um dort seine Truppen neu zu formieren. Er entschied sich dabei auch für die Aufstellung eines Regiments leichter Lanzenreiter, dessen Mannschaften gänzlich aus dem Bauernstand kommen sollten. Der Verband erhielt den Namen „Régiment de Krakus“.Der Name Krakus bezieht sich auf Krakau. Die Mehrzahl der Rekrutierten stammte aus dieser Region. Insgesamt konnten 900 Männer angeworben werden.Pawly, 2006, S. 6. Sie waren überwiegend von kleiner Gestalt und saßen auf ebenfalls kleinen Pferden, die Konias genannt wurden. Am 19. August 1813 paradierten sie in Zittau vor Napoléon, der beeindruckt war und bemerkte:

Als das Regiment dem Kaiser am 25. September 1813 auf dem Weg nach Bautzen wieder begegnete, war er über ihre kleinen Bauernpferden so erheitert, dass er sie sie „ma cavalerie pygmée“ („meine Pygmäenkavallerie“) nannte.

Aufstellung Nach der Niederlage im Deutschlandfeldzug sah sich Napoléon mit der dramatischen Aussicht des ersten Kampfes auf französischem Boden seit den Revolutionskriegen konfrontiert und reorganisierte seine Garde durch die Dekrete vom 4. und 9. Dezember 1813.Pigeard, Bourgeot, 2013, S. 75. Mit letzterem verfügte er die Aufstellung der „Éclaireurs de la Garde impériale“, die mit drei Regimentern errichtet wurden:

das 1er régiment des éclaireurs de la Garde impériale, genannt „Éclaireurs-grenadiers“, zugeteilt dem Regiment Grenadiers à cheval de la Garde impériale das 2e régiment des éclaireurs de la Garde impériale, genannt „Éclaireurs-dragons“, zugeteilt dem Regiment Dragons de la Garde impériale das 3e régiment des éclaireurs de la Garde impériale, genannt „Éclaireurs-lanciers“, zugeteilt dem 1er régiment de chevau-légers lanciers polonais de la Garde impériale

Das Konzept der französischen „Kosaken“ sah ähnlich wie bei den Krakusen eine Bewaffnung mit Lanzen, beritten auf kleinen Pferden, vor. Bei den Uniformen hielt man jedoch am herkömmlichen Stil fest und verzichtete anders als beim polnischen Vorbild auf eine am Stil der Kosaken orientierte Kostümierung. Mit dieser Truppe glaubte der Kaiser sein Gegenstück zu den Kosaken gefunden zu haben.

Jedes Regiment bestand aus vier Escadrons zu je 250 Reitern. Das Personal für die neuen Regimenter war aus Abgaben der Kavallerie der „Alten Garde“ und aus einberufenen Rekruten gewonnen. Zu Beginn des Frankreichfeldzuges wurden die Regimenter zu einer eigenen Brigade zusammengefasst, jedoch wurde diese bereits Anfang Februar 1814 wieder aufgelöst und die einzelnen Regimenter ihren Stammtruppenteilen bei der Gardekavallerie zugeordnet. Zwei Escadrons des 3. Regiments wurden unter dem Chef d’escadron Skarzynski nach Paris beordert.Ob und wann sie dort ankamen, ist nicht bekannt. Das 1. und das 2. Regiment wurden während der Ersten Restauration am 12. Mai bzw. am 19. Juni 1814 aufgelöst. Das 3. Regiment blieb mit dem Regiment der Lanciers polonais de la Garde impériale noch bis zum 1. Oktober 1815 bestehen und wurde dann zusammen mit diesem ebenfalls aufgelöst.

Regimenter 1. Regiment mini|Unteroffizier des 1. Regiments (Zeichnung von Ernest Fort im Archiv des Kriegsministeriums)

Kommandant des 1. Regiments wurde der Colonel Claude Testot-Ferry, von den Dragons de la Garde impériale kommend und ehemaliger Aide de camp von Maréchal Marmont. Die Chefs d’escadron waren: Pierre von den Chasseurs à cheval de la Garde impériale, Delavillane und Lepot von den Grenadiers à cheval de la Garde impériale und der Capitaine de Waldner-Freundstein. Letzterer wurde jedoch bald durch den Chef d’escadron Kister ersetzt.

Die Personal-Sollstärke betrug 53 Offiziere und 1.005 Reiter und gleich viele Pferde.Brunon, 1962, S. 18. Die Mehrzahl der Offiziere – wie Testot-Ferry – war direkt von der Garde impériale übernommen worden. Es kamen aber auch solche von der Linienkavallerie, so dem 4e régiment de dragons, dem 13e régiment de dragons oder dem 3e régiment de hussards.

Weiterhin sollten je 250 Reiter aus jedem der Regimenter der Gardes d’honneur an das 1. Regiment der Éclaireurs abgegeben werden, allerdings wurden jeweils nur etwa ein Drittel davon tatsächlich überstellt. Napoléon entschied daraufhin, Freiwillige zum Erreichen der Sollstärke aufzurufen. Diese sollten den Status der Angehörigen der „Jungen Garde“ erhalten. Weiterhin wurde das Regiment durch die Abordnung von zwei Escadrons der Gardes d’honneur auf sechs Escadrons aufgestockt. Kurz vor der Schlacht bei Craonne wurde die Einheit durch Reiter der Linienkavallerie verstärkt.

Die Unteroffiziere, Brigadiers, Veterinäre und Beschlagschmiede des Regiments sowie die Reiter der 1. Escadron erhielten den Status der Alten Garde, während die anderen Escadrons zur Jungen Garde zählten.Die Soldaten der Alten Garde erhielten einen höheren Sold als die übrigen.

