Dorf Mecklenburg ist eine Gemeinde im Landkreis Nordwestmecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist der Verwaltungssitz des Amtes Dorf Mecklenburg-Bad Kleinen, dem weitere acht Gemeinden angehören. Der Ort ist Teil der Metropolregion Hamburg.
Geografie Die Gemeinde Dorf Mecklenburg liegt zwischen der Hansestadt Wismar und dem Schweriner See, einem der größten deutschen Seen. Im leicht hügeligen Gelände befindet sich hier die Nordsee-Ostsee-Wasserscheide nur etwa zehn Kilometer von der Ostsee (Wismarer Bucht) entfernt. An der Gemeinde führt westlich der Wallensteingraben vorbei, der den Schweriner See als einziger Abfluss mit der Ostsee verbindet und von 1577 bis 1582 unter Herzog Ulrich entstand.
Umgeben wird Dorf Mecklenburg von der Stadt Wismar im Norden und den Nachbargemeinden Lübow im Nordosten, Hohen Viecheln im Südosten, Bad Kleinen im Süden, Groß Stieten im Südwesten, Bobitz im Westen sowie Metelsdorf im Nordwesten.
Die Gemeinde Dorf Mecklenburg besteht aus folgenden Ortsteilen:Hauptsatzung der Gemeinde Dorf Mecklenburg, § 1 (PDF; 319 kB).
Karow wurde 1928 im Güter-Adressbuch von Mecklenburg mit einem 35 ha Hof der Familie F. Schröder geführt. Vormals war die Gemarkung von Karow in mehreren Erbpachthufen aufgegliedert.
Kletzin bestand aus drei nummerierten 40 ha Bauernhöfen der Familien F. Westphal, J. Fromm sowie W. Siedenschnur.
Moidentin galt als Domäne des Freistaates Mecklenburg-Schwerin. Dieser fiskalischer Besitz von 331 ha wurde in Pacht gegeben, auch an Fritz Röper. Seine Vorfahren waren im Dorf schon Hausgutspächter. Der den damals höchsten Punkt der Region kennzeichnende Granitblock mit dem Schriftzug Burg Mecklenburg stammte einst aus der Feldmark Moidentin.
Olgashof hat eine sehr wechselvolle Historie. Es bestand in der vorletzten Jahrhundertwende als kleiner Gutssitz, 68,9 ha. Besitzer war die Familie von Poncet, vertreten durch Gaston von Poncet (1876–1937) und seiner Frau Ursula, geborene von Unruh (1886–1971). Das Paar lebte nicht dauerhaft auf Olgashof, zumeist in Bayern, wo beide auch starben. Zu Zeiten der DDR war die Landhausvilla ein Jugendwerkhof und gehörte zu einer Struktur mehrerer Einrichtungen, als Außenstelle des JWH Reinstorf. Heute wird das Gebäude und die direkt dazugehörigen 2,5 ha von der Gemeinschaft Olgashof genutzt und dient auch als Gäste- und Tagesstätte.
Petersdorf gehörte mit den Gütern Bobitz, Groß Krankow, Köchelsdorf, Tressow sowie Reservaten in Quaal und Käselow zum Güterkomplex der Grafen von der Schulenburg. Das eingeschossige Gutshaus Petersdorf ist erhalten.
Rambow wurde 1325 genannt, als Fürst Heinrich II. einen Grundstücksverkauf des Hermann von Rambow genehmigte; die Adelsfamilie wurde 1284 erstmals urkundlich erwähnt.Landeshauptarchiv Schwerin: Genealogische Sammlungen. Das Gut war u. a. im Besitz der Familien von Rambow (13./14. Jahrhundert) und von Bülow (1759–1771).
Rosenthal war ein Ort mit einem 134 ha Gut und stand bis Mitte des 20. Jahrhunderts so im Verbund mit Petersdorf, Besitzer Ernst Bock.
Steffin: Das Gut war seit 1865 Erbpachthof der Familie Ziemsen. Das Gut führten Ernst Ziemsen (1828–1909) und Harald Ziemsen. Das neoklassizistische, dreigeschossige Gutshaus wurde erneuert.
Geschichte
Die Mecklenburg, die ehemalige Burg der Gemeinde, ist Namensgeber für die gesamte Landschaft Mecklenburg und für das Land Mecklenburg-Vorpommern.
