mini|Blick auf die Doppelkaponniere am Ravelin II von Süden mini|Blick auf die Hochwasser führende Künette vor der Festung Der Westliche Festungsring ist ein erhaltener und unter Denkmalschutz stehender Teil der Festung Magdeburg in Magdeburg in Sachsen-Anhalt.

Lage Er befindet sich am westlichen Rand der Magdeburger Altstadt zwischen der Maybachstraße im Osten und dem Magdeburger Ring im Westen.

Architektur und Geschichte Zu den erhaltenen Bestandteilen des westlichen Festungsrings gehören mehrere unterschiedliche Werke. So die stadtseitig gelegenen Kavaliere IV, V und VI samt vorgelagert angelegtem Graben und Wall, dem Rondengang, der hinter dem Kavalier V befindlichen Doppelkaponniere sowie die zwischen den Kavalieren IV und VI verlaufenden Escarpemauer und Contrescarpemauer. Darüber hinaus bestehen Kasernen in Form von Kasematten, das vorgelagerte Ravelin II und ein Tor im Hauptwall, das von doppelgeschossigen Grabenwehren flankiert wird.

Die Werke wurden in der Zeit zwischen 1872 und 1874 aus Bruchsteinen und Ziegeln errichtet. Die Arbeiten erfolgten in Zusammenhang mit der Erneuerung der westlichen Front der Festung. Die Bauten wurden zum Teil mit Erde überdeckt und sind schlicht ohne größere Verzierungen gestaltet.

Die Festungsbauten waren zu keinem Zeitpunkt in Kampfhandlungen verstrickt. Die militärischen Nutzungen wurden bereits ab 1900 schrittweise aufgegeben und durch zivile Nutzungen für Wohnungen und Gewerbe ersetzt. Ab 1921 wurde auf den mit Erde überdeckten Bauten Kleingärten für Mitarbeiter der Deutschen Reichsbahn betrieben.

Im örtlichen Denkmalverzeichnis ist die Festung unter der Erfassungsnummer 094 06383 als Baudenkmal verzeichnet.

Die Anlage gilt aufgrund ihrer Größe und Vollständigkeit als stadt- und militärbaugeschichtlich auch überregional bedeutend und eindrucksvollstes Zeugnis der Festung Magdeburg, als ehemals stärkste Festung Preußens. Im Jahr 2014 gründete sich der Sanierungsverein Ravelin 2, der sich für den Erhalt der Anlage einsetzt.

Kavalier IV mini|Kavalier IV mini|Dienstwohnhaus, 2017 Das Kavalier IV am südlichen Ende der Maybachstraße war von 1871 bis 1873 als offenes Kavalier mit einer Länge bezogen auf den Kamm der Brustwehr von etwa 275 Metern errichtet worden. Der Grundriss war ungleichmäßig polygonal angelegt. Es diente dem Schutz des Helmstedter Eisenbahntores. Durch das Kavalier wurden die Eisenbahngleise in die Stadt geführt. Im mittleren und nördlichen Teil befand sich ein Kriegspulvermagazin. Nach dem Jahr 1900 wurde der südliche Teil gemeinsam mit dem Eisenbahntor abgerissen, wobei unterirdische Reste erhalten blieben.Bernhard Mai, Christiane Mai: Festung Magdeburg. Verlag Janos Stekovics, Dößel 2006, ISBN 3-89923-098-1, S. 150. Der mittlere und nördliche Teil blieb, wenn zum Teil auch verändert, erhalten. So sind das umgebaute Kriegspulvermagazin des nördlichen Teils, eine Mannschaftskasematte sowie die Geschosslade- und Geschosslagekasematte noch vorhanden. Die Fassade der Geschossladekasematte ist jedoch deutlich verändert. Erkennbar ist noch der ursprüngliche Geschossaufzug, dessen Erdabdeckung jedoch entfernt wurde. Die ursprünglich acht Quertraversen sind nicht erhalten, gleiches gilt für das ursprüngliche Profil des Walls. Auf den Wall führende Rampen und Treppen sind im Bereich der ursprünglichen Geschossladekasematte allerdings erhalten.Bernhard Mai, Christiane Mai: Festung Magdeburg. Verlag Janos Stekovics, Dößel 2006, ISBN 3-89923-098-1, S. 173 ff.Bernhard Mai, Christiane Mai: Festung Magdeburg. Verlag Janos Stekovics, Dößel 2006, ISBN 3-89923-098-1, S. 245. Im sonst unbebauten Hof des Kavaliers IV befand sich ein Gebäude mit Dienstwohnungen für Militärangehörige,Bernhard Mai, Christiane Mai: Festung Magdeburg. Verlag Janos Stekovics, Dößel 2006, ISBN 3-89923-098-1, S. 175. welches derzeit (Stand 2017) noch in ruinösem Zustand erhalten ist. Ursprünglich gehörten zu dem Haus auch Stallungen und Gärten. Teil des Kavaliers war darüber hinaus ein nördlich des Wohngebäudes ursprünglich befindliches Wagenhaus 4. Im Falle einer Armierung der Festung war die Anlage eines Stapels aus Palisaden im südlichen Teil vorgesehen.Bernhard Mai, Christiane Mai: Festung Magdeburg. Verlag Janos Stekovics, Dößel 2006, ISBN 3-89923-098-1, S. 177.

