Iwan Karlowitsch Tscherlizki, auch: Johann Heinrich Tscherlitzky, Jean Tscherlitzky bzw. Tscherlitzki, Czerlitzky, Scherlitzky, , Ivan Karlovič Čerlickij (* in Kasan, Russisches Kaiserreich; † Todesdatum nach . Andere Angaben: „6. Juni 1865“ nach musenc.ru; „2. November 1867“ nach Erik-Amburger-Datenbank. in Sankt Petersburg), war ein russischer Organist, Pianist, Musikpädagoge und Komponist.

Leben Tscherlizki stammte aus einer musikalischen, lutherischen Familie. Er erhielt seinen ersten Unterricht bei seinem Vater Karl Tscherlitzki (1773–1841), der als Musiklehrer in verschiedenen Städten Russlands tätig war. 1818 kam er nach Sankt Petersburg. Er wurde Organist an der lutherischen Katharinenkirche und gab auch Konzerte an der lutherischen Petersburger Hauptkirche Sankt Petri, an der sein Onkel Otto Leopold Czerlitzky († 1831) seit 1813 Organist war.Casimir Lemmerich: Geschichte der evangelisch-lutherischen Gemeinde St. Petri in St. Petersburg. Band 1. Hermann Haessel, St. Petersburg 1862, S. 90 Auch dessen Söhne, Tscherlitzkis Cousins Otto, Organist an St. Petri von 1831 bis 1840Eintrag Otto Czerlitzky in der Erik-Amburger-Datenbank und Karl, Musiklehrer am Smolny-InstitutEintrag Karl Czerlitzky. Erik-Amburger-Datenbank. sowie Tscherlitzkis Bruder Alexander (1804–1878), Klavierlehrer am Smolny-InstitutEintrag Alexander Tscherlitzky. Erik-Amburger-Datenbank. prägten das St. Petersburger Musikleben. mini|Ich bete an die Macht der Liebe im Choralbuch von Gossner / Tscherlitzki 1825 Tscherlizki freundete sich mit dem deutschen Pastor und Gesangbuchherausgeber Johannes Evangelista Goßner an. Ein zu Goßners Sammlung auserlesener Lieder von der erlösenden Liebe und den Liedern im Schatzkästchen herausgegebenes Choralbuch, das 1825 ohne Nennung des Herausgebers in Leipzig bei Tauchnitz erschien, wird üblicherweise als Werk Tscherlizkis angesehen. Es enthält 13 eigene Kompositionen Tscherlizkis, die jedoch kaum Nachwirkung gehabt haben. Lediglich die Melodie Glorification (Gossner’s) findet sich bis heute in einigen US-amerikanischen Gesangbüchern.Glorification (Gossner’s). hymnary.org Eine andere Melodie im Choralbuch wurde ungleich wirkungsmächtiger: Hier findet sich erstmals, vermutlich durch Tscherlizki, die Zuordnung der Melodie des in Petersburg wirkenden ukrainischen Komponisten Dmitri Stepanowitsch Bortnjanski (1751–1825) zu der Liedstrophe Gerhard Tersteegens Ich bete an die Macht der Liebe. Durch seine anschließende Tätigkeit in Berlin (1826–1858) vermittelte Goßner die Melodie samt deutschem Text an den Hof des Königs Friedrich Wilhelms III. von Preußen und seiner Nachfolger, von wo aus sie Eingang in den Großen Zapfenstreich fand.

Von 1820 bis 1829 und von 1845 bis 1853 unterrichtete Tscherlizki Klavierspiel im Smolny-Institut. Um 1831 war er Meisterschüler von John Field in Moskau.

Seine 15 Klaviertranskriptionen von Orgelwerken Johann Sebastian Bachs, die 1844/45 in fünf Bänden in Sankt Petersburg erschienen, spielten eine wichtige Rolle für die Verbreitung der Werke Bachs in Russland, wo es nur wenige Orgeln gab. Daneben transkribierte er auch Kammermusikwerke von Felix Mendelssohn Bartholdy für Klavier.

An eigenen Kompositionen schuf er u. a. Symphonien, ein Klavierkonzert und Kompositionen für Klavier solo.

Werke Choralbuch. Enthaltend die Melodieen zu der Sammlung auserlesener Lieder von der erlösenden Liebe und den Liedern im Schatzkästchen von Johannes Gossner. Mit Stereotypen gedruckt. Tauchnitz, Leipzig 1825; Felix Mendelssohn Bartholdy: Ottetto pour (des instruments à cordes) 4 violons, 2 violes et 2 violoncelles: op. 20. Arrangement pour le piano par Jean Tscherlitzky. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1862. Souvenir de Stenkino. Transcription de la célèbre Mazurka, Op. 7, de Chopin. Bernard, Petersburg.

Literatur Tscherlitzky, Johann Heinrich. In: Salomon Kümmerle: Encyklopädie der evangelischen Kirchenmusik. Band 3. Bertelsmann, Gütersloh 1894, S. 672 f.; . L. I. Roisman: ČERLICKIJ Ivan Karlovič. In: J. V. Keldyš (Hrsg.): Muzykal’naja ėnciklopedija. 6 Bde., Moskau 1973–1982; gekürzte Online-Version auf musenc.ru (russisch).

Weblinks Eintrag. Erik-Amburger-Datenbank

Einzelnachweise

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