mini|Vorplatz der Berliner Philharmonie, der Ort der Planung und Organisation der „Euthanasie“-Morde mini|Villa Tiergartenstraße 4 vor 1921

mini|hochkant|Gedenkstele Aktion T4 an der Tiergartenstraße 4 mini|Gedenktafel Herbert-von-Karajan-Straße 1 (mit einem Foto der Villa) mini|Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde

Tiergartenstraße 4 (mit dem Tarnkürzel T4)Für die Adresse der damaligen Zentraldienststelle T4 bzw. das geheim durchgeführte Mordprogramm Aktion T4. ist eine Adresse an der Tiergartenstraße im Berliner Stadtteil Tiergarten am Südrand des Großen Tiergartens nahe dem Potsdamer Platz in unmittelbarer Nähe der von Hans Scharoun erbauten und 1963 eingeweihten Berliner Philharmonie (Herbert-von-Karajan-StraßeDie frühere Matthäikirchstraße. 1) und des Musikinstrumentenmuseums (Tiergartenstraße 1).

Geschichte Ein Gebäude mit der Adresse Tiergartenstraße 4 existiert heute nicht mehr. Auf dem Grundstück dieser Adresse, seinerzeit eine der feinsten Wohngegenden Berlins, befand sich früher eine spätklassizistische Villa, die 1890 für den Bankier und Kunstmäzen Valentin Weisbach erbaut wurde. 1909 wurde sie von dem jüdischen Textilindustriellen Georg Liebermann (1844–1926) erworbenHinz-Wessels: Tiergartenstraße 4 : Schaltzentrale der nationalsozialistischen »Euthanasie«-Morde. 2015, S. 11, (online). und das Gebäude ging später in den Besitz von Eva Köbener und Hans Liebermann (1876–1938) über. Das Antiquariat des Berliner Kunsthändlers Paul Graupe (1881–1953)Zur Person, vgl. Patrick Golenia, Kristina Kratz-Kessemeier, Isabelle Le Masne de Chermont: Paul Graupe (1881–1953): Ein Berliner Kunsthändler zwischen Republik, Nationalsozialismus und Exil. Mit einem Vorwort von Bénédicte Savoy. Köln, Weimar, Wien: Böhlau Verlag 2016 (Online-Teilansicht). befand sich unter dieser Adresse, ebenfalls das Buch- und Kunstantiquariat Hermann Ball,Zur Person Hermann Ball (gest. 1924), vgl. arthistoricum.net: Auktionshäuser in Berlin (Abschnitt: „Hermann Ball“). die gemeinsam Auktionen durchführten.Vgl. beispielsweise den Katalog Die Sammlung Prinz Friedrich Leopold von Preussen mit Beiträgen aus deutschem Fürsten- und Berliner Privatbesitz. Berlin 1931 (Versteigerung am 27. und 28. November 1931) – Digitalisat Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten wurde das Gebäude „quasi beschlagnahmt“. (Matthias Liebermann)

In der Stadtvilla befand sich seit Frühjahr 1940 die Planungs- und Verwaltungsbehörde für die unter dem Tarnnamen Aktion T4 bekannten „Euthanasie“-Morde – die Ermordung kranker und geistig behinderter Menschen. Sowohl die geheime „Zentraldienststelle“ („Gemeinnützige Stiftung für Anstaltspflege“) als auch das Mordprogramm selbst wurden unter dem Kürzel T4 nach dieser Adresse benannt. Das Mordprogramm richtete sich „gegen psychisch Erkrankte, geistig und körperlich Behinderte sowie ,rassisch‘ und sozial Unerwünschte.“Stefanie Endlich, Sigrid Falkenstein, Helga Lieser, Ralf Sroka (Hrsg.): Tiergartenstraße 4 : Geschichte eines schwierigen Ortes. Metropol Verlag 2014. Es wurde darauf hingewiesen, dass viele der an diesen Verbrechen Beteiligten auch beim Massenmord an Juden, Sinti und Roma in den Vernichtungslagern Belzec, Sobibór und Treblinka eingesetzt waren: „Sie blieben dabei Mitarbeiter der ‚T4‘-Zentrale.“Hinz-Wessels: Tiergartenstraße 4 : Schaltzentrale der nationalsozialistischen »Euthanasie«-Morde. 2015.

