mini|Erzherzogin Marie Christine von Habsburg-Lothringen (um 1766) Maria Christina (auch Marie Christine) Johanna Josepha Antonia Erzherzogin von Österreich aus dem Haus Habsburg-Lothringen (* 13. Mai 1742 in Wien; † 24. Juni 1798 ebenda) war das fünfte Kind von Kaiser Franz I. Stephan und Maria Theresia sowie Erzherzogin von Österreich. Sie heiratete 1766 den Prinzen Albert von Sachsen und war seither Herzogin von Sachsen-Teschen sowie von 1781–1789 und 1791–1792 Statthalterin der Österreichischen Niederlande. Nach zweimaliger Vertreibung (1789 und 1792) aus den Niederlanden lebte die kunstsinnige Lieblingstochter Maria Theresias in ihren letzten Lebensjahren mit ihrem Gatten in Wien und starb dort 1798 im Alter von 56 Jahren.
Frühe Jahre mini|Stammbaum Maria Christina Maria Christina kam genau am 25. Geburtstag ihrer Mutter Maria Theresia zur Welt. Am nächsten Tag wurde sie in der Hofburg getauft; ihr vollständiger Taufname lautete Maria Christina Josepha Johanna Antonia. Am Wiener Hof wurde sie in ihrer Familie aber stets nur entweder Marie oder Mimi genannt. Im Gegensatz zu ihren Geschwistern wurde sie von Maria Theresia selten scharf getadelt, wie etwa Briefen zu entnehmen ist, die ihre Mutter an sie schrieb. Über ihre frühe Kindheit ist wenig bekannt. Ein vom 22. März 1747 datierender Bericht des preußischen Gesandten in Wien, Otto Christoph von Podewils, beschrieb die damals Fünfjährige als hübsch und geistreich. mini|311x311px|Erzherzogin Maria Christina von Österreich, Gemälde von Martin van Meytens (1750) Die schon in ihrer Jugend kapriziöse und temperamentvolle Erzherzogin erhielt durch ihre Eltern eine besonders liebevolle Erziehung. Dass Maria Christina so deutlich von ihrer Mutter bevorzugt wurde, beschwor die Eifersucht ihrer Geschwister herauf, die sie mieden und ihre herausragende Stellung innerhalb der Familie immer heftiger kritisierten. Auch mit ihrer Erzieherin, der Fürstin Maria Charlotte von Trautson-Falkenstein, verstand sich Maria Christina sehr schlecht. Doch Maria Theresia erfüllte ihren Wunsch, ihre Aja auszuwechseln, erst 1756, als sie die verwitwete Gräfin Maria Anna Vasquez, geborene Kokosowa, als neue Erzieherin bekam. Ihr Verhältnis zu dieser gestaltete sich deutlich besser. Einige Jahre danach stieg die Gräfin Vasquez sogar zur Obersthofmeisterin von Maria Christinas Hofstaat auf.
Als intelligentes, lernfreudiges und schnell auffassendes Mädchen genoss Maria Christina eine gewissenhafte Ausbildung. Der Jesuitenpater Lachner unterrichtete sie in mehreren Sprachen und Geschichte. Die Erzherzogin erlernte u. a. perfekt Italienisch und Französisch, das sie laut Podewils besonders gern sprach, sowie recht gut Englisch. Sie erwies sich auch sehr früh als talentierte Malerin. Ihre teilweise im Schloss Schönbrunn ausgestellten Zeichnungen der kaiserlichen Familie zeugen von ihrer großen künstlerischen Begabung. Sie porträtierte neben Familienmitgliedern auch sich selbst. Ferner kopierte sie Genrebilder holländischer und französischer Meister. Hervorzuheben ist ihr um 1762 entstandenes Gouache-Bild Nikolobescherung, auf dem ihr Vater Franz Stephan zeitungslesend dargestellt ist, ferner ihre Mutter Maria Theresia den Kaffee bereitend und ihre drei jüngsten Geschwister, Ferdinand Karl, Marie-Antoinette und Maximilian Franz mit deren Geschenken, etwa einer Puppe für Marie-Antoinette. mini|Selbstporträt der Erzherzogin, 1765 Als 17-Jährige hatte Maria Christina eine Romanze mit Ludwig Eugen von Württemberg, doch kam dieser als Herzogssohn für die Kaisertochter nicht als Gatte in Betracht und missfiel außerdem Maria Theresia. Anfang Jänner 1760 kam der Prinz Albert von Sachsen – der später Maria Christina ehelichen sollte – mit seinem Bruder Clemens an den Wiener Hof und wurde vom Kaiserpaar herzlich empfangen. Er lernte die hübsche Erzherzogin anlässlich eines Hauskonzerts, an dem sie mitwirkte, kennen und fasste bald große Zuneigung zu ihr, wie er in seinen Memoiren ausführt. Ende Jänner 1760 reisten Albert und Clemens wieder aus Wien ab.
