mini|Karol Nawrocki (2025)
Karol Tadeusz Nawrocki (* 3. März 1983 in DanzigŚlubowanie Rzecznika Praw Obywatelskich i Prezesa Instytutu Pamięci Narodowej (poln.)) ist ein polnischer Historiker und Politiker. Er ist seit dem 6. August 2025 Staatspräsident Polens.
Von 2021 bis 2025 war er Leiter des Instituts für Nationales Gedenken (IPN). Zuvor war er von 2017 bis 2021 – anfangs kommissarisch – Direktor des Museums des Zweiten Weltkriegs und des Westerplatte-Museums in Danzig und von Juni 2021 bis Juli 2021 stellvertretender Leiter des IPN.Prezes Instytutu Pamięci Narodowej (poln.) abgerufen am 20. Oktober 2021. Im Februar 2024 schrieb Russland Karol Nawrocki zur Fahndung aus. Hintergrund war der in Polen vorangetriebene Abriss sowjetischer Kriegsdenkmäler.Karol Nawrocki – Polens neuer Präsident abgerufen am 30. September 2026.
Leben Herkunft und Familie Karol Nawrockis Vater war Dreher in der Danziger Werft, gehörte der Gewerkschaft Solidarność an und emigrierte in den 1990er-Jahren für mehrere Jahre in das Vereinigte Königreich. Seine Mutter ist Buchbinderin. Nawrocki hat eine jüngere Schwester, die als Konditorin in Danzig arbeitet. Mit seiner Ehefrau Marta Nawrocka, einer Finanzbeamtin, hat Nawrocki zwei Kinder. Er zog außerdem einen Sohn aus einer früheren Beziehung seiner Ehefrau groß.
Sportkarriere In seiner Jugend spielte Nawrocki für die Fußballmannschaft KKS Gedania (1997–2000) und boxte im Team des RKS Stoczniowiec (2000–2004). Für letzteren erreichte er 2001 den ersten Platz im polnischen Juniorenwettbewerb im Schwergewicht.Boks wraca do Słupska (poln.) Anschließend wurde er Spieler und Kapitän des Fußballteams von EX Siedlce Gdańsk, für das er in 96 Spielen 25 ToreNawrocki Karol Tadeusz (polnisch), abgerufen am 21. Oktober 2021. erzielte und dessen Abteilung für Kampfsport er 2010 gründete.
Ausbildung Nach dem Abitur im Jahr 2002 absolvierte er eine einjährige Ausbildung im Bereich Personalmanagement. Ab 2003 absolvierte Nawrocki ein Studium der Geschichte an der Universität Danzig, das er 2008 abschloss. Seine Magisterarbeit behandelte politische Propaganda im Sportjournalismus des „Dziennik Bałtycki“ (Baltisches Journal) der 1970er-Jahre. 2013 wurde er mit einer Arbeit über öffentlichen Widerstand gegen die kommunistische Herrschaft in der Woiwodschaft Elbląg promoviert. 2023 absolvierte er an der Technischen Universität Danzig das Aufbaustudium „International MBA in Strategy, Programme and Project Management“.
Tätigkeit als Historiker Nawrocki arbeitete ab 2009 in Danzig für das Institut für Nationales Gedenken (Instytut Pamięci Narodowej, IPN) und wurde 2014 Leiter des regionalen Büros für öffentliche Bildung (Biuro Edukacji Publicznej). Sein besonderes Interesse galt kommunistischen Verbrechen der Jahre 1945–1956. Er war einer der ersten Historiker, der sich mit der organisierten Kriminalität in Polen in den 1980er-Jahren befasste und schrieb unter dem Pseudonym Tadeusz Batyr eine Biografie über Nikodem Skotarczak, einen der führenden polnischen Mafiabosse der 1980er- und 1990er-Jahre. Insgesamt verfasste er acht Bücher wirkte an drei weiteren mit. Außerdem publizierte er bei histmag.org und in den Blättern Magazyn Solidarność, Polityka und Do Rzeczy. Für die Fernsehsendung „W świetle prawdy“ (Im Licht der Wahrheit) von TVP Gdańsk war er historischer Berater. In den Jahren 2017 bis 2021 war er Direktor des Museums des Zweiten Weltkriegs in Danzig. 2021 kehrte er zum Institut für Nationales Gedenken zurück, zunächst als stellvertretender Leiter und anschließend als dessen Leiter.Karol Nawrocki nowym szefem Instytutu Pamięci Narodowej, abgerufen am 20. Oktober 2021. Er leitete das Museum bis zu seinem Amtsantritt als Staatspräsident 2025.
