mini|Kreishaus Witzenhausen Der Landkreis Witzenhausen war als Kreis Witzenhausen bis 1866 ein kurhessischer, danach bis 1945 ein preußischer Kreis und dann als hessischer Landkreis bis 1973 eine untere territoriale Einheit der inneren Verwaltung; ab 1885 war er auch eine kommunale Selbstverwaltungskörperschaft. Ab 1974 bildet sein ehemaliges Gebiet heute den nördlichen Teil des Werra-Meißner-Kreises im Nordosten von Hessen und umfasst die Städte Witzenhausen, Bad Sooden-Allendorf, Großalmerode, Hessisch Lichtenau, die Gemeinde Neu-Eichenberg sowie den Gutsbezirk Kaufunger Wald. Sitz des Landkreises war die Stadt Witzenhausen.
Geographie Der Landkreis grenzte Ende 1973, im Nordwesten beginnend im Uhrzeigersinn, an den Landkreis Göttingen in Niedersachsen, an den Kreis Heiligenstadt im Bezirk Erfurt der DDR sowie an die hessischen Landkreise Eschwege, Melsungen und Kassel.
Geschichte Kurhessen Der Kreis Witzenhausen wurde 1821 durch eine kurfürstliche VerordnungVerordnung vom 29. Juni 1821 über die Umbildung der bisherigen Staatsverwaltung betreffend, in (Sammlung von Gesetzen, Verordnungen, Ausschreiben und anderen allgemeinen Verfügungen für Kurhessen vom Jahre 1821, Hof- und Waisenhaus-Druckerei, Cassel) kurhessGS 1821, S. 29–62; auch in: Wilhelm Möller, Karl Fuchs (Hrsg.): Sammlung der im Kurfürstenthum Hessen noch geltenden gesetzlichen Bestimmungen von 1813 bis 1860. Elwert’sche Universitäts-Buchhandlung, Marburg/Leipzig 1866, S. 311–351 (§ 137) nach der Trennung von Justiz (§§ 36 ff. der Verordnung) und Verwaltung (§§ 58 ff. der Verordnung) als territoriale Einheit des Kurfürstentums Hessen für die innere Verwaltung aus den damaligen Ämtern Allendorf, Lichtenau, Ludwigstein, Großalmerode und Witzenhausen gebildet. Die Verordnung über die neue Organisation der Staatsverwaltung teilte das Staatsgebiet in vier Provinzen ein, jede Provinz wurde wieder in Kreise (§ 1) eingeteilt (Niederhessen in zehn, Oberhessen, Fulda und Hanau in jeweils vier).
Am 1. Januar 1837 wechselten die Gemeinden Dudenrode, Kammerbach und Orferode aus dem Kreis Eschwege in den Kreis Witzenhausen.Verordnung vom 5. November 1836, die Veränderung einiger Untergerichts- und Kreisamths-Bezirke betreffend. In (Sammlung von Gesetzen, Verordnungen, Ausschreiben und anderen allgemeinen Verfügungen für Kurhessen vom Jahre 1821, Hof- und Waisenhaus-Druckerei, Cassel) kurhessGS 1836, S. 132.
