mini|St. Gereon in Köln aus dem 4. Jahrhundert, eine der ältesten römisch-katholischen Kirchen Deutschlands mini|Die Herz-Jesu-Kirche in München

Die römisch-katholische Kirche in Deutschland ist eine der beiden großen christlichen Konfessionen in Deutschland. Sie ist in 27 Diözesen organisiert.

Für 2025 gibt die Deutsche Bischofskonferenz die Kirchenmitgliederzahl mit 19.219.601 an, was 23,0 % der Gesamtbevölkerung entspricht. 2024 waren es nach Angaben der Bischofskonferenz 19.769.237 Mitglieder, was 23,7 % der Gesamtbevölkerung entsprochen hatte. Im Jahr 2016 waren 53 % der Katholiken weiblich, 47 % männlich. Im Jahr 2020 hatten 84 % der Katholiken in Deutschland allein die deutsche Staatsangehörigkeit, 16 % hatten daneben oder ausschließlich eine ausländische Staatsangehörigkeit.

Obwohl die römisch-katholische Kirche ihrem Selbstverständnis nach weltumspannend ist (das altgriechische Wort katholikos bedeutet „allgemein“) und keine Nationalkirchen bildet, sind in den einzelnen Ländern Unterschiede und Eigenheiten wahrnehmbar.

Definition In diesem Artikel wird mit dem Begriff „katholische Kirche Deutschlands“ die römisch-katholische Kirche in der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet, nicht jedoch die Alt-Katholische Kirche in Deutschland. Der Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet dagegen gilt auch für Österreich, die Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg, das deutschsprachige Belgien und Südtirol, für die alle zusammen auch der Salzburger Erzbischof nach wie vor den Titel Primas Germaniae innehat. Mit diesem Titel sind allerdings keine Rechte mehr verbunden.

Organisation und Statistik Die Katholiken in Deutschland leben in 8.997 Pfarreien und sonstigen Seelsorgsstellen (Stand: 31. Dezember 2025), die in Dekanaten und Pfarrverbänden zusammengeschlossen sind und zu einem der 27 Erzbistümer oder Bistümer gehören.

Die Bistümer bilden die Deutsche Bischofskonferenz und sind im Verband der Diözesen Deutschlands als Rechtsträger organisiert. Derzeitiger Vorsitzender ist der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer. Des Weiteren existiert für die Bistümer des kirchlichen Bayern die Freisinger Bischofskonferenz unter dem Vorsitz des Erzbischofs von München und Freising Reinhard Kardinal Marx. Der Heilige Stuhl ist in Deutschland durch den Apostolischen Nuntius, aktuell Erzbischof Hubertus van Megen, vertreten. Als Oberhaupt der katholischen Weltkirche hat der Papst auf Grund seines Jurisdiktionsprimats auch in den Teilkirchen ein Weisungsrecht.

Für die Soldaten der Bundeswehr und deren Familien gibt es das Deutsche Militärordinariat mit Sitz in Berlin. Es ist unterteilt in vier Dekanate. Das Militärordinariat ist immediat dem Heiligen Stuhl unterstellt und ernennt einen eigenen Generalvikar. Seit 2011 ist der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck Militärbischof.

Die Bischöfe werden aufgrund der verschiedenen Konkordate von den Domkapiteln aufgrund eines Dreiervorschlags der Römischen Kurie gewählt und anschließend vom Papst ernannt, wobei den Regierungen der Länder ein sogenanntes Erinnerungsrecht in unterschiedlicher Ausführung zugestanden wurde. Im „kirchlichen Bayern“ (Bayern sowie die Pfalz (Bayern)) erhält der Papst einen Dreiervorschlag vom Domkapitel, ist dann aber in seiner Ernennung frei.

Eine Besonderheit der deutschen Kirche ist die weitverzweigte Organisation der Laien in eigenen Gremien. Die Pfarrgemeinderäte werden von den Katholiken der einzelnen Pfarreien gewählt (in der Regel aktives Wahlrecht ab 16 und passives ab 18 Jahren); die Pfarrer berufen noch Mitglieder hinzu. Von den Pfarrgemeinderäten werden Dekanatsräte gewählt, und dann wiederum die Diözesanräte und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Derzeit ist Irme Stetter-Karp Präsidentin des ZdK. Ihm gehören circa 230 Mitglieder aus verschiedensten Bereichen der Kirche und der Gesellschaft an.

