Der Platz der Alten Synagoge in Freiburg im Breisgau ist mit seiner quadratischen Grundfläche von 130 × 130 Metern der zweitgrößte innerstädtische Platz nach dem Münsterplatz.

Der Platz erhielt 1996 den heutigen Namen nach der beim Novemberpogrom 1938 zerstörten Synagoge, die im Südwesten des heutigen Platzes 1869/1870 erbaut worden war.

Am Platz befindet sich das Stadttheater und das Kollegiengebäude II der Albert-Ludwigs-Universität. Im Süden, auf Höhe der Sedanstraße, schließt sich der Platz der Universität an, an dem sich das Kollegiengebäude I und die Universitätsbibliothek befinden.

Von ca. 1927 bis 1939 und nach 1945 bis in die 1980er Jahre trug die gesamte Fläche zwischen Bertold- und Belfort-Straße den Namen Werthmannplatz, bis der ehemalige Synagogen-Standort zum Europaplatz wurde. Der Platz der Universität hat seinen Namen seit dem Jahr 2007.Stadtplan von 1931

Im Zuge des Projekts Rotteckring wurde der Platz seit 2016 grundlegend umgestaltet. In der Nord-Süd-Achse wurde die bisher den Platz durchquerende Autostraße des Innenstadtrings durch eine Straßenbahntrasse und die bisherige Rasenfläche durch einen durchgehenden Bodenbelag ersetzt. Der neu gestaltete Platz wurde am 2. August 2017 eröffnet.

mini|hochkant=2|Östlich des Platzes der Alten Synagoge (im Bild dahinter), auf dem sich u. a. die Synagoge befunden hatte, wurde Anfang der 1960er-Jahre das Kollegiengebäude II der Universität errichtet (1996)

Geschichte Bastionen, Rempart und Rempartstraße mini|Ausschnitt aus Belagerungsplan von 1744 (heutige Bebauung in Klammer): Im 17. Jahrhundert wurde Freiburg im Auftrag des französischen Königs Ludwig XIV. durch Sébastien Le Prestre de Vauban zur Festung ausgebaut. In der Gegend des heutigen Platzes befanden sich die Bastion Dauphin (später Bastei St. Leopold) und ein Rempart, der sie mit der Bastion de la Reyne (später Bastei Kaiserin) und der ihr folgenden Kaiser-Bastei verband. An den Standorten der beiden letztgenannten befinden sich heute die Mensa der Universität und der Holzmarkt.Heinrich Schreiber: Der Schloßberg bei Freiburg: historisches Gemälde; mit einem Belagerungs-Plane der Stadt Freiburg vom Jahre 1744 und einer perspektivischen Ansicht des damaligen untern Schlosses. Wangler, Freiburg im Breisgau, 1844, S. 42, (Digitalisat).Plan der Festung Freiburg 1693 aus der Werkstatt von Nicolas de Fer, (alt-freiburg.de)

Bis zu ihrem Abzug am 29. April 1745 infolge des Friedens von Füssen sprengten die Franzosen den Großteil der Festungswerke, die Erdwerke verblieben jedoch als Schutthalden. Trotz einer Verdopplung der Einwohnerzahl in den folgenden Jahrzehnten, waren es erst der 1845 eröffnete, außerhalb der Altstadt erbaute Freiburger Bahnhof und die zunächst dort endende Bahnstrecke aus Offenburg, die zu einer westlichen Stadterweiterung über die ehemaligen Festungsgrenzen hinweg führten. Mit dem am 29. März 1846 von der Regierung des Oberrheinkreises genehmigten Entwurf des Bauverwalters Joseph Roesch, wurde der Weg frei zur Anlage neuer Straßen im Dorf Wiehre sowie zwischen Bahnhof und Altstadt.Christa-Renate Uhlbach: Johann Carl Christoph Schleip und die Entstehung der Erbprinzenstraße in Freiburg. In: Schau-ins-Land: Jahresheft des Breisgau-Geschichtsvereins Schauinsland. Band 125. Freiburg im Breisgau 2006, S. 161, (Digitalisat)

Nach 1863 errichtete Ludwig Klehe, Eigentümer des Hammerwerkes Gaggenau, an der Kreuzung Bertholdstraße und spätere Rempartstraße auf dem Gelände der ehemaligen Leopold-Bastei eine Villa, (Bauplatz) (erste Wohnung) (fertig) in der 1869 auch Heinrich von Stein lebte.Reinhardt Pester: Hermann Lotze. Briefe und Dokumente. Königshausen & Neumann, Würzburg 2003, S. 506 f.,