Preußen – Der Kreis im neuen Regierungsbezirk Kassel 1867 Das Kurfürstentum unterliegt im Krieg Preußens gegen den Deutschen Bund (Deutscher Krieg, früher auch preußisch-österreichischer Krieg genannt). Mit Gesetz vom 20. September 1866 wurde das Kurfürstentum mit der preußischen Monarchie vereinigt (AnnexionGesetz betreffend die Vereinigung des Königreichs Hannover, des Kurfürstentum Hessen, des Herzogtums Nassau und der freien Stadt Frankfurt mit der Preußischen Monarchie vom 20. September 1866, Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten (preußGS) 1866, S. 555 f.); die In-Besitz-Nahme erfolgt am 3. Oktober 1866Patent wegen Besitznahme des vormaligen Kurfürstentums Hessen vom 3. Oktober 1866, Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten (preuß GS) 1866, S. 594 ff.. Da erst „künftig“ eine neue preußische Provinz mit entsprechenden Regierungsbezirken entstehen sollte, bestanden die vier kurhessischen Provinzen zunächst weiter. Aber bereits wenige Monate später, am 22. Februar 1867, verordnete der König von Preußen: Aus dem ehemaligen Kurfürstenthum Hessen, den bisher Bayerischen Gebietstheilen, Bezirksamt Gersfeld und Landgerichtsbezirk Orb ohne Aura, aus dem bisherigen Großherzoglich Hessischen Kreise Vöhl, einschließlich der Enklaven Eimelrod und Höringhausen, wird ein Verwaltungsbezirk unter dem Namen „Regierungsbezirk Kassel“ gebildet.§ 1 Satz 1 der Verordnung, betreffend die Organisation der Verwaltungsbehörden in dem vormaligen Kurfürstenthume Hessen, in dem vormaligen Herzogthume Nassau, in der vormals freien Stadt Frankfurt und in den bisher Bayerischen und in den Großherzoglichen Hessischen Gebietsteilen. Vom 22. Februar 1867 (Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten (preuß GS) 1867, S. 273)
Der neue (preußische) Regierungsbezirk Kassel wurde in 23 Kreise eingeteilt, die bisherigen preußischen Zivilkommissare für Kurhessen und Nassau wurden damit Regierungspräsidenten in Kassel und Wiesbaden. Die Zusammenfassung beider Regierungsbezirke in der Provinz Hessen-Nassau wurde am 22. Dezember 1868 vollzogen; Oberpräsident mit dem Sitz in Kassel wurde Eduard von Möller.
Nach 1945: Das neue Land Hessen Ein Gebietsaustausch erfolgte im Rahmen des Wanfrieder Abkommens am 17. September 1945: Die vier Gemeinden Asbach, Sickenberg, Vatterode und Weidenbach wechselten aus dem Landkreis Witzenhausen in den Landkreis Worbis in der Sowjetischen Besatzungszone. Die beiden Gemeinden Neuseesen und Werleshausen wechselten aus dem Landkreis Worbis in den Landkreis Witzenhausen.
Zu Beginn der 1970er Jahre änderten sich mehrfach die Außengrenzen des Landkreises: Am 1. Dezember 1970 schied die Gemeinde Wickenrode aus dem Landkreis aus und wurde in die Gemeinde Helsa-Wickenrode im Landkreis Kassel eingegliedert. Am 31. Dezember 1971 schieden die Gemeinden Harmuthsachsen und Hasselbach aus dem Landkreis aus und wurden in die Gemeinde Waldkappel im Landkreis Eschwege eingegliedert. Am 1. August 1972 schied die Gemeinde St. Ottilien aus dem Landkreis aus und wurde in die Gemeinde Helsa im Landkreis Kassel eingegliedert.
Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurden die Landkreise Eschwege und Witzenhausen am 1. Januar 1974 zum Werra-Meißner-Kreis zusammengeschlossen.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1871 31.122 Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Hessen-Nassau und ihre Bevölkerung 1871 1890 29.256 1900 31.055 1910 32.585 1925 35.228 1939 37.262 1950 56.658 1960 51.900 1970 53.000 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 1972 50.800 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1974
Politik Landräte 1821–1832 Karl Wilhelm Philipp Bockwitz (Kreisrat) 1848–1851 Karl Wilhelm Bickell 1856–1868 Wilhelm Uloth 1868–1875 Thomas BochEckhart G. Franz, Georg Rösch: Die Landräte in 150 Jahren im Kreis Gelnhausen: Thomas Boch. In: 150 Jahre Kreis Gelnhausen – Heimat-Jahrbuch des Kreises Gelnhausen – Zwischen Vogelsberg und Spessart 1971. Gelnhausen 1970, S. 38. 1875–1884 Friedrich Bernstein 1884–1895 Bernhard von Schenck 1895–1917 Heino von Bischoffshausen 1917–1919 Hermann Wolf 1919–1928 Georg Thöne (SPD) 1928–1932 Jean Groeniger 1932–1938 Ernst Beckmann (DVP, ab 1933 NSDAP) 1938–1945 Walter Gerber (NSDAP) 1946–1973 Wilhelm Brübach (SPD)
Wappen Im Wappen war die Burg Ludwigstein abgebildet, die auch in das Wappen des Werra-Meißner-Kreises integriert wurde.