Die Burganlage der slawischen Abodriten wurde bereits 965 in einem Bericht des arabischen Händlers Ibrahim Ibn Jacub als Nakons Burg bezeichnet. Wie bei einer Ausgrabung von 1967 bis 1969 festgestellt wurde, ist sie in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts entstanden.Joachim Herrmann: Die Slawen in Deutschland. Geschichte und Kultur der slawischen Stämme westlich von Oder und Neiße vom 6. bis 12. Jahrhundert. Akademie-Verlag, Berlin 1985, S. 211 Aus Mikelenburg wurde im Laufe der Zeit Mecklenburg. König Otto III. erwähnte am 10. September 995 erstmals urkundlich die Mecklenburg. Bei ihr war ein wichtiger Sklavenmarkt. Sie wurde allerdings 1256 nach mehreren Zerstörungen wieder abgerissen, das Material wurde für den Bau des Schlosses Fürstenhof in der damals aufblühenden Stadt Wismar am südlichsten Punkt der Ostsee verwendet. Nachdem die Burg 1277 für die Schweriner Fürsten noch einmal aufgebaut worden war, wurde sie 45 Jahre später erneut und endgültig zerstört. Aus der Siedlung der Vorburg entstand in der Mitte des 14. Jahrhunderts das Dorf Mecklenburg. Die jetzige Straße „Am Burgwall“ führt zu dem heute noch sichtbaren Ringwall, der seit den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts als Friedhof genutzt wird.
Von 1952 bis 1994 gehörte Dorf Mecklenburg zum Kreis Wismar-Land (bis 1990 im DDR-Bezirk Rostock, 1990–1994 im Land Mecklenburg-Vorpommern). Seit 1994 liegt die Gemeinde im Landkreis Nordwestmecklenburg.
Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 2690 1995 2998 2000 3006 2005 3090 2010 2902 2015 3023 Jahr Einwohner 2020 3162 2021 3273 2022 3204 2023 3158 2024 3183
Stand: 31. Dezember des jeweiligen JahresStatistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Dorf Mecklenburg besteht aus 14 Mitgliedern. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 68,6 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Freie Wählergemeinschaft Dorf Mecklenburg (FWG) 40,1 % 7 44,9 % 6 CDU 19,2 % 3 18,3 % 3 Die Linke 17,9 % 2 10,9 % 2 Einzelbewerber Jörg Spangenberg – – 8,5 % 1 Einzelbewerberin Sabine Chobe – – 6,1 % 1 Einzelbewerber Andreas Grahn 4,6 % 1 5,6 % 1 Einzelbewerber Mathias Linde – – 3,0 % – Einzelbewerberin Kathrin Gerhahn – – 1,5 % – FDP – – 1,1 % – SPD 9,4 % 1 – – Bündnis 90/Die Grünen 8,9 % 1 – – Insgesamt 100 % 15 100 % 14
Bürgermeister bis 2014: Peter Sawiaczinski (Freie Wählergemeinschaft Dorf Mecklenburg), 2014 verstorben 2015–2019: Torsten Tribukeit (Die Linke)Torsten Tribukeit neuer Bürgermeister von Dorf Mecklenburg auf originalsozial.de. 2019–2023: Burkhard Biemel (Freie Wählergemeinschaft Dorf Mecklenburg), am 26. Mai 2019 mit 51,6 % der gültigen Stimmen gewähltErgebnis der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 (PDF; 2,3 MB). seit 2023: Jörg Dargel (Freie Wählergemeinschaft Dorf Mecklenburg), am 23. Juli 2023 mit 58,2 % der gültigen Stimmen gewählt
Die Amtsdauer des Bürgermeisters beträgt fünf Jahre.Kommunalverfassung für das Land Mecklenburg-Vorpommern § 37 (3)
Wappen
Flagge Die Flagge wurde von dem Rosenthaler Peter Neichel gestaltet und am 9. August 2012 durch das Ministerium des Innern genehmigt.
Die Flagge ist gleichmäßig längs gestreift von Rot und Gelb. In der Mitte der Streifen liegen jeweils die Figuren des Gemeindewappens: im roten Streifen eine weiße slawische Burg mit drei Türmen auf dem Wall, die zwei Drittel der Höhe des Streifens einnimmt, im gelben Streifen ein hersehender, gelbgekrönter schwarzer Stierkopf mit aufgerissenem rotem Maul, weißen Zähnen, ausgeschlagener roter Zunge, in sieben Spitzen abgerissenem Halsfell und weißen Hörnern, der sieben Neuntel der Höhe des Streifens einnimmt. Die Höhe des Flaggentuchs verhält sich zur Länge wie 2:3.Hauptsatzung der Gemeinde Dorf Mecklenburg, § 1 (PDF; 319 kB).
