mini|Kremation in Ubud (Indonesien) mini|Darstellung einer japanischen Einäscherung

Die Feuerbestattung ist eine Form der Bestattung, bei der die Leiche eingeäschert wird. Eine Feuerbestattung umfasst die Einäscherung der Leiche und die anschließende Beisetzung der Asche.Was ist eine Feuerbestattung? In: bestattungen.de, abgerufen am 30. Dezember 2025. Zitat: „Unter einer Feuerbestattung werden die Kremation und die anschließende Beisetzung der Asche der Verstorbenen verstanden.“ Im engeren Sinn kann auch bloß der Vorgang der Verbrennung gemeint sein,Feuerbestattung. In: Duden online. Abgerufen am 7. April 2024. Als Bedeutung wird zum einen eine Form der Bestattung angegeben, zum anderen „Einäscherung“, also der Vorgang der Verbrennung. der auch als Kremation, Kremierung oder Einäscherung bezeichnet wird, früher auch als Leichenverbrennung.Einträge auf Duden online: Kremation; Einäscherung; Leichenverbrennung. Abgerufen am 7. April 2024. In der Archäologie wird vor allem die Bezeichnung Brandbestattung genutzt.Brandbestattung. In: Duden online, abgerufen am 7. April 2024, siehe Hinweis zum Wortgebrauch.

In vielen Ländern wird die Einäscherung in Krematorien durchgeführt. Die Überreste werden unverwechselbar in eine Aschekapsel überführt, die gewöhnlich in eine Bestattungsurne eingesetzt wird. Die Bestattung der Urne mit der Asche wird als Urnenbeisetzung bezeichnet. In allen EU-Mitgliedstaaten ist die Feuerbestattung der Erdbestattung rechtlich gleichgestellt.

Geschichte

Die Brandbestattung stellte ein Element der geistigen Kultur dar, das in Urgesellschaften auf der ganzen Welt und bei Menschengruppen unterschiedlicher Entwicklungsstufen auftrat. Als ältester Nachweis einer absichtlichen Einäscherung gilt ein Fund in Malawi aus der Zeit vor rund 9500 Jahren, der die Überreste eines kleinen, grazilen Erwachsenen mit Anzeichen für eine Entfleischung kurz vor dem Tod und Manipulationen nach der Einäscherung enthält.Jessica I. Cerezo-Román et al.: Earliest evidence for intentional cremation of human remains in Africa. In: Science Advances. Band 12, Nr. 1, 2026, doi:10.1126/sciadv.adz9554. Über Ursachen und Verbreitung der Leichenverbrennung liegt eine zusammenfassende Darstellung des ethnographischen und archäologischen Materials außereuropäischer Völker vor (Ursula Schlenthers Werk Brandbestattung und Seelenglaube, 1960). Die Darstellung für die Zeit vor den Weltreligionen ist jedoch spärlich. Jedoch besteht keine Bindung der Brandbestattung an bestimmte wirtschaftlich-kulturelle Gruppen oder Klimazonen. Sie fand bei Jägern und Sammlern, wie auf Tasmanien, in Patagonien und den asiatischen Gebieten Russlands, sowie bei bäuerlichen Kulturen und solchen, die bereits Merkmale einer differenzierten Gesellschaft aufweisen statt. Es scheint wenige Gruppen gegeben zu haben, bei denen die Verbrennung (auch nur zeitweise) die einzige bekannte Bestattungsart war, wie bei den ältesten Kulturen Patagoniens und in der Hohokam-Kultur in Nordamerika. Meist steht wenigen Brandbestattungen eine weitaus größere Zahl an Körperbestattungen gegenüber. Erscheinungen wie die Urnenfelderkultur, die über Jahrhunderte den Grabritus in fast ganz Europa bestimmte, wurden in frühen außereuropäischen Gesellschaften nicht gefunden.

Ur- und Frühgeschichte

Die Verbrennung des Körpers eines Verstorbenen war schon in vielen vorgeschichtlichen Kulturen gebräuchlich. Die Asche wurde verstreut oder aufbewahrt. Das Verstreuen erfolgte je nach den regionalen Besonderheiten an Land oder in einem Gewässer. Um die Asche aufzubewahren, wurden Urnen benutzt, unter anderem auch größere Vasen oder Krüge. Der Leichenbrand wurde bereits im Neolithikum aufgesammelt und auch mit Beigaben im Brandgrab (Leichenbrandlager, -schüttung) deponiert. Von den Trägern der Schönfelder Kultur wurde er erstmals in besonders gestalteten Urnen (Gesichtsurnen) auf Gräberfeldern (Urnenfeldern) in die Erde verbracht.

