mini|Theatergebäude am Augustinerhof, 2025 mini|Eingangsgebäude und Foyer, im Mai 2017

Das Theater Trier ist das städtische Theater der Stadt Trier und als Dreispartenhaus mit den Sparten Musiktheater, Schauspiel und Tanz (Ballett) eine der bedeutendsten Kulturinstitutionen der Region. Es besteht in seiner institutionellen Form seit 1802. Seit der Spielzeit 2025/26 leitet Lajos Wenzel das Haus als alleiniger Intendant.

Profil Das Theater Trier beschäftigt rund 250 Mitarbeitende und unterhält feste Ensembles in allen drei Sparten: ein Schauspielensemble, ein Musiktheaterensemble mit Opernchor, Extrachor sowie Kinder- und Jugendchor, und ein Ballettensemble. Das Philharmonische Orchester Trier ist ebenfalls am Haus angesiedelt. Die musikalische Gesamtleitung liegt seit 2018 bei Generalmusikdirektor Jochem Hochstenbach, die Ballettsparte leitet Roberto Scafati, die Schauspielsparte seit der Spielzeit 2025/26 Elisa von Issendorff. Nach zwei Spielzeiten in gemeinsamer Leitung mit Manfred Langner ist Lajos Wenzel seit 2025 alleiniger Intendant. Geschäftsführende Direktorin ist seit demselben Jahr Eva Gaertner.

Das Theater verfügt über ein Großes Haus mit 622 Sitzplätzen am Augustinerhof. Die Hauptbühne misst 20 m in der Breite und einschließlich Vorderbühne 19 m in der Tiefe. Sie ist von einer Seiten- und einer Hinterbühne mit Schiebebühne und eingebauter Drehbühne umgeben. Ein gewölbter eiserner Vorhang trennt Bühne und Zuschauerraum. Der Orchestergraben bietet auf zwei fahrbaren Podien bis zu 65 Musikern Platz; hochgefahren bilden diese Podien die Vorderbühne. Die Bühnenöffnung lässt sich durch ein variables Bühnenportal verkleinern oder vergrößern. Neben dem Großen Haus und einem Studio bespielt das Theater im Sommer den Augustinerhof als Open-Air-Spielstätte.

Unter den Ensemblemitgliedern und Gastdarstellern waren unter anderem Franz Grundheber, René Kollo, Thomas Kiessling, Thomas Arnold, Marianne Riedel-Weber, Diana Körner, Hanna Scheuring, Franziska Kohlund, Anja Kampe, Tim Olrik Stöneberg, Matthias Stockinger, Michael Ophelders und Barbara Ullmann.

Geschichte mini|Ehemaliges Theater in der Fahrstraße, 1944 zerstört. mini|Innenraum (1930er Jahre).

Gründung und erste Jahrzehnte (1802–1944) Die Trierer Theatertradition geht auf eine Verfügung des französischen Kaisers Napoleon Bonaparte zurück. Anlässlich seines Besuchs in der damals französisch besetzten Stadt ordnete er am 28. August 1802 an: „Das Kapuzinerkloster wird bestimmt zur Einrichtung eines Schauspielhauses.“ In dem so entstandenen Gebäude an der Fahrstraße spielte das Theater bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Die letzte Vorstellung vor der nationalsozialistisch angeordneten Schließung fand am 16. Juli 1944 mit Richard Strauss’ Der Rosenkavalier statt. Am 23. Dezember 1944 wurde das Theatergebäude in der Fahrstraße bei einem alliierten Luftangriff zerstört.Claus Zander: Das neue Theater der Stadt Trier in Neues Trierisches Jahrbuch 1965

Nachkriegszeit und Neubau (1945–1964) Nach Kriegsende nahm das Theater zunächst im Treviris-Saal (bis 1950) und anschließend im Bischof-Korum-Haus in der Rindertanzstraße (1950–1964) Spielbetrieb auf. Am 12. Januar 1962 wurde der Grundstein für einen Neubau am Augustinerhof gelegt, der nach Plänen des Architekten Gerhard Graubner errichtet wurde. Am 27. September 1964 eröffnete das Theater im Neubau mit Beethovens Fidelio.

Antikenfestspiele (1998–2010) Von 1998 bis 2010 veranstaltete das Theater Trier die Antikenfestspiele in Trier, die jährlich mehrere tausend Besucher anzogen. Im Jahr 2010 wurde das Engagement des Theaters beendet; als Begründung wurde unter anderem ein entstandenes finanzielles Defizit angeführt. Die Entscheidung stieß in Teilen der Öffentlichkeit auf Kritik. In diesem Zusammenhang wurde auch auf die parallel bestehende Veranstaltungsreihe „Brot & Spiele“ verwiesen, die ihrerseits 2012 eingestellt wurde. Spielorte der Antikenfestspiele waren unter anderem die Porta Nigra, die Kaiserthermen und das Amphitheater Trier.

