Kleider machen Leute ist eine Oper (Originalbezeichnung: „Musikalische Komödie“) in einem Vorspiel und drei Akten von Alexander von Zemlinsky (Musik). Das Libretto von Leo Feld basiert auf der gleichnamigen Novelle aus dem zweiten Band von Gottfried Kellers Novellenzyklus Die Leute von Seldwyla (1874). Die Uraufführung der Erstfassung fand am 2. Oktober oder 2. Dezember 1910 in der Volksoper Wien statt. Eine zweiaktige Neufassung wurde erstmals am 20. April 1922 im Neuen Deutschen Theater in Prag gespielt.

Handlung der Fassung von 1910

Die folgende Inhaltsangabe der Erstfassung folgt den Angaben in Antony Beaumonts Zemlinsky-Biografie, im Harenberg Opernführer, in Heinz Wagners Großem Handbuch der Oper und im Handbuch der Oper von Kloiber/Kunold/Maschka.

Vorspiel

Auf der Landstraße

Unzufrieden mit seinen Geschäften in Seldwyla hat der Schneidergeselle Wenzel Strapinski seine dortige Stellung aufgegeben, um anderswo sein Glück zu suchen. Nachdem er sich an der Stadtgrenze von seinen beiden Mitgesellen verabschiedet hat, sitzt er in seinen Gesellenstücken – einem vornehmen Reisemantel und einer Zobelmütze – auf einem Meilenstein am Straßenrand. Glücklicherweise fährt eine leere Equipage heran. Der Kutscher fragt ihn nach dem Weg nach Goldach und ist bereit, ihn dorthin mitzunehmen.

Erster Akt

Vor dem Wirtshaus „Zur Waage“ in Goldach

Der Prokurist Melchior Böhni umwirbt Nettchen, die Tochter des Amtsrats. Sie weist ihn zurück, da sie zum einen seine selbstgefällige Art abstößt und zum anderen auf eine große Liebe mit einem Adligen hofft. Ihr Vater hätte gegen eine Verbindung der beiden allerdings nichts einzuwenden. Da fährt Strapinski mit der herrschaftlichen Kutsche vor. In seiner vornehmen Kleidung halten ihn alle für einen Edelmann, zumal der Kutscher ihn vor seiner Weiterfahrt als „Graf Strapinski aus Polen“ bezeichnet. Alle umschmeicheln Strapinski, und man deckt den Tisch für seine Mahlzeit. Beim Essen weist Strapinski zunächst die Suppe zurück, akzeptiert aber den Champagner. Schließlich vertilgt er hungrig eine große Pastete. Als sich am Nachmittag die Dorfhonoratioren – der Notar Adam Litumlei, der Stadtschreiber Polykarpus Federspiel, der Möbelhändler Häberlein und der Kachelhändler Pütschli-Nievergelt – zu einer Partie Karten einfinden, spielt Strapinski seine Scharade weiter und schließt sich ihnen für eine Zigarre an. Böhni, Nettchen und ihr Vater kommen hinzu. Strapinski ist entzückt von der Schönheit des Mädchens. Der eifersüchtige Böhni wird argwöhnisch. Ihm sind die von der Schneiderei zerstochenen Finger Strapinskis aufgefallen. Er beschließt, sich in Seldwyla nach dem Fremden zu erkundigen. Da der Kutscher bei seiner Abfahrt offenbar das Gepäck Strapinskis mitgenommen hat, schaffen die anderen eiligst Schlafzeug, Zahnbürsten und anderes als Ersatz herbei. Strapinski denkt darüber nach, ob er die Flucht ergreifen sollte – doch will er Nettchen noch einmal wiedersehen.

Zweiter Akt

Auf dem Gütchen des Amtsrats

Der Amtsrat hat Strapinski und die Honoratioren mit ihren Familien auf sein Gut geladen. Dort spielen die Männer Karten, während sich die Damen beim Kaffee über Kochrezepte unterhalten. Böhni bezweifelt immer noch die Identität des „Grafen“. Strapinski verrät sich beinahe mit seinen Ansichten über die Kleidung in Goldach. Federspiel und Litumleis Tochter Lieselein versuchen, ihn zur Fürsprache für ihre Heirat zu bewegen. Häberlein und Pütschli-Nievergelt suchen seine Unterstützung bei den bevorstehenden Wahlen. Schließlich begeben sich alle zur Mahlzeit ins Esszimmer. Nettchen trägt das Heine-Lied „Lehn’ deine Wang’ an meine Wang“ vor, bei dem sie sich selbst auf dem Klavier begleitet. Strapinski geht in den Garten, weil er sich aus dem Staub machen will. Er will sich jedoch noch von Nettchen verabschieden. Die beiden kommen sich näher, und beide gestehen sich ihre Liebe. Böhni ertappt sie bei einer Umarmung und ruft den Amtsrat. Nettchen erklärt Strapinski kurz erschlossen zu ihrem Verlobten. Die anderen Gäste kommen gratulierend hinzu, und der hocherfreute Amtsrat lädt alle zur abendlichen Feier ins „Waldhaus“ ein. Böhni, der unterdessen in Seldwyla die wahre Identität Strapinskis herausgefunden hat, aber vorerst noch schweigt, ruft alle zum Walzer. Um den „Grafen“ öffentlich zu demaskieren, lädt er ganz Seldwyla zur Verlobungsfeier ein.

