Die Geschichte von Adensen im heutigen Niedersachsen setzt in den Jahren 500 bis 800 ein, als Adensen sowie Bodensen und Pussensen an der Alten HeerstraßeDie Alte Heerstraße führte bei Hallerburg über zwei Furten der Haller, da sich dort eine Hallerinsel befand. Die Alte Heerstraße wurde von 1768 bis 1770 auf die jetzige Trasse der Bundesstraße 3 verlegt und zur Chaussee ausgebaut. auf einer Anhöhe nördlich der Haller entstanden.

Entstehung der Siedlungen Adensen, Bodensen und Pussensen an der Alten Heerstraße Inmitten von Eichen- und Hainbuchenwäldern entstanden die Siedlungen Adensen, Bodensen und Pussensen. Jenseits der Haller entstand um das Jahr 800 die Siedlung Hardingsen. Durch diese umliegenden Siedlungen wurden die Möglichkeiten zur Landgewinnung im Süden, Norden und Westen stark eingeengt. Deshalb war die Landgewinnung in diesen Himmelsrichtungen nur in einem engen Umkreis möglich. Die Adensener Feldmark erstreckte sich deshalb in östlicher Richtung bis an den Adenser Berg, dessen Abhänge gerodet wurden. Die Waldungen des Adenser Berges gehörten ebenfalls von Anfang an zu Adensen. Nach dem Wüstwerden des Ortes Pussensen gelangten auch dessen nördlich von Adensen gelegenen Felder und Waldungen zu Adensen, während die Felder und Waldungen der Wüstung Bodensen dem damals neugegründeten Ort Hallerburg zugutekamen. Als Ersatz für die verlassenen Höfe wurden große und leistungsfähige Meierhöfe in Adensen und in dem 1360 gegründeten Dorf Hallerburg gebaut.

Anlage des Dorfes Adensen Das Dorf Adensen entstand als ein Haufendorf. Vom Tie, der im Westen lag, führte die Dorfstraße in einem Bogen nach Süden. Sie war umgeben von Bauernhöfen. Gassen führten von der Dorfstraße zwischen den Bauernhöfen hindurch zu weiteren Bauernhöfen. Nach außen war das entstandene Dorf von dichten Hecken umgeben, um die Bewohner vor Raubtieren zu schützten. In späterer Zeit wurde das Kerndorf von weiteren Gassen und einem Ring größerer Höfe umgeben.

Adelshof der Familie Adenoys und Bau der romanischen St. Dionysiuskirche Nach ihrer Ansiedlung erbaute die Familie von Adenoys ihren Adelshof am südlichen Rand von Adensen. Außerhalb des Dorfes lagen im Nordwesten ein Quellteich und im Westen der Friedhof. In den Friedhof hinein baute die Familie von Adenoys die St. Dionysiuskirche. Der romanische Kirchturm der St. Dionysiuskirche stammt aus dem 13. Jahrhundert und wurde im 14. Jahrhundert nach oben hin verlängert. Östlich des Kirchturms und in seiner Breite stand die einschiffige romanische Kirche. Der Gewölberaum im Erdgeschoss des Turmes diente als rückwärtiger Teil der romanischen Kirche. Zur Kirchengemeinde gehörten damals Adensen, Bodensen und Pussensen. Kirchwege führten von Bodensen und Pussensen und später auch von Hallerburg dorthin. Nach dem Wüstwerden von Bodensen und Pussensen und der Entstehung der Ortschaft Hallerburg umfasste die Kirchengemeinde vom 14. Jahrhundert an die Ortschaften Adensen und Hallerburg.

Rosenmühle und die Fischtreppe an der Haller mini|Die Rosenmühle beim Abendnebel und Sonnenuntergang An der Haller steht noch heute südlich von Adensen die Rosenmühle. Diese Wassermühle wurde erstmals im Jahr 1282 als Eigentum der Familie von Adenoys erwähnt. Obereigentümer der Mühle war der Bischof von Minden. Nach dem Tode des letzten männlichen Eigentümers der Familie von Adenoys mit Namen Johannes II. kam die Rosenmühle nach der Heirat der Tochter von Johannes II. mit dem Grafen Gerhard von Hallermunt im Jahr 1322 in den Besitz der Grafen von Hallermunt in Hallerburg. Die Rosenmühle hatte zunächst ein oberschlächtiges Wasserrad und zwei unterschlächtige Wasserräder. Schließlich wurden die Wasserräder durch eine Wasserturbine ersetzt.

