An der Stelle des historischen Pfarrhofs in Cronheim stand ursprünglich das möglicherweise um 1140 errichtete und bewehrte Allodium des Rittergutes Cronheim. Es ist Teil der ehemaligen Vorburg des Schlosses Cronheim. Die Grund- und Erdgeschossmauern des Herrenhauses wurden vom fürstbischöflichen Bauinspektor Matthias Seybold beim Umbau 1749 teilweise wiederverwendet. Es ist damit eines der ältesten Gebäude am Ort. Der zweigeschossige verputzte Walmdachbau besitzt fünf zu vier Fensterachsen.

Lage Das Allodium befindet sich im Ortszentrum von Cronheim westlich von Gunzenhausen im mittelfränkischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich die ehemalige Judenschule und Synagoge des Ortes. Hofseitig ist es dem Schloss Cronheim zugewandt und ist Teil der Vorburg.

Erhaltungszustand – Allodium Vom ehemaligen, bewehrten Allodium stehen noch beträchtliche Gebäudereste, wenn dies auch nicht auf den ersten Blick erkennbar ist. Dieser glückliche Umstand ist nebst den verzwickten Eigentumsrechten dem genialen Architekten Matthias Seybold zuzuschreiben, der es unter Einbeziehung großer Gebäudereste des Vorgängerbaus geschickt verstand, das hochmittelalterliche Allodium in einen für diese Epoche zeitgemäßen Profanbau umzubauen. Dabei kürzte er die Mauer im Westen auf die heutige Länge des Gebäudes, erhielt sowohl die gesamte Süd- als auch die Ostmauer, letztere komplett einschließlich der anschließenden ehemaligen Ringmauer, die auch im Norden noch vollständig erhalten ist inklusive des Osttors, obgleich der Torbogen darüber entfernt worden ist. Die von Seybold ebenfalls erhaltene Ringmauer im Westen mit Hoftor wurden erst bei Renovierungsarbeiten 1982 beziehungsweise 1999 beim Bau des Kindergartens entfernt. Selbst Zwischenwände des ehemaligen Wirtschaftshof blieben in gekürzter Form erhalten und dienten nach Plänen Seybolds als Back- und Waschhaus. Die in gekürzter Höhe erhaltenen Erdgeschossmauern der Zehntscheune im Westen und Süden mussten auf Weisung der Stadt Gunzenhausen gar erst im März 2019, mit wenig Bedacht auf ihre historische Funktion, einem Holzlattenzaun weichen. Von 2016 bis 2021 wurde das Baudenkmal umfangreich saniert. Für die besondere denkmalpflegerische Leistung wurde es 2021 mit dem Denkmalpreis des Bezirks Mittelfranken ausgezeichnet.

Geschichte Das Allodium mini|Modell der Schlossanlage Cronheim. mini|Romanisches Haus Bad Kösen – so ähnlich sah wohl das Allodium Cronheim im 12. Jahrhundert aus mini|Getrud von Cronheim (1. Reihe, 2. v. R.) mini|Raubritter Eppelein von Gailingen – hielt sich u. a. im Allodium Cronheim versteckt mini|Das Allodium mit Zehntscheune, Innenhof, eigener Ringmauer und Tor nach der Zerstörung 1632. Links davon das Tor zur Vorburg. Im Hintergrund der enorme Schlosshof mini|Pfarrhof mit Teilen der alten Ringmauer der Vorburg. Das Tor zum Innenhof des Allodiums (heute Hoftor des Kindergarten).

Die Gründung des Ortes Cronheim geht wohl auf den ursprünglichen Meierhof, der zum Kloster Heidenheim gehörte, zurück. Durch Burchard von Cronheim, der bei einer Schenkung des Wolftrigel und Diemo von Fronhofen als Zeuge im Schenkungsbuch der Propstei Berchtesgaden genannt wird, trat urkundlich um 1140 ein Ortsadel in Erscheinung. Nach bisheriger Meinung wird das Gebäude als der Wirtschaftshof (Allodium) des danebenstehenden Schlosses Cronheim angesehen.Ralf Rossmeissl: Mikrokosmos Cronheim. Ein Dorf, drei Religionen. S. 19. Neueste Untersuchungen deuten jedoch darauf hin, dass die Anlage möglicherweise als ein Königshof der Staufer konzipiert wurde. Als gesichert gilt, dass der Bau des befestigten Rittergutes der ausdrücklichen Genehmigung des Königs bedurfte, der das Burgenbauregal besaß oder dass der Bau vom König selbst veranlasst wurde. Cronheim war ein reichsfreies Rittergut, das somit ursprünglich keiner landesherrlichen Besteuerung unterworfen war.Kurt Andermann, Reichsritterschaft, publiziert am 9. Mai 2011; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Reichsritterschaft> (2. August 2017) Dazu gehörten sowohl die NiedereKreisverband der Arbeiterwohlfahrt Roth-Schwabach: Mikrokosmos Cronheim: ein Dorf, drei Religionen. 2000, S. 38. als auch die Hohe Gerichtsbarkeit. Der Gerichtshof befand sich etwa 15 Meter südlich vom Herrenhaus.

