mini|Standort der Burg Hasserode Die Burg Hasserode im gleichnamigen Stadtteil von Wernigerode am Harz war eine mittelalterliche Befestigungsanlage in der Nähe des Bahnhofs Hasserode der Harzer Schmalspurbahnen. Heute sind davon keine sichtbare Spuren mehr vorhanden.

Vorgeschichte Weit in das Mittelalter zurück reicht die archivalisch belegte Geschichte der Harzwälder rings um die einstmals selbständige Gemeinde Hasserode, die seit 1907 ein Stadtteil von Wernigerode ist. Ursprünglich hatte dieses Waldgebiet zum Reichsbannforst gehört, bevor die aus Haimar im Bistum Hildesheim stammenden und im Jahre 1121 erstmals urkundlich erwähnten Grafen von Wernigerode von den römischen Kaisern und deutschen Königen damit belehnt wurden.

Die Grafen von Wernigerode waren wie jedes Herrschergeschlecht bemüht ihren Einflussbereich auszudehnen. Im Harzvorland am Fuße des Huy genannten Gebirgszuges besaßen sie in verschiedenen Dörfern Grundbesitz. Diese Dörfer unterstanden jedoch den Grafen von Regenstein. Durch einen geschickten Schachzug versuchten die Wernigeröder Grafen, die Untertanen dieser Dörfer enger an sich zu binden, indem sie den dortigen Bauern Holznutzungsrechte in ihren Harzwäldern einräumten. So wird im Jahre 1253 bereits der „Hadebergeberg“ genannt, der noch heute unter dem Namen Heudeberberg bekannt ist und sich südlich des 1525 zerstörten Augustiner-Eremitenklosters Himmelpforten erstreckt. Hier hatte das regensteinische Dorf Heudeber Holznutzungsrechte. Weitere Dörfer erhielten von den Grafen von Wernigerode derartige Rechte spätestens in der Mitte des 14. Jahrhunderts in den Wäldern rechts und links der Holtemme und im Drängetal eingeräumt. Neben Heudeber gehörten Reddeber, Danstedt, Ströbeck, Athenstedt, Aspenstedt, Sargstedt und Runstedt dazu. Diese, meist am Huy gelegenen Gemeinden hatten in einem abgegrenzten Waldbezirk gewisse Berechtigungen, für die sich zu Beginn des 15. Jahrhunderts der Ausdruck Achtwort herausprägte. Unter mittelalterlichen Bedingungen stellte sich die Nutzung dieses Waldgebietes für die ca. 10 bis 30 km vom Harz entfernt liegenden Dörfer sehr problematisch dar. Zu ihrem Schutz und zur besseren Organisation der Bewirtschaftung des Forstes war ein Stützpunkt direkt am Fuße des Harzes nötig. Daher wird angenommen, dass von einigen der Huydörfern aus spätestens in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts im Harzwald eine Siedlung durch Waldrodung angelegt wurde: das heutige Hasserode. So erklärt sich auch die Tatsache, dass Hasserode wie viele der Huydörfer den Grafen von Regenstein unterstand, obwohl das Gebiet mitten im Herrschaftsbereich der Wernigeröder Grafen lag. Erst am 26. Juni 1343 veränderte sich diese Unterstellung, nachdem die Regensteiner im Machtkampf den Grafen von Wernigerode unterlagen und diesen u. a. die Dörfer Reddeber, Heudeber, Danstedt, Athenstedt und auch Hasserode käuflich abtreten mussten.

Ersterwähnung Die Urkunde des Bischofs Ludolf von Halberstadt vom 24. Juli 1236 gilt als erste namentliche Erwähnung von Hasserode. Der sich nach dieser Rodungssiedlung nennende Ritter Tidericus de Hartsrode bezeugt neben anderen Personen, dass der Bischof den Streit um kirchliche Besitzungen in Veltheim beigelegt hat. Dietrich von Hartesrode gehörte zu einem bisher wenig erforschten niederen Adelsgeschlecht, das einerseits zur Dienstmannschaft der Grafen von Wernigerode zählte und andererseits das Marschallamt des Hochstifts Halberstadt verwaltete. Bereits im Zeitraum 1207–1226 wird ein „Thidericus“ als Marschall des Hochstifts genannt, der mit großer Wahrscheinlichkeit der Vater des obengenannten Dietrichs von Hartesrode war. Letzterer ließ sich allem Anschein nach zwischen 1226 und 1236 in der im Entstehen begriffenen und nunmehr von ihm verwalteten dörflichen Ansiedlung am Fuße des Harzes nieder und sich an der Vereinigung von Holtemme- und Drängetal einen befestigten und mit einem Wassergraben umgebenen Wohnsitz errichten. Der genannte Ritter Dietrich von Hartesrode war es auch, der das in einem Seitental unweit seiner Burg gestiftete Augustiner-Eremitenkloster Himmelpforten im Jahre 1253 mit Wald- und Landbesitz ausstattete. Auch in späteren Jahren zeigen sich die Ritter von Hartesrode als großzügige Spender. So stifteten am 7. Februar 1298 die Brüder Johann, Dietrich und Anno von Hartesrode das Grundstück, auf dem damals die Heiligenblutkapelle erbaut worden war, dem Kloster Waterler (heute Wasserleben).

