Babylotse ist ein bundesweit in Geburtskliniken und Arztpraxen verbreitetes Präventionsprogramm zum vorbeugenden Kinderschutz und zur frühen Gesundheitsförderung von Kindern. Initiator ist die Stiftung Familienorientierte Nachsorge Hamburg SeeYou., auf seeyou-hamburg.de
Der Nachfrage von psychosozialer Unterstützung von Familien wächst stetig. Dabei gilt der Zeitraum von Schwangerschaft, Geburt und früher Kindheit als psychosozial besonders kritische Lebenslage. Mit den Frühen Hilfen haben sich seit 2012 lokale und regionale Unterstützungssysteme für Eltern mit Kleinkindern von 0 bis 3 Jahren herausgebildet. Trotz überzeugender Forschungsergebnisse zur Effektivität und Effizienz von Frühen Hilfen gelingen Früherkennung und Intervention in der Praxis nicht hinreichend. Lotsendienste nach dem Modell Babylotse systematisieren die Überleitung von Familien aus dem Gesundheitssystem heraus in das Netz der Frühen Hilfen und andere soziale Sicherungssysteme. Kern ist die Lotsenfunktion zum Finden und Nutzen der passenden Einrichtungen.Neues Programm „Babylotse“ für werdende Mütter, auf gesund-aufwachsen.ruhr Lotsen sind in Geburtskliniken sowie vereinzelt in gynäkologischen und pädiatrischen Arztpraxen tätig.
Ziele und Zielgruppen Ziel des Programms Babylotse ist die Förderung einer gesunden Kindesentwicklung, unabhängig von der psychosozialen Belastungssituation in der Familie. Das Programm richtet sich an junge Familien im Zeitraum Schwangerschaft, Geburt und frühe Kindheit. Speziell qualifizierte Babylotsen beraten Familien in Geburtskliniken sowie pädiatrischen und gynäkologischen Arztpraxen, um frühzeitig psychosoziale Belastungen zu erkennen und eine erfolgreiche Vermittlung an geeignete Hilfen zu ermöglichen. Das Angebot ist für die Familien freiwillig und kostenlos.
Die Stiftung unterstützt in ganz Deutschland Geburtskliniken, Arztpraxen, Jugendhilfeträger und Kommunen bei der Einführung von Lotsendiensten nach dem Modell Babylotse. Die von SeeYou mitinitiierte Bundesarbeitsgemeinschaft BAG Gesundheit & Frühe Hilfen hilft politischen Entscheidungsträgern, die Notwendigkeit von Lotsensystemen aus dem Gesundheitssystem in andere soziale Sicherungssysteme zu verstehen und setzt sich für eine Regelfinanzierung dieser Leistung ein.
Leistungen und Wirkung Babylotsen führen Aufgaben und Leistungen des Gesundheitssystems, der Sozialhilfe sowie der Kinder- und Jugendhilfe im Sinne eines Case Managements zusammen. Sie vermeiden so unklare Strukturen und Dopplungen im Hilfesystem, die regelhaft zu einer noch größeren Verunsicherung der Familien führen und unnötige Kosten verursachen.
Babylotsen sind typischerweise Sozialpädagogen, in Einzelfällen auch Hebammen, Familienhebammen, Kinderkrankenschwestern oder Vertretern vergleichbarer Berufsgruppen mit Zusatzqualifikation. Sie unterstützen Familien in hochsensiblen und gleichzeitig hochriskanten Lebensphasen effektiv und effizient bei der Bewältigung von Alltagsproblemen sowie bei Erziehungsaufgaben und bei der Lösung von Konflikten und Krisen. Das Spektrum reicht dabei von der Klärung formaler Fragen wie Geburtsanmeldung oder Beantragung von Elterngeld über Sorgen und Ängste rund um die Geburt und das Leben mit einem Neugeborenen bis hin zu existenziellen Problemen wie ungeklärtem Aufenthaltsstatus, Wohnungslosigkeit oder Gewalt in der Partnerschaft. Sie verfügen über Expertenwissen bezüglich des örtlichen Netzwerkes und können Familien somit effektiv in geeignete, wohnortnahe Unterstützungsangebote überleiten.
Das Programm führt nachweislich zu einer früheren und stabileren Inanspruchnahme Früher Hilfen. Ein positiver Effekt auf die Eltern-Kind-Beziehung und letztlich auf die kindliche Entwicklung wird postuliert. Untersuchungen belegen zudem eine signifikante Stärkung der Selbstwirksamkeitserwartung der Mütter.S. Pawils, A. Schwinn, U. Koch, F. Metzner, F. Reiß: Babylotse Hamburg – modellhafte Evaluation der Wirksamkeit eines Sozialen Frühwarnsystems. Endbericht. 2010. Auszüge in: S. Pawils, C. Wendt, F. Metzner, M. Härter: Ambulanter Babylotse Hamburg – modellhafte Evaluation der Wirksamkeit eines Sozialen Frühwarnsystems im ambulanten Setting. Endbericht. 2013. Auszüge in:
Seit 2015 trägt das Programm Babylotse das Gütesiegel „Wirkt!“ von Phineo.
