Karl-Ludwig Schuchmann (* 7. Oktober 1948 in Weiterstadt) ist ein deutscher Ornithologe und Naturschützer.
Leben und Wirken Zwischen Januar 1970 und August 1979 studierte Schuchmann an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main Soziologie, Politologie, Psychologie und Biologie.
Mitte bis Ende der 70er Jahre sammelte er in der Karibik Material für seine Doktorarbeit. Dabei korrespondierte er u. a. mit James Bond, der in dieser Zeit als Fachmann für die karibische Avifauna galt. Schuchmann lernte in dieser Zeit auch Bob Marley kennen, der bei ihm um die Ecke wohnte.Gestatten: James Bond, Vogelkundler Interview mit Karl-Ludwig Schuchmann in der Welt am Sonntag vom 8. Dezember 2002 1979 promovierte er schließlich an der Goethe-Universität zum Thema Die Sonderstellung der endemischen Kolibrigattung Trochilus auf den Antillen.Die Sonderstellung der endemischen Kolibrigattung Trochilus auf den Antillen bei der UB Frankfurt
Im Januar 1980 bis zu seiner Emeritierung im Dezember 2014 war er als Kurator für Ornithologie am Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig tätig. Von Dezember 1987 bis Oktober 1993 arbeitete er zusätzlich als Dozent und betreute Doktorarbeiten in Biologie an der Goethe-Universität. Ab Mai 1994 bis Dezember 2014 hielt er Vorlesungen in organismischer Biologie und vermittelte Präsentationstechniken. Seine Forschungsschwerpunkte in dieser Zeit waren Tropenökologie, Tier-Pflanzen-Beziehungen und Biogeographie.Karl-L. Schuchmann CV bei Research Gate
Im Frühjahr 1988 war er zusammen mit Kollegen der Universidad del Valle in Cali im superhumiden Regenwald im Südwesten von Kolumbien unterwegs um jahresperiodische Zusammenhänge der Fortpflanzung, Mauser und Nahrungsbiologie von westandinen Vögeln im Rahmen eines dreijährigen Forschungsvorhaben zu untersuchen. Als Ergebnis publizierte er bereits 1986 z. B. gemeinsam mit Gertrud Schuchmann Wegert einen Artikel Balzverhalten des Guayana-Felsenhahnes (Rupicola rupicola). Ab März 1992 erforschte im Bereich der ZFMK-Station Alexander von Humboldt am Río Anchicayá, Kolumbien, die Interaktionen zwischen Kolibris und Kolibriblumen. Die Leitung der Station unterlag damals Heike Brieschke. Seine Untersuchungen erfolgen im Rahmen eines zweijährigen Schwerpunktprogrammes der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit dem Ziel „Mechanismen zur Aufrechterhaltung tropischer Diversität“ zu erforschen.Gesellschaft der Freunde und Förderer des Museums Alexander Koenig-Bonn, S. 76.
Von Mai 1889 bis Juli 1989 arbeitete er bei Luis Felipe Baptista (1941–2000) als Gastforscher an der California Academy of Sciences und untersuchte dabei den Annakolibri. Im Mai 1994 wird er Professor mit Lehrberechtigung und Mitglied der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Hier lehrt er organismische Biologie, Evolutionsbiologie und Paläontologie. Von 2012 bis 2016 war er Gastprofessor am Instituto Nacional de Ciência e Tecnologia em Áreas Úmidas der Föderalen Universität von Mato Grosso. Hier forschte er mit Hilfe von computergestützter Analyse die Bioakustik.
Im Jahr 2009 war er Projektleiter in einem Team, das mit Hilfe von Kamerafallen und Direktbeobachtungen die terrestrische Säugetierfauna im brasilianischen Pantanal erkundete. Dabei stand die Erforschung des Großen Ameisenbärs im Fokus. 2011 begleitete er ein Projekt zur Biodiversitätserfassung migratorischer Vogelarten, welches durch Conselho Nacional de Desenvolvimento Científico e Tecnológico finanziert wurde. Seit 2014 betreut er ein Projekt das die Biogeographie endemischer Taxa der Mata Atlântica und Amazoniens untersucht. Das Projekt ist über den Brehm Fonds für internationalen Vogelschutz e. V., ein Fonds der Forschungs- und Zuchtprogramme für hochbedrohte Vogelarten aus aller Welt, gefördert. Ein weiteres Projekt ist die Erforschung der Biodiversität von Schlüsseltaxa im Pantanal mit Datenbank und Methodenoptimierung, das über die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanziert wird.Prof. Dr. Karl-Ludwig Schuchmann beim Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig
Als die Gesellschaft für Tropenornithologie mit einer Zusammenkunft vorwiegend an der Biologie und Haltung von Kolibris interessierter Vogelfreunde im Oktober 1980 im Museum Koenig in Bonn begann, verständigte man ich dort auf die Gründung eines Arbeitskreises, der 1981 als „Arbeitskreis der Kolibrifreunde e. V.“ im Vereinsregister Bonn registriert wurde. Treibende Kraft der Vereinigung war Schuchmann.
Schuchmann war Herausgeber von Tropical vertebrates in a changing world aus der Schriftenreihe Bonner zoologische Monographien. Dazu publizierte er Bucher wie Kolibris – Haltung und Pflege, Die Jamaika-Kolibris – Trochilus polytmus und Trochilus scitulus oder Nektarvögel. Biologie, Haltung und Pflege. Für den fünften Band des Handbook of the Birds of the World verfasste er das Kapitel über die Kolibris.
Erstbeschreibungen durch Karl-Ludwig Schuchmann Schuchmann hat einige Arten bzw. Unterarten, die neu für die Wissenschaft waren, beschrieben. Dabei hat er mit u. a. gemeinsam mit Hans Edmund Wolters, Thomas Züchner, André-Alexander Weller, Iris Heynen und Eike Wulfmeyer, publiziert. Zu den neuen Arten und Unterarten gehören chronologisch u. a.:
Arten Die von Armando Valdes-Velasquez und ihm beschriebene Art der Schwarzkronennymphe (Thalurania nigricapilla) wird heute nicht mehr anerkannt. Vielmehr handelt es sich dabei um ein Synonym einer Unterart der Violettkronennymphe (Thalurania colombica subtropicalis , 1932).
Unterarten Malaiengirlitz (Chrysocorythus estherae renatae ( & , 1982)) Kurzschnabelkolibri (Ramphomicron microrhynchum bolivianum , 1984) Veilchenkehlkolibri (Coeligena violifer albicaudata & , 1998) Braunschwanzamazilie (Amazilia tzacatl brehmi & , 1999) Kupferglanz-Höschenkolibri (Haplophaedia aureliae cutucuensis , & , 2000) Violettkehl-Höschenkolibri (Eriocnemis vestita arcosae , & , 2001) Langschwanz-Höschenkolibri (Eriocnemis luciani meridae , & , 2001) Samtbauchkolibri (Lafresnaya lafresnayi longirostris , & , 2003) Grünschwanzsylphe (Lesbia nuna aureliae & , 2004) Grünschwanzsylphe (Lesbia nuna huallagae & , 2004)
Dedikationsnamen Kurt K. Günther nannte 1994 eine Dreizehenschreckenart Mirhipipteryx schuchmanni.Kurt K. Günther, S. 1.
Publikationen (Auswahl)
Literatur
Weblinks
Prof. Dr. Karl-Ludwig Schuchmann beim Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig Karl-L. Schuchmann CV bei Research Gate
Einzelnachweise
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