mini|Straßensperre Ponale: Straßendurchfahrt Kehlseite mit Wachhäuschen Die Straßensperre Ponale (italienisch Tagliata del Ponale) ist eine ehemalige österreichisch-ungarische Befestigungsanlage in der norditalienischen Provinz Trient. Sie wurde 1904 an der in das Val di Ledro führenden Ponalestraße im Gemeindegebiet von Riva errichtet.

Lage Der heute erkennbare Teil der Straßensperre liegt am dritten Straßentunnel der von Riva del Garda aus am Nordwestufer des Gardasees entlang führenden Ponalestraße auf einer Höhe von ca. Dabei erstreckt sich die zum größten Teil in den nackten Fels der Rocchetta gesprengte Anlage auf beiden Straßenseiten aus, so reicht die Sperre einerseits bis fast zur Seehöhe, andererseits liegt der oberste Bereich etwa 80 Meter über dem Straßenniveau.

Geschichte Die Geschichte der Ponalesperre ist durch eine Reihe von unterschiedlichsten Projektvorschlägen gekennzeichnet, die die Absicherung dieses potentiellen Einbruchsweges zum Ziel hatten. Dabei entstand aus einer einfachen offenen Geschützstellung im Laufe der Zeit eines der am weitest entwickelten Sperrwerke der Doppelmonarchie, das fast vollständig unterirdisch angelegt worden war.

Periode von 1859 bis 1866 Der erste konkrete Vorschlag stammt aus dem Jahr 1859 von August von Degenfeld-Schonburg, der zur Zeit des Zweiten Italienischen Unabhängigkeitskrieges, den Bau einer Feldkanonenstellung an der Ponalestraße vorsah. Diese sollte gemeinsam mit dem Werk Ampola bei Storo Invasionsgedanken aus dem Raum Brescia über das Valle del Chiese und das Val di Ledro in Richtung Riva und Nordufer des Gardasees von vornherein gar nicht erst aufkommen lassen. Im Oktober 1860 arbeitete die Abteilung Trient des Genie-Inspektorats Verona ein vorläufiges Projekt aus. Es sah vor, am von Riva aus gesehenen dritten Straßentunnel, dem heutigen fünften Tunnel, ein mit Gewehr- und Geschützschießscharten versehenes Tor anzubringen sowie eine Feldgeschützstellung etwas oberhalb des zweiten, heute dritten, Straßentunnels zu errichten. Das definitive Projekt umfasste eine gemauerte Balustrade für drei Geschütze, ein daran angeschlossenes Pulvermagazin, Unterkunftsbaracken für die Besatzung und ein Fallgitter für die Sperrung des Tunnels. Gebaut wurde am Ende eine Batteriestellung aus Mauerwerk für vier Geschütze, die hinter einem schützenden Wall in Feuerstellung lagen, wie aus einer Beschreibung von 1865 hervorgeht. In der Nähe der Batteriestellung stand ein Wachhäuschen, das über einen mit einer Mauer abgedeckten Weg mit der Stellung verbunden war. Ausgelegt war die Anlage auf 30 Mann Besatzung, die man nur wegen ihrer dominanten Lage als strategisch bedeutsam betrachtete.Nicola Fontana: La regione fortezza. Il sistema fortificato del Tirolo: pianificazione, cantieri e militarizzazione del territorio da Francesco I alla Grande Guerra S. 94–106. mini|hochkant|Straßensperre Ponale – Traditor – Rotes Werk Nach der verlorenen Schlacht bei Bezzecca am 21. Juli 1866 schätzten die österreichischen Militärs die Verteidigung von Riva als problematisch ein und zogen deshalb bei einem eventuellen weiteren Vorstoß der italienischen Truppen unter Giuseppe Garibaldi in Erwägung, die Stadt aufzugeben und sich nach Trient zurückzuziehen. Obwohl es dazu nicht kam und das Vordringen der Italiener auf der Ponalestraße durch das Kreuzfeuer der Gardaseeflottille und der Batterie San Nicolo zum Stehen gebracht werden konnte, sprengte man die Batteriestellung auf der Ponalestraße am 25. Juli in die Luft.Nach Aussage anderer Quellen wurde sie dagegen abgetragenNicola Fontana: La regione fortezza. Il sistema fortificato del Tirolo: pianificazione, cantieri e militarizzazione del territorio da Francesco I alla Grande Guerra S. 108.