Die ebenfalls 1863 gegründete Israelitische Religionsgesellschaft erwarb Ende des Jahrzehnts das spätere Grundstück Rempartstraße 15 gegenüber, um dort eine Synagoge zu errichten. Da das Bürgermeisteramt die Abtragung des Remparts zur Errichtung einer Straße plante, verpflichtete es die Gemeinde, die dadurch notwendigen Baumaßnahmen an der Synagoge, wie die Anlage von Böschungen, Treppen usw., selbst zu tragen. Von Herbst 1869 wurde innerhalb eines Jahres die Synagoge nach Plänen von Georg Jakob Schneider erbaut, der bereits die Pläne zum Colombischlössle (1859/1860) entworfen hatte,Joachim Hahn, Jürgen Krüger: Synagogen in Baden-Württemberg. Band 2: Joachim Hahn: Orte und Einrichtungen. Theiss, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-1843-5, S. 128f. an dessen Standort sich die der Leopoldsbastion folgende Bastion Saint Louis (Bastei St. Josef) befunden hatte.

Das Gebäude südlich der Synagoge war 1777/1778 oder 1781 zunächst als vorderösterreichisches Garnisonlazarett anstelle des Häuserviertels „Fauler Pelz“ erbaut und Anfang des 19. Jahrhunderts in ein Zuchthaus umgewandelt worden. 1868, noch vor Vollendung der späteren Justizvollzugsanstalt Freiburg, wurde es zur Rempartkaserne.

Passend zum Kasernennamen war bis zum Jahr 1866 aus Teilen der bereits 1810 im Freiburger Adressbuch genannten Ortsbezeichnung Rampart die Rempartstraße hervorgegangen. Der Großteil der Rempartstraße hatte sich jedoch im Bereich Beim Breisacher Tor befunden, dessen anderer Teil in die neue Gartenstraße integriert worden war. Gleichzeitig war aus der nach den ehemaligen Betreibern von Gymnasium und Universität benannten Jesuitengasse bis 1866 die Bertholdstraße geworden. Die Fortsetzung der Rempartstraße auf der gegenüber liegenden Seite der Bertholdstraße hieß bereits seit 1865 Rotteckstraße. Ab 1867 wurde das Areal, wie der Rest der Stadt, mit Hausnummern versehen, die in jeder Straße von vorn beginnen, anstatt der bisher über vier Stadtviertel fortlaufenden Nummerierung.

Werderstraße mini|Werderstraße mit Alleegarten, im Hintergrund (v. r. n. l) ein Nebengebäude der Rempartkaserne, die Synagoge, das Bertholdgymnasium und das Rotteck-Gymnasium (nach 1876) Begünstigt durch den wirtschaftlichen Aufschwung nach der Reichsgründung und den gewonnenen Deutsch-Französische Krieg 1870/1871 wurden westlich der Rempartstraße mehrere Straßen angelegt, deren Namen sich noch heute auf diese Zeit beziehen. Sie wurden nach der Belagerung von Belfort, der Schlacht von Sedan, dem Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke sowie dem deutschen Kaiser Wilhelm I. benannt. Die Rempartstraße selbst wurde teilweise zur Werderstraße. Diese nach dem preußischen General August von Werder benannte Straße wurde 1876 erbaut, um die Gartenstraßenbrücke (später durch die Friedrichs- und Kronenbrücke ersetzt) mit der Bertholdstraße zu verbinden, die 1869 einen Holzsteg über die Dreisam ersetzt hatte. Ebenfalls an den General erinnerte seit 1874 ein Denkmal an der ehemaligen Villa Klehe. Sie war um 1873 von Wilhelm August Platenius erworben worden, dem ersten Vorstand der 1870 gegründeten Deutschen Bank. Zudem war die Werderstraße, genauer der Alleegarten am Ort der ehemaligen Bastei Kaiserin, einer der verworfenen potenziellen Standorte für das 1876 enthüllte Siegesdenkmal, mit dem neben dem XIV. Armee-Korps ebenfalls Werder als dessen Anführer geehrt wurde.

Von 1872 bis 1874 entstand neben der Villa Platenius und der Sedanstraße nach Plänen von Heinrich Lang die Oberrealschule – das spätere Rotteck-Gymnasium Freiburg.