Entstehung und Verbreitung Das Programm wurde in Hamburg auf Initiative des Kinderarztes Dr. Sönke Siefert am Katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift entwickelt. Als erste Geburtsklinik hat 2007 das Katholische Marienkrankenhaus Hamburg das Programm eingeführt. Durch Beratungs- und Fortbildungsleistungen gelang eine Übertragung auf Standorte in ganz Deutschland. Zur Qualitätssicherung und -entwicklung dient ein bundesweiter Qualitätsverbund.Qualitätsverbund Babylotse
Babylotsen sind in Geburtskliniken und Arztpraxen in 62 Kommunen bundesweit aktiv (Stand: 31. Dezember 2025). Aufgrund der sinkenden Zahl an Geburtskliniken im Zuge der Gesundheitsreform 2024 gehen Lotsendienste vereinzelt in kommunalen Strukturen bzw. in der ambulanten Versorgung durch Gynäkologen und Pädiater auf. Anstellungsträger sind häufig die Kliniken, in einigen Fällen sind die Babylotsen aber auch bei externen Trägern angestellt (z. B. bei einem anerkannten Träger der freien Jugendhilfe oder einem kommunalen Träger)., auf seeyou-hamburg.de
Baden-Württemberg: Bad Mergentheim: Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim Lörrach: St. Elisabethen-Krankenhaus Achern: Ortenau Klinikum Achern Lahr: Ortenau Klinikum Lahr-Ettenheim Kehl: Ortenau Klinikum Offenburg-Kehl Öhringen: Hohenloher Krankenhaus gGmbH (Öhringen)
Bayern: Regensburg: (Babylotse in der Arztpraxis) Würzburg: Universitätsfrauenklinik Würzburg
Berlin: DRK Kliniken Berlin Westend Evangelisches Waldkrankenhaus Spandau HELIOS Klinikum Berlin-Buch Martin-Luther-Krankenhaus Sana Kliniken Berlin-Brandenburg St. Joseph Krankenhaus Charité (Campus Virchow-Klinikum und Mitte) Vivantes Klinikum Kaulsdorf Vivantes Klinikum Neukölln Vivantes Auguste-Viktoria Klinikum Vivantes Klinikum am Urban (Kreuzberg) Vivantes Klinikum im Friedrichshain Caritas Klinikum Pankow (Maria Heimsuchung) DRK Kliniken Köpenick Evangelisches Krankenhaus Waldfriede Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe gGmbH Vivantes Humboldt-Klinikum Berlin (Babylotse in der Arztpraxis)
Brandenburg: Bad Saarow: Helios Klinikum Bad Saarow Neuruppin: Universitätsklinikum Ruppin-Brandenburg
Bremen: Krankenhaus St.-Joseph-Stift
Hamburg: Agaplesion Diakonieklinikum Albertinen Krankenhaus Asklepios Klinik Altona Asklepios Klinik Barmbek Asklepios Klinik Nord Asklepios Klinik Wandsbek Bethesda Krankenhaus Ev. Amalie Sieveking-Krankenhaus Marienkrankenhaus Helios Kliniken Mariahilf Klinik Stiftung SeeYou (Babylotse in der Arztpraxis)
Hessen: Bad Homburg: Hochtaunus-Kliniken Bad Soden: Kreiskrankenhaus Bad Soden Frankenberg (Eder): Kreiskrankenhaus Frankenberg Frankfurt: Bürgerhospital Frankfurt Frankfurt: Hospital zum Heiligen Geist Frankfurt: Klinikum Frankfurt Höchst Frankfurt: Universitätsklinikum Frankfurt: St. Elisabeth-Krankenhaus Frankfurt: (Babylotse in der Arztpraxis) Fulda: Klinikum Fulda Fulda: Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda gGmbH Gelnhausen: Main-Kinzig-Kliniken Hanau: Klinikum Hanau Hanau: St. Vinzenz-Krankenhaus Hanau Korbach: Stadtkrankenhaus Korbach Limburg: St. Vincenz-Krankenhaus Limburg Offenbach: Ketteler-Krankenhaus Offenbach: Sana Klinikum Rüsselsheim: GPR Klinikum Schwalmstadt: Asklepios Klinikum Schwalmstadt Fritzlar: Hospital zum Heiligen Geist Wiesbaden: Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden Wiesbaden: St. Josefs-Hospital Mecklenburg-Vorpommern: Rostock: Klinikum Südstadt Rostock
