Der Prinzenbau ist ein barocker Feudalbau in Stuttgart, der bis 1918 als Stadtschloss den württembergischen Herrschern zur Gästebewirtung und als Wohnstatt für Familienmitglieder diente. Seit 1919 wird der Prinzenbau als Verwaltungssitz benutzt und dient heute als Sitz des baden-württembergischen Justizministeriums.

Das Gebäude ist Teil des historischen Gebäudeensembles um das Schillerdenkmal am Schillerplatz, zu dem außerdem die Alte Kanzlei, das Alte Schloss, die Stiftskirche und der Fruchtkasten gehören.

Der Prinzenbau wurde unter der Regierung mehrerer württembergischer Herzöge erbaut. 1605 bis 1607 errichtete der Architekt Heinrich Schickhardt Keller und Sockelgeschoss im Stil der Renaissance. In den folgenden Jahrzehnten wurde der Bau zu einem 3-stöckigen Nutzgebäude ausgebaut. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde der Prinzenbau von Matthias Weiß (1636–1707) im barocken Stil umgebaut.#Wörner 2006. 1711 bis 1722 wurde das Gebäude von Philipp Joseph Jenisch und Johann Friedrich Nette um einen Anbau ergänzt, der den Prinzenbau übereck mit der Alten Kanzlei verbindet.#Goer 2008, Seite 42. Der Anbau schließt den #Kanzleibogen ein, einen bogenförmigen Durchgang vom Schillerplatz zur Königstraße.

Nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg 1944 wurde der Prinzenbau 1947–1951 unter Paul Schmitthenner in seinem äußeren Erscheinungsbild unverändert wieder aufgebaut und im Inneren den Anforderungen an einen modernen Verwaltungsbau angepasst.

Lage

mini | hochkant=1 | Prinzenbau und Alte Kanzlei → Bildkommentar.

Der Prinzenbau liegt am Schillerplatz in Stuttgart. Der Platz hieß ursprünglich Schloßplatz, ab 1817 nach der Erbauung des Neuen Schlosses Alter Schloßplatz und seit 1934 Schillerplatz (95 Jahre nach der Einweihung des namengebenden Schillerdenkmals).#Walter 1992, Seite 208, 210.

Um das Schillerdenkmal im Zentrum des Platzes gruppieren sich außer dem Prinzenbau weitere jahrhundertealte Gebäude: die Alte Kanzlei, das Alte Schloss, die Stiftskirche und der Fruchtkasten. Der Prinzenbau erstreckt sich mit seiner Vorderfront (Schauseite) gegenüber dem Alten Schloss. Die Rückfront grenzte ursprünglich an das 1586 erbaute Sicksche Haus am Großen Graben (heute Königstraße 11), das 1922 durch das heutige Gebäude der Commerzbank ersetzt wurde.#Wais 1955.2, Nummer 12, #Stuttgart 2008.

Gebäude Baukörper mini | hochkant=1.25 | Gebäudeteile des Prinzenbaus.

Die Fassaden des dreigeschossigen Gebäudes bestehen aus Schilfsandstein. Es steht auf einer rechteckigen Grundfläche und ist 55 Meter (Vorderseite) bzw. 67 Meter (Rückseite) lang und 16 Meter breit. Es besteht aus zwei Teilen: dem Hauptgebäude und dem Anbau. Die Vorderseite stößt im Osten rechtwinklig an die Alte Kanzlei. Ein Durchgang zwischen Prinzenbau und Alter Kanzlei, der Kanzleibogen, verbindet den Schillerplatz mit der Königstraße. Die Höhe des Gebäudes an der Vorderseite beträgt bis zur Dachtraufe etwa 15 Meter, bis zum Dachfirst etwa 24 Meter.#Goer 2008, Seite 39.

Das langgestreckte, hohe Walmdach hat eine Neigung von etwa 48 Grad.#Goer 2008, Seite 30. Der 2-stöckige Dachaufbau ist an der Vorderfront im 1. Dachstock mit 9 doppelfenstrigen, großen Giebelgauben besetzt und im 2. Dachstock mit 9 einfenstrigen, lukenartigen Flachdachgauben.

Hauptgebäude Vorderseite

mini | hochkant | Mittelachse, flankiert von Blendpfeilern in den drei Säulenordnungen.

Das klassizistische Hauptgebäude des Prinzenbaus erstreckt sich an der Vorderseite über 9 Achsen. Der barocke #Anbau zwischen Hauptgebäude und Alter Kanzlei verlängert die Vorderfront um zwei weitere Achsen, eine Fensterachse und den #Kanzleibogen.