Eine intensive Freundschaft verband Maria Christina in den nächsten Jahren mit der etwa gleichaltrigen Prinzessin Isabella von Parma, die am 6. Oktober 1760 Maria Christinas älteren Bruder, den späteren Kaiser Joseph II., in Wien heiratete. Unter anderem musizierten die beiden jungen Frauen öfters gemeinsam. Die schöne, gebildete und sehr sensible Isabella, die das Hofzeremoniell verabscheute und ihre überragende gesellschaftliche Stellung als Hochadlige als unglückliches, sinnleeres Schicksal betrachtete, gab sich trotz dieser inneren Einstellung nach außen hin fröhlich und scheinbar zufrieden. Während sie von ihrem Gatten sehr geliebt wurde, war sie ihrerseits ihm gegenüber eher zurückhaltend. Sie empfand vielmehr für Maria Christina eine – von dieser allerdings weniger intensiv erwiderte – innige Zuneigung, die sich in etwa 200 von ihr meist in Französisch verfassten, schwärmerischen Briefen an ihre Schwägerin ausdrückt. Von Maria Christina blieb nur eine Charakterstudie Isabellas erhalten, in der sie Isabella als liebenswürdig, gütig und generös schilderte, aber auch deren Schwächen nicht aussparte. Den frühen Tod ihrer immer mehr zu Melancholie und Todessehnsucht neigenden Schwägerin, die im Alter von nur knapp 22 Jahren am 27. November 1763 verstarb, bedauerte Maria Christina tief.Friedrich Weissensteiner: Die Töchter Maria Theresias. Bastei-Lübbe, Bergisch Gladbach 1996, ISBN 3-404-64145-0, S. 57–78.
Heirat mit Albert von Sachsen Im Dezember 1763 begab sich Prinz Albert von Sachsen nach Wien, um die Kaiserfamilie seines Beileids zu Isabellas Tod zu versichern. Er hatte die Bekanntschaft der Kronprinzessin kurz nach ihrer Heirat mit Joseph (II.) gemacht und, wie er in seinem Tagebuch vermerkte, auch ihre enge Freundschaft mit Maria Christina registriert. Zu Letzterer fühlte er sich unverändert stark hingezogen. 1764 sah er Maria Christina zunächst im Frühling in Wien und später in Preßburg, der damaligen Hauptstadt Ungarns, häufiger. Die Zuneigung beruhte auf Gegenseitigkeit. Allerdings glaubte Albert aufgrund seiner für imperiale Maßstäbe relativ finanzschwachen und politisch einflusslosen Stellung nicht daran, Aussicht auf eine Heirat mit der Kaisertochter zu haben. Dann wurde er aber nach Wien eingeladen, um ein neues Dienstreglement für die Kavallerie einzustudieren, durfte an Jagden und Amüsements des Kaiserhofs teilnehmen und erhielt von Maria Christina die Aufforderung, seinen Gefühlen für sie freien Lauf zu lassen, aber noch nicht öffentlich zur Schau zu stellen.
Maria Christina besaß einen starken Einfluss auf ihre Mutter, die tatsächlich ihr Verhältnis zu Albert befürwortete, jedoch zunächst geheim zu halten trachtete, da Kaiser Franz I. Stephan seine Tochter vielmehr mit dem Sohn seiner Schwester Elisabeth Therese, dem Herzog Benedetto Maurizio von Chablais, verheiraten wollte. So wirkte Maria Theresia darauf hin, dass ihre ungeduldig auf eine Entscheidung drängende Tochter in Bezug auf ihre Liaison mit Albert diese verschleiernd und vorsichtig abwartend auftreten solle. Die Verheimlichung ihrer Sympathien für den Prinzen fiel der Erzherzogin jedoch schwer, so dass sie neue mütterliche Mahnungen, weiterhin eine Stillschweigetaktik zu verfolgen, erhielt.
mini|Erzherzogin Maria Christina von Österreich, Herzogin von Teschen An einer im Juli 1765 erfolgten Reise der Kaiserfamilie nach Innsbruck, um dort die Hochzeit des späteren Kaisers Leopold II. mit Maria Ludovica von Spanien zu begehen, nahm auch Albert teil. Da der Herzog von Chablais ebenfalls bei der Vermählung anwesend war, hatten Maria Christina und ihr Prinz noch bedachtsamer vorzugehen. Nach der Hochzeit Leopolds starb Franz I. Stephan plötzlich am 18. August 1765 an einem Schlaganfall oder Herzinfarkt. Der Tod des Kaisers löste bei seinen Familienangehörigen tiefe Trauer aus, auch bei Maria Christina, deren Ehepläne aber nun auf keine Hindernisse mehr stießen, da ihre Mutter ja schon längst auf ihre Seite gezogen war. Neben ihrer älteren Schwester Maria Anna (die eine geistliche Laufbahn einschlug) war sie die einzige Tochter Maria Theresias, die nicht nach politischem Kalkül verheiratet wurde. Aufgrund der normalerweise ein gutes Jahr währenden Hoftrauer wegen des Ablebens des Kaisers war jedoch zunächst bei der Verwirklichung der beabsichtigten Eheschließung respektvolle Zurückhaltung angesagt.