Periode von 1867 bis 1909 Zwischen 1867 und 1904 legte man verschiedene Pläne zur Errichtung einer neuen Ponalesperre vor. Man war sich zwar durchaus der strategischen Bedeutung der Ponalestraße bewusst, die chronisch klammen Staatskassen führten aber dazu, dass es nur bei Projekten blieb. Lediglich kleinere Verteidigungsmaßnahmen setzte man in dieser Zeit um. Darunter 1879 die Errichtung von Minenkammern am damaligen dritten Straßentunnel sowie zwischen 1897 und 1898 die Wiederherstellung der 1866 erbauten sog. Defensionsmauer.Nicola Fontana: La regione fortezza. Il sistema fortificato del Tirolo: pianificazione, cantieri e militarizzazione del territorio da Francesco I alla Grande Guerra S. 194–198.

Im April 1904 ordnete das Reichskriegsministerium den Bau einer Infanteriekasematte als Flankierungsanlage auf der Ponalestraße an, nachdem bereits Ende Dezember 1901 ein diesbezüglicher Entschluss an die Geniedirektion Trient übermittelt worden war. Noch im September 1904 beschloss die für die Befestigungen der k.u.k. Monarchie zuständige Kommission unter Leitung des damaligen Generalstabschef Friedrich von Beck-Rzikowsky unter anderem die Fertigstellung der Ponalesperre für das Jahr 1905.Nicola Fontana: La regione fortezza. Il sistema fortificato del Tirolo: pianificazione, cantieri e militarizzazione del territorio da Francesco I alla Grande Guerra S. 206–211.

Der Gemeinderat von Riva widersetzte sich diesen Bauplänen der Geniedirektion und sah im Bau der Sperre und der damit verbundenen Beschränkungen ein Hindernis für die touristische Entwicklung der Stadt. Die Geniedirektion ihrerseits strebte an, den Grund am zweiten Straßentunnel zu erwerben und die nahegelegene Ponalequelle zu nutzen. Da keine Einigung zustande kam, wurde schließlich ein Enteignungsverfahren durch die Geniedirektion Trient eingeleitet, dem die Gemeinde widerwillig nachkam, aber Eingeständnisse abverlangte, was die Sperrzone und die Nutzung der Wasserleitung betraf. Am 19. Oktober 1905 kam es schließlich zu einer Einigung, nachdem man zuvor noch den Einspruch des Statthalters in Innsbruck wegen des zu hoch angesetzten Preises aus dem Weg räumen musste. Die militärischen Behörden erhielten auch die Zustimmung, zwei Eisengittertore am zweiten Straßentunnel zu errichten.Nicola Fontana: La regione fortezza. Il sistema fortificato del Tirolo: pianificazione, cantieri e militarizzazione del territorio da Francesco I alla Grande Guerra S. 393.

1909 bestand die Straßensperre Ponale aus der granatsicheren Flankierungsanlage mit Gewehrschießscharten am südlichen frontseitigen Tunnelausgang. Der Wirkungsbereich dieser auch als Rotes Werk bezeichneten Anlage, lag unmittelbar vor dem Straßentunnel. Letztere war ebenfalls Teil des Sperre und an den beiden Ausgängen mit Eisentoren verschlossen. Am nördlichen Tunnelausgang lag ein Unterkunftsgebäude in Form eines Blockhauses, während sich auf einem Bergvorsprung östlich des Straßentunnels eine offene Infanteriestellung befand. Die Besatzung der Anlage war auf 2 Offiziere und 72 Mann ausgelegt.Kurze Beschreibung Tagliata Ponale auf Italienisch, abgerufen am 11. April 2017.

Periode von 1910 bis 1918 Mit dem Jahr 1910, in dem Riva auch zur Festung erklärt wurde, begann für die Straßensperre eine neue Projekt- und Bauphase. Der Schwerpunkt der Bautätigkeit lag nun fast ausschließlich unter Tage.