Der Standort des Allodiums richtete sich nach dem damaligen Straßennetz, das, zumindest als einfache Wege weiterbestehend, auf die römischen Militärstraßen zurückging, die sich an dieser Stelle kreuzten. Eine Route führte von Nordwest/Südost von Rothenburg ob der Tauber über Herrieden, Arberg, den Limes bei Cronheim kreuzend nach Süden über Gnotzheim nach Regensburg beziehungsweise über Weißenburg nach Eichstätt und Ingolstadt. Eine weitere Route von Nordosten nach Südwesten führte von Nürnberg über Schwabach, Cronheim, Oettingen, Nördlingen nach Ulm beziehungsweise den Rangau umgehend nach Göppingen. Die günstige Verkehrsanbindung darf als ein Hinweis für die Königshoftheorie angesehen werden. Ob das Allodium, heute eher als Wirtschafts- oder Gutshof bezeichnet, sofort in Massivbauweise oder zunächst in Holz errichtet wurde, ist nicht bekannt. Spätestens vor der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts stand an dieser Stelle ein massives Wohnhaus, das mit eigener Ringmauer, Tor und Graben bewehrt war. Das Aufkommen von Feuerwaffen zu dieser Zeit erschwerte die Verteidigungsfähigkeit der kleinen Burg Cronheim. Hans von Cronheim sah sich nun veranlasst, die Wehrhaftigkeit der Anlage zu verstärken sowie die Lagerkapazität zur Lagerung der Zehntabgaben zu erweitern. Er entschied sich, die Nord-Süd-Achse des Herrenhauses in Richtung Süden bis zum damaligen Amtsknechthaus (heute Werkstätte der AWO) mit einer Ringmauer zu verlängern und eine zusätzliche Toranlage mit Zugbrücke einzubauen.Ralf Rossmeissl: Mikrokosmos Cronheim. Ein Dorf, drei Religionen. S. 38. Da die Zehntscheune bei einem Konflikt mit seinen Verwandten Heinrich und Hartung von Wiesenthau 1397 in Flammen aufging,Ralf Rossmeissl: Mikrokosmos Cronheim. Ein Dorf, drei Religionen, S. 35. errichtete Hans von Cronheim eine neue Zehntscheune im Norden der Anlage, die sich an die Ringmauer des Allodiums anschloss und diese gegen Osten teilweise ersetzte. Die Grundmauern der alten Zehntscheune wurden verstärkt, der ebenerdige Zugang vermauert und das Gelände aufgefüllt. Darauf errichtete er einen Wohnturm.Markus Schäfer: Der ehemalige Pfarrhof das „erste Cronheimer Schloss“? – Baugeschichtstheorie, Okt. 2021, auf Die Kirche St. Maria Magdalena wurde um 1411 zu einer Wehrkirche ausgebaut. Zeitgleich dürfte nach Schäfer auch der Wohnturm der neuen Wasserburg, erfolgt sein die er durch eine große Vorburg mit Schlosshof in Richtung Osten zusätzlich schützte. Spätestens ab diesem Zeitpunkt diente das des Allodiums nicht länger als Sitz der Herren von Cronheim, die mittlerweile in die von ihnen errichtete Wasserburg umgezogen waren. Das alte Herrenhaus des Rittergutes war nun von der Ortsherrschaft als Patronatsherr an die Kirche vermietet, die darin ihr Pfarrhaus einrichtete.

