mini|150px|Stadtführer Lübeck, 1. Auflage (1963)
Baedeker-Stadtführer sind Reiseführer des Karl Baedeker Verlags, die von 1963 bis 2010 als rote Broschuren in klassischer Baedekermanier erschienen und weit überwiegend in der alten Bundesrepublik gelegene Städte beschreiben. Zusätzlich gab es Ausgaben für fast alle Bezirke West-Berlins, Ost-Berlin und Leipzig sowie für einige Städte in der Schweiz, Österreich und Frankreich. Die Reihe knüpfte an Vorläufer-Ausgaben vor dem Zweiten Weltkrieg und nach 1945 an.
Vorbemerkung Nach Kriegsende fand sich der Baedeker-Verlagssitz Leipzig in der sowjetischen Besatzungszone wieder. Damit unterlag er den Zulassungsbestimmungen der dortigen Militärbehörden. Karl Friedrich Baedeker (1910–1979), Urenkel des Firmengründers, wurde eine an seine Person gebundene Verlagslizenz mit der Nummer 345 erteilt, so dass er seine Tätigkeit zunächst fortsetzen konnte. Angesichts der Vernichtung des Verlagsarchivs, wodurch auch sämtliche Kartenvorlagen und die sonstigen für die Reiseführerproduktion notwendigen Aufzeichnungen verloren gegangen waren, war an ein rasches Anknüpfen an das Verlagsprogramm vor 1945 nicht zu denken. Darüber hinaus waren durch die Kriegszerstörungen und die wirtschaftliche Nachkriegsnot der Urlaubsreiseverkehr und der Bildungstourismus, auf den die Baedeker primär zugeschnitten waren, weitestgehend zum Erliegen gekommen. Da aufgrund der politischen Entwicklung in der SBZ abzusehen war, dass mit politischen Restriktionen in der Verlagsproduktion in Leipzig zu rechnen war, gründete Karl Baedeker 1948 in Malente unter altem Namen einen neuen Verlag, für den er eine Verlagslizenz der Britischen Besatzungsbehörden erhielt. In diesem erschienen später auch die in klassischer Manier ausgestatteten Stadtführer, wobei der Firmensitz von Baedeker 1956 nach Freiburg i.Br. verlegt wurde. Die Ausgaben dieser Reihe im engeren Sinne begannen erst 1963. Allerdings sind diesem Reihenprogramm als Vorläufer zunächst auch die bereits davor erschienenen Ausgaben für die deutschen Großstädte Frankfurt (1951), Leipzig (1948), München (1950)Bei diesem Band kooperierte Baedeker bis 1960 (4. Auflage) mit dem in München ansässigen Richard Pflaum Verlag. und Stuttgart (1949) zuzurechnen, zumal alle ab 1963 erschienenen Auflagen dieser Titel nur noch unter dem Titel der Reihe und ihrer Ausstattung unter Fortführung der Auflagenzählung ediert wurden. An Vorkriegsausgaben knüpften die Bände für die nun geteilte ehemalige Hauptstadt Deutschlands („Berlin. Kleine Ausgabe“ von 1933) und für Bayerns Metropole („München und Augsburg“ von 1935) an, was auch hier in der Auflagenzählung ihren Niederschlag fand. Schließlich wurden auch die „Großen Ausgaben“ für Berlin ab 1954 (1. Auflage 1936 zur Olympiade) in den jeweiligen Backlists am Ende der Bändchen dieser Reihe mit aufgeführt, obwohl sie aufgrund ihres Umfangs und ihrer Ausstattung – die beiden Auflagen zwischen 1986 und 1992 wurden sogar im Pappband und Ganzleinen, teilweise mit Schutzumschlag, aufgebunden – streng genommen nicht zu ihr gehörten. Allerdings erhielten die Auflagen ab 1986 sogar noch den Reihentitel „Stadtführer“, nachdem sie zuvor als „Reisehandbuch“ ediert worden waren, wohl in Abgrenzung zu den ab 1981 parallel laufenden Baedeker-Allianz-Ausgaben für Berlin.
Bei den Bänden für Koblenz (1977, 1983) knüpft die Auflagenzählung sogar an eine bereits „c. 1830 bei Carl Bädeker, Koblenz“, erschienene 1. Auflage an, worauf auf dem Titelblatt mit einer Fußnote verwiesen wird. Von einer echten inhaltlichen Vorläuferausgabe wird man hier aber wohl nicht sprechen können. Bei diesem Werk kann es sich eigentlich nur um die bei Baedeker im Jahr 1828 verlegte Darstellung J. A. Kleins „Koblenz. Historisch-Topographisch mit Benutzung urkundlicher Nachrichten“, die einen Auszug aus seiner „Rheinreise“ mit Nachträgen und zwei Ansichten darstellt, handeln. Dieses Buch, das von Jacques Lendroy auch ins Französische übersetzt wurdeVergleiche das Dilibri-Digitalisat., ist in dem den beiden Auflagen der Rheinreise von 1835 und 1839 vorgeschalteten Verzeichnis von Büchern und Kunstsachen, die bei K. Baedeker in Koblenz (Rheinstraße) erschienen sind aufgeführt. Ein von Karl Baedeker selbst verfasster Stadtführer für Koblenz ist dagegen nicht verzeichnet. Bei einem Buch aus einem fremden Verlag zu dieser Thematik wäre eine Auflagenmitzählung von vornherein unterblieben.