Krise und Konsolidierung (seit 2013) Im Juni 2013 setzte der Deutsche Kulturrat das Theater auf die Rote Liste Kultur und stufte es als von Schließung bedroht (Kategorie 1) ein., abgerufen am 26. Juni 2013 Im Frühjahr 2014 beschloss der Stadtrat die Weiterführung des Betriebs. Nach einem Millionendefizit während der Intendanz von Karl M. Sibelius (2015–2016) wurde dessen Vertrag vorzeitig aufgelöst., 6. Juni 2016 Das Haus wurde kommissarisch weitergeführt, bis Manfred Langner zur Spielzeit 2018/19 die Intendanz übernahm und das Publikumsinteresse wieder nachhaltig steigerte. In der Saison 2018/19 besuchten über 115.000 Menschen das Theater, rund 23.000 mehr als in der Spielzeit zuvor.

Manfred Langner leitete das Theater zunächst allein, ab Sommer 2023 gemeinsam mit Lajos Wenzel als Ko-Intendant. In der Spielzeit 2023/24 verzeichnete das Theater mit 120.180 Besuchern bei 388 Vorstellungen die höchste Zuschauerzahl seit über 20 Jahren. Im Februar 2025 kündigte Langner seinen Rücktritt zum Ende der Spielzeit 2024/25 aus gesundheitlichen Gründen an. Lajos Wenzel, der seit Sommer 2023 der Trierer Doppelleitung angehörte, führt die Intendanz ab der Spielzeit 2025/26 allein fort.

Generalsanierung Das 1964 eröffnete Theatergebäude weist infolge langjährig aufgeschobener Instandhaltungsmaßnahmen einen erheblichen Sanierungsbedarf auf. Neben wiederkehrende Feuchtigkeitsschäden und Schäden an der Gebäudehülle betrifft dies insbesondere die technische Infrastruktur, die in weiten Teilen noch aus der Bauzeit stammt. Nach Angaben des Theaters sind zahlreiche Anlagen, etwa in der Bühnen-, Beleuchtungs- und Steuerungstechnik, veraltet oder nur noch eingeschränkt funktionsfähig; teilweise sind Ersatzteile nicht mehr verfügbar. Auch die haustechnischen Systeme, darunter Klimatisierung und Elektroinstallation, entsprechen nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik. Aufgrund unzureichender Kühlung des Zuschauerraums wird der Spielbetrieb in den Sommermonaten teilweise ins Freie verlegt; Aufführungen finden dann unter anderem als Open-Air-Veranstaltungen auf dem Augustinerhof statt.

Bereits 2015 begannen Diskussionen über die Zukunft des Gebäudes. Nach kontroversen Debatten, bei denen auch die Errichtung eines zweiten Standorts an anderer Stelle in Erwägung gezogen,Theater Trier: Zwei-Standort-Lösung rückt in Fokus. Wochenspiegel, 21. Dezember 2015 lagen die Kosten nach einem Gutachten aus dem Jahr 2016 für eine reine Sanierung des bestehenden Theatergebäudes bei etwa 32 Millionen Euro, für Sanierung und Erweiterung bei bis zu 110 Millionen Euro. Im Januar 2019 stimmte der Stadtrat mit 45 Ja-Stimmen, drei Nein-Stimmen und einer Enthaltung für einen Grundsatz- und Bedarfsbeschluss zur Sanierung. Die ursprünglichen Kostenschätzungen stiegen aufgrund von Baukostensteigerungen erheblich. Im Dezember 2025 fasste der Trierer Stadtrat nach langer Debatte mit 43 Ja-Stimmen, sieben Gegenstimmen und sechs Enthaltungen den Baubeschluss zur Generalsanierung. Die Kostenschätzung beläuft sich auf rund 90,5 Millionen Euro zuzüglich jährlicher Baupreissteigerungen.

Das Sanierungskonzept sieht neben der umfassenden Ertüchtigung des Bestandsgebäudes zwei Erweiterungsbauten vor: ein neues Eingangsgebäude zur Gerty-Spies-Straße mit öffentlich zugänglicher Gastronomie sowie einen Orchesterprobesaal am Augustinerhof. Der Baubeginn ist für das erste Quartal 2027 vorgesehen; die Fertigstellung ist für Ende 2029 geplant, sodass die Spielzeit 2030/31 erstmals wieder im sanierten und erweiterten Haus stattfinden soll.

Während der Bauzeit dient ein Neubau auf dem Gelände des Kulturzentrums Tuchfabrik (Tufa) als Interimsspielstätte für die Schauspielsparte. Der Spatenstich für diesen Neubau fand im Januar 2024 statt; der Saal bietet 380 Sitz- oder bis zu 600 Stehplätze und kostet rund 13 Millionen Euro; die Fertigstellung ist für April 2026 geplant. Das Musiktheater und der Konzertbetrieb werden während der Sanierung in die Europahalle Trier verlegt.