Dritter Akt

Ein Tanzsaal im „Waldhaus“ zwischen Goldach und Seldwyla, rückwärts Glaswand, durch die man in den beschneiten Hof sieht

Böhni plant für die öffentliche Bloßstellung des angeblichen Grafen die Aufführung einer Pantomime, bei der ihm Strapinskis früherer Meister und seine Kollegen ihre Mitwirkung zugesichert haben. Böhni teilt ihnen mit, dass er und Strapinski Konkurrenten in der Liebe seien. Die Gesellschaft aus beiden Orten trifft ein. Strapinski und Nettchen fahren in einem Schlitten vor. Böhni lädt alle zu einem Schwank, einem „Schneiderbrauch“, ein. Ein Prologus erklärt die Handlung des pantomimischen Stücks, das den Titel „Kleider machen Leute“ trägt. Der Meister spielt darin den „Wolf im Schafspelz“, und er trägt die gleiche Mütze wie Strapinski. Der so Enttarnte flieht unter dem Spott der Bürger.

Auf der Landstraße

Aus Seldwyla ist Glockengeläut zu hören. Es schneit. Strapinski hat sich im Straßengraben schlafen gelegt, wo ihn Nettchen findet. Er erzählt ihr die Ursache der ganzen Verwechslung und ist bereit, sie aufzugeben. Doch als Böhni und der Amtsrat hinzukommen und Böhni versichert, dass er Nettchen immer noch heiraten wolle, hält sie weiterhin zu Strapinski. Sie holt ihn aus seinem Unterschlupf und erklärt, dass er, auch wenn er nur Schneider und kein Graf sei, doch ein gutes Herz habe. Alle jubeln.

Handlung der Fassung von 1922

Die folgende Inhaltsangabe der Zweitfassung folgt dem Klavierauszug sowie den Angaben in Antony Beaumonts Zemlinsky-Biografie, in Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters, in Reclams Opernlexikon, im Viking Opera Guide und bei Grove Music Online.

Vorspiel

Auf der Landstraße

Unzufrieden mit seinen Geschäften in Seldwyla hat der Schneidergeselle Wenzel Strapinski seine dortige Stellung aufgegeben, um anderswo sein Glück zu suchen. Nachdem er sich an der Stadtgrenze von seinen beiden Mitgesellen verabschiedet hat, sitzt er in seinen Gesellenstücken – einem vornehmen Reisemantel und einer Zobelmütze – auf einem Meilenstein am Straßenrand. Glücklicherweise fährt eine leere Equipage heran. Der Kutscher fragt ihn nach dem Weg nach Goldach und ist bereit, ihn dorthin mitzunehmen.

Zwischenspiel

Erster Akt

In Goldach

Der Prokurist Melchior Böhni umwirbt Nettchen, die Tochter des Amtsrats. Sie fühlt sich jedoch von seiner selbstgefälligen Art abgestoßen und hofft auf ein anderes Glück. Da fährt Strapinski mit der herrschaftlichen Kutsche vor. In seiner vornehmen Kleidung halten ihn alle für einen Edelmann, zumal der Kutscher ihn vor seiner Weiterfahrt als „Graf Strapinski aus Polen“ bezeichnet. Alle umschmeicheln Strapinski, und man deckt den Tisch für seine Mahlzeit. Beim Essen zögert Strapinski zunächst. Doch dann vertilgt er hungrig eine große Pastete. Als sich am Nachmittag die Dorfhonoratioren – der Notar Adam Litumlei, der Stadtschreiber Polykarpus Federspiel, der Möbelhändler Häberlein und der Kachelhändler Pütschli-Nievergelt – zu einer Partie Karten einfinden, spielt Strapinski seine Scharade weiter und schließt sich ihnen für eine Zigarre an. Böhni, Nettchen und ihr Vater kommen hinzu. Strapinski ist entzückt von der Schönheit des Mädchens. Der eifersüchtige Böhni wird argwöhnisch. Ihm sind die von der Schneiderei zerstochenen Finger Strapinskis aufgefallen. Er beschließt, sich in Seldwyla nach dem Fremden zu erkundigen. Da der Kutscher bei seiner Abfahrt offenbar das Gepäck Strapinskis mitgenommen hat, schaffen die anderen eiligst Schlafzeug, Zahnbürsten und anderes als Ersatz herbei. Strapinski denkt darüber nach, ob er die Flucht ergreifen sollte – doch will er Nettchen noch einmal wiedersehen.