Gemeinden Stand 1969 Bis zu den ersten Gemeindefusionen im Jahre 1970 bestand der Landkreis Witzenhausen aus 57 Gemeinden, von denen vier das Stadtrecht besaßen: Ahrenberg Albshausen Bad Sooden-Allendorf, Stadt Berge Berlepsch-Ellerode Blickershausen Dohrenbach Dudenrode Eichenberg Ellershausen Ellingerode Epterode Ermschwerd Friedrichsbrück FürstenhagenGertenbach Großalmerode, Stadt Harmuthsachsen Hasselbach Hausen Hebenshausen Hermannrode Hessisch Lichtenau, Stadt Hilgershausen Hollstein Hopfelde Hubenrode Hundelshausen Kammerbach KleinalmerodeKleinvach Küchen Laudenbach Marzhausen Neuseesen Oberrieden Orferode Quentel Reichenbach Retterode Rommerode Roßbach St. Ottilien Trubenhausen UengsterodeUnterrieden Velmeden Walburg Weiden Weißenbach Wendershausen Werleshausen Wickenrode Wickersrode Witzenhausen, Stadt Wollstein Ziegenhagen
Stand 31. Dezember 1973 Am 1. Februar 1971 entstand durch den Zusammenschluss mehrerer Gemeinden die neue Gemeinde Neu-Eichenberg. Nach einer Reihe von weiteren Gemeindefusionen bestanden im Landkreis Witzenhausen zum Zeitpunkt seiner Auflösung am 31. Dezember 1973 noch 29 Gemeinden: Albshausen Bad Sooden-Allendorf, Stadt Berlepsch-Ellerode Blickershausen Ellingerode Ermschwerd Friedrichsbrück FürstenhagenGertenbach Großalmerode, Stadt Hausen Hessisch Lichtenau, Stadt Hollstein Hopfelde Hubenrode KammerbachKleinalmerode Küchen Laudenbach Neu-Eichenberg Quentel Rommerode Roßbach TrubenhausenUengsterode Velmeden Walburg Witzenhausen, Stadt Ziegenhagen Gleichzeitig mit der Auflösung des Landkreises fanden zum 1. Januar 1974 noch zahlreiche weitere Eingemeindungen statt. Aus dem Altkreis Witzenhausen traten damit letztendlich mit Bad Sooden-Allendorf, Großalmerode, Hessisch Lichtenau, Neu-Eichenberg und Witzenhausen fünf Gemeinden in den neuen Werra-Meißner-Kreis ein.
Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen WIZ zugewiesen. Es wurde bis zum 31. Dezember 1973 ausgegeben. Seit dem 16. September 2013 ist es aufgrund der Kennzeichenliberalisierung im Werra-Meißner-Kreis erhältlich.
Literatur
Ernst Baier, Cord Peppler-Lisbach, Volker Sahlfrank: Die Pflanzenwelt des Altkreises Witzenhausen mit Meißner und Kaufunger Wald. 2., ergänzte und verbesserte Auflage. Schriften des Werratalvereins Witzenhausen, Heft 39. Werratalverein (WTV) Witzenhausen, Witzenhausen 2005, ISBN 3-9807194-2-1. W. Küther: Historisches Ortslexikon des Kreises Witzenhausen (= Historisches Ortslexikon des Landes Hessen, 1). Marburg 1973.
Weblinks
Landkreis Witzenhausen Verwaltungsgeschichte und die Landräte auf der Website territorial.de (Rolf Jehke), Stand 19. Februar 2014. Werra-Meißner-Kreis Stadt Witzenhausen Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Eschwege und Witzenhausen (GVBl. I 1973, 353)
Einzelnachweise
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