Politik Politische Aktivität bis zur Präsidentschaft Von 2011 bis 2017 war er Vorsitzender des Stadtbezirksrats von Siedlce. In Danzig setzte er sich 2015 für die Benennung einer Straße nach Jerzy Popiełuszko und für ein Denkmal für Danuta Siedzikówna ein. mini|Karol Nawrocki mit Donald Trump während des Wahlkampfs (2025) Nawrocki wurde seit Juli 2024 als potenzieller Präsidentschaftskandidat gehandelt und im November 2024 von der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) als parteiloser Kandidat für die Präsidentschaftswahl im Mai 2025 offiziell vorgestellt. Während des Wahlkampfs wurde er von Donald Trump unterstützt und besuchte ihn im Weißen Haus. Er erreichte im ersten Wahlgang 29,54 % der Stimmen. In der Stichwahl setzte er sich mit 50,9 % der Stimmen gegen Rafał Trzaskowski durch.
Präsidentschaft Er trat das Amt am 6. August 2025 an. Nawrockis erste Wochen im Amt waren durch Spannungen mit der Regierung von Donald Tusk geprägt. Unmittelbar nach seiner Vereidigung nahm Nawrocki an einer Videokonferenz mit Donald Trump und europäischen Staats- und Regierungschefs teil, was in Regierungskreisen als Überschreitung präsidialer Kompetenzen gewertet wurde.Nationalist Karol Nawrocki sworn in as Polish president, The Guardian, 6. August 2025.Polish president Karol Nawrocki clashes with PM Tusk over foreign policy, Financial Times, 12. August 2025. Beobachter sprachen von einem offenen Konflikt zwischen Präsident und Premierminister um die Außenvertretung Polens.
In der Gesetzgebungspolitik nutzte Nawrocki früh sein Vetorecht und legte bei drei vom Parlament verabschiedeten Vorhaben ein Veto ein: einer Steuer- und Strafrechtsnovelle, einem Gesetz zur Deregulierung im Energiesektor sowie einer Regelung zur Unterstützung ukrainischer Staatsbürger.Weto Prezydenta do nowelizacji ustawy o pomocy obywatelom Ukrainy, Offizielle Website des Präsidenten der Republik Polen, abgerufen am 28. August 2025. Insbesondere letzteres wurde von Regierungspolitikern scharf kritisiert.
Nawrocki unternahm seine erste Auslandsreise als Präsident am 3. September 2025 in die USA, wo er sich mit Donald Trump traf. Trump versicherte dabei mündlich, dass er plane, dass die in Polen stationierten amerikanischen Streitkräfte dauerhaft in Polen bleiben sollen, was von der Regierung von Donald Tusk als diplomatischer Erfolg gewertet wurde, für den Nawrocki von Außenminister Radosław Sikorski gelobt wurde.
Nach dem Eindringen russischer Drohnen in polnischen Luftraum im September 2025 rief Nawrocki eine Sondersitzung des Nationalen Sicherheitsrats ein. Er betonte, dass die Sicherheit Polens oberste Priorität sei, und forderte gemeinsam mit Premierminister Donald Tusk eine enge Abstimmung aller staatlichen Institutionen. Nach dem USA-Besuch Nawrockis und der einstimmigen Reaktion von Nawrocki und Tusk auf das Eindrigen russischer Drohnen hatten sich laut verschiedenen Kommentatoren die Beziehungen zwischen Nawrocki und der Regierung deutlich verbessert.
Kurz vor seiner ersten offiziellen Reise nach Deutschland Mitte September 2025 bekräftigte Nawrocki seine Forderung nach deutschen Kriegsreparationen in Höhe von umgerechnet 1,3 Billionen Euro. Mit der Summe solle Deutschland für die im Zweiten Weltkrieg verursachten Schäden in Polen aufkommen. Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wiesen die Reparationsforderungen zurück.
Die Entspannung der Beziehungen zwischen Nawrocki und der Regierung von Tusk war nur von kurzer Dauer. So nutzte Nawrocki bis Januar 2026 bereits 23-mal sein Vetorecht, um Gesetzesvorhaben der Regierung zu blockieren, womit er bereits in den ersten Monaten seiner Amtszeit sein Vetorecht öfter genutzt hatte als alle seine Vorgänger zusammen. Beobachter sprachen von einem „offenen Krieg“ zwischen Nawrocki und der Regierung und vermuten, dass Nawrocki durch die Behinderung der Regierungsarbeit vorgezogene Parlamentswahlen erzwingen möchte.