Von ihrem Sitz aus – dem festen Haus oder der Burg – verwalteten die Herren von Hartesrode neben der kleinen dörflichen Ansiedlung als oberste Holzwärter auch den Forstbezirk der acht Huydörfer. Aus der Zeit zwischen 1407 und 1429 stammt die erste bekannte Ordnung über die Holzgerechtigkeit der beteiligten Bürger- und Bauerngemeinden, die von Graf Heinrich von Wernigerode bestätigt wurde. Die Rechte der Dörfer bestanden u. a. darin, dass sie ihr Bau- und Brennholz aus dem festgelegten Waldgebiet nördlich und westlich von Hasserode, für welches sich im 16. Jahrhundert der Name „Landmann“ herausbildete, beziehen durften. Die Nutzung des Waldes war jedoch nicht uneingeschränkt möglich, es war kein Gemeindewald im eigentlichen Sinne, sondern dem Grundherrn, dem jeweils regierenden Grafen von Wernigerode (ab 1429 den Grafen zu Stolberg), standen weiterhin bestimmte Vorrechte zu. So blieb die Jagd den Grafen allein vorbehalten. Weiterhin war es nicht gestattet Tannen-, Ahorn-, Linden- und Eschenholz zu schlagen. Die übrigen Holzarten durften nur in der Zeit von Ostern bis zum 24. Juni gefällt werden und dann auch nur montags, mittwochs und am Sonnabend. Das geschlagene Holz musste nur auf bestimmten Holzwegen abtransportiert und durfte nur für den Eigenbedarf verwendet werden. Über die Einhaltung dieser Ordnung wachte ein eigenes Gericht, dem die Ritter von Hartesrode vorstanden und das auf der Burg Hasserode tagte. Erst nach dem Aussterben der Burgherren in männlicher Folge im Jahre 1398 wurde es in ein Gebäude bei der heute Hohe Warte genannten Anhöhe verlegt.

Der letzte Ritter Ludolf von Hartesrode wurde wie viele seiner Vorfahren in der Chorherrenstiftskirche St. Georgii und St. Sylvestri in Wernigerode beigesetzt. Nach seinem Tod ging das sich über 150 Jahre im Besitz der Herren von Hartesrode befindliche Marschallamt im Hochstift Halberstadt an die Ritter von Rössing über. Der Besitz von Hasserode fiel an die Grafen von Wernigerode als Lehnsherren zurück. Diese verpfändeten Hasserode zunächst an die Stadt Wernigerode. Letztendlich übereignete Graf Heinrich von Wernigerode am 29. Juni 1410 Hof und Dorf „Harteßrode“ mit allen Rechten und nutzbarem Eigentum dem Rat der Stadt Wernigerode. Er behielt sich und seinen Erben lediglich den Blutbann und die Oberhoheit vor. Von dieser Zeit ab sanken die nunmehr zum städtischen Eigentum gehörige und weit vor den Toren Wernigerodes gelegene Burg und Ansiedlung immer mehr in die Bedeutungslosigkeit herab. Äußeres Zeichen dafür war der Verfall der dem St. Andreas geweihten Dorfkirche. Wahrscheinlich wegen ihrer schlechten Vermögenslage und Baufälligkeit gaben am 11. Februar 1488 mehrere Kardinäle allen Gläubigen, welche diese Kirche an gewissen Festen besuchen und für diese ihre mildtätige Hand öffnen würden, für jeden dort zugebrachten Tag hundert Tage Ablass. Das Patronat über die Kirche gehörte dem nur wenige Kilometer von Hasserode entfernten Jungfrauenkloster Drübeck, das zahlreichen Grundbesitz in Hasserode und dem östlich benachbarten Marklingerode hatte. Noch 1486 werden mehrere, an das Kloster Drübeck zinspflichtige Höfe in Hasserode genannt, doch auch diese Höfe verfielen in den folgenden Jahrzehnten. Im Jahre 1530 wurden die Kirchenglocken von Hasserode nach Wernigerode gebracht und 1541 bewilligte die Äbtissin des Klosters Drübeck, Anna Spangenberg, dass die Einkünfte aus Hasserode, das als „desolat“ bezeichnet wird, künftig an die St. Nikolaikirche in Wernigerode gehen sollen. Viele Bewohner des Dorfes waren in die nahegelegene Stadt Wernigerode gezogen. Das Dorf Hasserode war spätestens in der Mitte des 16. Jahrhunderts zu einer Wüstung geworden. Nur ganz wenige Wirtschaftsgebäude im oberen Ortsteil, die für Bergbauzwecke oder als Mühlen am Wasserlauf der Holtemme genutzt wurden, blieben bestehen. Diese Bauten wurden dominiert von der alten Burganlage, die urkundlich nur noch selten Erwähnung findet.