Hans von Cronheim und der Dorfpfarrer von Cronheim aus dem Geschlecht derer von Bernheim werden als Helfer des berüchtigten Raubritter Eppelein von Gailingen genannt. In den Prozessakten ist darüber vermerkt: „Item zu Cronheim sind sie uber naht gewesen und Hensel zu Cronheim hat sie gehauset. Item der pfaff vor derselben purg hielt sie auch, der ist der Bernheimer veter...“Ralf Rossmeissl: Mikrokosmos Cronheim. Ein Dorf, drei Religionen, S. 29, in Bezug auf Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Nürnberg, Bd. 2: Rechtsquellen der Reichsstädte. Lieferung 1/2 (Nürnberg 1960), Nr. 1024. Das Verwandtschaftsverhältnis des Pfarrers legt nahe, dass Eppelein von Gailingen zusammen mit seinem Schwiegersohn (Ehemann seiner Tochter Anna)Johann Gottfried Biedermann: Geschlechts-Register der reichs-frey-unmittelbaren Ritterschafft Landes zu Franken, Löblichen Orts an der Altmühl, 1748. Hermann von Bernheim und dessen Bruder DietrichKaspar Braun, Friedrich Schneider: Haus Chronik, Band 1, S. 105, München, Verlag Braun und Schneider im Allodium Unterschlupf fanden, wo auch ihr Vetter lebte.K. von Liliencron: "Die historischen Volkslieder der Deutschen vom 13. bis 16. Jahrhundert, Band 1, Lied Nr. 28, Vogel Verlag 1865.Ludwig Uhland, Adelbert von Keller, Franz Pfeiffer: Uhlands Schriften zur Geschichte der Dichtung und Sage, Band 4, S. 163, Stuttgart 1869. Aus dem Lehensbuch des Gerlach von Hohenlohe-Hohenlohe wird das Verwandtschaftsverhältnis noch etwas deutlicher. Darin ist beschrieben, dass „Ekkelin Geyling von Walde und her Hermann von Bernheim" gemeinsam ein Drittel des Zehnten zu Berltesheim“verm. Belzheim bei Ehingen am Ries, den zuvor „des Swarzzen Geylinges“ innehatte.Joseph Albrecht: Archiv für Hohenlohische Geschichte, 1860, S. 363. zu Lehen hatten. Demnach teilten Eppelein von Geilingen und Hermann von Bernheim sich dieses Erbe. Hermann von Bernheim ist darüber hinaus als Dienstmann des Gerlach von Hohenlohe genannt. Die Geschichte wurde 2008 nach dem Drehbuch von Peter Klewitz unter dem Namen Ekklins Knecht verfilmt.Ekkelins Knecht, Drehbuch: Peter Klewitz; Regie: Reinhard Kungel; Kamera: Nico Michel; Schnitt: Eberhard Nuffer; Laufzeit: 110 Minuten Hans von Cronheim, gespielt von Klaus Jugl, wird darin als Verräter des Eppelein dargestellt, was den wirklichen Geschichtsverlauf wohl nicht korrekt wiedergibt. 1397 wurde die Zehntscheuer in einer Fehde des Hans von Cronheim mit Heinrich und Hartung von Wiesenthau niedergebrannt.Die Theorie einer Zerstörung durch den Burggrafen von Nürnberg, so wie sie Rossmeissl darstellt, beruht wohl auf einer Urfehde die Heinrich von Wiesenthau am 11. November 1403 dem Burggrafen schwören musste, sowie Brandspuren im Innenhof des heutigen Schlosses die 1999 bei archäologischen Grabungen zu Tage traten. In der Urfehde fehlt jeglicher Hinweis auf eine Zerstörung. Wörtlich heißt es darin lediglich „daz hawsz angewonen und mich gefangen hat“ – er ihm also das (feste) Haus weg nahm und ihn dabei gefangen setzte. Weiter bekundet er darin große Dankbarkeit für die Rückgabe des (festen) Hauses („und mir darnach daz hawsz kronheim, durch meiner fründe vund meiner fleisziger bete willen, widergeben und mich ledig gesagt und gelassen hat“) die auf seine Bitte und durch Fürsprache von Freunden erfolgt war. Es lässt sich gar daraus schließen, dass zu dieser Zeit noch kein Wohnturm oder Burg im eigentlichen Sinne in Cronheim stand. So stellt es auch Schäfer in seiner „“Baugeschichtstheorie des Pfarrhofs in Cronheim dar. Die 1999 ausgegrabenen Brandspuren sind vielmehr Hinweise auf die 1397 niedergebrannte Zehntscheune, welches sich urkundlich auch belegen lässt. Das Wohngebäude scheint davon verschont geblieben zu sein. Auch als 1403 der Nürnberger Burggraf Johann III. angeblich die Wasserburg Cronheim zerstörte, wird nicht berichtet, dass dabei auch das Allodium zerstört wurde.

Um 1477 erweiterte Wilhelm von Cronheim die Gesamtanlage gegen Süden, indem er die Ortskirche St. Maria Magdalena zu einer Wehrkirche ausbaute, wodurch eine weitere Vorburg zum Schutz der Wasserburg entstand. Damit erstreckte sich die Gesamtfläche der Anlage inklusive der beiden Vorburgen (ohne Weiher) auf nahezu 8000 m².Ausgemessen im Bayern Atlas