Am ursprünglichen Mühlhaus war noch das Rosenwappen der Erbauer zu sehen. Die Rosenmühle erhielt von diesem Wappen ihren Namen. Im Wohnhaus der Rosenmühle wurde am 17. April 1804 Rudolf Wiegmann, der spätere Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie, geboren. Sein Großvater Johann Christoph Becker war 1773 bis 1815 Müller in der Rosenmühle. Das neue Mühlhaus wurde 1860 von Wilhelm Alrutz erbaut. Die Rosenmühle war in den Jahren 1523 bis 1852 die Zwangsmühle für die „Adenser Gohe“ mit Ausnahme der Meierhöfe. Die Rosenmühle besaß die Mahlgerechtigkeit für die „Adenser Gohe“, die die Orte Adensen, Alferde, Boitzum, Hallerburg, Holtensen, Sorsum, Wittenburg, Wülfingen und Wülfinghausen umfasste. Die Einwohner dieser Orte mussten ihr Korn in der Rosenmühle mahlen lassen. Die Rosenmühle wurde gleichzeitig als Sägewerk genutzt. Das Sägewerk mit einem Vertigalgatter stand westlich der Rosenmühle. Dort wurden Baumstämme zu Brettern verarbeitet.

Der Kolk wurde Mitte des 20. Jahrhunderts als Badeteich genutzt. Dort ertrank das Kind eines Angestellten der Rosenmühle aus Adensen.

Die Rosenmühle blieb bis zum Tod des Mühlenbesitzers Otto Alrutz im Jahr 1958 im Betrieb. 1960 wurde die Mühle an das „Kraftzuckerwerk Rosenmühle, Carl Göhmann K. G.“ verpachtet.Wilhelm Kleeberg: Niedersächsische Mühlengeschichte. Buchdruckerei und Verlag Hermann Bösmann GMBH, Detmold 1964. Seite 140–141. - Achim Gercke: Adensen und Hallerburg. Die Geschichte der Höfe und Häuser und ihrer Besitzer. Hannover 1990 (Deutsche Ortssippenbücher. Reihe B, Band 64. Sonderveröffentlichung 23. Niedersächsischer Landesverein für Familienkunde.) Seite 87–89. Elsa Müller, die Witwe von Otto Alrutz, heiratete 1963 Gerhard Hallensleben. In den Jahren 1972 bis 1978 gehörte die Rosenmühle Johanna Kohrs geb. Remer. Frau Kohrs versuchte vergeblich, dort einen Campingplatz zu errichten. Ihre Bemühungen scheiterten, weil sie finanziell nicht in der Lage war, ein Klärwerk für die Campinggäste zu bauen.

Am 1. Februar 1978 kaufte das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands die Gebäude der Rosenmühle und baute sie für ihre Zwecke aus. Ab 1979 nutzte die CJD-Jugenddorfschule in Elze die Gebäude der Rosenmühle als Internat und Trainingszentrum für Schüler mit Lern- und Leistungsschwächen. Nach der Schließung des Internats werden die Gebäude der Rosenmühle als Wohnhäuser genutzt.

Auf Initiative des Landes Niedersachsen beteiligte sich die Europäische Union an der Förderung des Projekts: „Die Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit in der Haller an der Rosenmühle bei Adensen.“ Im Rahmen des Programms „Profil 2007 bis 2013“ zur Förderung im ländlichen Raum Niedersachsen/Bremen wurde bei der Rosenmühle eine Fischtreppe in der Haller gebaut.

Herrschaft der Familie von Adenoys In Adensen begann im 10. Jahrhundert die Herrschaft Adenoys. Sie wurde bis zum 9. März 1322 von der adeligen Familie von Adenoys ausgeübt. Thidericus de Adenoys wurde Mitstifter des Klosters Loccum, starb aber vor der Fertigstellung des Klosters. Er wurde 1267 in das Kapitelhaus des Klosters umgebettet; sein Grabstein mit lateinischer Inschrift ist dort erhalten (Inschrift: „Hier ist bestattet der Ritter Tidericus von Adenoys, unser aufrichtiger Freund“). In Adensen herrschte die Familie von Adenoys etwa von 1124 bis 1322. Ihre Herrschaft beschränkte sich auf Adensen, auf die benachbarten Dörfer und auf die später wüsten Orte Pussensen und Bodensen.

Hallerburg erbt die Herrschaft Adenoys Weil Johann II. von Adenoys ohne Söhne blieb, gab er am 9. März 1322 seine Lehngüter dem Bischof von Minden Gottfried von Waldeck zurück. Der Bischof von Minden verlehnte die Lehngüter anschließend dem Grafen Gerhard von Hallermunt, dem Enkel von Johann II. von Adenoys. Damit gingen die Aufgaben des Gerichts und der Verwaltung der ehemaligen Herrschaft Adenoys an die Grafen von Hallermunt in Hallerburg über.

