mini|Luftaufnahme (2014) mini|Warsteiner Brauerei im Waldpark (2012) Die Haus Cramer Holding KG ist die Konzernobergesellschaft der Warsteiner-Gruppe mit Sitz in Warstein. Bekanntestes Unternehmen der Gruppe ist die Warsteiner Brauerei Haus Cramer KG, die eine Großbrauerei in Warstein betreibt.
Das Unternehmen befindet sich seit der Gründung im Familienbesitz und wird von einem Mitglied der Familie Cramer geleitet.
Alleineigentümerin ist Catharina Cramer.
Geschichte
mini|Flaschenabfüllung 1753 begann die Geschichte der Brauerfamilie Cramer. Dem Landwirt Antonius Cramer wurde auf sein gebrautes und verkauftes Bier erstmals eine Steuer von einem Reichstaler und 19 Gulden erhoben. Sohn Johannes Vitus Cramer übernahm die Hausbrauerei. Dank der zentralen Lage des Wohnhauses in Warstein florierte der Bierausschank. Im Dezember 1802 wurden große Teile der Stadt Warstein durch einen Brand zerstört. Cramers Haus war ebenfalls betroffen.
Johannes Vitus errichtete 1803 das Stammhaus des Unternehmens wieder am alten Standort. Das Gebäude wurde zu einem Gast- und Beherbergungsbetrieb mit Hausbrauerei ausgebaut. Da in unmittelbarer Nähe die St. Pankratiuskirche errichtet wurde, war man nun im Mittelpunkt des Ortes. Noch heute steht das Stammhaus (genannt Domschänke) im historischen Kern der Stadt. Vitus übergab 1804 die Leitung des Betriebs an seinen ältesten Sohn Casper.
1823 übernahmen Albert Cramer und August Cramer die Leitung der Brauerei. An der Brauerschule in Worms erlernten sie die Brautechnik.
Am 31. Oktober 1883 wurde die Bahnstrecke Münster–Warstein eröffnet. Bis dato konnte das Bier nur mit Pferdefuhrwerken distribuiert werden. Durch die Möglichkeit des Bahntransports in Güterwagen wurde der Absatzmarkt für Warsteiner viel größer. Eine Modernisierung und Expansion des Betriebes erfolgte 1895 durch die Inbetriebnahme einer ersten Dampfmaschine. Bis 1920 entwickelte sich die Brauerei zu einem für damalige Verhältnisse modernen Unternehmen, das neben der Pils- und Bockbierherstellung auch Limonaden und Tafelwasser abfüllte.
Mit der Erschließung der 1927 in Kaisersiepen von Albert Cramer entdeckten Kaiserquelle begann ab 1928 die Konzentration auf die Herstellung von Pils. Das Wasser mit einer Härte von ein bis zwei Grad eignet sich besonders zum Bierbrauen.
Mit einer Braukapazität von über 100.000 Hektoliter pro Jahr zählte Warsteiner 1960 zu den deutschen Großbrauereien. Die Nachfrage nach Pils stieg in Deutschland stetig an.faz.net vom 14. April 2016: Wie verändert sich der Biergeschmack?, abgerufen am 5. Juli 2025 Die Kapazitätsgrenzen in der Brauerei im Stadtkern waren bald erreicht. Am südlichen Stadtrand von Warstein wurde 1974 mit einem Neubau begonnen. 1976 eröffnete Albert Cramer die Waldparkbrauerei „als die modernste und größte Brauerei Europas“.
Mit über zwei Millionen Hektoliter war Warsteiner 1984 Deutschlands größte Biermarke. Im Jahr 1990 wurde das Braugeschäft der Nies-Gruppe mit den Marken Isenbeck, Kloster, Paderborner und Weissenburg sowie die 1982 errichtete und damals sehr moderne Brauerei in Paderborn übernommen.paderborner-brauerei.de, abgerufen am 5. Juli 2025
1994, nach der Wiedervereinigung, wurde mit einem Ausstoß von mehr als sechs Millionen HektoliterFachmagazin Inside vom 19. Januar 1995 der größte Ausstoß in der Unternehmensgeschichte erreicht. Im Jahr 2008 war die Waldparkbrauerei, die damals eine jährliche Kapazität von sieben Millionen Hektoliter hatte, nicht mal zur Hälfte ausgelastet.Bei Warsteiner läuft das Geschäft katastrophal, Die Welt Online 18. Dezember 2008 2010 produzierte die gesamte Warsteiner-Gruppe 5,4 Millionen Hektoliter.Preiskrieg macht Radeberger und Warsteiner zu schaffen. In: Handelsblatt 13. Januar 2011
Das Jahr 1994 war auch eine Zäsur in der Unternehmensgeschichte. In Hamburger Gastronomiekreisen tauchten Gerüchte auf, die Warsteiner Brauerei würde mit der Scientology-Sekte in Verbindung stehen. Diese Gerüchte kursierten in den folgenden Jahren in ganz Deutschland, obwohl die Brauerei im Herbst 1994 und nochmals 1997 mit ganzseitigen Anzeigen in allen großen deutschen Tageszeitungen und Nachrichtenmagazinen versucht hatte, die Gerüchte zu stoppen. Die Brauerei musste ab 1995 bis über die Jahrtausendwende hinweg erhebliche Absatzeinbrüche hinnehmen.Der Spiegel 42/1994 Eine Rehabilitierung erfuhr Warsteiner durch einen Sendebeitrag des Medienmagazins Zapp, der am 17. Februar 2010 im NDR ausgestrahlt wurde. Darin griff das Magazin unter dem Titel „Perfide Public Relations verdeckt aus dem Hinterhalt“ die Lancierung der Gerüchte um Warsteiner als Beispiel für eine Kampagne auf. Seit 2006 leitet Catharina Cramer, die jüngste Tochter von Albert Cramer, das Unternehmen.