Niedersachsen: Hameln: Sana-Klinikum Hannover: Diakovere Krankenhaus gGmbH (Friederikenstift und Henriettenstift) Hannover: Klinikum Rübenberge Hildesheim: Helios Klinikum Hildesheim: St. Bernward Krankenhaus GmbH Holzminden: (Babylotse in der Arztpraxis) Nordhorn: Euregio-Klinik Albert-Schweitzer-Straße GmbH Oldenburg: (Babylotse in der Arztpraxis) Osnabrück: Marienhospital Osnabrück: Klinikum Osnabrück Sozialdienst katholischer Frauen Cloppenburg (Babylotse in der Arztpraxis) Sozialdienst katholischer Frauen Oldenburg (Babylotse in der Arztpraxis) Sozialdienst katholischer Frauen Vechta (Babylotse in der Arztpraxis)
Nordrhein-Westfalen: Bochum: Augusta-Kranken-Anstalten Bochum: St. Elisabeth Hospital Datteln: St. Vincenz-Krankenhaus Dortmund: Knappschaftskrankenhaus Dortmund – Klinikum Westfalen Dortmund: Klinikum Dortmund gGmbH Dortmund: St.-Johannes-Hospital Dortmund: St.-Josefs-Hospital Düren: St. Marien-Hospital Düsseldorf: Marien-Hospital Düsseldorf Gelsenkirchen: Marienhospital Gelsenkirchen Hagen: Agaplesion Allgemeines Krankenhaus Hagen Hamm: Evangelisches Krankenhaus Hamm GmbH Hamm: St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen Herford: Mathilden Hospital Herford Herford: Kreiskliniken Herford-Bünde (AöR) – Klinikum Herford Herne: St. Anna Hospital Herne: Marienhospital Münster: Clemenshospital Münster Münster: St. Franziskus-Hospital Münster: Universitätsklinikum Münster
Sachsen: Chemnitz: DRK-Krankenhaus Chemnitz-Rabenstein Chemnitz: Klinikum Chemnitz gGmbH
Sachsen-Anhalt: Aschersleben: AMEOS Klinikum Aschersleben-Staßfurt Lutherstadt Wittenberg: Ev. Krankenhaus Paul Gerhardt Stift Lutherstadt Wittenberg: Johannesstift Diakonie Lutherstadt Wittenberg Stendal: Johanniter-Krankenhaus GmbH Magdeburg: Klinikum Magdeburg
Thüringen: Gera: SRH Wald-Klinikum Saalfeld-Rudolstadt: Thüringen-Kliniken gGmbH Sömmerda: (Babylotse in der Arztpraxis)
Ehemaligen Stationen
Wird nicht mehr Angeboten seit 2026
Eschwege: Klinikum Werra-Meißner Fulda: Helios St. Elisabeth Klinik Hünfeld Castrop-Rauxel (Babylotse in der Arztpraxis) Halle: Krankenhaus St. Elisabeth
Kindzentrierte Psychosoziale Grundversorgung im Ambulanten Sektor (Kid-Protekt) Das vom Innovationsfonds des G-BA geförderte Projekt Kid-Protekt (Projektlaufzeit 09/2018 – 08/2021) wurde in zwölf Frauenarztpraxen und elf Kinder- und Jugendarztpraxen in Hamburg und der Metropolregion (Niedersachsen, Schleswig-Holstein) umgesetzt. Ziel war eine bessere Unterstützung von Schwangeren und Eltern in schwierigen Lebensumständen. Basierend auf den Erkenntnissen aus dem Programm Babylotse wurden die bestehenden Vorsorgeuntersuchungen um eine psychosoziale Belastungsanamnese erweitert. Eine in der Arztpraxis systematisch durchgeführte psychosoziale Belastungsanamnese konnte helfen, Belastungsfaktoren und damit potenzielle Risikofaktoren, die eine gesunde Kindesentwicklung gefährden können, frühzeitig zu erkennen. Hierfür wurden die bestehenden Routineuntersuchungen zur Schwangerenvorsorge bzw. zur Früherkennung von Krankheiten bei Kindern und Jugendlichen gezielt um Fragen zur psychosozialen Situation erweitert. Bei erkennbarem Unterstützungsbedarf erhielten Familien Empfehlungen zur Inanspruchnahme regionaler Hilfsangebote sowie Informationsmaterial. Bei komplexeren Problemlagen konnte es hilfreich sein, dass eine sozialpädagogische Fachkraft mit Lotsenfunktion die weitere Klärung von Anliegen übernahm, die Familie begleitete und an wohnortnahe Hilfsangebote überleitete. Grundlage war eine umfassende Qualifizierung des medizinischen Fachpersonals in der Früherkennung psychosozialer Belastungen sowie im Themenfeld Frühe Hilfen.