Der dreigeschossige Bau wird in der Waagerechten durch drei durchlaufende Friese mit darüberliegendem Gesimsband gegliedert, die den Abschluss der Stockwerke bilden. Der Erdgeschossfries ist im Gegensatz zu den schmucklosen Friesen der Obergeschosse über den Schlusssteinen und über den Blendpfeilern der Bogenfenster mit Triglyphen verziert.

Blendpfeiler zwischen den Fenstern und doppelte Blendpfeiler an den Gebäudeenden gliedern das Gebäude in der Senkrechten. Die Säulenordnung der Blendpfeiler wechselt entsprechend der klassischen Reihenfolge geschossweise von der dorischen Ordnung im Erdgeschoss über die ionische Ordnung im ersten Stock zur korinthischen Ordnung im zweiten Stock.

Im Erdgeschoss gruppieren sich um die #Mittelachse mit dem Hauptportal symmetrisch je 3 Bogenfenster und ein Seitenportal an den Gebäudeenden. Die achtgliedrigen Sprossenfenster und die Seitenportale werden durch einen profilierten Bogen mit einem Fratzenschlussstein abgeschlossen. Die zweiflügeligen Holztore der Seitenportale sind im Fischgrätmuster gehalten und werden durch ein halbkreisförmiges Oberlicht mit fächerartigen Sprossen überkront. Die quadratischen, vierfach geohrten Sprossenfenster der Obergeschosse sind zweigeteilt und bestehen aus 4 × 4 Scheiben.

Mittelachse mini | hochkant=1.5 | Mittelportal.

Der Prinzenbau war ursprünglich ein 9-achsiges Gebäude, das an den beiden Seitenportalen endete. Nach dem Abbruch des Tunzhofer Tors, das sich zwischen Prinzenbau und Alter Kanzlei befand, wurde das Gebäude 1715 an der Vorderseite um 2 Achsen zur Alten Kanzlei hin erweitert.#Pfeiffer 1905.2, Seite 303. Dadurch liegt das Mittelportal heute scheinbar links von der Mittelachse des Gebäudes.

Vier breite, flache Stufen führen vom Schillerplatz durch das Mittelportal ins Innere des Gebäudes. Das Portal wird von zwei Pfeilern flankiert, auf denen ein Bogen ruht. Der Bogen schließt mit einer Fratze als Schlussstein ab. Die Portaltüren wurden nach dem Zweiten Weltkrieg durch eine moderne zweiflügelige Glastür und ein bogenförmiges Oberlicht ersetzt.

Der äußere Rahmen des Portals ist nach Art einer Ädikula gestaltet. Die Zwickel zwischen dem Bogen des Portals und der Ädikula füllen zwei Marmorreliefs mit Sitzfiguren, links eine Allegorie der Baukunst mit einem Richtscheit (?) und rechts eine Allegorie der Astronomie mit Schriftrolle und Jakobsstab. Sie sind das Werk von Benjamin Grünwald, der 1682 nach Stuttgart kam und dort als Hofbildhauer angestellt wurde.#Fleischhauer 1981, Seite 75–76.

Die Ädikula flankiert das Portal durch zwei gekuppelte, korinthische Säulenpaare auf hohen Sockeln, auf denen das Gebälk mit einem gesprengten Dreiecksgiebel ruht. Der Giebel birgt das überkronte kurfürstliche Wappen der Württemberger mit der Reichssturmfahne und den drei württembergischen Hirschstangen. Zwischen Gebälk und Giebel ist eine lateinische Inschrift in goldenen Großbuchstaben graviert, die wegen der Marmorierung des Steinuntergrundes fast unlesbar ist. Die Inschrift skizziert die Baugeschichte bis zum Jahr 1678, siehe #Baugeschichte.#Memminger 1817, Seite 269, #Pfeiffer 1905.1, Seite 123, #Wais 1954.2, Seite 112.

Die Mittelachse wird zusätzlich hervorgehoben durch einen Balkon im zweiten Obergeschoss, der auf Konsolen mit Tier- und Menschenmasken ruht. Die Fenstertüren des Balkons werden von einem Dreiecksgiebel überkront. Ursprünglich waren auch alle Fenster des zweiten Obergeschosses abwechselnd mit Segmentbogen- und Dreiecksgiebeln verdacht. Die Verdachungen wurden 1840 jedoch wegen ihres schadhaften Zustands entfernt.#Goer 2008, Seite 20.

Rückseite

mini | hochkant | Linke Seitenfront des Prinzenbaus.

Das Hauptgebäude des Prinzenbaus erstreckt sich an Rück- und Vorderseite über 9 Achsen. Der #Anbau zwischen Hauptgebäude und Alter Kanzlei verlängert die Rückfront um vier weitere Achsen, drei Fensterachsen und den Kanzleibogendurchgang. Die Rückseite des Prinzenbaus, die größtenteils durch das Commerzbankgebäude verdeckt wird, ist im Gegensatz zur Schauseite der Vorderfront vergleichsweise schlicht gehalten. Das Gleiche trifft für die beiden Schmalseiten des Gebäudes zu.