Das Urnengrab ist in Mitteleuropa eine Erscheinung der späten Bronzezeit, die sich mit der Urnenfelder-Kultur zwischen 1250 und 750 v. Chr. weit verbreitete. Dabei schützten mitunter kleine Steinkisten die Urnen, wie Funde in Dohren im Landkreis Harburg belegen. In der Eisenzeit war die Feuerbestattung die vorherrschende Bestattungsform in West- und Mitteleuropa, die Verbrennung und dann die Bestattung der Asche erfolgte in Keramikurnen. Die Urnengräber wurden wie beim Urnenfeld im Ruser Steinbusch mitunter durch Steinsetzungen markiert. Eine Ausnahme bildeten jene Kelten, die ihre Verstorbenen sippenweise in Hügelgräbern bestatteten, aber auch Brandbestattungen (Nekropole von Flaujac-Poujols) kannten.

Antike

In der griechischen Antike wurde neben der verbreiteten Erdbestattung in einzelnen Felsgrüften, Mausoleen und Erdhügeln ab dem 11. Jahrhundert v. Chr. die Verbrennung der Leichen praktiziert, vorzugsweise von wohlhabenden Bevölkerungskreisen. Das Feuer dieser Zeremonie wurde mit Wein gelöscht und die Asche des Verstorbenen kam in Urnen. Diese wurden in ein Steingrab unter einem Erdhügel versenkt. Im antiken Griechenland gab es erhebliche regionale Unterschiede bei den Bestattungszeremonien. In Athen erfolgten Einäscherungen auch in großen Massen, wenn Epidemien zu einer sprunghaft ansteigenden Sterblichkeitsrate führten. Die hellenischen Urnen waren Blechkapseln, die in kleinen Kästchen aus Marmor oder Bleiblech ruhten. Die Einäscherung ermöglichte den erleichterten Rücktransport von gefallenen Kriegern zu ihren Heimatorten.Stefan Fayans: Bestattungsanlagen (= Handbuch der Architektur. 4. Teil, 8. Halbband, Heft 3). Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1907, , , S. 9–11 (digitale-sammlungen.de).

In der römischen Epoche vollzogen sich die Erdbestattung und die Feuerbestattung als gleichberechtigte Begräbniskulturen. Anfangs übernahmen reiche Römer die Feuerbestattung durch hellenistische Einflüsse in ihre Praxis. Seit dem 3. Jahrhundert war sie zur üblichen Bestattungsweise geworden. Die Aschenreste der Verstorbenen aus den einfachen Bevölkerungsgruppen kamen in einen kleinen Urnenraum des Cinerariums oder in gemeinschaftliche Schachtgräber (Puticuli). Für die Sklaven und ärmsten Bevölkerungsgruppen verblieb die unwürdige Verbrennung ihrer Leichen an einem Holzpfahl vor einer Erdgrube. Dabei fielen die nicht vollständig verbrannten Totenkörper in die Grube und wurden nachträglich mit Erde bedeckt. Aus hygienischen Motiven bestimmte das Zwölftafelgesetz (450 v. Chr.), dass die Verbrennungsstätten vor der Stadt anzulegen sind. Es untersagte auch Prunkzeremonien. Die wohlhabenden römischen Familien besaßen neben ihrer eigenen Grabstätte ein dazugehörendes Krematorium (Castel franco) oder eine zweite Begräbnisstätte (Ustrinum) für die Einäscherungszeremonie. Die Aschen der Toten wurden in einem kleinen, etwa 60 Zentimeter langen Sarkophag aufbewahrt. Die mittlere Bürgerschaft nutzte ein gemeinschaftliches, öffentliches Krematorium.Stefan Fayans: Bestattungsanlagen (= Handbuch der Architektur. 4. Teil, 8. Halbband, Heft 3). Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1907, , , S. 11–12 (digitale-sammlungen.de).