Nach dem Platzen der Dotcom-Blase im März 2000 stagnierte in Deutschland einige Jahre lang die Wirtschaft; die Arbeitslosenquote war hoch. Die Regierung Schröder II begann im März 2003 die Agenda 2010. Die Warsteiner Brauerei entließ Mitarbeiter, schloss Produktionsstätten und schränkte das Sponsoring ein. 2010 stieg der Absatz leicht.Bitburger und Warsteiner können leicht zulegen, Werben & Verkaufen vom 13. Januar 2011 (toter Link) Die Warsteiner Gruppe produzierte 2012 4,56 Millionen Hektoliter. Der konsolidierte Umsatz lag im Geschäftsjahr 2012 bei 530 Millionen Euro, 1,6 Prozent mehr als im Vorjahr.Warsteiner wächst 2012 leicht (in: AHGZ 17. Januar 2013) 2013 wurden ebenfalls 4,56 Millionen Hektoliter produziert.
Albert Cramer, Eigentümer der Warsteiner Brauerei, starb am 20. November 2012 im Alter von 69 Jahren.
In Warstein kam es am 10. August 2013 zu einem Legionellose-Ausbruch. Am 11. September gab die Brauerei per Pressemeldung bekannt, dass auch in Abwasservorbehandlungsbecken der betrieblichen Kläranlage und in einer Kühlanlage Legionellen gefunden worden seien. Als Maßnahmen wurden Abdeckung des betriebseigenen Klärbeckens, UV-Desinfektion des Ablaufs und kontinuierliche Desinfektion der Rückkühlwerke beschlossen und durchgeführt.
Vor dem Umweltausschuss des Landtages in Düsseldorf gab der Landesumweltminister Johannes Remmel am 11. Februar 2014 bekannt, dass noch im Januar 2014 im Belebungsbecken der Betriebskläranlage der Warsteiner Brauerei sehr hohe Konzentrationen von Legionellen gemessen wurden. Dabei wurden mehrere Millionen sogenannte koloniebildende Einheiten (kbE) von Legionellen pro 100 Milliliter Wasser gefunden. Bei Trinkwasser besteht ein Legionellen-Grenzwert von 100 kbE. Der Ruhrverbandes prognostizierte, die geplante Sanierung und dauerhafte Sicherung der Anlagen in Warstein (einschließlich der kommunale Kläranlage) werde etwa sieben Millionen Euro kosten. 1,8 Millionen Euro werde allein die geplante Sanierung des Brauereikanals kosten und 5,5 Millionen Euro die Kläranlage des Ruhrverbandes. Der Brauereikanal soll mit druckdicht verschlossenen Revisionsschächten versehen werden, damit keine Krankheitserreger mehr in die Luft gelangen können. In der Kläranlage der Brauerei soll die biologische Vorklärung zukünftig entfallen und nur noch als Abwasser-Sammelbecken fungieren. Unklar war zunächst, wie die Legionellen aus einem Bioreaktor, hier das Belebungsbecken der Brauerei-Kläranlage, entfernt werden können, da eine komplette Außerbetriebnahme und Desinfektion von betrieblicher Kläranlage, Kanalisation und kommunaler Kläranlage nicht möglich sei. Bei den Flüssen Wäster und Möhne, in die das Wasser der kommunalen Kläranlage eingeleitet wird, galt immer noch das seit September 2013 geltende Wasserentnahmeverbot, wobei die Konzentrationen von Legionellen in diesen Flüssen unbedenklich war. Noch im Februar 2014 war unklar, wo genau Legionellen ihre erste Brutstätte hatten.
Am 27. September 2013 strahlte der WDR in der Sendereihe Dynastien in NRW die Sendung Vom Dorfbier zur Weltmarke – Die Cramers aus Warstein aus.
Im Januar 2014 verhängte das Bundeskartellamt gegen die Warsteiner-Brauerei und drei weitere Brauereien wegen Preisabsprachen für Fassbier und Flaschenbiere in einem Bierkartell von 2006 bis 2008 Bußgelder in Höhe von insgesamt 106,5 Millionen Euro.
