Das Appartement ist eine US-amerikanische Liebeskomödie von Billy Wilder in Schwarzweiß aus dem Jahr 1960 mit Jack Lemmon und Shirley MacLaine in den Hauptrollen. Zusammen mit seinem langjährigen Drehbuchautor I. A. L. Diamond produzierte Wilder den Kinofilm für United Artists. Der Film erhielt zahlreiche Preise, darunter fünf Oscars.
Handlung Der kleine Angestellte Baxter arbeitet in einem New Yorker Versicherungskonzern „Consolidated Life“. Er dient sich nach oben, indem er sein Junggesellen-Appartement an der Westside von Manhattan leitenden Angestellten als Liebesnest zur Verfügung stellt. Manchmal muss er stundenlang auf einer Parkbank im Central Park in der Kälte sitzen, bis er wieder in seine Wohnung zurück kann.
Eines Tages trifft sich dort Personalchef Mr. Sheldrake ausgerechnet mit der Fahrstuhlführerin Fran Kubelik, auf die auch Baxter ein Auge geworfen hat. Auf der betrieblichen Weihnachtsfeier wird ihm klar, dass seine Angebetete Sheldrakes Geliebte ist. Er erkennt ihre Puderdose mit dem zerbrochenen Spiegel wieder, die sie in seinem Appartement vergessen hat. Er ertränkt seinen Kummer in Alkohol und will sich mit einer Zufallsbekanntschaft trösten. Doch als er wieder zu Hause ist, findet er Miss Kubelik in seinem Schlafzimmer ohnmächtig auf dem Bett vor. Nachdem sie auf der Weihnachtsfeier von Sheldrakes Sekretärin erfahren hatte, dass dieser vor ihr schon Affairen mit zahlreichen anderen Frauen aus der Firma hatte, war ihr aufgegangen, dass sie von Sheldrake nur ausgenutzt wird. Daraufhin versuchte sie, sich aus Enttäuschung und Liebeskummer mit Schlaftabletten das Leben zu nehmen. Baxter ruft seinen Nachbarn Dr. Dreyfuss, der bereitwillig Erste Hilfe leistet, nicht ohne den scheinbar rücksichtslosen Lebenswandel des Junggesellen zu kritisieren.So redet er – offenbar (wie Wilder) deutschsprachiger Emigrant – Baxter ins Gewissen, in der englischen Originalversion mit den Worten „Be a Mensch!“, was für ihn mehr ist als ein „human being.“ Die Patientin erholt sich in Baxters Bett allmählich.
Baxter sorgt dafür, dass Mr. Sheldrake keine Schwierigkeiten bekommt. Um Miss Kubelik aufzumuntern, spielt er mit ihr Gin-Rommé. Als sie wieder halbwegs auf den Beinen ist, wird sie von ihrem Schwager Karl Matuschka abgeholt, der sich über ihren Selbstmordversuch sehr aufregt. Um sie zu schützen, behauptet Baxter, er sei der Schuldige und kassiert dafür Prügel. Sie hat zwar erkennen müssen, dass Sheldrake sie ausgenutzt hat, doch als der kurz darauf angeblich ihretwegen seine Frau verlässt, schwenkt sie noch einmal um. Tatsächlich hat Sheldrake jedoch weiterhin nicht die Absicht, sich offen zu Fran zu bekennen. Er ist in Wirklichkeit von seiner Frau vor die Tür gesetzt worden, nachdem er seine Sekretärin wegen des Gesprächs mit Fran gefeuert hat und diese daraufhin seiner Frau von seinen Affairen erzählt hat.
Am Ende muss sich Baxter entscheiden: will er die Karriereleiter um jeden Preis nach oben klettern? Baxter verweigert Sheldrake ab sofort den Zugang zu seinem Appartement und verliert so seinen Job. Als Kubelik bei der Silvesterfeier davon erfährt, trennt sie sich endgültig vom Personalchef. Sie hat erkannt, dass Baxter sie tatsächlich liebt, und eilt zu ihm. Dieser hat mittlerweile beschlossen, ein neues Leben anzufangen. Auf den gepackten Koffern in Baxters Appartement entdeckt sie die Gin-Rommé-Karten. Anstatt auf eine Liebeserklärung von Baxter zu antworten, drückt sie ihm die Karten in die Hand mit der Aufforderung „Halt den Mund und gib!“.
