mini|Die St.-Bartholomäus-Kirche und das Blankenburger Schloss mini|Innenraum-Panorama Die Bergkirche St. Bartholomäus ist eine evangelisch-lutherische Kirche in Blankenburg (Harz). Sie gehört seit 1992 zur Propstei Bad Harzburg der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig und ist eine Station auf dem Harzer Klosterwanderweg.

Baugeschichte mini|Grabmal des Grafen Ernst von Blankenburg-Regenstein Der Bau der dreischiffigen romanischen Pfarrkirche wurde 1186/1246 unter Graf Siegfried II. von Blankenburg begonnen. 1203 wird mit Theodericus plebanus de Blankenburg der erste Pfarrer erwähnt.

1252 wurde die Pfarrkirche zur Klosterkirche für ein Doppelkloster (weltliches Chorherrenstift und Zisterzienserinnen) umgebaut. Dabei wurde der Chorraum im Osten im gotischen Stil verlängert, zwei Seitenkapellen in der Flucht der Seitenschiffe und die Nonnenempore über der südlichen Kapelle erbaut. Die Nordseite der Kirche erhielt gotische Fenster. Die Umbauten wurden unter dem Grafen Heinrich II. fertiggestellt. Vermutlich stammen aus dieser Zeit auch die Stifterfiguren im Chorraum, die wahrscheinlich die vier Brüder Heinrich II., Hermann (Bischof von Halberstadt), Siegfried und Burchardt (später Erzbischof von Magdeburg) darstellen.

Nach der Aufhebung des Chorherrenstifts 1305 diente das Nonnenkloster zur Versorgung unverheirateter Töchter der Blankenburger Grafen und ihrer Beamten. Es wurde im Zuge der Reformation 1532 aufgehoben. Damit wurde die St.-Bartholomäus-Kirche wieder zur Pfarrkirche. Bis zum Aussterben der Blankenburg-Regensteiner Grafen war das Gebäude außerdem deren Grablege; davon zeugt auch das renaissancezeitliche Grabmal des Grafen Ernst I. von Regenstein († 1581) und seiner Frau Barbara an der südlichen Innenwand. Nach dem Bau der ursprünglich als Garnisonkirche errichteten Katharinenkirche 1735, die zur Hauptkirche Blankenburgs wurde, verlor St. Bartholomäus an Bedeutung.

1887/91 und 1960/62 wurde die Kirche grundlegend saniert. Eine weitere Innenrenovierung wurde 1990 im Wesentlichen durch Prinz Ernst August von Hannover finanziert.

Ausstattung mini|x200px|Denkmal für die 1815 gefallenen Blankenburger Bürger Im Zusammenhang mit dem Umbau zur Klosterkirche erhielt der Chorraum vier Stifterfiguren. Sie zeigen die Grafen, die Bau und Ausstattung des Nonnenklosters finanzierten: an der Nordseite Siegfried II. und Siegfried III., die das Geld zur Gründung des Klosters gaben; an der Südseite Graf Heinrich II. und Bischof Hermann von Halberstadt, die zur Finanzierung der Verlegung nach Blankenburg beitrugen. In der Sakristei befindet sich ein Sakramentshäuschen aus gleicher Zeit.

Die Renaissancekanzel mit der Darstellung der Tugenden Glaube (fides), Liebe (caritas), Hoffnung (spes) und Gerechtigkeit (iustitia) wurde 1582 von dem Superintendenten Leonhard Schweiger gestiftet. Die barocke Altarwand im Chor ist eine Stiftung des Herzogs Anton Ulrich von Braunschweig aus dem Jahr 1712. Der Taufstein wurde 1744 aus Rübeländer Marmor geschaffen.

Im Rahmen einer umfassenden Renovierung der Kirche in den Jahren 1887 bis 1891 schuf die Firma Gustav Kuntzsch aus Wernigerode ein neues Orgelgehäuse, lieferte das Chorgestühl und restaurierte die Kreuzigungsgruppe.Evangelisch-lutherische Landeskirche in Braunschweig – Landeskirchliches Archiv –, Akte Pa Blankenburg St. Bartholomäus 58 (Kirchenbau, 1887–1895, 1929–1930, 1937).

Die Sakristei erhielt 1964 ein Buntglasfenster mit Motiv nach Psalm 124.

Für den 1815 gefallenen Herzog Friedrich Wilhelm, der als „Schwarzer Herzog“ große Bekanntheit erlangte, und für die Gefallenen Einwohner der Stadt Blankenburg wurde ein kreuzförmiges Denkmal im westlichen Eingangsbereich der Kirche angebracht.