Im März 2026 nutzte er sein Vetorecht gegen ein Gesetz, das die Aufnahme eines EU-Darlehens aus dem Security Action for Europe (SAFE)-Programm ermöglichte, das ursprünglich Investitionen in die Verteidigung Polens ermöglichen sollte – die Mittel sollten unter anderem in die Förderung der polnischen Verteidigungsindustrie sowie in die Unterstützung und Modernisierung der uniformierten Dienste, der Polizei und des Grenzschutzes fließen. Er begründete seine Entscheidung mit seinem Widerstand gegen die Kontrolle der Mittelvergabe durch die EU, sowie der Unmöglichkeit, die finanziellen Mittel zum Einkauf militärischer Ausrüstung aus den USA zu nutzen. Stattdessen schlug er vor, Gewinne der Polnischen Nationalbank für die Investitionen zu nutzen, was von der Regierung von Donald Tusk abgelehnt wurde. Die Regierung umging das Veto von Nawrocki, indem sie die Aufnahme des Darlehens über einen Beschluss des Parlaments beschloss. Nawrocki nannte dies eine „illegale Prozedur“ und beauftragte eine Kontrolle des Beschlusses durch das polnische Verfassungsgericht, dessen Urteile jedoch von der Regierung ignoriert werden, da diese das Verfassungsgericht als illegitim ansieht.
Im April 2026 wählte das Parlament sechs neue Richter für das polnische Verfassungsgericht, da die Amtszeiten ihrer Vorgänger abgelaufen war. Dies führte dazu, dass die Mehrheit der Richter im Verfassungsgericht damit nicht mehr aus Richtern, die von der Regierung der PiS gewählt wurden, bestünde. Nawrocki nahm jedoch von zwei der Richter den Amtseid ab und begründete dies damit, dass die vier restlichen Richter nicht unabhängig seien. Die Regierung von Donald Tusk argumentierte, dass die Abnahme des Amtseids durch Nawrocki lediglich eine Formalität darstelle und er kein Recht darauf habe, die Abnahme des Amtseids abzulehnen. Alle sechs Richter – auch die, von denen Nawrocki bereits den Amtseid abgenommen hatte – leisteten daraufhin einen Amtseid in Abwesenheit bei einer vom Sejmmarschall Włodzimierz Czarzasty organisierten Zeremonie im Parlament. Der Vorsitzende des polnischen Verfassungsgerichts, Bogdan Święczkowski, sah diese Prozedur als illegal an. Dabei argumentierte er, dass das Dienstverhältnis der Richter ausschließlich gegenüber den beiden Richtern begründet wurde, die ihren Eid in Anwesenheit des Präsidenten abgelegt hatten, und wies ihnen Büros und Fälle zu. In Bezug auf die übrigen vier Richter stellte er fest, dass der Eid nicht vor dem Präsidenten abgelegt worden war und somit kein Dienstverhältnis der Richter begründet wurde. Dies wurde in juristischen Kreisen kontrovers diskutiert und als eine weitere Verschärfung der seit 2015 bestehenden polnischen Verfassungskrise gewertet.
Politische Ansichten Nawrocki gilt als nationalistisch und konservativ. Er positioniert sich als Gegner von Ministerpräsident Donald Tusk.tagesschau.de vom 6. Juni 2025: Nawrocki kündigt "starken Widerstand" an Er befürwortet die Aufrechterhaltung enger Beziehungen zwischen katholischer Kirche und Staat in Polen. Zudem spricht er sich für ein weitgehendes Abtreibungsverbot aus und lehnt die gleichgeschlechtliche Ehe sowie die Einführung der eingetragenen Lebenspartnerschaft für homosexuelle Paare ab. Außenpolitisch befürwortet er eine weitere Stärkung der polnischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten unter Donald Trump und der NATO, während er eine Vertiefung der europäischen Integration im Sinne eines Föderalismus ablehnt. Er ist Gegner eines NATO-Beitritts der Ukraine. Außerdem befürwortet er die Atomenergie, steht dem Ausbau erneuerbarer Energien skeptisch gegenüber und lehnt den European Green Deal ab.
Nawrocki befürwortet eine Änderung der Verfassung und die Einführung eines präsidentiellen Regierungssystems. Dies argumentiert er damit, dass das aktuelle Regierungssystem in Polen, in die Zuständigkeiten zwischen dem Ministerpräsidenten und dem Präsidenten aufgeteilt werden, dysfunktional sei. Sein Ziel sei es, noch vor den Präsidentschaftswahlen 2030 ein Referendum in dieser Sache durchführen zu lassen.
Kontroversen