In Deutschland existiert ein Kirchensteuersystem, welches den deutschen Bistümern im Vergleich mit den Bistümern anderer Länder zu einer gewissen Finanzkraft verhilft.

Kleriker, geweihtes Leben, haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter 69 Bischöfe sind Mitglied der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (Stand September 2019), es gab 2019 10.891 Welt- und 2.092 Ordenspriester (zusammen 12.983, davon 8.323 im aktiven pastoralen Dienst) und 3.335 Ständige Diakone. In Ordensgemeinschaften lebten 2025 3.027 Männer (2.313 Priester) in 369 klösterlichen Niederlassungen und 8.770 Frauen (1995 gab es 38.293 Ordensfrauen in Deutschland, die überwiegend apostolisch tätigen Gemeinschaften angehören). Im Jahr 2025 gehörten 995 Personen Säkularinstituten an. Opus Dei hatte 2006 knapp 600 Mitglieder und außerdem mehr als 400 aktive Mitarbeiter. Darüber hinaus leben in den deutschen Diözesen etwa 170 geweihte Jungfrauen und zwischen 70 und 80 Diözesaneremiten.Eremiten in Deutschland. In: „Welt und Umwelt der Bibel“, 2/2011, S. 62, Katholisches Bibelwerk e. V. Stuttgart.

Zahlenmäßig stärkste Ordensgemeinschaften in der Bundesrepublik Deutschland sind nach den Benediktinern (486) und Franziskanern (424) die Jesuiten (195). 51 % der Ordensmänner und 18 % der Ordensfrauen sind unter 65 Jahre alt. Es gibt derzeit 45 Novizinnen.

Die katholische Kirche beschäftigte darüber hinaus in Deutschland 2019 3.267 Pastoralreferenten und Pastoralassistenten (1.729 Männer, 1.538 Frauen) und 4.499 Gemeindereferenten und Gemeindeassistenten (966 Männer, 3.533 Frauen).

Weitere Beschäftigte in „Folgediensten“ sind tätig als Kirchenmusiker, Küster, Verwaltungsangestellte und in der Kirche angeschlossenen Einrichtungen und Organisationen (z. B. Caritas mit seinen Diözesan- und Fachverbänden, Altenheime, Krankenhäuser, Kindergärten, Schulen und Bildungseinrichtungen). Insgesamt stehen etwa 100.000 Menschen in hauptamtlichen kirchlichen Diensten. Die Zahl der Ehrenamtlichen in der Jugend-, Sozial- und Altenarbeit, in Beratungs- und Leitungsgremien, als Ministranten, Mitglieder in Chören usw. geht in die Millionen. Die Beschäftigten, auch Dienstnehmende genannt, dürfen nicht streiken und unterliegen keinem Tarifvertrag. Man spricht hier auch vom dritten Weg. mini|Anteil an Katholiken auf Kreisebene nach Zensus 2022

Konfessionelle Einordnung Infolge des im Augsburger Religionsfrieden und im Westfälischen Frieden festgelegten Regionalprinzips war Deutschland bis ins 20. Jahrhundert konfessionell regional weitgehend getrennt. Diese Spaltung relativierte sich mit der Integration der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge aus den Ostgebieten des Deutschen Reiches nach dem Zweiten Weltkrieg. Dennoch kann man den Süden und teilweise den Westen als tendenziell katholisch bezeichnen (z. B. Bistum Passau mit 65,8 %, Bistum Aachen 44,2 % Katholikenanteil 2023).Katholische Kirche in Deutschland: Bevölkerung, Fläche, Katholiken nach (Erz-)Diözesen Kirchenprovinzen 2023 Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, abgerufen am 21. Dezember 2025 Die Einwohner der neuen Bundesländer sowie Berlins, Schleswig-Holsteins, Hamburgs Hessens und Bremens gehören überwiegend keiner der (beiden großen) christlichen Konfessionen an (Stand 2024).FOWID Religionszugehörigkeiten 2019 – Abbildung : Verteilung der Religionszugehörigkeiten auf die Bundesländer, abgerufen am 21. August 2020

Formen und Grad der Teilhabe am kirchlichen Leben Die Zahl der Besucher der sonntäglichen Messfeier nahm in den letzten Jahren stark ab und betrug nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz 2025 noch 6,8 % der Kirchenmitglieder (entspricht ca. 1,30 Mio.) gegenüber 21,9 % der Kirchenmitglieder im Jahre 1990.