Dienstsiegel Das Dienstsiegel zeigt das Gemeindewappen mit der Umschrift .
Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Holländerwindmühle Dorfkirche Dorf Mecklenburg, Backsteinbau aus dem 14. Jahrhundert; Innen: Bemalte Kassettendecke (17. Jahrhundert), Altar von 1622, Kanzel von 1618, Triumphbalken mit Kreuzigungsgruppe von 1633. Windmühle auf dem 43 Meter hohen Rugenberg, 1849 erbaute Sockelgeschoss-Holländerwindmühle, beherbergt heute einen Hotel- und Restaurantbetrieb.Mühlenverein Mecklenburg-Vorpommern e. V., Waren (Müritz); Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke - Berlin - Brandenburg - Mecklenburg-Vorpommern e. V., Parchim (Hrsg.): Vergessene Mühlen in Mecklenburg-Vorpommern. Berlin: Georgenverlag 1995. Seite 62–63. Kreisagrarmuseum von 1978 im umgesetzten Fachwerkhaus mit Dauerausstellung auf etwa 1000 m²: Einblick in die Landwirtschaft mit Landmaschinen und Geräte, Geschichte der Burg, des Ortes und des Wallensteingrabens, museumspädagogische Programme, Sonderausstellungen und Veranstaltungen.Website des Kreisagrarmuseums Dorf Mecklenburg Es stellt 8 Motorräder, 3 Mopeds, 3 Fahrräder, 1 Automobil, 27 Lastkraftwagen und Traktoren, 12 Motoren sowie Sonderfahrzeuge wie Feldbahnlokomotiven aus.Dieter Lammersdorf: Oldtimermuseen in Deutschland. Johann Kleine Vennekate-Verlag, Lemgo 2014, ISBN 3-935517-06-8, S. 28. Burgwall der ehemaligen Burg Mecklenburg Pfarrhaus von 1767, Fachwerkhaus und Pfarrscheune von 1701 sowie Predigerwitwenhaus (ca. 1760 als Fachwerkbau errichtet) Alte Dorfschule vom Ende des 19. Jahrhunderts Denkmal für die Opfer der Weltkriege, Findling mit Namenstafel für die Gefallenen des Ersten und Gedenktafel für die Toten des Zweiten Weltkriegs Gutshaus Olgashof
Wirtschaft und Infrastruktur In der Gemeinde gibt es zwei Gewerbegebiete.
Verkehr
Dorf Mecklenburg liegt an der Bundesstraße B 106 von Wismar nach Schwerin und der Landesstraße L 103 nach Kritzow. Die Autobahn A 20 zwischen Lübeck und Rostock verläuft über das Gemeindegebiet. Die nächstliegende Anschlussstelle ist Wismar-Mitte.
Der Bahnhof Dorf Mecklenburg und der Haltepunkt Moidentin liegen beide an der Bahnstrecke Ludwigslust–Wismar. Sie werden stündlich von der Regional-Express-Linie RE 8 von Wismar nach Ludwigslust bedient, von wo es zweistündlich nach Wittenberge weitergeht. Von dort aus geht es wieder stündlich über Berlin und Doberlug-Kirchhain bis Elsterwerda. Betrieben wird sie durch die Ostdeutsche Eisenbahn.
Bildung Kindertagesstätte Mäckelborger Kinnergorden Grundschule Verbundene Regionale Schule und Gymnasium „Tisa von der Schulenburg“
Vereine Mecklenburger SV mit den Sektionen Fußball, Handball, Badminton, Tischtennis, Volleyball und Gymnastik Schachclub Mecklenburger Springer Kulturverein Dorf Mecklenburg Musikverein Blasorchester Dorf Mecklenburg Anglerverein De Petri-Jünger’s
Persönlichkeiten Wilhelm Abraham (1894–nach 1949), Politiker (CDU), Schmied in Dorf Mecklenburg
Literatur
Weblinks
Dorf Mecklenburg auf den Seiten des Amtes Dorf Mecklenburg-Bad Kleinen
Einzelnachweise
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