Giasone (auch Il Giasone, deutsch: Jason) ist eine Oper (Originalbezeichnung: „Drama musicale“) in einem Prolog und drei Akten von Francesco Cavalli (Musik) mit einem Libretto von Giacinto Andrea Cicognini. Die Uraufführung fand am 5. Januar 1649 im Teatro San Cassiano in Venedig statt.
Handlung
Die Handlung der Oper basiert auf der Argonautensage der griechischen Mythologie. Giasone (Jason) wird von seinem Onkel Pelias, dem König von Thessalien, nach Kolchis am Schwarzen Meer geschickt, um das Goldene Vlies zu holen. Er macht sich zusammen mit Ercole (Herakles) und weiteren Männern, den „Argonauten“, in seinem Schiff Argo auf den Weg. Unterwegs verbringen sie einige Zeit auf der Insel Lemnos, wo Giasone ein Verhältnis mit der Königin Isifile eingeht und ihr die Ehe verspricht. Obwohl sie Zwillinge bekommen, verlässt Giasone sie, um seine Fahrt fortzusetzen. Isifile wird daraufhin von ihren Leuten gestürzt und muss aus Lemnos fliehen. In Kolchis verliebt sich die dortige Königin Medea ebenfalls in Giasone und trennt sich von ihrem bisherigen Geliebten Egeo (Aigeus), dem König von Athen. Ohne Giasone ihre Identität zu offenbaren, verführt sie Giasone und empfängt von ihm gleichfalls Zwillinge. Der geht so in der Liebesbeziehung zu der Unbekannten auf, dass er seine eigentliche Mission vernachlässigt. Als Isifile von Giasones Ankunft in Kolchis erfährt, beauftragt sie ihren Vertrauten Oreste, Näheres über sein Schicksal zu erfahren.
Im Verlauf der Oper bezwingt Giasone mit Hilfe eines von Medea erhaltenen Zauberrings die Ungeheuer, die das Goldene Vlies bewachen. Die beiden fliehen aus Kolchis, werden aber von Egeo und seinem Diener Demo verfolgt. Durch einen von zornigen Göttern herbeigerufenen Sturm stranden alle an der Küste, an der Isifile Zuflucht gesucht hatte. Da Isifile Giasone nicht aufgeben will, befiehlt Giasone auf Drängen Medeas seinem Hauptmann Besso, sie zu töten. Doch der Auftrag ist unklar formuliert, und Besso wirft stattdessen Medea ins Meer. Da sie vom treuen Egeo gerettet wird, beschließt sie, zu diesem zurückzukehren und fordert Giasone auf, sich mit Isifile zu vereinen.
Die Handlung wird immer wieder durch Nebenhandlungen und komische Szenen unterbrochen, in denen neben Besso und dem stotternden Diener Demo auch die liebestolle Amme Delfa und Isifiles Vertraute Alinda zu Wort kommen. Zudem gibt es eine Rahmenhandlung mit dem Sonnengott Sole und dem Liebesgott Amore.
Prolog
Strand mit Blick auf die Insel von Kolchis
Der Sonnengott Sole feiert einen Triumph, denn heute wird der thessalische Held Giasone das Goldene Vlies rauben und seine Nichte Medea zur Frau nehmen. Doch der Liebesgott Amore widerspricht. In Liebesdingen hat er Vorrechte, und er hat bereits auf Lemnos die Liebe zwischen Giasone und Isifile vorgesehen. Die beiden werden sich nicht einig. Sole sucht Unterstützung im Himmel, während sich Amore auf die Erde begibt, um dort sein Ziel zu erreichen.
Erster Akt
Lieblicher Garten mit kleinem Palast, der in den Königspalast übergeht
Szene 1. Ercole und Besso beklagen sich darüber, dass Giasone seine Mission nicht weiter verfolgt. Er scheint nur noch an Frauen zu denken, die seiner Schönheit, seiner Jugend und seinem Reichtum allesamt verfallen.
Szene 2. Ercole erinnert seinen von Liebesgenüssen träumenden Anführer (Giasone: „Delizie, contenti“) an den Auftrag seines Onkels. Nicht genug damit, dass er in Lemnos Zwillinge von Isifile bekommen hat – nun verliebt er sich auch noch in eine Unbekannte. Statt völlig zu verweichlichen, solle er noch heute die Ungeheuer bekämpfen, die das Goldene Vlies bewachen. Giasone fühlt sich innerlich zerrissen zwischen Pflicht und Liebe.
Szene 3. Auch die Gärtnerin Rosmina sehnt sich nach der Liebe („Per saziar quest’appetito“)
Königssaal von Kolchis
Szene 4. Medea besingt ihre Liebe zu Giasone. Für ihren vormaligen Verehrer Egeo hat sie nur noch Verachtung übrig.
Szene 5. Als Egeo ihr wieder seine Liebe erklärt, weist sie ihn schroff zurück. Der verschmähte Egeo will nur noch sterben und fleht Medea an, ihn zu erstechen. Medea erklärt ihn für verrückt.