Hintergrund Wilder kam die Idee zu diesem Film, nachdem er den Film Begegnung (1945) gesehen hatte und sich fragte, wie wohl die Zwangslage eines Menschen aussieht, der anderen Pärchen seine Wohnung abtritt. Shirley MacLaine bekam zunächst nur die ersten vierzig Seiten des Drehbuchs zu sehen, weil Wilder nicht wollte, dass sie zu früh den Ausgang der Geschichte kannte. Sie soll angenommen haben, als das Drehbuch noch nicht fertig war. Billy Wilder äußerte später, The Apartment nie als Komödie betrachtet zu haben.Billy Wilder in einem Cinema-Interview. Zitiert nach: Claudia Lillge: Das Apartment [sic]. In: Heinz-B. Heller, Matthias Steinle (Hrsg.): Filmgenres. Komödie. Reclam, Stuttgart 2005 (RUB), ISBN 978-3-15-018407-3, S. 301–305, hier 304. So schrieb auch Michael Freedland in seiner Jack-Lemmon-Biografie, „strenggenommen“ sei The Apartment „überhaupt keine Komödie“.
Shirley MacLaine improvisierte zum Ärger von Wilder oft ihre Dialoge. Nach der Premiere erklärte er, die „Stegreif-Manier“ habe sie abgelegt und gelernt „wirklich hart zu arbeiten an jeder Bewegung und jeder Textzeile“.
Die Szene in dem riesigen Großraumbüro zu Beginn des Films ist optisch eine Reverenz an King Vidors Stummfilm Ein Mensch der Masse.The Apartment auf rogerebert.suntimes.com, 22. Juli 2001. Für die Szenen in dem Büro wurden die hinteren Reihen mit kleinwüchsigen Akteuren besetzt sowie speziell entworfenes Mobiliar verwendet. Gedreht wurde in einem Goldwyn-Produktionsstudio in Hollywood. Für die Ausstattung des Films bekam Alexandre Trauner 1961 den Oscar für das beste Szenenbild.
Die Szene, in der Fran mit Bud Gin Rummy spielt, stand nicht im Drehbuch. Wilder baute sie schelmisch ein, weil MacLaine das Kartenspiel während der Drehpausen permanent spielte.
Obwohl Adolph Deutsch für die Musik zuständig war, stammt das populäre Hauptthema Theme From „The Apartment“ (Originaltitel: The Jealous Lover, 1949) vom britischen Komponisten Charles Williams.
Die Weihnachtsparty im Büro wurde am 23. Dezember 1959 gefilmt, damit alle in der richtigen Stimmung waren. Wilder benötigte für die Szenen meist nur eine einzige Einstellung.
Das Drehbuch von Wilder und Diamond diente später als Grundlage für das Musical Promises, Promises von Neil Simon (Buch), Burt Bacharach (Musik) und Hal David (Songtexte). Es wurde zunächst am Broadway von David Merrick produziert. Die deutsche Übertragung von Werner Wollenberger (Dialoge) und Charly Nießen (Songtexte) wurde 1977 unter dem Titel Das Apartment veröffentlicht.
Das Appartement war bis Schindlers Liste (1993) der letzte Schwarzweißfilm, der in der Kategorie „Bester Film“ mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Wilder war auf dem Höhepunkt seines Erfolgs. Er gehört zu den wenigen Filmschaffenden, die für einen einzigen Film gleich drei persönliche Oscars bekamen (nur zehn Regisseuren ist dies bislang gelungenLeo McCarey, Francis Ford Coppola, James L. Brooks, Peter Jackson, die Brüder Joel und Ethan Coen, Bong Joon-ho, Daniel Kwan und Daniel Scheinert). Er wurde sowohl in den Kategorien „Beste Regie“ und „Bestes Drehbuch“ als auch in der Kategorie „Bester Film“ als Produzent ausgezeichnet.
Im Jahr 2000 produzierte der Bayerische Rundfunk für Fernsehausstrahlungen eine Audiodeskription des Films, gesprochen von Karin Haferland.
Baxter wird als Freund europäischer Kultur gezeigt: Nachdem im Film die ersten „Appartement-Nutzer“ endlich gegangen sind und Baxter in sein Appartement zurückgekommen ist, stellt er zur Entspannung den Fernseher an. Der in Berlin spielende Film Menschen im Hotel mit Greta Garbo wird angekündigt, aber erst kommt Werbung und auf anderen Kanälen Wildwest-Gedröhne. Als er zum Kanal mit dem angekündigten Garbo-Film zurückschaltet, findet er dort immer noch Werbung vor und gibt entnervt auf.Zu jener Zeit gab es z. B. in Deutschland noch kaum Werbung im (durchweg öffentlich-rechtlichen) Fernsehen und diese auch nur zu strikt festgelegten Zeiten im Vorabendprogramm. Auch die Drucke, die Baxter in seinem Appartement aufgehängt hat, sind von europäischen Künstlern: Klees „Goldfisch“, von Rousseau „Die schlafende Zigeunerin“, „Drei Musiker“ von Picasso, von Chagall „Ich und das Dorf“ (1911), weiter Leger, Mondrian und andere.
Fran wird von Buddy in das bekannte Majestic Theater zu einer Vorstellung des Musicals The Music Man eingeladen, das 1960, bei der Entstehung des Films tatsächlich zu den angesagtesten Shows in New York zählte.