Besonderheiten bei den Vorläuferausgaben Leipzig (1948) Ungeachtet der schwierigen Nachkriegsverhältnisse gelang es dem Verlag, in Zusammenarbeit mit dem Leipziger Bibliographischen Institut 1948 einen schon vor dem Krieg geplanten Band für Leipzig, dem eigenen Verlagsort seit 1872, herauszubringen, der es in der Stadtführer-Reihe bis 2002 auf sechs Auflagen bringen sollte. Die mit einem Vorwort des damaligen Leipziger Oberbürgermeisters, Erich Zeigner, versehene Broschüre, die von Hans Baedeker (1874–1959) verfasst worden warLeipzig. Stadtführer von Karl Baedeker. 2. Auflage, Freiburg 1973, S. 4 [nn]. Der Autor wurde in der Ausgabe von 1948 dagegen nicht genannt., spiegelte einerseits die Kriegszerstörungen in der Stadt wider, dokumentierte andererseits aber auch den ungebrochenen Aufbauwillen der Leipziger Bevölkerung. Aufgrund der Eintragung des Standorts der sowjetischen Militärverwaltung in Leipzig in einem beigefügten Stadtplan mussten nach deren Intervention – dabei kam es auch zu einer kurzzeitigen Verhaftung von Hans Baedeker – die noch nicht verkauften Bestände mit einer retuschierten Karte versehen werden, bei der die Objektbezeichnung getilgt war. Nur in dieser ersten Auflage erfuhr die 1968 gesprengte Paulinerkirche noch eine ausführliche Beschreibung und wurde u. a. noch auf das kriegszerstörte Fürstenhaus hingewiesen.
Stuttgart (1949, 1955) In ähnlicher Aufmachung wie der Leipzig-Band kam ein Jahr später noch ein Führer für Stuttgart im Umfang von 96 Seiten sowie einem amtlichen Stadtplan des Stadtmessungsamtes, Straßenverzeichnis, Verkehrsplan und einer Umgebungskarte in einer Auflage von 20. Tsd. Exemplaren heraus, wobei hier als Mitverleger die Franckh’sche Verlagshandlung in Stuttgart zeichnete und neben Leipzig auch Hamburg als Verlagsort genannt ist. Im selben Jahr wurde von den genannten Verlegern auch ein englischsprachiger Extract from Baedeker's Stuttgart (32 Seiten) ediert; die Übersetzung stammte von der Stadtverwaltung Stuttgarts.
Mit dieser Ausgabe fand die über 70 Jahre andauernde verlegerische Tätigkeit des Baedeker Verlags am Standort Leipzig, von wo aus das Unternehmen seine Weltgeltung erlangt hatte, ein jähes Ende; sie wurde dort auch nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 nicht wieder neu belebt.
München und Umgebung (1950–1960) Die erste Nachkriegsauflage erschien 1950 (1. Auflage 1935), weitere Auflagen folgten 1955 und 1960. Möglicherweise gab es Ende der 1950er Jahre bei manchen Baedeker-Autoren noch Ressentiments gegenüber einigen während der Nazi-Herrschaft exilierten Schriftstellern. Der 1955 verstorbene Nobelpreisträger Thomas Mann fand in der 3. Auflage von München und Umgebung von 1960 bei den dort in der „Gedenktafel“ aufgeführten berühmten Persönlichkeiten noch keine Erwähnung, wobei die Auslassung auch im Zusammenhang mit seinem kritischen Münchener Wagner-Vortrag von 1933, Leiden und Größe Richard Wagners, stehen könnte.vgl. München und Umgebung. Karl Baedeker, Hamburg, und Richard Pflaum Verlag, München 1960, S. 33 (Gedenktafel) Dieses Schicksal teilte er übrigens mit Joachim Ringelnatz († 1934) und Lion Feuchtwanger († 1958), die auch erst in der 5. Auflage von 1972 erwähnt werden.
