Die Dreifaltigkeitskirche in Stare Juchy (, wörtlich: „Kirche der Allerheiligsten Dreifaltigkeit“) ist ein Bauwerk aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Sie war bis 1945 die evangelische Pfarrkirche für das ostpreußische Kirchspiel Jucha (ab 1938 Fließdorf) und ist heute gottesdienstliches Zentrum der Pfarrei Stare Juchy in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geographische Lage Stare Juchy liegt in der östlichen Woiwodschaft Ermland-Masuren am Westrand des Powiat Ełcki (Kreis Lyck) und ist von der polnischen Landesstraße 65 (frühere deutsche Reichsstraße 132) bei Straduny () über eine Nebenstraße zu erreichen. Stare Juchy ist außerdem Bahnstation an der Bahnstrecke Korsze–Białystok.

Die Kirche steht im östlichen Südteil (vor 1945 Neu Jucha genannt) von Stare Juchy unweit der Hauptstraße nach Ełk (Lyck).

Kirchengebäude Eine erste Kirche erhielt das damalige Juchen, später Neu Jucha, im Jahr 1487 auf Betreiben der Komturei Brandenburg ().Die Kirche in Jucha Das Gebäude war klein und aus Holz errichtet. Bald war das Gotteshaus merklich zu klein und man beschloss – um den heidnischen Bräuchen der Sudauer-Nachfahren Widerstand zu leisten – einen Kirchenneubau zu errichten.

Er entstand als Findlings- und Backsteinbau, später verputzt, und wurde 1585 fertiggestellt.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 124, Abb. 572–574. Auffällig war der gestaffelte Ostgiebel sowie der vorgesetzte Westturm mit seiner achteckigen Spitze. Der Turm hatte drei Etagen und orientierte sich in seinem Aussehen am Stil des ordenszeitlichen Wehrkirchen. In der oberen Etage pflegten die alten Gemeindeglieder – wie auch andernorts üblich – ihre leeren Särge aufzubewahren bis zu der Zeit, als sie benötigt wurden. An den Kirchenneubau wurde 1586 eine südliche Vorhalle angesetzt.

Der dreischiffige Innenraum der Kirche war in der Mitte mit einem Tonnengewölbe versehen, an den Seiten war die Decke flach. Noch aus der alten Kirche stammte der – einst als einer der schönsten Südostpreußens gerühmte – Altar, von dem Italiener Girardi gefertigt und 1501 vom Freiherrn von Podewils gestiftet und 1591 in die neue Kirche überführt. Im Hauptgeschoss des Altars befand sich das Bild einer Kreuzigungsgruppe. Die Kanzel aus der Zeit um 1574 trug einen Schalldeckel vom Anfang des 17. Jahrhunderts. In der Turmhalle hing ein Hirschgeweihleuchter.

Die Orgel wurde 1772 in der Königsberger Orgelbauwerkstatt von Johann Christoph Ungefug gefertigt und 1929 elektrifiziert. Das Geläut der Kirche bestand aus zwei Glocken, von denen eine im Jahre 1669 gegossen worden war.

Das Tonnengewölbe wurde innen vom Maler Garell aus Königsberg neu gestaltet. Bei Arbeiten am Dachstuhl fand man alte Silbermünzen, die vielleicht in der Zeit des Tatareneinfalls dort versteckt wurden.

Kirchengemeinde mini|Die Kirche im Dorf Stare Juchy

Evangelisch Kirchengeschichte Das Kirchspiel Jucha (bis 1929 auch Kirchspiel Neu Jucha, ab 1938 Kirchspiel Fließdorf genannt) bestand schon in vorreformatorischer Zeit.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente. Göttingen 1968, S. 493. Die Reformation fasste hier schon bald Fuß, und bereits Mitte des 16. Jahrhunderts taten hier zwei lutherische Geistliche gemeinsam DienstFriedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 101–102.. Bis 1945 gehörte die Pfarrei zum Kirchenkreis Lyck in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. Im Jahr 1925 zählte sie 5.028 Gemeindeglieder, die in 20 Kirchspielorten wohnten.

Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung setzte 1945 dem Leben der evangelischen Kirchengemeinde ein Ende. Heute leben nahezu keine evangelischen Einwohner in Stare Juchy. Für sie ist die Kirchengemeinde in Ełk () Bezugspunkt. Sie ist eine Filialgemeinde der Pfarrei () Pisz (Johannisburg) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Kirchspielorte (bis 1945) Zum evangelischen Kirchspiel (Neu) Jucha bzw. Fließdorf gehörten zwanzig Dörfer, Ortschaften und Wohnplätze:Der * kennzeichnet einen Schulort.