2025 wurden 109.028 Menschen getauft. Die Zahl der kirchlichen Trauungen betrug 19.478. Es fanden 152.357 Erstkommunionen, 105.334 Firmungen und 203.496 kirchliche Begräbnisfeiern statt.

Seit einiger Zeit ist die Zahl der Sterbefälle und Kirchenaustritte aus der römisch-katholischen Kirche deutlich höher als die der Taufen, Neuaufnahmen durch Konversion und Wiedereintritte. 2010 erklärten infolge der in diesem Jahr bekannt gewordenen Missbrauchsfälle 181.193 Menschen ihren Austritt, ein Anstieg von 47 % verglichen mit dem Jahr 2009. Die im Durchschnitt höhere Zahl von Kirchenaustritten in der heute etwa gleich großen evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der höhere Katholikenanteil unter den Einwanderern führte dazu, dass die EKD heute ca. zwei Millionen weniger Mitglieder hat als die römisch-katholische Kirche. Dies ist auch bemerkenswert, da 1990 die früher vorwiegend protestantisch geprägten ostdeutschen Bundesländer hinzugekommen sind, deren Bevölkerung heute aber mehrheitlich konfessionslos ist. Im Jahr 2014 erreichte die Zahl der Austritte mit 217.716 bzw. 0,9 % einen neuen absoluten Höchstwert, es gab 2.809 Eintritte und 6.314 Wiedereintritte. (PDF), aufgerufen am 20. Juli 2015. Im Jahr 2019 betrug die Zahl der Austritte 272.668; es gab 2.330 Eintritte und 5.339 Wiedereintritte. In einer repräsentativen Umfrage des Institutes für Demoskopie Allensbach, die im kirchlichen Auftrag im Oktober und November 2009 durchgeführt wurde, bezeichneten sich 17 Prozent der Katholiken als „gläubige Kirchennahe“ (zum Vergleich: 7 % der Protestanten). 37 % der Befragten nannten sich „kritisch kirchenverbunden“ sowie 32 % als „kirchlich distanziert“. 6 % der Katholiken definierten sich als „nicht religiös“, während 3 % sich als „religiös, aber nicht christlich“ und weitere 5 % als „glaubensunsicher“ bezeichnen. Zugleich zeigte sich eine große Unzufriedenheit mit bestimmten Lehrmeinungen. Mit der Lehre zur Empfängnisverhütung zeigten sich nur 9 % zufrieden, die kirchliche Position zur Homosexualität teilten 17 % der Katholiken. Mit dem Zölibat waren 13 % einverstanden, mit der Rolle von Frauen in der römisch-katholischen Kirche 19 %. Höhere Zustimmungswerte gab es für das karitative Engagement (86 %), das Einsetzen für Frieden (77 %) und Menschenrechte (68 %), humane Arbeitsbedingungen (65 %) sowie der Haltung zur Erziehung und Wertevermittlung (54 %). Frankfurter Rundschau vom 17. Juni 2010.

Der Anteil von fremdsprachigen Katholiken an der Gesamtzahl der Katholiken in Deutschland lag 2016 bei 14 %. Gegenüber 2015 erhöhte sich ihre Zahl um rund 45.000 auf 3,36 Millionen (0,6 Prozentpunkte).domradio.de: Katholische Kirche profitiert von Zuwanderung, 2. August 2017 (nach KNA).

Prognose Laut einer vom Forschungszentrum Generationenverträge (FZG) der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg erstellten koordinierten Mitglieder- und Kirchensteuervorausberechnung für die katholische und evangelische Kirche in Deutschland wird sich die Zahl der Kirchenmitglieder in Deutschland bis 2035 um 20 Prozent und bis 2060 um 48 Prozent verringern. Die Zahl der Katholiken werde von 23,3 Millionen im Jahr 2017 auf 18,6 Millionen 2035 (minus 21 Prozent) und 2060 auf 12,2 Millionen sinken.

Im Jahr 2025 erfolgten 307.117 Kirchenaustritte aus der katholischen Kirche Deutschlands.

Geographische Gliederung