Orgel mini|Orgel 1676 wurde eine bereits vorhandene kleine Orgel erweitert. Die Orgel wurde im Laufe der Zeit mehrfach überholt und modifiziert. 1838/39 erbaute Wilhelm Boden (Halberstadt) eine neue Orgel im Stil der Romantik. Das Pfeifenmaterial der barocken Vorgängerorgel wurde teilweise wieder verwendet. Der heutige Orgelprospekt stammt aus dem Jahre 1891. Ein weiterer umfassender barockisierender Umbau wurde 1931 nach den Grundsätzen der Orgelbewegung durch die Hannoveraner Orgelbauanstalt Furtwängler & Hammer vorgenommen. 2009/10 wurde das Instrument von Jost Truthman aus Frankfurt (Oder) grundlegend saniert.organindex.de, aufgerufen am 22. Juli 2018Zur Disposition

I Hauptwerk C–a3 1. Bordun 16′ 2. Prinzipal 8′ 3. Dulzianflöte 8′ 4. Holzflöte 8′ 5. Oktave 4′ 6. Gemshorn 4′ 7. Quinte ′ 8. Oktave 2′ 9. Terz ′ 10. Mixtur IV 11. Trompete 8′ II Oberwerk C–a3 12. Rohrflöte 8′ 13. Salizional 4′ 14. Prinzipal 4′ 15. Gedacktflöte 4′ 16. Flautino 2′ 17. Nasard ′ 18. Blockflöte 1′ 19. Mixtur III 20. Krummhorn 8′ Tremulant III Schwellwerk C–a3 21. Geigenprinzipal 8′ 22. Viola 8′ 23. Voix celeste 8′ 24. Konzertflöte 8′ 25. Spitzflöte 4′ 26. Piccolo 2′ 27. Oboe 8′ Pedal C–f1 28. Violon 16′ 29. Subbass 16′ 30. Prinzipal 8′ 31. Bassflöte 8′ 32. Oktave 4′ 33. Posaune 16′ Koppeln: II/I, III/I (auch als Suboktavkoppel), III/II, III/III (Superoktavkoppel), I/P, II/P, III/P

Geläut Von den vier 1858 angeschafften Bronzeglocken wurden drei im Ersten Weltkrieg für Kriegszwecke eingeschmolzen und 1922 durch drei Gussstahlglocken ersetzt. 2004 erhielt die Kirche ein neues, teilweise in Lauchhammer gegossenes Geläut von drei Glocken.

Die Glocken mit den Schlagtönen d′ und f′ wurden aus dem alten Geläut übernommen. Eine in der NS-Zeit 1936 gegossene Glocke aus Michaelstein mit dem Ton a′ wurde nach langer Diskussion und Anbringung einer Mahntafel wieder aufgehängt. Die große Glocke heißt St. Bartholomäus, die mittlere St. Katharina und die kleine St. Michael. Sie sollen an den Zusammenschluss der früher eigenständigen Kirchengemeinden zu einer Ev.-luth. Kirchengemeinde Blankenburg erinnern.

Pfarrer 1560–1597: Leonhard Schweiger 1599–1614: Georg Förster 1614–1625: Otto Linde 1625–1637: Joachim Heidmann 1637–1672: Johannes Herweg 1672–1722: Nicolaus Sauerwaldt 1722–1732: Christoph Lieberkühn 1732–1764: Johann Georg Hagemann 1764–1778: Ludwig Rudolf Schiller 1779–1801: Heinrich Gottlieb Nyssenius 1801–1803: Johann Heinrich August Schulze 1804–1815: Johann Heinrich Wilhelm Ziegenbein 1815–1822: Dietrich Joachim Theodor Cunze 1824–1842: Gottlieb Heinrich Friedrich Leopold 1843–1867: Carl Lentz 1868–1872: Carl Kelbe 1873–1885: Heinrich August Ludwig Rose 1886–1890: Günter Schönermarck 1891–1896: Friedrich Broistedt 1897–1915: Eugen Schlüter 1916–1934: Ottmar Palmer 1934–1938: Friedrich Nümann 1938–1947: Adolf Kellner 1947–1969: Konrad Minkner sen. 1969–1999: Konrad Minkner jun. Vereinigung zur Gemeindepfarre Blankenburg (Harz) 2002–2006: Ulrich Kurzbach 2006–2008: Vertretung durch Oliver Meißner 2008–2015: Sabine Beyer 2016– : Eckehart Winde

Literatur Heinrich Brinckmann: Das Bartholomäus-Kloster und die Bartholomäus-Kirche in Blankenburg a/H., in: Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde 19 (1886), S. 286–312. Claudia Lundbeck: St. Bartholomäus Blankenburg, Blankenburg (Harz) 2013. Gustav Sander: Kirche und Kloster St. Bartholomäus in Blankenburg (Heimatblätter für Blankenburg am Harz und Umgebung, Nr. 55), Blankenburg (Harz) 1935. Karl Steinacker: Das Problem der Bartholomäuskirche in Blankenburg a. H., in: Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde 47 (1914), S. 267–281. Karl Steinacker: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Blankenburg (Die Bau- und Kunstdenkmäler des Landes Braunschweig, Bd. 6), Wolfenbüttel 1922. Rudolf Steinhoff: Das Bartholomaeus-Kloster und die Bartholomaeus-Kirche in Blankenburg, in: Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde 18 (1885), S. 161–179.

Weblinks

Webseite der evangelischen Kirchengemeinde Blankenburg www.harzlife.de

Einzelnachweise

Bartholomaus Bartholomaus Kategorie:Kirchengebäude im Landkreis Harz Kategorie:Kirchengebäude der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig Kategorie:Bartholomäuskirche Kategorie:Gotische Kirche Kategorie:Gotisches Bauwerk in Sachsen-Anhalt Blankenburg Bartholomaus