Die Deutsche Evangelische Kirchengemeinde A.B. zu Preßburg war eine von 1606 bis 1945 bestehende deutsche evangelische Kirchgemeinde des Augsburgischen Bekenntnisses (A.B.) in Preßburg.

Geschichte Erste Anzeichen der Reformation in Preßburg Die Reformation verbreitete sich im damaligen Königreich Ungarn ungemein rasch. Zwar finden sich erste Anzeichen der Reformation auch in Preßburg bereits kurz nach der Schlacht bei Mohács, trotzdem bleibt zu bemerken, dass sich die Lehren Martin Luthers in der Stadt selbst nur zähflüssig verbreiteten. Die Patrizier der Stadt sowie das gebildete Preßburger Bürgertum, das bereits in damaliger Zeit zahlreich vorhanden war, kannte sicherlich die Ereignisse, die sich in der damaligen Welt abspielten und konnten sich aus Büchern, die damals schon auch in Preßburg verbreitet waren, über die Ereignisse, die sich 1517 in Wittenberg abspielten, informieren. Trotzdem mussten nahezu hundert Jahre seit dem Beginn der Reformation bis zur Gründung der ersten evangelischen Kirchengemeinde in Preßburg vergehen.

Vermutlich war es die Osteuropa immer wieder bedrohende Türkengefahr und die für das Königreich Ungarn katastrophale Niederlage des königlichen Heeres in der Schlacht bei Mohács, die dazu beitrug, dass die Reformation in Preßburg vorerst als nebensächliche Angelegenheit betrachtet wurde. Aus den von den Türken besetzten Gebieten setzte ein Flüchtlingsstrom in Richtung des hervorragend befestigten Preßburgs ein. Bereits am 3. September 1526 kam hier die Königin-Witwe Maria von Ungarn an.Anton Klipp: Preßburg…, S. 57f Ihr folgte ein Teil des ungarischen Adels und Hochadels. Auch der danach entbrannte Kampf um die ungarische Königskrone beeinflusste nachhaltig den Fortgang der Reformation. Den Anspruch auf die Krone erhoben gleichzeitig zwei Prätendenten: der eine war der Woiwode von Siebenbürgen Johann Szapolyai (1487–1540) und der andere war Erzherzog Ferdinand I. von Österreich, der als Bruder des Kaisers aufgrund des Erbvertrages (Wiener Doppelhochzeit) zwischen dem Hause Habsburg und dem Hause Jagiello ebenfalls Ansprüche auf den ungarischen Thron erhob.mini|Die erste Deutsche Evangelische Kirche A.B. zu Preßburg, erbaut 1636–1638. (heute Jesuitenkirche)In der Geschichte des – nicht von den Türken besetzten – Königreiches Ungarn fiel der Stadt Preßburg eine dominierende Rolle zu. Bei dem 1535 einberufenen Landtag wurde beschlossen, die Stadt Preßburg zum Sitz der gesamten Landesverwaltung zu machen. Damit wurde Preßburg auch de jure Hauptstadt des Landes und Sitz der Zentralbehörden einschließlich der Königlichen Statthalter. Dieser Zustand währte über 300 Jahre lang.

In dieser Zeit war man eher mit diesen politischen Angelegenheiten befasst, die aus der Niederlage des ungarischen Heeres gegen die Osmanen herrührten und alsbald eine Reorganisation der Verwaltung im Königreich zur Folge hatten. Die durch die Reformation verbreiteten Lehren Martin Luthers leben in Preßburg eher nur wie eine glimmende Glut, die erst zu einem viel späteren Zeitpunkt entfacht werden soll. Aber von der Glut der Reformation wurden sogar die adeligen Kreise erfasst.Anton Klipp: Die Habsburger und die Anfänge der Reformation in Preßburg…, S. 75ff

Gründung der Preßburger evangelischen Kirchengemeinde Die Anfänge der Gründung einer evangelischen Gemeinde in Preßburg waren sehr bescheiden. Die erste Preßburger evangelische Gemeinde war keine Kirchengemeinde, wie wir sie heute kennen. Sie war letztlich ein Ergebnis des politischen Wunsches des damaligen Preßburger Stadtmagistrates.