Name Änderungsname1938 bis 1945 PolnischerName Name Änderungsname1938 bis 1945 PolnischerName Adlig Jucha (ab 1929) Jucha Laszmiaden1936–1938 Laschmiaden Laschmieden Łaśmiady Alt Jucha (ab 1929) Jucha *Lysken Lisken Liski *Alt Krzywen (ab 1936)Alt Kriewen Stare Krzywe *Neu Jucha (ab 1929:)Jucha Ballamutowen (ab 1934)Giersfelde Bałamutowo Olschöwen Frauenflließ Olszewo *Gorlen Aulacken Gorło Orzechowen (ab 1924)Nußberg Orzechowo *Gorlowken Gorlau Gorłówko Panistrugga (ab 1927) Herrnbach Panistruga *Jesziorowsken (ab 1926)Seedorf Jeziorowskie Plowczen Plötzendorf Płowce Jucha Fließdorf Stare Juchy *Sawadden Auglitten Zawady Ełckie *Kaltken Kalthagen Kałtki Schönfelde Skopnik *Klein Krzywen (ab 1929)Grünsee Nowe Krzywe *Szczeczynowen (ab 1925)Steinberg Szczecinowo

Pfarrer (bis 1945) Als evangelische Geistliche amtierten an der Kirche zu Jucha die Pfarrer: Johann Niciconius, bis 1572 N. Niciconius NN., 1579 Hieronymus Pogorzelski, 1584 Nicolaus Belitza, 1593–1625 Jacob Zielinski, 1623–1625 Jacob Prostka, ab 1625 Johann Columbus, 1640/1657 Caspar Madeicka, 1657–1679 Michael Mittelpfort, 1658–1666 Stan. Bystram de Radlin, 1667–1676 Matthäus Cucholowius, 1676–1715 Gregorius Flöß, 1679–1710 Cölestin Martin Cucholowius, 1715–1721 Johann Cibulcowius, 1721 Martin Westerholz, 1721–1757 Christoph Jeglinski Georg Radtcke, 1730–1737 Paul Gregorowius, 1738–1743 Bernhard Lange, 1743–1757 Johann Joachim Schmidt, 1751–1754 Jacob Matiszki, 1755–1757 Johann Bernhard Lange, 1757–1801 Johann Sabotka, 1757–1793 Gottlieb Stern, 1786–1787 Johann Benjamin Lange, ab 1789 Johann Thomas Skrodzki, 1794–1800 Albert Leopold Pianka, 1825–1857 Emil Stern, 1857–1876Angehöriger des Corps Masovia Johann Friedrich Moritz Gawlik, 1877–1897 Georg Paul Brehm, 1897 Emil Wilhelm Vogelreuter, 1898 Franz Eduard Fr. Kahnert, 1898–1908 Hermann Adolf Niklas, 1908–1921 Ernst Stern, 1921–1930 Eduard August Maaß, 1931–1945 Reinhold Freiberg, 1940–1941

Kirchenbücher Von den Kirchenbuchunterlagen der Pfarrei Jucha bzw. Fließdorf haben sich einige erhalten und werden bei der Deutschen Zentralstelle für Genealogie (DZfG) in Leipzig aufbewahrt: Taufen: 1790 bis 1818 Begräbnisse: 1798 bis 1818.

Römisch-katholisch Kirchengeschichte Vor 1945 lebten in der Region Jucha (Fließdorf) nur wenige römisch-katholische Kirchenglieder. Sie gehörten zur Pfarrkirche St. Adalbert in Lyck () im Dekanat Masuren II mit Sitz in Johannisburg (Pisz) im Bistum Ermland. Nach 1945 siedelten sich in Stare Juchy zahlreiche polnische Neubürger an, von denen die meisten römisch-katholischer Konfession waren. So entstand hier eine neue katholische PfarrgemeindeParafia Stare Juchy, deren gottesdienstliches Zentrum die vorher evangelische Kirche wurde. Sie erhielt nun den Namen „Allerheiligste Dreifaltigkeit“.

Die dazugehörige Pfarrei (polnisch Parafia) umfasst neben dem Pfarrort noch zwölf Pfarreiorte und ist in das Dekanat Ełk–Święty Rodziny im Bistum Ełk der Römisch-katholischen Kirche in Polen eingegliedert. Von Stare Juchy aus wird auch die Filialkirche in Gorłówko (Gorlowken, 1938–1945 Gorlau) betreut.

Pfarreiorte Zur Pfarrei Stare Juchy gehören außer dem Pfarrort selbst die Orte:

Name Deutscher Name/Änderungsname Name Deutscher Name/Änderungsname Bałamutowo Ballamutowen/Giersfelde Liski Lysken/Lisken Dobra Wola Dobrowolla/Willenheim Olszewo Olschöwen/Frauenfließ Gorło Gorlen/Aulacken Orzechowo Orzechowen/Nußberg Gorłówko Gorlowken/Gorlau Panistruga Panistrugga/Herrnbach Jeziorowskie Jesziorowsken/Seedorf Szczecinowo Szczeczinowen/Steinberg Kałtki Kaltken/Kalthagen Zawady Ełckie Sawadden/Auglitten

Verweise Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Erbaut in den 1580er Jahren Kategorie:Umgewidmetes Kirchengebäude Kategorie:Dreifaltigkeitskirche Kategorie:Kirchengebäude im Bistum Ełk Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Stare Juchy