So errichtete man 1911 einen kavernierten Maschinengewehrstand zur Nahverteidigung und zur Verteidigung der Frontseite. Dieser Stand war mit einer Stahlpanzerung versehen und konnte die Straße und den Bereich bis zur 80 m entfernten Flankierungsanlage ins Kreuzfeuer nehmen. Im gleichen Jahr gab man auch die offene Infanteriestellung auf dem Bergvorsprung östlich des Straßentunnels auf und errichtete stattdessen zwei Stellungen in Längsrichtung des Tunnels mit einem 3 × 3 m großen betonierten Unterstand zwischen beiden Stellungen, und einem ebenfalls betonierten Beobachtungsposten. An der Kehlseite verstärkte man die Verteidigung zusätzlich durch Drahtverhaue.

Kurz vor dem italienischen Kriegseintritt am 23. Mai 1915 beschrieb der Nachrichtendienst der 1. italienischen Armee unter anderem die Straßensperre Ponale. Darin hieß es, dass die Anlage aus einem Wachhaus mit zwei Räumen und Munitionsdepot bestehe, welches über gepanzerte Fensterläden und Schießscharten verfüge. Der ursprünglich für die Infanterie ca. 10 m über der Straßenebene errichtete Schützengraben wurde als erneuert angegeben und soll laut Nachrichtendienst in eine kleine abgedeckte Stellung umgewandelt worden sein, die wahrscheinlich mit kleinkalibriger Artillerie bestückt sei. Bekannt war den Italienern auch das südlich des Straßentunnels und etwas oberhalb der Straße gelegene Blockhaus. Über kavernierte Bereiche, wie den Maschinengewehrstand, wurde dagegen nichts berichtet.Comando I Armata - Ufficio Informazioni: Monografia 5. La Piazza Forte di Riva Parte II. S. 7.

Die Arbeiten an der Sperre endeten aber nicht mit Kriegsbeginn, im Gegenteil, während des Krieges erfuhr die Anlage ihren wesentlichen Ausbau als kavernierte Stellung. Im Februar 1916 wurden der Geniedirektion Pläne zum Bau von Batterieanlagen in der Ponalesperre vorgelegt. Zu diesem Zweck baute man den Berg gleich zu einem unterirdischen Verteidigungssystem aus, in dem auf mehrere Ebenen verteilt Unterstände, Munitionslager, Kommandostellen, Artilleriebeobachter, Scheinwerfer, Telefonzentrale etc. untergebracht waren. An dieser kavernierten Anlage wurde in abschnittsweise gearbeitet. Aus einer ehemals über dem Straßentunnel angebrachten Gedenktafel, von der Fotografien erhalten sind, geht neben den Erbauern auch die Bauzeit von 1916 bis 1917 hervor.Giovanni Fioroni: La Valle di Ledro nella Prima Guerra Mondiale 1915–1918 S. 75.Bericht zur Straßensperre u. a. mit dem erwähnten Foto auf Italienisch abgerufen am 12. April 2017. Es wurden aber wahrscheinlich auch noch 1918 Arbeiten ausgeführt, worauf eine entsprechende Jahreszahl schließen lässt, die sich an einem Brunnen im Werk findet.Arianna Tamburini, Lodovico Tavernini, Marco Ischia: La difesa sotterranea. Il Festungsabschnitt, settore fortificato di Riva e le sue opere in caverna nella Grande Guerra S. 203. Ein besonderer Aspekt der Ponalesperre lag in der Ausrichtung des Wirkungsbereiches der Anlage. Im Frontbereich diente das Werk lediglich als Straßensperre. Die Werksartillerie war dagegen einerseits auf die Kehlseite ausgerichtet, um eventuelle italienische Landungsversuche am Nordufer zu unterbinden, und andererseits war sie auf die Seeseite gerichtet. Der Frontbereich wurde dagegen ausschließlich durch Maschinen- und Gewehrfeuer bestrichen. mini|hochkant|Kehlseite während des Ersten Weltkrieges

Nach 1918