Da sich zwischenzeitlich auch in Preßburg laute Kundgebungen für die Reformation bemerkbar machten, wurde am 17. April 1606 beim Stadtmagistrat ein Antrag auf Anstellung eines lutherischen Predigers für die innere Stadt gestellt, welcher aber vom Magistrat abgelehnt wurde. Nach Abschluss des Wiener Friedens stand jedoch einer Wahl eines evangelischen Pfarrherrn nichts mehr im Wege. miniatur|Titelblatt anlässlich der Einweihung der ersten Deutschen Evangelischen Kirche A.B. zu Preßburg im Jahre 1638 Am 16 (26?). Juli 1606 richtete daher der Preßburger Magistrat einen Brief an den Grafen Siegfried von Kollonich,Siegfried von Kollonich gehörte der ursprünglich aus Kroatien stammenden Adelsfamilie Kollonitz von Kollograd an. einen glühenden Anhänger der Reformation, der sich als Hofkriegsrat mit seinen Truppen in Prag aufhielt. In diesem Briefe bat der Stadtmagistrat um Unterstützung bei der Organisation einer evangelischen Gemeinde und gleichzeitig um Überlassung seines Ratzersdorfer Hofpredigers Andreas Reuß. Bereits am 7. August erfolgte die Zusage des Grafen. Daraufhin wurde Andreas Reuß am 2. Oktober 1606 öffentlich als erster evangelischer Prediger berufen. Seine Antrittspredigt hielt er am 8. Oktober 1606, dem 20. Sonntag nach Trinitatis, im Armpruster’schen Hause ‚Zur blauen Himmelskugel‘, welches als provisorische Stätte für evangelische Gottesdienste eingerichtet wurde, da die Evangelischen damals noch keine eigene Kirche in der Stadt hatten. Das Armpruster’sche Haus stand auf der Stelle der heutigen Jesuitenkirche auf dem Hauptplatze zwischen der damaligen königlichen Kurie, dem Beck’schen und Karnerischen Hause in der Nähe des Rathauses.Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde A.B. zu Pozsony-Preßburg, Pozsony 1906, Band 1, Seite 91.

Andreas Reuß, der erste lutherische Prediger Preßburgs, stammte aus Querfurt im heutigen Sachsen-Anhalt. Er besuchte das Gymnasium in seiner Vaterstadt und dann das Gymnasium in Salzwedel, wo die Reformation bereits 1541 eingeführt wurde. Gemäß Wittenberger Ordinationsbuch wurde er am 1. April 1579 von Polykarp Leyser zum lutherischen Pfarrer ordiniert. Als Besonderheit kann angemerkt werden, dass Reuß keine theologisch-akademische Ausbildung besaß. Siegfried von Kollonich machte Reuß 1581 zu seinem Hofprediger und es ist nachweisbar, dass er bereits seit 1590 in Ratzersdorf als Prediger wirkte. Bereits in der damaligen Zeit besuchten zahlreiche Lutheraner Preßburgs seine Gottesdienste. Aber auch Reuß selbst kam – noch vor seiner Berufung nach Preßburg – wiederholt in die Vorstadt, wo er im Kamper’schen Hause im Zuckermantel öffentliche Gottesdienste hielt. Später hatte man an diesem Hause eine ihm gewidmete Gedenktafel angebracht. Anzumerken ist, dass das Zuckermantel bis zum Jahre 1850 nicht unter die Jurisdiktion der Stadt Preßburg gehörte, sondern als eine selbständige kommunale Verwaltungseinheit galt. miniatur|Infoblatt des Einweihungsgottesdienstes der ersten Deutschen Evangelischen Kirchengemeinde A.B. zu Preßburg (1638) Das Wirken von Reuß als erster evangelischer Pfarrer der Stadt dauerte leider nicht lange. Bereits ein Jahr nach seinem Amtsantritt wurde Reuß von katholischer Seite wegen „Majestätsbeleidigung“ angeklagt, worauf ihm der Stadtmagistrat, auf Druck von oben, am 13. November 1607 das Predigen untersagte. Im Jahre 1608 wurde er nach St. Georgen berufen, wo er zum Dekan gewählt wurde. In St. Georgen blieb er bis an sein Lebensende, etwa im Jahre 1629 (?).

Im Interesse des Aufbaues eines evangelischen Lebens in der Stadt und auf Anraten des Grafen Siegfried Kollonich machte sich eine Preßburger Deputation nach Lauingen auf, um beim evangelischen Herzog Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg einen Rektor für die geplante evangelische Schule sowie einen Diakon als Predigtgehilfen für Reuß zu erbitten. Als Begründung gaben sie an, dass der evangelische Glaube in Ungarn noch keine so starken Wurzeln hätte und deshalb Männer mit entsprechendem Glaubenseifer erforderlich wären. Der Herzog erklärte sich damit einverstanden und entsandte Professor David Kilger, der erster Rektor der Preßburger evangelischen Schule wurde, sowie den Diakon Adam Tettelbach nach Preßburg.

