mini|hochkant|John R. Bolton (2018) John Robert Bolton (* 20. November 1948 in Baltimore, Maryland) ist ein US-amerikanischer Politiker der Republikanischen Partei und Diplomat. Vom 9. April 2018 bis zu seinem Rücktritt am 10. September 2019 war er Nationaler Sicherheitsberater für US-Präsident Donald Trump. Nach seinem Rücktritt entwickelte sich Bolton zu einem erbitterten öffentlichen Kritiker von Donald Trump, den er in seinen 2020 erschienenen Memoiren als „nicht für das Präsidentenamt geeignet“ bezeichnete.

Bolton gilt als einer der Architekten des Irakkriegs 2003 und war von August 2005 bis Dezember 2006 Botschafter der USA bei den Vereinten Nationen. Bolton wurde als Neokonservativer beschrieben,David Ramm, Bolton, John R. In: Current Biography Yearbook, 2006. wobei er selbst diese Charakterisierung ablehnte.Jacob Heilbrun: They Knew They Were Right. Random House, 2008, S. 266.

Am 16. Oktober 2025 wurde Bolton von einer Grand Jury im Bundesgerichtsbezirk Maryland wegen des unsachgemäßen Umgangs mit geheimen Dokumenten angeklagt und plädierte zunächst auf „nicht schuldig“. Am 26. Juni 2026 bekannte er sich jedoch in einem Anklagepunkt schuldig.

Familie, Ausbildung und Beruf Bolton wurde in Baltimore als Sohn von Virginia Clara „Ginny“ (geb. Godfrey), einer Hausfrau, und Edward Jackson „Jack“ Bolton, einem Feuerwehrmann, geboren.Jay Nordlinger: In: National Review, 12. Januar 2015. Er wuchs in der Arbeitersiedlung Yale Heights auf und qualifizierte sich für die McDonogh School in Owings Mills, Maryland, wo er 1966 seinen Abschluss machte. Er engagierte sich für die Kampagne des rechten Politikers Barry Goldwater bei dessen Präsidentschaftswahlkampf 1964.

Bolton studierte an der Yale University. Dort erwarb er 1970 den Bachelor of Arts und 1974 den Juris Doctor mit summa cum laude. Bill und Hillary Clinton waren seine Kommilitonen.John Bolton, Surrender Is Not an Option: Defending America at the United Nations and Abroad, Threshold, 2007. 1972 war Bolton ein Sommerpraktikant bei Vizepräsident Spiro Agnew. Während dieser Zeit meldete er sich bei der Maryland Army National Guard, womit er einen Kriegsdienst im Vietnamkrieg umging. Später schrieb er, dass er keine Lust hatte, in einem südostasiatischen Reisfeld zu sterben, er habe zu diesem Zeitpunkt den Krieg bereits für verloren gehalten.Ross Goldberg and Sam Kahn: Bolton's conservative ideology has roots in Yale experience. In: Yale Daily News, 28. April 2005. In seinen Memoiren Surrender Is Not an Option äußerte er sich dazu später, er habe nicht bei der Eroberung eines Landes sterben wollen, das dann später von Ted Kennedy zurückgegeben werde. Siehe Brian Urquhart: One Angry Man. In: New York Review of Books, 6. März 2008, S. 12–15.

Von 1983 bis 1985 war Bolton Associate der Anwaltskanzlei Covington & Burling in Washington, wo er auch von 1993 bis 1999 arbeitete. Er war auch Partner in der Anwaltskanzlei Lerner, Reed, Bolton & McManus.

Politische und administrative Laufbahn Unter Reagan und George H. W. Bush 1981 bis 1993 Während der Amtszeiten der Präsidenten Reagan und Bush Senior arbeitete Bolton zunächst für die US Agency for International Development (USAID) (1981–1983) sowie im Anschluss als Assistant Attorney General für das US-Justizministerium (1985–1989) und als Unterstaatssekretär für internationale Organisationen (Assistant Secretary of State for International Organization Affairs) beim US-Außenministerium (1989–1993). Er war auch Vorstandsvorsitzender eines Entschließungskomitees der Republikaner. Vor seiner Mitarbeit in der Regierung Bush war der als neokonservativ eingeschätzte Bolton Senior Vice President für Public Policy Research beim American Enterprise Institute. Zwischen 1997 und 2000 arbeitete Bolton ehrenamtlich in einer persönlichen Gesandtschaft von Kofi Annan in der Westsahara.