Kavalier V und Ravelin II mit Doppelkaponniere mini|Kavalier V mini|Ravelin II, rechts die Doppelkaponniere Nach dem Bau des offenen Kavaliers V und des vorgelagerten Ravelin II in den Jahren von 1871 bis 1873 diente es als Schutz des mittleren Abschnitts der westlichen Front der Festung. Es verfügte über ein Kasemattenkorps, Quertraverse und Kriegspulvermagazine und nahm eine Fläche von insgesamt 3,5 Hektar ein, wobei das feldseitig vorgelagerte Glacis unberücksichtigt ist. Die Breite betrug 350 Meter, bei einer Tiefe von bis zu etwa 210 Metern. Die Länge der Brustwehr erreichte etwa 280 Meter. Vom Kavalier aus konnte das vorgelagerte Glacis beschossen werden. Für den Bau des vorgelagerten Ravelins II musste das hier etwa 50 bis 60 Meter breite Glacis feldseitig nach Westen verschoben werden. Noch heute ist der an dieser Stelle deutlich nach Westen verschobene Verlauf der Straßen Sachsenring und Adelheidring auf diese Situation zurückzuführen. Dem Ravelin waren fünf Meter breite Gräben vorgelagert, die an den Hauptgraben angeschlossen waren. Über die Gräben führten nördlich und südlich Zugbrücken. Am südlichen Tor war eine Bereitstellungskasematte im rechten Winkel zur Grabenkasematte angeordnet. Zum Feld hin wurde das Ravelin von einem gedeckten Weg begrenzt. Dessen Brustwehr bildete den Kamm des Glacis.

Bis 1919 bestand in dem Komplex ein Militärdepot. Es schlossen sich Nutzungen als Notwohnungen und Gewerberäume an. Im Zuge des Baus des Magdeburger Rings wurde zwischen 1971 und 1973 der Saillant des Ravelins zerstört.

Im östlichen Teil der des Ravelins ist die Kehlkasematte, Ausfalltore sowie die Doppelkaponniere des Hauptgrabens erhalten. Darüber hinaus bestehen auch die durch den Wall hindurchführende Poterne, das Pulvermagazin und die Reverskasematte. Die Traversen wurden hingegen größtenteils beseitigt. Erhalten blieben insofern nur die als Hohltraversen ausgeführten Geschütztraversen.

Die zweischiffige Reverskasematte ist 110 Meter lang und 16,3 Meter breit. Sie ist aus Ziegelsteinen gemauert und wird durch die Poterne in zwei gleich große Hälften geteilt. Der Erschließungsgang ist 1,95 Meter breit und wird von einem Tonnengewölbe überspannt. Im Ernstfall war vorgesehen, dass in der Kasematte die Verteidigungsmannschaften von Kavalier und Ravelin unterzubringen. Es war eine variable Raumaufteilung mittels Trennwänden vorgesehen, wobei die heute bestehende Aufteilung nicht der ursprünglichen entspricht. Da ein solcher Ernstfall nie eintrat diente die Kasematte als Ingenieur-Belagerungs-Depot der Festungsartillerie. Vor die Fenster und Türöffnungen konnten bei Bedarf als Splitterschutz Bohlen in Nuten eingefügt werden.

Die Kehlkasematte wurde auf einem Grundriss in Form eines Segmentbogens in den Wall eingefügt. Sie wurde einschiffig mit Pfeilern aus Ziegeln und einer Raumhöhe von drei Metern errichtet. Die Erschließung erfolgte rückwärtig über einen 0,96 Meter breiten Gang. Auch diese Kasematte sollte im Ernstfall zur Unterbringung von Mannschaften dienen. Die Fassadenlänge der Kehlkasematte des Ravelins II hatte eine Länge von 70 Metern, bei einer Breite der Kasematte von 9,70 Metern. Sie wurde von einem Kreuzgratziegelgewölbe überspannt, das mit einer darüber aufgebrachten Schicht aus Beton verstärkt war. Stadtseitig bestanden doppelflügelig ausgeführte Stahltore. Die Latrinengebäude der Kasematte grenzten an den Hauptgraben.