Adam Tettelbach stammte aus Carlstein in Österreich. Nach dem Tod seines Vaters kam Tettelbach in die Pfalz und unter die Schützlinge des Herzogs Philipp Ludwig, später studierte er als pfalzgräflicher Stipendiat Theologie in Wittenberg, wo er am 7. April 1606 zum Magister promovierte. Nach den Studien entsandte ihm der Herzog auf Verlangen des Preßburger Magistrats nach Preßburg, wo er im Dezember 1606 eintraf. Ihm war hier jedoch nur ein relativ kurzes Wirken beschieden, da er bereits am 28. August 1613 an der Pest starb. Seine Leichenpredigt hielt sein Nachfolger, der Dritte in der Ahnenreihe der Preßburger Pfarrherren, Simon Heuchelin (* 1577 zu Lauingen; † 1621 ebenfalls an der Pest).

Bau der ersten evangelischen Kirche in Preßburg Von diesem Zeitpunkt an begann sich das evangelische Leben in Preßburg sehr fruchtbringend zu entwickeln. Die Gemeinde wuchs. Der Stadtmagistrat war allmählich von der evangelischen Glaubensgesinnung durchdrungen und förderte den evangelischen Glauben. Aber auch die Bürger waren nicht nur begeistert, sondern auch opferbereit, als zu einer Spendenaktion für den Bau des ersten eigenen evangelischen Bethauses der Stadt ausgerufen wurde. Vier Fünftel der Kosten für den Kirchenbau wurden als Spendengelder von den Preßburgern aufgebracht. Mit der Bauausführung wurde der aus Augsburg stammende Baumeister Hans Stoss betraut. Es mussten strenge Baukriterien berücksichtigt werden: Das Gebäude durfte nicht das Aussehen eines sakralen Baus haben und ebenfalls war der Bau eines Kirchturms untersagt. Nach drei Jahren Bauzeit konnte am 18. Dezember 1638 der aus Augsburg stammende Theologe mit internationaler Bedeutung, Josua Wegelin (1604–1640), der Elfte in der Ahnenreihe der Preßburger Pfarrherren, für das neue Bethaus neben dem Preßburger Rathaus die erste Dankpredigt für die glückliche Vollendung des Kirchenbaues halten.Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde A.B. zu Preßburg, (1906), Bd. 1 S. 152 bis 155 Die feierliche Konsekration erfolgte im Rahmen eines zweitägigen Kirchweihfestes am 21. Dezember 1638. Josua Wegelin der Senior der Gemeinde weihte das Gotteshaus auf dem Namen der Heiligen Dreifaltigkeit und er hielt auch die Festpredigt. Damit hatten die Deutschen Evangelischen Preßburgs einen der Höhenpunkte ihrer Existenz in jener Zeit erreicht. Mit der Konsekration dieses Gotteshauses begann die erste Blütezeit der Preßburger evangelischen Kirchengemeinde. miniatur|Längsschnitt der aus Holz gebauten Artikulier-Kirche auf der Nonnenbahn zu Preßburg.

Das Zeitalter der Gegenreformation in Ungarn Das Jahrzehnt zwischen 1671 und 1681 wird als Trauerdekade des Protestantismus im Königreich Ungarn bezeichnet. Die Gegenreformation gelangte in Preßburg in diesem Jahrzehnt auf ihrem Höhepunkt. Im Jahre 1672 wurde den Evangelischen nach hartem Widerstand die erste evangelische Kirche der Stadt weggenommen und am 1. Januar 1673 dem Jesuitenorden übergeben. Wenn es nach dem Willen der von György Szelepcsényi (1595–1685; ab 1666 Erzbischof von Gran/Esztergom) geführten Jesuitenpartei innerhalb der Römischen Kirche gegangen wäre, so hätte der Protestantismus in Ungarn in dieser Zeit mit seiner gänzlichen Vernichtung rechnen müssen. Unter der Leitung von Erzbischof Leopold Kollonich wurden in den Jahren 1673/74 Schauprozesse in Tyrnau inszeniert, in welchen die Protestanten – Lutheraner und Calvinisten gleichermaßen – massenweise vorgeführt und verurteilt wurden. Damit hofften die katholischen Würdenträger die lutherischen und calvinistischen „Häretiker“ ein für allemal auszurotten. Es wurden drakonische Urteile und Strafen ausgesprochen, die bis zum Verkauf von protestantischen Predigern als Galeerensklaven nach Neapel führten. Ein Aufschrei der Empörung brauste durch das protestantische Europa.