Baugeschichte Über das Aussehen der Burg ist kaum etwas bekannt, wie überhaupt relativ wenige Ergebnisse bauhistorischer Forschungen über die Sitze niederer Adelsgeschlechter in Sachsen-Anhalt vorliegen.

Aus der Übereignungsurkunde von 1410 geht hervor, dass es sich um einen befestigten Hof, ein Festes Haus, gehandelt hat. Noch am Ende des 16. Jahrhunderts war der Gebäudekomplex von Wasser umflossen und mit einem gefütterten Graben, Wällen und Mauerwerk umgeben. Der Landschaftsmaler Pramme hat das Aussehen der Anlage in einem seiner Gemälde nachempfunden. Ihm lag eine skizzenhafte Darstellung der Burg auf einem Lageplan aus dem Jahre 1761 vor. Damals fehlte bereits der Burgturm, der 1548/49 an Cordt Welborn zum Abbruch vergeben worden war. Wohl an dessen Stelle wurde 1568 für den Gesindevogt ein neues Küchengebäude errichtet.

Nach einem Unwetter im Jahre 1581 setzte der Glaser „ufm Haus Harssrode“ 140 Fensterscheiben ein, was auf die stattliche Größe der Burg schließen lässt, zumal man bedenken muss, dass Sturmschäden in der Regel nur auf einer Seite eines Gebäudes entstehen.

Zu Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen, die die Grafschaft Wernigerode im Dreißigjährigen Krieg erlebte, richtete der städtische Rat von Wernigerode im Frühsommer 1624 oder 1625 im ihm gehörenden festen Haus Hasserode ein Festgelage für die beiden gräflichen Brüder Heinrich Ernst und Botho Ulrich zu Stolberg aus, bei dem auch die Stadtmusikanten aufspielten.

In den Kämmereirechnungen der Stadt Wernigerode werden mehrfach Ausgaben für die Burg Hasserode genannt. So fanden im Sommer 1625 Bauarbeiten an den Burgtoren statt. 1642 wird der Burggraben erwähnt, nämlich als im Auftrag des Rates von Wernigerode einige Soldaten, die sich auf der Burg Hasserode aufgehalten hatten, geholt werden sollten, flüchtete einer durch den Burggraben. Noch 1768 befanden sich in diesem Wassergraben, dessen Zu- und Abfluss gleichzeitig als Mühlgraben diente, zahlreiche Forellen.

Die Innenausmalung von Saal und Stuben wurde im Sommer 1667 erneuert. Dabei ist von besonderem Interesse, dass man die Wappen in den Fenstern des Festsaales der Burg vergoldete. Doch nur wenige Jahre später werden die Mauern des Gebäudes als baufällig bezeichnet. So fand am 16. Dezember 1676 eine Baubesichtigung auf dem „Hauß Harßroda, deßen Maur einfallen will“ statt. Immer wieder stößt man in den Rechnungen auf Ausgaben für Dachdeckerarbeiten, so im Oktober 1676 oder im August 1683. Für die späteren Jahre finden sich kaum noch Ausgaben für Bauarbeiten an der Burg.

Bereits vor dem ersten Dreißigjährigen Krieg hat es mehrere Straftaten in der unmittelbaren Umgebung der Burg Hasserode gegeben. Besondere Aufregung herrschte hinter den Burgmauern, als hier Elisabeth Horn ein uneheliches Kind zur Welt brachte. Um über die „Hurenbruchssache“ zu beraten, kamen am 7. Juli 1687 mehrere Herren des Stadtrats von Wernigerode „uff der Burg zu Haßroda“ zusammen.

Abtretung von Hasserode an Brandenburg-Preußen