Der Film wurde in der Bundesrepublik Deutschland erstmals am 16. September 1960 aufgeführt. Im deutschen Fernsehen war er erstmals am 25. Dezember 1973 im Abendprogramm des ZDF zu sehen.
Auch finanziell war der Film sehr erfolgreich. Während die Produktionskosten nur bei etwa 3 Mio. Dollar lagenFilm: An undervalued American Classic, betrug das Einspielergebnis mehr als 18 Mio. Dollar.Box Office Mojo: The Apartment
Synchronisation Die deutsche Synchronfassung entstand 1960 bei der Ultra-Film Synchron GmbH in Berlin. Das Dialogbuch verfasste Erika Streithorst, die Dialogregie übernahm Josef Wolf.
Rolle Schauspieler Dt. Synchronstimme Calvin Clifford „C. C.“/„Bud“ Baxter Jack Lemmon Georg Thomalla Fran Kubelik Shirley MacLaine Gertrud Kückelmann Jeff D. Sheldrake Fred MacMurray Wolfgang Lukschy Dr. Dreyfuss Jack Kruschen Alfred Balthoff Joe Dobisch Ray Walston Hans Hessling Al Kirkeby David Lewis Siegfried Schürenberg Sylvia, Kirkebys Freundin Joan Shawlee Tina Eilers Mrs. Lieberman, Vermieterin Frances Weintraub Lax Ursula Krieg Kollege von C.C. Baxter Mason Curry Erich Kestin Fernsehansager Bill Baldwin Heinz Petruo
In der deutschen Synchronisation ist ein Sprechfehler zu hören: Nach der Nacht im Park und verschnupft im Büro ordnet Baxter die Belegung seines Appartements neu und bittet Kirkeby telefonisch (in der 22. Minute des Films), von Donnerstag auf Freitag umzudisponieren; Kirkeby seinerseits schlägt seiner Freundin, der Telefonistin Sylvia, vor, das Treffen – richtigerweise – von Freitag auf Donnerstag zu verlegen, was er dann auch an Baxter durchgibt.
Kritiken Frauke Hanck und Lothar Just meinten in ihrer Shirley-MacLaine-Biografie, dass Wilder sich insbesondere mit dem Filmende über den „verklemmt moralischen“ Zeitgeist „souverän“ hinweggesetzt habe.
Claudius Seidl, Autor der Billy-Wilder-Biografie in der Heyne Filmbibliothek, ist der Ansicht, „Wilders größte Leistung“ seien die ambivalenten Rollenentwürfe. Das Filmende sei „nicht gerade ein Triumph des Wahrscheinlichkeits-Prinzips“, aber tröstlich und ermutigend.
Laut Handbuch der katholischen Filmkritik von 1962 liegt eine „gekonnte und anrührende amerikanische Komödie“ vor, „die ihre ernsthafte Moral zunächst hinter einem augenzwinkernden Einverständnis mit der Unmoral zu verbergen scheint“. Hervorgehoben wird die Schauspielleistung von Shirley MacLaine.
Der Online-Programmguide prisma.de schreibt, Billy Wilder habe „mit dieser überaus bitteren Komödie einen Klassiker“ geschaffen, „der manchmal derart böse ist, dass einem das Lachen im Halse stecken“ bleibe. Die „Satire auf Geschäftsmoral und willige Untergebene“ bewege „sich geschickt am Rande der Groteske“.
Eine ähnliche Beurteilung findet sich im Lexikon des internationalen Films, wo die „böse Satire auf Geschäftsmoral und Duckmäusertum, hervorragend gespielt und bis zur Groteske zugespitzt“ als eine „der schärfsten, bittersten und erfolgreichsten Billy-Wilder-Komödien“ benannt wird. Abschließend heißt es dort, Wilder entfalte „seinen Stil der tragikomischen Moralkritik in höchster Vollendung“.
Horst Peter Koll interpretierte in Reclams vierbändigem Nachschlagwerk Filmklassiker, dass sich „eine zutiefst traurige Geschichte“ im „Gewand einer ausgelassenen Komödie mit vielen komischen Einfällen“ verstecke. Diese Geschichte sei „eine düstere, bis zum offenen Zynismus reichende Reflexion über den Ausverkauf der Menschlichkeit“.
Das rororo Filmlexikon erwähnt die „bissigen Detailbeobachtungen“ in den New Yorker Büros und die davon ausgehenden „satirische[n] Attacken auf die Ethik von Institutionen und persönliche[n] Moralverhalten“. Wilder sei „der Umschwung von einer herben Komödie zur Beinahe-Tragödie“ gelungen. MacLaine und Lemmon wiederum würden „genau das richtige Team“ bilden, „um die prekäre Balance zwischen schwarzem Humor und Verzweiflung zu halten“.