Vom Hof des Kavaliers führten Treppen auf den Wall, die jedoch verfallen sind. Die ursprünglichen Geschützrampen werden jedoch auch weiterhin als Wege genutzt.

Der Hauptgraben wird am Ravelin II von der Doppelkaponniere gesperrt. Sie diente dazu gegebenenfalls in den Hauptgraben vorgedrungene feindliche Truppen im Bereich zwischen Kavalier IV bis VI mit Artillerie- und Infanteriebeschuss bekämpfen zu können. Die Kaponniere verfügte über ein Rauchabzugssystem, mit dem Dauerfeuer ermöglicht wurde. Die zwei im Bereich des Erdgeschosses verbundenen Teile der Kaponniere schützten darüber hinaus den Zugang vom Kavalier V zum vorgelagerten Ravelin II. Die Kaponniere ruht auf einem Sockel aus Bruchsteinen und ist im Übrigen aus Ziegeln gemauert. Ihre Fassade ist durch Schießscharten gegliedert. Zur Passage hin bestehen als Rundbögen ausgeführte Fenster. Für den Ernstfall war eine Verschlussmöglichkeit Fensterläden aus Stahlblech vorgesehen.Bernhard Mai, Christiane Mai: Festung Magdeburg. Verlag Janos Stekovics, Dößel 2006, ISBN 3-89923-098-1, S. 178 f. Der Hauptgraben wird um die Kaponniere herumgeführt.

Über lange Zeit war der Bereich der Kaponniere und des Ravelins II ungenutzt und verfiel. In den 1990er Jahren gingen so durch Brandstiftung Teile der Holzbalkendecke der Doppelkaponniere verloren. Die ursprünglich bestehenden und das Erscheinungsbild maßgeblich bestimmenden Schornsteine verschwanden ebenfalls etwa Ende des 20. Jahrhunderts. Auch die von der Kaponniere nach Westen über den Hauptgraben in den Hof des Ravelins II führende Brücke, die an die Stelle einer ehemaligen Zugbrücke getreten war, wurde durch Vandalismus zerstört. In den Jahren 2003/2004 wurden Sicherungsmaßnahmen vorgenommen.Bernhard Mai, Christiane Mai: Festung Magdeburg. Verlag Janos Stekovics, Dößel 2006, ISBN 3-89923-098-1, S. 179. Insgesamt ist der Bereich trotz der Beeinträchtigungen gut erhalten.

Kavalier VI mini|Kavalier VI Das Kavalier VI im nördlichen Teil der Maybachstraße wurde zwischen 1871 und 1874 als offenes Kavalier erbaut. Es diente dem Schutz des Mittelabschnitts der Westfront. Es verfügt über zweigeschossige Kasemattenkorps mitsamt Außenrampen und Treppen, Walltraversen und Poterne mit Toren zum Hauptgraben. Außerdem waren zwei Magazine für Kriegspulver untergebracht.

Der Grundriss des Kavaliers ist polygonal gestaltet. Die Länge des allerdings nicht mehr erhaltenen Brustwehrkammes betrug 290 Meter. Im Bereich des Kavaliers stießen die Mauern des Hauptwalls in einem stumpfen Winkel aufeinander. An der Nord- und Südseite befinden sich zwei ebenfalls in stumpfen Winkel abgehende Gebäudeflügel. Als Zugang diente ein mittig angeordneter Torbau. Er war in einem parallel zur damaligen Neuen Wallstraße verlaufenden niedrigen Wall angeordnet und verteidigungsfähig angelegt. Ursprünglich bestanden neun Traversen, von diesen sind noch vier mit Toren aus Stahlblech versehene Hohltraversen erhalten. Zur Maybachstraße hin bestand ein von Bäumen umrahmter Kasernenhof. Vom Hof führte durch den Wall und die Mauer ein Ausgang, der bündig mit der Mauer abschließt. Seitlich des mit Blechtoren verschlossenen Tores, waren zur Verteidigung Kasematten angeordnet, die heute nur ruinös erhalten sind. Feldseitig bestand ein etwa 40 Meter breiter Glacis. Es war gärtnerisch gestaltet, wurde jedoch beim Bau des Magdeburger Rings Anfang der 1970er Jahre entfernt.