Wüstungen In der Wüstungsperiode vom 12. bis zum 14. Jahrhundert fielen die Hofgebäude in Bodensen und Pussensen wüst. Ursache war die Überführung der ursprünglich freien Höfe in Lehnsland und später in grundherrlich abhängiges Meierland.Achim Gercke: Der landwirtschaftliche Strukturwandel im 14. Jahrhundert. Die Ursache der Wüstungsperiode und die Meierhofbildung im Calenberger Land. Hildesheim 1972 (Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, 44). Als Ersatz für die verlassenen Höfe wurden große leistungsfähige Meierhöfe in Adensen und bei der Hallerburg aufgebaut. Die Wüstungen Bodensen und Pussensen wurden von Achim Gercke mit Hilfe der Flurnamenforschung lokalisiert und beschrieben, aber sie wurden archäologisch nicht erforscht (Stand 2015).

Die Wüstung Bodensen Wegen der sumpfigen Lage rund um die Haller bewohnten die Bauern vor Ort das Dorf Bodensen, das im Norden des Hallertales in höherer Lage in der Nähe der alten Heerstraße nach Hannover und Göttingen lag. Hier gab es Quellen und ein Wiesengelände, das von einem Bach durchflossen wurde. Von Bodensen aus rodeten die Bauern den Wald am Talhang und bewirtschafteten danach die entstandene Feldmark, die an dem sanften Hang zur Haller hinunterführte. Der 1369 urkundlich erwähnte Böhnser Weg kreuzte die Heerstraße und ging als Kirchweg zur St. Dionysius-Kirche im Nachbardorf Adensen.

Das Dorf Bodensen wurde wegen der Endung im Ortsnamen -sen (= Gruppensiedlung) während der Ausbauzeit (Altsächsischer Landesausbau in der frühmittelalterlichen Rodungszeit zwischen 500 und 800 n. Chr.) gegründet. Bodensen wird in den Jahren 1300, 1322 und 1344 in mittelalterlichen Urkunden erwähnt. Um 1360 gaben die Bauern Bodensen auf und zogen in das um 1360 gegründeten Dorf Hallerburg, das neben der Burg Hallerburg entstand. Ursache für die Aufgabe von Bodensen war die Überführung der ursprünglich freien Höfe in Lehnsland und später in grundherrlich abhängiges Meierland. Als Ersatz für die verlassenen Höfe wurden seinerzeit große leistungsfähige Meierhöfe in Hallerburg gebaut. Das führte zur Entstehung der Ortschaft Hallerburg.

Die Burg Hallerburg auf der Hallerinsel Es ist nicht bekannt, wann die Burg Hallerburg erbaut wurde. Zum ersten Mal wurde sie im Jahr 1362 in einer Urkunde erwähnt. Der Herzog Wilhelm von Braunschweig und Lüneburg, ein Welfe, ließ die Burg „Hallerburg“ auf der Hallerinsel bauen, damit der Pfandzoll und Wegzoll von den Durchreisenden erhoben werden konnte. An beiden Seiten der Durchfahrt zum Ort Hallerburg wurden vier Meierhöfe als Vorwerke gebaut, um diesen Zugang zur Burg zu sichern. Herzog Wilhelm von Braunschweig und Lüneburg erwarb 1365 diese vier Vorwerke, die seine Burg schützen sollten. Die „Hallerburg“ war für ihn lediglich eine Geldanlage. Wenn ihm Geld fehlte, lieh er sich Geld von einem Adligen und überließ ihm dafür die „Hallerburg“ als Pfandschloss. Seine Einkünfte von der Burg bestanden im Wesentlichen aus dem Zoll beim Hallerübergang, aus den Abgaben der vier Meierhöfe und der Zehntabgabe aus der Feldmark des früheren Ortes Bodensen, die nun von den Bauern in Hallerburg bewirtschaftet wurden.

Die Burg Hallerburg wurde im Jahr 1519 in der Hildesheimer Stiftsfehde zerstört. Bis 1970 sah man am Standort der Hallerburg ein von Gräben umzogenes Quadrat von fast fünfzig Meter Seitenlänge.

Die Adenser Gohe und der Gohgräfe in Adensen und Hallerburg hochkant=1.6|mini|Karte mit dem Gerichtsbezirk Hallerburg im Jahr 1645

Nach der Zerstörung der Hallerburg gingen die Aufgaben des Gerichts und der Verwaltung der ehemaligen Herrschaft Adenoys für die Jahre 1523 bis 1852 an das welfische Amt Calenberg über. In dieser Zeit bestand die „Adenser Gohe“, die die Orte Adensen, Alferde, Boitzum, Hallerburg, Holtensen, Sorsum, Wittenburg, Wülfingen und Wülfinghausen umfasste. In Adensen arbeitete von 1523 bis 1609 ein für die „Adenser Gohe“ zuständiger Verwaltungs-, Urkunds- und Gerichtsbeamter, der sogenannte Gohgräfe. Von 1610 bis 1852 war der „Gohgräfe“ in Hallerburg tätig. Seit 1668 arbeitete er dort nicht mehr in seinem Privathaus, sondern in dem Amtshaus.