Das Gebäude wurde 1944 im Zweiten Weltkrieg bei alliierten Luftangriffen schwer beschädigt und später in den 1950er Jahren abgerissen.

Im Jahr 1989 wurde eine Gedenkplatte in den Boden eingelassen mit dem folgenden von Götz Aly und Klaus Hartung entworfenensigrid-falkenstein.de, abgerufen am 16. April 2017 Text:

In der Tiergartenstraße befindet sich an diesem Platz heute die Endhaltestelle mehrerer Buslinien.

Gedenkstätte Seit dem 2. September 2014 befindet sich auf dem Grundstück (nördlich des Kultur-Forums) ein Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde.

Sonstiges Christoph Klimke schrieb ein 2008 uraufgeführtes Theaterstück Tiergartenstraße 4.Wider das Vergessen TRIBUENE „Tiergartenstraße 4“ von Christoph Klimke. In: berliner-zeitung.de, 28. März 2008 Unter dem Titel T 4. Ophelias Garten erschien 2016 ein Drama in zwei Akten von Pietro Floridia.dnb.de

Siehe auch Viktor Brack Werner Heyde Christian Wirth Aktion Reinhardt

Literatur Götz Aly (Hrsg.): Aktion T 4. 1939–1945. Die 'Euthanasie'-Zentrale in der Tiergartenstraße 4. (= Stätten der Geschichte Berlins, Bd. 26). Edition Hentrich, Berlin. 2. erw. Aufl., 1989, ISBN 3-926175-66-4. Stefanie Endlich, Sigrid Falkenstein, Helga Lieser, Ralf Sroka (Hrsg.): Tiergartenstraße 4 : Geschichte eines schwierigen Ortes. Metropol Verlag 2014, ISBN 978-3-86331-165-0 (Verlagslink). Annette Hinz-Wessels: Tiergartenstraße 4 : Schaltzentrale der nationalsozialistischen »Euthanasie«-Morde. Christoph Links Verlag 2015, ISBN 978-3-86153-848-6 (Verlagslink, Online-Teilansicht). Raimond Reiter: Opfer der NS-Psychiatrie. Tectum Verlag 2007, ISBN 978-3-8288-9312-2. Tiergartenstraße 4 : Gedenk-Ort und Informations-Ort für die Opfer der national-sozialistischen »Euthanasie«-Morde. Heft in Leichter Sprache 2014, ISBN 978-3-942240-15-4. (Verlagslink) Tiergartenstrasse 4. Memorial and Information Point for the Victims of National Socialist Euthanasia Killings. Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, 2016, ISBN 978-3-942240-19-2. Klaus Vellguth: Aktion T 4 – Mord mit System. Verlagsgem. Topos 2014, ISBN 978-3-8367-0870-8.

Weblinks Gedenkort T4 Erinnerung im Stadtraum (Gedenkort T4) (Stefanie Endlich) Virtuelle Ausstellung des Historikers und Journalisten Götz Aly, die seinerzeit zur Einweihung der Gedenkplatte an der Philharmonie gezeigt wurde. Tiergartenstrasse 4 – Geschichte eines schwierigen Ortes – t4-ausstellung.de Die Geschichte der Villa an der Tiergartenstraße 4 (Matthias Liebermann) „Aktion T4“ – Tiergartenstraße 4 (Sigrid Falkenstein) tiergartenstrasse4.org

Einzelnachweise und Anmerkungen

Kategorie:Tiergartenstraße Kategorie:Gedenkort der Aktion T4 Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Berlin