Szene 6. Auf Befehl seiner Königin Isifile erscheint Oreste in Kolchis, um nach Giasone zu forschen. Er hat diese Aufgabe nur ungern übernommen, da ihm Land und Leute hier fremd sind.
Szene 7. Oreste trifft auf den buckligen und stotternden Diener Demo, den er mühsam über Giasone auszufragen versucht (Demo: „Son gobbo, son Demo“).
Szene 8. Medeas Amme Delfa klagt über ihr fortgeschrittenes Alter. Sie will sich dadurch aber nicht von der Liebe abhalten lassen (Delfa: „Voli il tempo, se sà“). Als sie Giasone kommen sieht, eilt sie fort, um Medea darüber zu informieren.
Szene 9. Als Medea von Giasones Kommen erfährt, bittet sie Delfa, aufzupassen, dass niemand ihr Treffen stört oder belauscht.
Szene 10. Giasone will Medea, die er nicht als seine Geliebte erkennt, um Unterstützung für den bevorstehenden Raub des Goldenen Vlieses bitten. Doch sie wirft ihm vor, eine der Hofdamen verführt zu haben. Diese habe ihm bereits Zwillinge geschenkt. Giasone müsse unverzüglich erklären, dass er die entehrte Edeldame zur Frau nehmen werde. Ansonsten müsse er sterben. Er solle einen Moment warten, bis sie die Braut herbeigeholt habe.
Szene 11. Giasone erwartet ungeduldig die Rückkehr Medeas und seiner Geliebten, deren Identität ihm nun endlich offenbart werden soll.
Szene 12. Medea kehrt mit Delfa zurück, die sie Giasone als seine Braut vorstellt. Da er ihren Scherz sofort erkennt, gibt sich Medea ihm zu erkennen. Giasone verspricht ihr die Ehe, und beide schwören sich ihre Liebe.
Szene 13. Nachdem sich das Paar zurückgezogen hat, beneidet Delfa die beiden um ihre Liebe. Sie wundert sich über die neue Sitte der Mädchen, erst zu heiraten, nachdem sie herausgefunden haben, was es bedeutet, Kinder zu haben (Delfa: „Troppo soavi i gusti“).
Landschaft mit Hütten an der Mündung des Ebro mit Blick auf das Kaspische Meer
Szene 14. Isifile klagt im Traum über den Verrat Giasones. Als sie erwacht, erkennt sie erschüttert ihre Lage im Exil am Ufer des Ebro. Sie wartet sehnsüchtig auf die Rückkehr ihres Kundschafters Oreste.
Zaubergemach Medeas
Szene 15. Medea beschwört Geister der Hölle herbei, die Giasone beim Kampf gegen die Ungeheuer beistehen sollen (Medea: „Dell’antro magico“). Der Geist Volano teilt ihr mit, dass Pluto ihr Gebet erhört habe, und übergibt ihr einen Zauberring, der Giasone die nötige Kraft schenken werde.
Der erste Akt endet mit einem Tanz der Geister.
Zweiter Akt
Landschaft mit Hütten
Szene 1. Isifile beklagt sich bei ihrer Vertrauten Alinda um das Ausbleiben Orestes. Alinda versucht vergeblich, sie zu trösten. Sie selbst würde sich in dieser Lage einen anderen Liebhaber zulegen (Alinda: „Per prova sò“). Isifile schickt sie zum Hafen, um nach Oreste zu forschen, und legt sich schlafen.
Szene 2. Nach seiner Heimkehr betrachtet Oreste die schlafende Isifile. Sie erwacht allmählich, hält aber noch halb im Traum Oreste für Giasone. Oreste, der heimlich in Isifile verliebt ist, versucht die Situation für einen Kuss auszunutzen (Oreste: „Vaghi labbri scoloriti“). Isifile erwacht gerade noch rechtzeitig. Oreste informiert sie über Giasones Liaison mit Medea. Sobald Giasone das Goldene Vlies gewonnen habe, werde er mit der Argo abreisen und an dieser Küste vorbeikommen, wo Isifile ihn noch einmal sehen könne. Isifile beschließt, Giasone zu töten.
Innenraum des Schlosses, in dem das Goldene Vlies bewacht wird
Szene 3. Medea gibt Giasone den von Pluto erhaltenen Zauberring und zieht sich mit Delfa zurück.
Szene 4. Giasone sammelt seinen Mut für den bevorstehenden Kampf mit den Ungeheuern.
Szene 5. Medea befürchtet, dass Giasone nach bestandenem Kampf nicht zu ihr zurückkehren werde. Delfa kann sie nicht beruhigen.
Szene 6. Giasone hat das Goldene Vlies errungen. Da Ercole ihn vor einem Volksaufruhr warnt, will er schnellstmöglich mit den Argonauten nach Korinth abreisen. Er rät Medea davon ab, ihn zu begleiten. Dennoch beschließt sie, mitzukommen und die Kinder zurückzulassen. Der Diener Demo belauscht das Gespräch.