Anfang der 1880er-Jahre folgten auf dem Grundstück neben Rotteck-Gymnasium und Belfortstraße, gegenüber dem Alleegarten, zwei dreigeschossige Gebäude nach Plänen von Christoph Walter und Friedrich Jacobsen. Das Eckhaus, diente ab 1882 dem Stadtrat und Weinwirt Karl Thomann (1840–1904) erst als Café und Restaurant, bevor es Ende der 1880er-Jahre zum Hotel erweitert wurde.

mini|Restaurant Löwenbräu mit Gartenwirtschaft und Saalbau am Eingang der Werderstraße (um 1900) Im Jahr 1885 übernahm Louis Sinner die Brauerei an der der Villa Platenius gegenüber liegenden Ecke Werder- und Bertholdstraße. Sie war Ende des 18. Jahrhunderts von Braumeister Fähndrich gegründet worden und hatte sich seit 1814 im Besitz der Familie Kuenzer befunden. 1887 erwarb Sinner zudem die Löwenbrauerei mit ihrem Stammsitz in der neben der Synagoge beginnenden Löwengasse. Er verschmolz die Betriebe zur Löwenbrauerei (Louis Sinner) AG, die er 1888 zusammen mit Karl Küchlin und Michael Hassler gründete, und errichtete im Stühlinger, bei einem Keller der Löwenbrauerei, eine gemeinsame Brauereianlage. Sinner wandelte die Felsenkeller Kuenzer’sche Brauerei in das Restaurant Löwenbräu um und erweiterte es um eine Gartenwirtschaft und einen Saalbau, der, ebenso wie der gesamte Komplex, spätestens ab 1900 auch als Sinnerhalle bezeichnet wurde.

mini|Baumbestandener Platz mit Synagoge und jüdischem Gemeindehaus (linker Bildrand) neben dem Kollegiengebäude I der Universität (um 1913) Platenius verkaufte seine Villa 1896 an die Stadt und wurde im folgenden Jahr, über seinen Sohn Otto Platenius, zum Schwiegervater der späteren Abgeordneten Helene Platenius. Die Villa wurde 1905Wandel und Kontinuität. In: Amtsblatt, Stadt Freiburg im Breisgau, 8. Oktober 2010, S. 7, (Digitalisat) abgerissen, um Platz für das 1910 eröffnete Stadttheater zu schaffen. Es war nach Plänen des Berliners Heinrich Seeling errichtet worden – dem „erfolgreichsten Theaterarchitekten seiner Zeit“.

Die Rempartkaserne war nach Vollendung der Erbgroßherzog-Friedrich-Kaserne im Jahr 1895 ebenfalls an die Stadt übergegangen. Sie wurde 1906 für den Bau des späteren Kollegiengebäudes I der Universität abgerissen. Der 1911 eröffnete Bau war ursprünglich von Friedrich Ratzel geplant und nach dessen Tod von Hermann Billing vollendet worden. Die sich an das neue Kollegiengebäude anschließende Universitätsbibliothek (heute: Kollegiengebäude IV) in der Rempartstraße war bereits 1902 eröffnet wurden. Architekt hier war Carl Schäfer, der später Martins- und Schwabentor umgestaltete.

Billing war zudem bereits am 1906 eröffneten Park-Hotel Hecht beteiligt gewesen: Thomanns Nachfolger Gustav Hecht (Pächter ab 1891, Eigentümer ab 1899) hatte dafür 1905 das Nebengebäude Werderstraße 4 erworben, mit dem Eckhaus vereint und aufgestockt. Neben seinem Kollegen, dem Regierungsbaumeister Josef Mallebrein, hatte Billing in der Planung jedoch vermutlich nur eine kleine Rolle gespielt.

Werthmannplatz Ab dem Jahr 1927 begann die Werderstraße, deren Anfang sich im Vorjahr noch an der Bertoldstraße befunden hatte, erst hinter dem Werthmannplatz. Dieser war inzwischen dem 1921 verstorbenen Caritasverband-Gründer Lorenz Werthmann gewidmet worden und verlief von der Bertold- bis zur Belfort-Straße. Bereits zum 1. Mai 1924 war das Park-Hotel Hecht an den Caritasverband verkauft worden, der es als Werthmannhaus zu seiner Zentrale gemacht machte.

Die bis 1931 eingelagerte Werder-Büste aus der Villa Platenius wurde im Alleegarten gegenüber aufgestellt.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

In einem Gipsmodell der Freiburger Stadtplanung unter Stadtbaumeister Joseph Schlippe aus dem Jahr 1937 ist die Synagoge nicht zu finden; stattdessen sollte die Werderstraße zu einem großen Aufmarschboulevard verbreitert und auf dem Synagogenareal nach Entfernung des Synagogenhügels ein hufeisenförmiges Universitätsgebäude errichtet werden.Kathrin Clausing: Leben auf Abruf. Zur Geschichte der Freiburger Juden im Nationalsozialismus. Verlag Stadtarchiv Freiburg, Freiburg 2005, ISBN 3-923272-33-2, S. 93 f.