Jacob Grimm interpretierte in seinem kulturhistorischen Vortrag Über das Verbrennen der Leichen, den er im Jahr 1849 vor der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin hielt, die Feuerbestattung bei den Griechen und Römern im Vergleich zur älteren Erdbestattung als „Fortschritt geistiger Volksbildung“. Aber auch die spätere Rückkehr zur Erdbestattung, insbesondere im Zuge der Ausbreitung des Christentums, sah er als Ausdruck der „Veredlung“ der Menschheit.Jacob Grimm: Über das Verbrennen der Leichen. Eine in der Academie der Wissenschaften am 29. November 1849 von Jacob Grimm gehaltne Vorlesung. Gedruckt in der Druckerei der Akademie der Wissenschaften, Berlin 1850, S. 4 f.: „[…] so scheint das begraben vorangegangen, im verbrennen ein fortschritt geistiger volksbildung gelegen zu sein, von welchem zuletzt wieder abgewichen wurde, als die menschheit fähig geworden war noch allgemeinere stufen ihrer veredlung zu betreten.“ (bsb-muenchen.de).

Spätantike und Mittelalter

Mit der Verbreitung des Christentums nahm in der spätantiken Epoche das heidnische Feuerbestattungsritual ab. Jacob Grimm stellte fest: „Wohin das christenthum drang, da erloschen vor ihm alle leichenbrände.“Jacob Grimm: Über das Verbrennen der Leichen. Eine in der Academie der Wissenschaften am 29. November 1849 von Jacob Grimm gehaltne Vorlesung. Gedruckt in der Druckerei der Akademie der Wissenschaften, Berlin 1850, S. 9 (bsb-muenchen.de). Die Ursachen für den Wechsel bei den Bestattungsformen gelten jedoch als nicht abschließend geklärt. Nach Stefan Fayans (1907) geht der Wandel in der Bestattungskultur in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten auf sich verändernde Kulturverhältnisse zurück. Der Jenseitsglauben durch aufkommende Mysterienreligionen könnte einen hintergründigen Einfluss ausgeübt haben.

Mit einem Erlass von Karl dem Großen aus dem Jahr 786 wurde die Verbrennung von Toten verboten und die Erdbestattung verpflichtend eingeführt.Stefan Fayans: Bestattungsanlagen (= Handbuch der Architektur. 4. Teil, 8. Halbband, Heft 3). Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1907, , , S. 16 (digitale-sammlungen.de). Die kaiserlichen Kapitularien von 786 sowie 810/813 verlangten die Beisetzungen auf kirchlichen Friedhöfen.Reiner Sörries: Gräberstraßen und Nekropolen nach römischem Vorbild. Das Friedhofswesen in den germanischen Provinzen des Imperium Romanum. In: Zentralinstitut und Museum für Sepulkralkultur Kassel (Hrsg.): Raum für Tote. Thalacker-Medien, Braunschweig 2003, ISBN 3-87815-174-8, S. 15, 25. Im Mittelalter diente der Feuertod als Todesstrafe.

Beginn der Kremation in Deutschland und Österreich

In Europa fand die erste Feuerbestattung der Neuzeit im Mai 1752 auf Schloss Roßwald in Österreichisch-Schlesien statt. Sophia von Sachsen-Weißenfels, die Ehefrau des Grafen Albert Joseph von Hoditz, wurde auf einem Scheiterhaufen eingeäschert.

Der §184 II 11 des Preußischen Allgemeinen Landrechts (1794) steht für das Bewusstwerden der hygienischen Probleme der Leichenbehandlung, darin wurde die Bestattung von Leichen in bewohnten Gebieten untersagt. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts verstärkte sich die Forderung nach einer Feuerbestattung aus mehreren Gründen. Die Ärzteschaft lobte die Feuerbestattung als die hygienischere Bestattungsform. Die Arbeiterverbände und die aufkeimende Sozialdemokratie sahen eine kostengünstigere Bestattungsart. Sich ausbreitende areligiöse Verbände wie die Freidenker propagierten die Feuerbestattung gezielt, auch in bewusster Abgrenzung zur christlichen Bestattungskultur. Hygienische und ökonomische Aspekte rückten somit in den Vordergrund und führten dazu, dass das Bestattungswesen im 19. Jahrhundert zunehmend in die Verantwortung der Kommunen überging.

Die erste Feuerbestattung in Deutschland fand am 22. September 1874 in der städtischen Gasanstalt in Breslau unter der Leitung von Karl Heinrich Reclam im Rahmen einer Naturforscher-Versammlung mit der Leiche einer im Breslauer Hospital verstorbenen alten Frau statt.Susanne Wosnitzka: Erste Feuerbestattung in Breslau, nicht in Dresden? Blogbeitrag, In: susanne-wosnitzka.de, 21. April 2022, abgerufen am 12. Februar 2023.