Unter George W. Bush 2001 bis 2006 Am 20. Januar 2001 wurde Bush Junior US-Präsident. Am 11. Mai 2001 wurde Bolton als Staatssekretär für Rüstungskontrolle und Internationale Sicherheit (Under Secretary of State for Arms Control and International Security Affairs) vereidigt. In dieser Funktion war er 2003 Delegationsmitglied der Sechsparteiengespräche zum nordkoreanischen Atomprogramm. Aus dieser Delegation wurde er entlassen, nachdem er Kim Jong-il den „tyrannischen Diktator“ eines Landes, in dem für viele „das Leben ein höllischer Albtraum“ sei, genannt hatte. Dem hatte ein nordkoreanischer Sprecher entgegnet: „Solch ein menschlicher Abschaum (scum) und Blutsauger ist für die Teilnahme an diesen Gesprächen ungeeignet.“N.Korea bans U.S. official. In: United Press International, 3. August 2003; Matthew Haag: 3 Examples of John Bolton’s Longtime Hard-Line Views. In: The New York Times, 22. März 2018.

Am 7. März 2005 schlug Präsident Bush ihn als UNO-Botschafter vor. Am 12. Mai 2005 versagte der US-Senat Bolton trotz einer Stimmenmehrheit der Republikaner von 55 zu 45 die Bestätigung: auch konservative Senatoren übten (teils harte) Kritik an Bolton. Ihm wurde unter anderem vorgeworfen, die CIA unter Druck gesetzt zu haben, ihm genehme Berichte zu schreiben. Auch 60 pensionierte US-Diplomaten plädierten in einem Schreiben an die Senatoren gegen die Nominierung Boltons.Lily Rothman: Why John Bolton Couldn’t Get Confirmed as U.S. Ambassador to the United Nations. In: Time, 23. März 2018. Zur Blockade nutzten die Demokraten im Senat das abstimmungstaktische Manöver eines Filibuster, bei dem Anträge auf Ende der Aussprache blockiert wurden, so dass über Boltons Kandidatur aus formalen Gründen nicht abgestimmt werden konnte. Anträge zum Brechen des Filibuster erreichten 57 bzw. 54 von 60 notwendigen Stimmen. Wäre es zu einer tatsächlichen Abstimmung gekommen, hätte Bolton sie nach Einschätzung von Beobachtern gewonnen, da 51 Stimmen ausgereicht hätten.Charles Babington, Jim VandeHei: Democrats Block Vote On Bolton. In: Washington Post, Sheryl Gay Stolberg: Democrats Block a Vote on Bolton for the Second Time. In: The New York Times, 21. Juni 2005. Am 1. August 2005 wurde Bolton von Bush per Dekret ohne Bestätigung des Senates zum UNO-Botschafter ernannt. Die US-Verfassung gestattet dem Präsidenten direkte Postenbesetzungen in den Sitzungspausen („Recess Appointment“). Die Gültigkeit dieser Ernennung lief am Ende der Legislaturperiode des Kongresses aus. Dies war der erste Fall, dass ein US-Botschafter bei der UNO auf diese Weise eingesetzt wurde.

Am 4. Dezember 2006 teilte das Weiße Haus mit, Bolton habe sich entschlossen, für das Amt als Botschafter bei den Vereinten Nationen nach Ablauf der Legislaturperiode nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Vermutlich waren der Grund die Kongresswahlen, bei denen die Demokraten die Mehrheit in beiden Kammern erlangt hatten. Die Demokraten hatten sich seit jeher gegen Bolton als UNO-Botschafter ausgesprochen und hätten eine weitere Kandidatur wohl nicht unterstützt. Alejandro Daniel Wolff übernahm am 1. Januar 2007 interimistisch Boltons Amt; Zalmay Khalilzad wurde sein Nachfolger. Boltons Amtsführung galt, nachdem er jahrelang als scharfer Kritiker der UNO hervorgetreten war, als aggressiv und umstritten; er setzte sich insbesondere für Belange des Staates Israel ein.Tom Barry: Israel’s Man at the UN. In: Counterpunch, 27. Juli 2006.

Nach Bush 2006 bis 2018 2011 teilte der republikanische Politiker Newt Gingrich mit, er werde Bolton zum Außenminister machen, wenn er bei der Wahl 2012 US-Präsident werden sollte.Gingrich: John Bolton will be my secretary of state, 7. Dezember 2011, The Washington Times Nach der Wahl Donald Trumps 2016 zum Präsidenten, dessen Kandidatur Bolton, ein ehemaliger Protegé des früheren US-Außenministers James Baker, zuvor unterstützt hatte, galt Bolton erneut als ein Favorit für dieses Amt.