Frankfurt am Main (1951–1960) Rechtzeitig zu der inzwischen aus dem geteilten Berlin nach Frankfurt umgezogenen Internationalen Automobil-Ausstellung, im April 1951, stand ihren Besuchern der Band Frankfurt am Main zur Verfügung. Für den heutigen Leser dürfte hier die ausführliche Darstellung der enormen Kriegszerstörungen in der Innenstadt von großem historischen Interesse sein. So zeigt eine Karte der Frankfurter Altstadt von 1950 mit weißen Flecken für die total zerstörten Stadtquartiere plastisch das enorme Ausmaß der im Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges verloren gegangenen historischen Bausubstanz.Frankfurt am Main. Karl Baedeker Verlag, Hamburg 1951, S. 76 Die 2. und 3. Auflage erschienen 1955 und 1960.
Hamburg und die Niederelbe (1951–1962) Die erste separate Ausgabe für Hamburg war vom Umfang her zunächst als Stadtführer geplant; die Seitenzahl sollte bei etwa 100 liegen und damit der Ausgabe für Stuttgart entsprechen. Tatsächlich wurde dann ein über 400 Seiten starkes „Reisehandbuch“ veröffentlicht, das 1953 einen Neudruck mit Ergänzungen und 1962 eine Folgeauflage erlebte. In den Ausführungen von Otto U. Brandt und Kurt Eitner im Band von 1951 zum Hamburger Hafen mit den dort tätigen Reedereien (z. B. F. Laeisz, Rickmers Rhederei AG, Robert Miles Sloman jr.) und Werften (Blohm & Voss, Deutsche Werft, Howaldtswerke) wurde eine in späteren Auflagen, aufgrund gewandelter Benutzerinteressen, nie wieder erreichte Ausführlichkeit geboten. Ab 1963 (2. Auflage 1968) erschienen dann kurze Hamburg-Führer in der Stadtführer-Reihe mit nur ca. 40 Seiten. 1983 wurden dann beide Ausgabenreihen in einer 3. Auflage (276 S.) zusammengeführt; für die inhaltliche Gestaltung war in der Einleitung nun auch Bezug auf die Stadtführer-Reihe genommen worden. Weitere Auflagen erschienen in der Reihe danach nicht mehr; der Band war aufgrund seines Umfangs nunmehr der Baedeker–Allianz–Reihe zugeordnet worden.
Köln und Umgebung (1956) Dieser Titel beschränkte sich auf zwei Auflagen, die 1956 und 1960 kartoniert und im Kunststoffeinband erschienen. Eine Fortsetzung in der Stadtführer-Reihe war geplant; die 1972Baedekers Flensburg. 2. Auflage, Freiburg 1977, S. 59 [nn] (Werbung für die Stadtführer) und nochmals 1984Baedekers Berlin-Tiergarten. Freiburg 1984, S. 60 [nn] (Werbung für die Stadtführer) angekündigte 3. Auflage erschien jedoch nicht.
Allgemeine Angaben Ausstattung Kleinformate Auf dem Vorderdeckel der zumeist schmalen Broschurbände im klassischen Baedekerformat, die zunächst unter dem Reihentitel Baedekers Stadtführer von Karl Baedeker im Karl Baedeker Verlag erschienen, war das jeweilige Stadtwappen abgebildet. War der Buchrücken bei den ersten, laminierten Ausgaben noch unbedruckt, trug er ab 1968 den Städtenamen und in den 1980er Jahren teilweise zusätzlich die Bandnummer, die den einzelnen Bänden zugeordnet war und bei der Verlagswerbung verwendet wurde. Bis auf die Ausgaben für München und Stuttgart sowie einigen Ausgaben für Berlin ist die Reihenangabe „Baedeker(s)“ nur auf den Rücken der Großformate zu finden. Die Rückendeckel zierte zunächst ein Bauwerk oder Denkmal der Stadt. Die Broschuren enthielten die touristisch notwendigen Informationen über den Ort und den traditionellen, mehrfarbigen Plan der Stadt und/oder Innenstadt. Erstmals bei der ersten Auflage von Genf von 1972 – 1973 folgte Baden-Baden - findet sich zusätzlich auch eine historische Stadtansicht. Schrittweise hielt diese später auch bei den meisten anderen Orten Einzug. Sie wurde überwiegend den Werken von Matthäus Merian oder der Schedelschen Weltchronik entnommen. Wie bereits die Regionalbände ab 1951 waren die Stadtführer mit schwarz-weiß Illustrationen ausgestattet. Grundrisse und Lagepläne wurden auch mit roten Bildelementen ergänzt. Sehr häufig war in den Bändchen Werbung für die laufende Reiseführerproduktion von Baedeker zu finden. Auch Fremdwerbung tauchte in den 1970er Jahren in vielen kleinformatigen Stadtführern auf. Recht häufig warb dabei die Frankfurter Allgemeine Zeitung als alleiniger Inserent ganzseitig um Leserschaft. Großformate mit Wappensupralibros