Zweiter Akt

Auf dem Gütchen des Amtsrats

Der Amtsrat hat Strapinski und die Honoratioren mit ihren Familien auf sein Gut geladen. Nettchen trägt das Heine-Lied „Lehn’ deine Wang’ an meine Wang“ vor, bei dem sie sich selbst auf dem Klavier begleitet. Schließlich begeben sich alle zur Mahlzeit ins Esszimmer. Strapinski geht in den Garten, weil er sich aus dem Staub machen will. Er will sich jedoch noch von Nettchen verabschieden. Die beiden kommen sich näher, und beide gestehen sich ihre Liebe. Böhni ertappt sie bei einer Umarmung und ruft den Amtsrat. Nettchen erklärt Strapinski kurz erschlossen zu ihrem Verlobten. Die anderen Gäste kommen gratulierend hinzu, und der hocherfreute Amtsrat lädt alle zur abendlichen Feier ins „Waldhaus“ ein. Böhni kocht innerlich vor Eifersucht. Dennoch ruft er alle zum Walzer.

Zwischenspiel: „Der arglistige Böhni“

Das Waldhaus

Die Gesellschaft aus beiden Orten versammelt sich zur Feier im Gasthof. Böhni plant für die öffentliche Bloßstellung des angeblichen Grafen die Aufführung einer Pantomime, bei der ihm Strapinskis früherer Meister und seine Kollegen ihre Mitwirkung zugesichert haben. Strapinski und Nettchen fahren in einem Schlitten vor. Böhni lädt alle zu einem Schwank, einem „Schneiderbrauch“, ein. Ein Prologus erklärt die Handlung des pantomimischen Stücks, das den Titel „Kleider machen Leute“ trägt. Der Meister spielt darin den „Wolf im Schafspelz“, und er trägt die gleiche Mütze wie Strapinski. Die Bürger spotten über den so Enttarnten, der sich jedoch nicht einschüchtern lässt. Er entgegnet, dass sich die Anwesenden selber zum Narren gemacht hätten. Sie selbst hätten vor Ehrfurcht vor ihm scharwenzelt. Schuldig fühle er sich nur vor Nettchen. Die Menge entfernt sich kopfschüttelnd, bis Strapinski und Nettchen allein sind. Er erzählt ihr die Ursache der ganzen Verwechslung und ist bereit, sie aufzugeben. Doch Nettchen hält weiterhin zu ihm: „Kann ich schon keine Frau Gräfin sein, so werd’ ich Frau Meisterin!“

Gestaltung

Instrumentation

Die Orchesterbesetzung der Oper (Fassung von 1922) enthält die folgenden Instrumente:

Holzbläser: drei Flöten (3. auch Piccolo), drei Oboen (3. auch Englischhorn), drei Klarinetten (3. auch Bassklarinette), drei Fagotte (3. auch Kontrafagott) Blechbläser: vier Hörner, drei Trompeten, vier Posaunen, Tuba Pauken, Schlagzeug: Becken, kleine Trommel, große Trommel, Triangel, Tamburin, Rute, Schellen, Xylophon, Glockenspiel, Glocken Harfe Celesta Streicher Bühnenmusik: zwei Klarinetten, zwei Hörner, Trompete, Bassposaune, Klavier, Violine

Libretto

Max Brod schrieb nach der Premiere der Zweitfassung über das Libretto: „Der Text [ist] in guter dramatischer Spannung erhalten, hübsche Verseinfälle und zugespitzte Aktschlüsse machen ihn wirksam.“ Die Reime wirken jedoch gelegentlich trivial, die „feine Figurenzeichnung und lebensechte Psychologie von Kellers Erzählung vergröbert“. Wichtige Elemente der Personencharakterisierung fehlen, wie der ursprüngliche Grund für Strapinskis Wanderung – der mutmaßlich betrügerische Bankrott des Schneidermeisters, der am Ende selbst für die Entlarvung des angeblichen Grafen im Namen der Moral sorgt. Das zugespitzte Ende der Novelle mit Strapinskis Bereitschaft zum Selbstmord fehlt ebenso wie ein Verweis auf die enge Bindung an seine Mutter und deren Erziehung mit dem Ziel eines gesellschaftlichen Aufstiegs.

Musik

Zemlinskys Oper Kleider machen Leute steht in der Tradition des romantischen Lustspiels eines Herrmann Goetz (Der Widerspenstigen Zähmung) oder Hugo Wolf (Der Corregidor). Es handelt sich um eine Komödie der „leisen Töne“. Die Tonsprache steht zwischen Richard Strauss und Arnold Schönberg, erinnert aber auch an die Wiener Operette. Die Ensembleführung gemahnt an die Kunst Wolfgang Amadeus Mozarts.

rahmenlos|links|hochkant=4