Seit Mai 2024 braut Warsteiner das polnische Bier Tyskie Gronie für die Asahi Brands Germany GmbH für den deutschen Markt. Es erfolgt eine Abfüllung in Sechserpacks mit 0,33-Liter-Flaschen. Die eigenständige, 2023 gegründete, Dienstleistungstochter H. C. Drinks Solutions GmbH bietet Lohnbrauen an. Die REWE-Eigenmarke Schmackes Hell wird für REWE gebraut.soester-anzeiger.de vom 17. Januar 2025: „Anpassungen unseres Geschäfts“: Warsteiner Brauerei reagiert auf Herausforderungen, abgerufen am 5. Juli 2025 Im Auftrag der Deutschlandtochter des türkischen Getränkekonzerns Anadolu Efes braut sie ab Herbst 2025 in Warstein dessen Marke „Efes Pilsener“ nach der Originalrezeptur.H. C. Drinks Solution braut für Efes
Am 7. Mai 2026 gab die Haus Cramer Holding bekannt, dass die Brauereien in Herford und Paderborn geschlossen beziehungsweise verkauft werden sollen, um auf den rückläufigen Bierkonsum zu reagieren. Die Produktion der Marken Herforder und Paderborner würde künftig am Stammsitz Warstein gebündelt, wobei ein Teil der betroffenen 211 Mitarbeiter übernommen werden soll. Die drei bayerischen Produktionsstandorte der Gruppe blieben von den Maßnahmen unberührt.
Das Unternehmen Die Marke „Warsteiner“ gehört neben anderen Marken zur Haus Cramer Management GmbH. Die Brauerei hat für die Stadt Warstein und die gesamte Region einen hohen Stellenwert, ist ein bedeutender Arbeitgeber in der Region und machte Warstein deutschlandweit bekannt. Das Unternehmen prägt zu einem großen Teil das kulturelle Leben in Warstein. Seit dem Herbst 2009 betreibt die Warsteiner Brauerei ein eigenes Blockheizkraftwerk für die Versorgung der Waldparkbrauerei mit Wärme und Strom aus eigener Erzeugung.Investition für die Umwelt, auf www.warsteiner-gruppe.de, abgerufen am 16. März 2025 Im Februar 2012 zertifizierte der TÜV NORD das Energiemanagementsystem der Warsteiner Brauerei. Das Sauerländer Unternehmen vermindert durch die Zertifizierung Treibhausgasemissionen und reduziert gleichzeitig die künftigen Kostenbelastungen für das eigene Unternehmen.TÜV NORD zertifiziert Energiemanagementsystem von Warsteiner In: TÜV-Nord, 8. Februar 2012
Produkte mini|Warsteiner Produktsortiment (2021) Die Brauerei produziert und vertreibt ihr Sortiment unter der als „Premium“-Produkt bezeichneten Marke Warsteiner Premium. Sie hat das Markenimage anstelle der individuellen Produkte beworben. Zur Produktpalette gehören (Stand 2019): Premium Pilsener: Bier nach Pilsner Brauart. Herb: Das Bier ist herber als das Premium Verum. Der höhere Bitterwert wird durch eine größere Menge an Hopfen erzielt, der während der Würzekochung zweimal zu unterschiedlichen Zeiten zugegeben wird. Herb Alkoholfrei Alkoholfrei: ein alkoholfreies Bier in Anlehnung an das Premium Verum. Im Februar 2011 veränderte die Warsteiner Brauerei die Rezeptur von 0,0 % Alkohol in ein isotonisch wirkendes Getränk. Radler Zitrone: Biermischgetränk mit 50 % Zitronenlimonade, für die ein Konzentrat aus Zitronensaft verwendet wird. Radler Alkoholfrei: Biermischgetränk mit Mischung aus 60 % Warsteiner Alkoholfrei und 40 % Zitronenlimonade unter Verwendung von Zitronensaftkonzentrat. Lemon: Biermischgetränk mit 50 % Limetten Erfrischungsgetränk. Weihnacht: saisonales, bernsteinfarbenes Festbier. Warsteiner Braumeister Edition: kaltgehopfte, naturtrübe Bierspezialität. Warsteiner Summer Breeze: Biermischgetränk aus 80 % Warsteiner und 20 % Erfrischungsgetränk mit natürlichem Minz- und Limettenaroma Warsteiner Sunrise: Biermischgetränk aus 80 % Warsteiner und 20 % Erfrischungsgetränk mit Tequila-Orangen-Granatapfel-Geschmack
Außerdem gibt es: Warsteiner Dunkel: Dunkles Bier, ausschließlich für den amerikanischen Markt. Wird beworben als Premium German Dunkel.
Nicht mehr verfügbar:
Warsteiner Moscow Mule: Biermischgetränk aus 80 % Warsteiner und 20 % Erfrischungsgetränk mit Ingwer-, Limetten- und Wodka-Flavour