Bereits im November 1765 wurde mit den Hochzeitsvorbereitungen begonnen. Maria Theresia trug dafür Sorge, dass das junge Paar fortan materiell wohlausgestattet war. Sie ernannte Albert im Dezember 1765 zum Feldmarschall und Statthalter von Ungarn, in welcher Funktion er in Preßburg residierte. Die Pressburger Burg wurde um 1,3 Millionen Gulden renoviert, wobei Maria Theresia sich sogar um die Auswahl der Möbel und des Tafelgeschirrs kümmerte. Bei Schloss Laxenburg ließ sie für Maria Christina und Albert das sogenannte Grünnehaus einrichten. Wenn das Paar später nach Wien kam, durfte es auch in den Zimmern der Kaiserinwitwe in der Hofburg wohnen. Maria Christina bekam von ihrer Mutter als reiche Mitgift das Herzogtum Teschen (Österreichisch-Schlesien) – woraufhin Albert Herzog von Sachsen-Teschen wurde –, Mannersdorf, Ungarisch-Altenburg (Komitat Wieselburg) und weitere Herrschaften sowie hunderttausend Goldgulden. Der Hofstaat des Paars umfasste etwa 120 Personen. Dieses bedeutende Heiratsgut Maria Christinas rief den Unmut und Neid ihrer Geschwister hervor.
Am 7. Jänner 1766 hielt Albert, der in der sächsisch-polnischen Thronfolge durch die Geburt zahlreicher Söhne seines ältesten Bruders Friedrich Christian weiter zurückgesetzt worden war, Einzug in Preßburg und konnte sich dabei einer höflichen Begrüßung durch Stände und Bevölkerung erfreuen. Am 2. April 1766 fand seine Verlobung mit Maria Christina statt, am folgenden 8. April die Trauung in der Kapelle von Schloss Hof östlich von Wien. Bei dieser Hochzeitszeremonie, bei der auch die Kaiserinwitwe anwesend war, trug Maria Christina ein weißes, perlenbesetztes Mousseline-Kleid und Albert eine Uniform, wohingegen die übrigen Gäste aufgrund der fortwährenden Hoftrauer schwarz gekleidet waren. Bald darauf zogen die Frischvermählten in Preßburg ein. Maria Christina wurde zeit ihres Lebens von ihren Schwestern, denen Liebesheiraten verwehrt worden waren, gemieden.
In den ersten Wochen nach der Hochzeit kam es zwischen Maria Christina, Albert und Maria Theresia zu einer regen Korrespondenz. Die Kaiserinwitwe gab dabei ihrer Tochter, die sie sehr vermisste, Verhaltensmaßregeln gegenüber deren Ehemann. Diesem solle sie sich fügen und nicht eigenständig entscheiden. Außerdem müsse sie einen an christlichen Werten orientierten, anständigen Lebenswandel pflegen. Das Herzogspaar genoss unterdessen sein Eheglück, hielt auf Schloss Preßburg einen glanzvollen Hof, veranstaltete hier prächtige Feste und reiste auch öfters nach Wien.Friedrich Weissensteiner: Die Töchter Maria Theresias, 1996, ISBN 3-404-64145-0, S. 78–88.
mini|Marie Christine von Österreich, Herzogin von Sachsen-Teschen (um 1776)
Nachkommen Maria Christina schenkte im Mai 1767 einer Tochter namens Christina das Leben, jedoch starb diese einen Tag nach der Geburt. Das Kindbettfieber befiel Maria Christina, während Albert Mitte Juni 1767 die Blattern bekam; beide Eheleute genasen aber wieder. Da Maria Christina aufgrund der schwierigen Entbindung keine weiteren Kinder gebären konnte, überredete sie 1790 ihren Bruder, Kaiser Leopold II., ihr seinen Sohn, Erzherzog Karl, zur Adoption zu überlassen, um einen Erben zu haben.
Prinzessin Christina von Sachsen-Teschen (* 16. Mai 1767; † 17. Mai 1767) adoptiert: Erzherzog Karl (* 5. September 1771; † 30. April 1847) (Neffe Maria Christinas, später bekannt als Sieger von Aspern).Friedrich Weissensteiner: Die Töchter Maria Theresias, 1996, ISBN 3-404-64145-0, S. 88.
Leben in Preßburg; Italienreise