Von 2013 bis 2018 war Bolton Vorsitzender der rechtskonservativen und islamkritischen Denkfabrik Gatestone Institute. Das Institut zog Kritik auf sich, weil es Falschinformationen und Unwahrheiten viral verbreitete.Carol Matlack: Debunking the Myth of Muslim-Only Zones in Major European Cities. In: Bloomberg.com, 14. Januar 2015; Brennan Weiss: Trump’s new national security adviser chairs a group that has spread false claims about Muslim refugees in Europe. In: Business Insider, 23. März 2018; Heidi Przybyla: John Bolton chaired anti-Muslim think tank. In: NBC News, 23. April 2018.

Nationaler Sicherheitsberater unter Trump 2018 bis 2020 Im März 2018 gab US-Präsident Donald Trump bekannt, dass Bolton ab dem 9. April in der Nachfolge von H. R. McMaster als Nationaler Sicherheitsberater in seine Regierung eintreten wird.Mark Landler, Maggie Haberman: Trump Chooses Bolton for 3rd Security Adviser as Shake-Up Continues. In: The New York Times, 22. März 2018. Seine Nominierung sah die Times of Israel als Zeichen dafür, dass die Regierung Trump vor den anstehenden Gesprächen über das iranische und nordkoreanische Atomprogramm eine harte Linie an der Seite Israels ansteuere.Eric Cortellessa: Bringing in Bolton, White House appears to stiffen against Palestinians, Iran. In: The Times of Israel, 23. März 2018. In der Frage der russischen Einmischung in den Präsidentschaftswahlkampf 2016 hat Bolton jedoch – im Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger – Zweifel an der Involvierung offizieller russischer Stellen geäußert.Cory Bennett: Bolton, McMaster present contrast on Russian hacking. In: Politico, 23. März 2018. Die Neue Zürcher Zeitung urteilte, Boltons „rigider Nationalismus“ passe genau zu Trumps Politik des America First.Peter Winkler: Wer ist John Bolton? Ein Porträt. In: Neue Zürcher Zeitung, 23. März 2018.

Im Juli 2018 forderte Verteidigungsminister Mattis Bolton brieflich auf, sich mit seinen Ministerkollegen besser abzustimmen, namentlich über die aktuelle US-Politik gegenüber Syrien, Russland und Nordkorea. Weder zur Vor- noch Nachbereitung der Treffen Trumps mit Kim Jong-un und Putin hatte Bolton die bis dahin üblichen Gespräche auf Ministerebene zur strategischen Abstimmung, Information und Beratung des Präsidenten anberaumt.Nahal Toosi, Bryan Bender, Eliana Johnson: Cabinet chiefs feel shut out of Bolton’s ‘efficient’ policy process. In: Politico, 25. Juli 2018.

Am 10. September 2019 forderte Präsident Trump Bolton zum Amtsverzicht auf. Er habe in wesentlichen sicherheits- und außenpolitischen Fragen nicht mit Trump übereingestimmt. Kurz darauf reichte Bolton seinen Rücktritt ein, den er nach eigenen Angaben dem Präsidenten bereits am Vorabend angeboten hatte.Quint Forgey: Trump ousts John Bolton as national security adviser. In: Politico, 10. September 2019.Roland Nelles: Was hinter dem Abgang von John Bolton steckt. In: Spiegel Online, 11. September 2019 Präsident Trump kündigte eine Woche später an, er werde Robert C. O’Brien zum neuen Sicherheitsberater ernennen. Donald Trump, Twitter vom 18. September 2019

Zeit nach dem Ausscheiden aus der Trump-Regierung ab 2020 Anfang 2020 gab Bolton bekannt, er werde im Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump vor dem US-Senat zur Ukraine-Affäre aussagen, wenn der Senat ihn per Strafandrohung zur Aussage auffordern werde.spiegel.de 6. Januar 2020: Trumps Ex-Berater Bolton zu Aussage bereit Im Juni 2020 versuchte die US-Regierung unter Donald Trump, die Veröffentlichung von John Boltons Buch The Room Where It Happened (Titel der deutschen Ausgabe: Der Raum, in dem alles geschah), in dem dieser über seine Erlebnisse als Sicherheitsberater während Donald Trumps erster Präsidentschaft berichtete, gerichtlich zu unterbinden. Das Buch charakterisiert Trump als inkompetent und korrupt. Ein Gericht in Washington lehnte eine einstweilige Verfügung jedoch ab. Die Regierung habe nicht hinreichend dargelegt, dass mit einem Veröffentlichungsverbot noch „irreparable Schäden vermieden“ werden könnten, da das Buch bereits gedruckt und international in der Distribution war, mit geplantem Verkaufsbeginn drei Tage später.