Intendanten / Direktorien des Trierer Theaters

Wiederentdeckungen und Uraufführungen

Musiktheater

In den letzten Jahren widmete sich das Theater in der Reihe „Unbekannte Opern“ Werken, die weitgehend in Vergessenheit geraten sind. In Trier fanden mehrere deutsche Erstaufführungen und Uraufführungen statt. Hierzu gehörten:

1995/1996: Sarema von Alexander von Zemlinsky 1996/1997: Merlin von Karl Goldmark 1996/1997: Blaubart von Jacques Offenbach 1996: Die Glasmenagerie von Antonio Bibalo – Uraufführung 1997/1998: Soldaten von Manfred Gurlitt 1997: Die Geschichte vom kleinen blauen Bergsee und dem alten Adler von Wilfried Hiller – Uraufführung 1998/1999: Die Kathrin von Erich Wolfgang Korngold 1999/2000: Koanga von Frederick Delius – Deutsche Erstaufführung 2000: Trilogie der Sommerfrische von Ingomar Grünauer – Uraufführung EXPO 2000 2000/2001: Margot la Rouge von Frederick Delius 2000/2001: Ein Bericht für eine Akademie von Jan Klusák – Deutsche Erstaufführung 2002: Pinocchio von Wilfried Hiller – Uraufführung 2003: Nordische Ballade von Manfred Gurlitt (Inszenierung: Heinz Lukas-Kindermann) – Uraufführung 2004: Die unendliche Geschichte von Siegfried Matthus – Uraufführung (Inszenierung: Heinz Lukas-Kindermann) 2004: Das Orangenmädchen von Martin Lingnau / Edith Jeske – Uraufführung 2005: Die Rheinnixen von Jacques Offenbach, Originalfassung (Inszenierung: Bruno Berger-Gorski) 2005: Quo Vadis von Konstantin Wecker / Gerold Theobalt Antikenfestspiele (Inszenierung: Gerhard Weber) – Uraufführung 2007: Fausta – Macht und Ohnmacht Kaiser Konstantins von Heinz Heckmann / Heiner Martini (Inszenierung: Hermann Keckeis) – Uraufführung 2007: Cusanus – Fragmente der Unendlichkeit von Boudewijn Buckinx (Inszenierung: Sven Grützmacher) – Uraufführung 2011: The Voyage von Philip Glass (Inszenierung: Birgit Scherzer) – Deutsche Erstaufführung 2015: Ur_ von Anna Thorvaldsdóttir (Inszenierung: Thorleifur Örn Arnarsson) – Uraufführung

Schauspiel 2002: Sindbad der Seefahrer von Alexander Etzel-Ragusa nach 1001 Nacht – Uraufführung 2003: Der gestiefelte Kater von Alexander Etzel-Ragusa nach den Gebrüdern Grimm – Uraufführung 2005: Metty und die Mettymäuse von Matthias Krings (Inszenierung: Jürgen Lorenzen) – Uraufführung 2005: Der Vogel ist ein Rabe von Peter Oppermann nach Benjamin Lebert (Inszenierung: Bettina Rehm) – Uraufführung 2005: Schafe und Wale von Ahmed Ghazali (Inszenierung: Jean-Paul Maes) – Europäische Erstaufführung 2016: Nero von Katja Brunner, Martina Clavadetscher, Daniela Janjic Daniela Janjic, Maria Karaklajić, Laura Naumann, Darja Stocker Darja Stocker, Olivia Wenzel (Inszenierung: Julia Wissert) – Uraufführung 2017: Happy Hour von Lothar Kittstein (Inszenierung: Alice Buddeberg) – Uraufführung

Diskographie

Sarema – Die Rose vom Kaukasus; Alexander von Zemlinsky (1871–1942). Mit Karin Clark, Laszlo Lukas, Norbert Kleinhenn, Andreas Scheel, Juri Zinovenko, Nick Herbosch, Florian Simson, Chor und Extrachor des Stadttheaters Trier (Einstudierung: Sebastian Laverny), Städtisches Orchester Trier unter der Leitung von István Dénes. Koch International 1996.

Literatur Rudolf Günther, Alexander Reverchon (Hrsg.): Das Theater der Stadt Trier 1945–1995. Gesammelte Aufsätze von Claus Zander, Kliomedia, Trier 2007, ISBN 978-3-89890-114-7.

Weblinks

Website des Theaters Trier

Skizzen und Bauzeichnungen des Stadttheaters Trier, angefertigt von Gerhard Graubner. (Bestand des Architekturmuseums der TU Berlin)

Einzelnachweise

Trier, Theater Kategorie:Mehrspartentheater Kategorie:Kultur (Trier)