Johannes Konstantin Göldel (* 17. April 1891 in Leipzig; † 1952Peter Helbig, Michael Liebmann, Thomas Nabert, Horst Riedel (Hrsg.): Schleußig. Ein Leipziger Stadtteillexikon. Pro Leipzig, Leipzig 2020, ISBN 978-3-945027-39-4, S. 15.) war ein deutscher Bildhauer.

Leben Göldel studierte nach einer Lehre zum Steinmetz an der Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig. Nach dem Studium arbeitete er freischaffend. Sein Atelier befand sich in Leipzig, Delitzscher Straße 2–14, für den Steintransport zweckmäßigerweise am Freiladebahnhof. Zeitweilig war er auch als Lehrer an der Kunstgewerbeschule Leipzig tätig.

Göldel schuf Denkmäler, figürliche Gruppen und Tierdarstellungen vornehmlich aus Kalkstein, Travertin und Porphyrtuff. Auf dem Gebiet der dekorativen Bauplastik arbeitete er vor allem mit Architekten des Art déco zusammen. mini|hochkant=2.1|Die Figuren am Petershof (2014) Sein Hauptwerk sind sieben Figuren aus Cannstatter Travertin an der Fassade des 1929 fertiggestellten Messehauses Petershof, die durch beigegebene Symbole Künste und Berufe darstellten. Göldel gab jeder der Figuren die Gesichtszüge einer Person, die für den Bau des Gebäudes bedeutend war, so z. B. der Architekt Alfred Liebig, der Oberbürgermeister Karl Rothe und der Bankier Hans Kroch. Letzterer war Jude, weshalb 1938 alle Figuren entfernt wurden. alternativtext=Einzig erhaltene Originalfigur (2026)|mini|hochkant=0.45|Erhaltene Originalfigur (2026) Nach der Demontage wurden die Figuren nicht eingelagert. Es bestand damals aus besagten Gründen kein öffentliches Interesse an deren Erhaltung. Soweit möglich wurden die Portraitfiguren an die dargestellten Personen bzw. deren Familien übergeben. Alfred Liebig nahm die Figur in Privatbesitz und stellte sie vor seinem damaligen Wohnhaus in Leipzig‑Leutzsch auf.

Während die anderen Figuren verschwanden, zerstört wurden oder verloren gingen, blieb alleinig die Liebig‑Figur im Privatbesitz der Familie und überstand so alle politischen Umbrüche. Die 2,6 m hohe Figur vor der Philipp-Reis-Straße 3 in Leutzsch aus Travertin ist ein historisches Artefakt. Sie ist die einzige erhaltene Originalfigur des gesamten Figurenprogramms am Petershof.

1994 schuf der Leipziger Bildhauer Markus Gläser Repliken in Zementguss, die im Folgejahr am Gebäude aufgestellt wurden.

Göldel lebte auch zeitweilig in Borsdorf bei Leipzig. Für diese Gemeinde schuf er ein bemerkenswertes Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Eine Frau mit einem Stahlhelm als Allegorie der Germania kniet über einem Löwinnenkopf. Das Schwert hält sie im Rücken, trotzige Trauer symbolisierend. 1938 nahm Göldel an der Großen Deutschen Kunstausstellung in München mit der Gips-Plastik Liegendes Reh teil, die Hitler für 1200 RM erwarb.Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Deutsches Historisches Museum, Haus der Kunst, Bildbasierte Forschungsplattform zu den Großen Deutschen Kunstausstellungen 1937–1944 in München: Liegendes Reh (Tierfigur). Eine von Göldel 1938 geschaffene etwa drei Meter hohe Darstellung einer vierköpfigen Familie aus Rochlitzer Porphyrtuff an einem Wohnhaus in Leipzig-Stötteritz ist die größte in Leipzig erhaltene Plastik aus der nationalsozialistischen Zeit.

Im Dezember 1946 nahm Göldel in Grimma an der vom FDGB veranstalteten Kunstausstellung teil. Über die Zeit danach und das Lebensende Göldels ist nichts bekannt.Allgemeines Künstlerlexikon Bd. 56, S. 519.

Ehrungen In Borsdorf wurde eine Straße nach ihm benannt.

Werke 1916: Bauplastik an der Deutschen Bücherei 1927: Art-déco-Bauplastik an der Höheren Textilfachschule in Reichenbach im Vogtland

1927: Kreuzigungsgruppe an der Kirche St. Marien in Reichenbach im Vogtland 1920er Gefallenendenkmal (Germania) in Borsdorf 1929: Sieben Fassadenfiguren am Petershof Leipzig 1930: Skulptur über dem Eingangsportal des Krematoriums Reichenbach im VogtlandDas Krematorium Reichenbach. In: Ulrich Hübner: Kunst und Architektur der deutschen Feuerbestattungsanlagen im historischen Kontext. Unter besonderer Berücksichtigung der Krematorien in Sachsen . Technische Universität Dresden, Diss., Dresden 2013, , S. 165–174 (168). 1933: Bethanienkirche Leipzig: Büste Johann Sebastian Bach und Gefallenen-Ehrenmal in der Taufkapelle 1939: Großplastik Familie, Leipzig-Stötteritz, Naunhofer Straße 18

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Bildhauer (Leipzig) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1891 Kategorie:Gestorben 1952 Kategorie:Mann