Die Körpergröße der Soldaten war mit 1,78 Meter für die ehemaligen Angehörigen der Grenadiers à cheval, für alle anderen mit 1,60 Meter vorgeschrieben. Damit waren sie verhältnismäßig groß für ihre Pferde, deren Widerristhöhe nur zwischen 1,35 und 1,38 Meter betragen musste.

2. Regiment mini|Ein Éclaireur-dragon (Zeichnung von Adolphe de Chesnel 1861) Der erste Kommandant des 2. Regiments war Colonel-majorColonel als Vertreter des Regimentskommandeurs Leclerc, der aber bereits am 17. Dezember 1813 durch Colonel Laurent Hoffmayer – bis dahin Kommandant des 2e régiment de dragons – ersetzt wurde. Escadronskommandanten waren Parizot und Lebrasseur von den Chasseurs à cheval de la Garde, Toustaint vom 13e régiment de chasseurs à cheval und Bourbon-Busset vom 27e régiment de chasseurs à cheval. Auch hier waren die Chargen der Alten Garde zugeteilt, die Reiter der Jungen Garde. Die Unteroffiziere kamen von verschiedenen Einheiten – aus der Alten Garde, der Linienkavallerie oder auch den Gardes d’honneur. Die Sollstärke betrug 1.000 Reiter in vier Escadrons, dazu kamen noch die Offiziere. Die Aufgaben dieses Regiments waren Kurierdienste, allerdings wurde es in der Praxis zu mannigfaltigen Aufgaben eingesetzt. Im Jahre 1814 mussten die schweren Personalverluste mit allem ausgeglichen werden, was gerade zur Verfügung stand. Es wurden Artilleristen und sogar Matrosen eingegliedert. Im Gegensatz zum 1. Regiment waren hier keine Angehörigen der Gardes d’honneur zu finden. Zu Beginn des Feldzuges in Frankreich 1814 verfügte das Regiment in Paris nur noch über 23 Offiziere, 829 Reiter und 498 Pferde. Nur 502 Mann waren an den ersten Gefechten der Napoleonischen Armee beteiligt. Zwei Monate später bestand das Regiment nur noch aus 200 Reitern.

3. Regiment mini|Trompeter und Maréchal des logis des 3. Regiments, 1813 (Zeichnung von Ernest Fort) Kommandant war Major Jan Leon Kozietulski, Ex-Escadronkommandant im Regiment der Lanciers polonais de la Garde impériale.Brunon, 1962, S. 33. Die 1. Escadron wurde von Szeptycki, die 2. von Skarzynski, die 3. von Józef Bonawentura Załuski und die 4. von Wasowicz kommandiert. Die Offiziere des Stabes kamen alle vom Regiment der Lanciers polonais de la Garde – gehörten also zur Alten Garde, die anderen Offiziere und die Reiter gehörten zur Jungen Garde. Mit einigen Ausnahmen – so die beiden Regimentsärzte – stammten die Offiziere aus Polen.

Am 9. Dezember 1813 wurde das Regiment der 1er lanciers de la Garde von sieben auf vier Escadrons reduziert. Die dadurch freigewordenen Reiter wurden in das 3. Regiment der Éclaireurs überstellt. Zur Komplettierung wurde dann noch auf das polnische Elitebataillon im Rekrutendepot von Sedan zurückgegriffen.Brunon, 1962, S. 34.

Ende Januar 1814 hatte das Regiment einen Personalbestand von 52 Offizieren und 624 Reitern, von denen 640 aus dem Depot in Givet und 36 aus dem Depot in Chantilly kamen. Zwei Monate später betrug der Personalbestand 860 Mann. Nach der Abdankung von Napoleon verließen 597 polnische Reiter den französischen Dienst und kehrten unter dem Kommando von Chef d’escadron Zielonka in ihre Heimat zurück.Brunon, 1962, S. 34, 35.

Kampfhandlungen Die neuen Einheiten nahmen an den Rückzugskämpfen des Jahres 1814 in Frankreich teil, wo sie eine Anzahl von Gefechten gegen die russischen Kosaken bestritten. Weiterhin betrieben sie Aufklärung und Vorpostendienst, waren jedoch hauptsächlich bei Reiterattacken eingesetzt, so in der Schlacht bei Brienne, der Schlacht bei Montmirail und in der Schlacht bei Craonne, wo der Colonel Testot-Ferry das 1. Regiment gegen die russische Artillerie führte. Die Truppe war auch in der Schlacht bei Paris eingesetzt. mini|Éclaireur-dragon (Zeichnung in Histoire des armées françaises de terre et de mer von Abel Hugo)

Von Brienne nach Troyes Die Éclaireurs erhielten ihre Feuertaufe am 29. Januar 1814 in der Schlacht bei Brienne gegen die preußisch-russischen Truppen. Der Capitaine Drion des 1. Regiments wurde hier verwundet. Trotz großer Unterzahl begann Napoléon am 1. Februar 1814 die Schlacht bei La Rothière. Während der Schlacht befahl der Général de division Nansouty dem Général de brigade Dautancourt, mit seiner Brigade die Russen anzugreifen.

Dieser fügte sich und griff die gegnerische Kavallerie und die Infanterie wiederholt an, nach ersten Erfolgen musste sich die Brigade jedoch vor der Übermacht zurückziehen.Pawly, 2006, S. 20, 21. Die Éclaireurs verloren den Capitaine Zaluski, der in Gefangenschaft geriet, und 15 Reiter an Gefallenen und Verwundeten. Am 7. Februar ordnete Napoléon den Rückzug nach Troyes an.

Von Champaubert bis Craonne mini|Attacke der Lanciers polonais von Général Pac im Gefecht bei Berry-au-Bac, 5. März 1814 (Henri Félix Emmanuel Philippoteaux)