Szene 7. Demo benachrichtigt Egeo von Giasones und Medeas bevorstehender Flucht. Egeo will ihnen mit Demo in einem kleinen Boot nachsetzen.
Die Grotten des Eolo
Szene 8. Die auf Seiten Isifiles stehenden Götter Giove und Amore befehlen dem Windgott Eolo, Giasones Flucht durch einen Sturm zu verhindern.
Verfallener Hafen an der Mündung des Ebro mit Blick auf das Meer
Szene 9. Aufgrund des Sturms versucht Oreste vergeblich, Schiffe und Seeleute für Isifile aufzutreiben. Er trifft auf Alinda, die sich um ihre Herrin sorgt. Oreste und Alinda erklären sich ihre Liebe.
Szene 10. Nachdem Egeos und Demos Kahn gekentert ist, wird Demo an Land gespült. Oreste eilt ihm zu Hilfe. Demo erzählt von ihrer Verfolgung der Argonauten. Er glaubt, dass Egeo ertrunken ist. Oreste will sofort Isifile vom Geschehenen benachrichtigen. Er lädt Demo ein, mitzukommen, um sich zu erholen.
Szene 11. Die Argo hat den Sturm unversehrt überstanden. Giasone, Media, Besso, Ercole und die Argonauten kommen erleichtert an Land und machen sich auf die Suche nach einer Unterkunft.
Szene 12. Besso besingt den Erfolg Giasones bei den Frauen. Er trifft auf Alinda, die sich freut, dass wegen des Sturms so viele prächtige Soldaten angekommen sind. Die beiden kommen sich näher. Besso versichert, dass er, obwohl er keine Kriegsverletzungen aufzuweisen habe, Soldat sei. Als Alinda ihn fragt, ob er singen könne, behauptet er, Sopran, aber kein Kastrat zu sein. Gemeinsam besingen beide die Liebe.
Szene 13. Im Beisein Medeas und der Argonauten teilt Oreste Giasone mit, dass Isifile ihn sprechen wolle. Giasone versucht, ihn schnell abzuwimmeln. Medea, die sich über seine Unhöflichkeit wundert, sagt Oreste, dass Giasone Isifile hier erwarten werde. Nachdem Oreste fort ist, verlangt sie von Giasone Aufklärung über sein Verhalten. Giasone behauptet, Isifile sei eine Verrückte, der er in Lemnos begegnet sei. Sie beobachte alle Frauen, die an die Küste kommen, und glaube, alle Ereignisse im Leben dieser Frauen seien ihr selbst passiert.
Szene 14. Isifile stellt Giasone zur Rede und erinnert ihn an ihre Liebe und sein Eheversprechen. Medea, die glaubt, es handele sich um eine Fantasie, fordert sie belustigt auf, zu erzählen, wie weit diese Liebe ging. Sie erfährt so von den Zwillingen, dass Isifile Königin sei, ihre Heimat verlassen habe und Giasone um jeden Preis zurückgewinnen wolle. Medea geht lachend mit Giasone fort. Isifile schwört Rache.
Der zweite Akt endet mit einem Tanz der Seeleute.
Dritter Akt
Blühender Wald an der Mündung des Ebro
Szene 1. Oreste und Delfa unterhalten sich über ihre jeweiligen Herrinnen und stellen fest, dass es große Gemeinsamkeiten zwischen Medea und Isifile gibt: Beide sind Königinnen von Geburt, gelten als Giasones Ehefrau und haben Kinder von ihm.
Szene 2. Giasone und Medea genießen ihre Liebe in der Natur und legen sich schlafen (Duett: „Dormi, scanco Giasone“ – „Dormi ch’io dormo, o bella“).
Szene 3. Oreste beneidet das schlafende Paar (Oreste: „Non è più bel piacer“), da er selbst von Liebessehnsüchten geplagt wird. Er zieht sich wieder zurück.
Szene 4. Isifile weckt Giasone grob auf und beschimpft ihn als Verräter und Lügner. Giasone versucht, sie zu beruhigen. Er verspricht, zu ihr zurückzukehren. Die inzwischen erwachte Medea erkennt die Lage. Sie spielt Isifile vor, ihren Vorrang anzuerkennen – ringt dann aber Giasone das Versprechen ab, Isifile nach der Hochzeit, doch vor der Hochzeitsnacht, zu töten. Den Mord soll Besso im Tal von Orseno ausführen. Giasone bittet Isifile, sich am Abend dorthin zu begeben und Besso zu fragen, ob er seinen Auftrag ausgeführt habe. Dann solle sie zu ihm zurückkehren, und sie können heiraten. Isifile entfernt sich glücklich.
Szene 5. Giasone befiehlt Besso, im Tal von Orseno diejenige Person ins Meer zu werfen, die ihn dort fragen werde, ob er seinen Auftrag ausgeführt habe.