Die Rückfront und die Seitenfronten bestehen aus hellgelb verputztem Ziegelstein, abgesehen von den Pilastern und Fensterumrahmungen, die aus Sandstein bestehen. Die Rückfassade stützt sich auf den Sockel des #Untergeschosses. Sie wird in der Senkrechten über alle drei Stockwerke durch korinthische Kolossalpilaster gegliedert, die auf wuchtigen Quadersockeln ruhen. Die waagerechte Gliederung beschränkt sich auf das Traufgesims und ein durchlaufendes, breites und schmuckloses Gesimsband zwischen Untergeschoss und Erdgeschoss. Die Achsen der drei Geschosse sind mit Fenstern besetzt, die ebenso gestaltet sind wie die Obergeschossfenster der Vorderfront. Dasselbe trifft für die Obergeschosse der linken Seitenfront zu. Eine zweiläufige Treppe führt im Erdgeschoss zu einer Mitteltür, darüber liegen drei kleine Fenster. Zur rechten Seitenfront siehe #Anbau-Rückseite.

Anbau Vorderseite mini | hochkant=1 | Anbau des Prinzenbaus, Fassade am Schillerplatz. mini | hochkant=1.25 | Anbau des Prinzenbaus, Fassade gegenüber der Commerzbank.

Die Grenze zwischen dem 9-achsigen Hauptgebäude und dem 2-achsigen Anbau kennzeichnen die Doppelpilaster am rechten Ende des Hauptgebäudes. Die Gesimse des Hauptbaus werden über den Anbau hin fortgeführt, nicht jedoch die sie begleitenden Friese. Die linke Achse des Anbaus ist ähnlich gestaltet wie die Fensterachsen des Hauptgebäudes. Wegen der geringeren Breite der Achse wurden die zweiteiligen Fenster der Obergeschosse durch einteilige Fenster ersetzt. Auch das Erdgeschossfenster ist schmäler und wird durch einen flachen Segmentbogen mit einem keilsteinförmigen Schlussstein abgeschlossen.

Die rechte Achse nimmt im Erdgeschoss den Durchgang auf, in den Obergeschossen ein schmales Bogenfenster und ein Doppelfenster. Das Bogenportal des Durchgangs schließt mit einer volutenartig gerollten Agraffe. Die Ornamentierung des Portalrahmens (Spiralen im Bogenfeld, profilierte Pfeiler, Voluten am Bogenansatz) zeugt ebenso wie die Ausstattung der darüberliegenden Fenster von barocker Formauffassung. Das Rundbogenfenster im ersten Stock wird besonders hervorgehoben durch eine verschnörkelte Brüstung, die Verdachung mit Segmentbogen und Giebeldreieck, flankierende Säulchen und eine Schlusssteinmaske. Das Fenster im zweiten Stock entspricht den Obergeschossfenstern des Hauptbaus, wird jedoch von einem Relief mit einer verschnörkelten, floralen Kartusche und einer Dreiecksverdachung überkront.

Kanzleibogen Der Verbindungsgang zwischen Schillerplatz und Planie, der an die Hofapotheke in der Alten Kanzlei grenzt, verläuft diagonal durch den Anbau. In den Räumen links und rechts des Durchgangs sind Läden untergebracht, deren Schaufenster auf den Durchgang hinausgehen. Eine Gedenktafel im Kanzleibogendurchgang erinnert seit 1998 an den württembergischen König Wilhelm II.:

„Im Prinzenbau wurde am 25. Februar 1848 geboren Wilhelm II. König von Württemberg, im Volk geliebt und verehrt.“

Rückseite Zur Commerzbank hin endet der Durchgang in einem Renaissanceportal mit rustizierter Umrahmung, Dreiecksverdachung und einem keilsteinförmigen Schlussstein. Der Anbau beginnt an dieser Seite mit dem letzten Kolossalpilaster des Hauptbaus und setzt sich fort bis zu einem Kolossalpilaster mit dem #Kanzleibogenbrunnen an der Gebäudeecke. Die sich übereck anschließende Schmalseite zur Planie hin wird durch einen weiteren Kolossalpilaster von der Fassade der Alten Kanzlei getrennt. Die rückwärtige Fassade des Anbaus ist in allen drei Geschossen mit Fenstern wie am Hauptgebäude und einer einfachen Tür in der Mitte der Planiefront ausgestattet.#Fleischhauer 1981, Seite 168–169.

Untergeschoss