Hermann Pätzold (* 15. August 1824 in Neudorf, Schlesien; † 6. Februar 1861 in Königsberg i. Pr.) war ein deutscher Komponist und Dirigent an der Musikalischen Akademie Königsberg. Er schrieb Orchester-, Gesangs- und Klavierkompositionen sowie auch eine Vertonung von Käthchen von Heilbronn.Hugo Riemann: Musik-Lexikon. 2. Band, Leipzig 8. Auflage 1916, S. 827. Pätzold starb mit 36 Jahren während des Dirigierens des Elias (Mendelssohn).
Leben Hermann Pätzold wurde als Sohn des niederschlesischen Bildhauers Karl Friedrich Wilhelm Pätzold (1797–1874) und dessen Frau Christiana Elisabeth Koritzky (1799–1870) geboren. Er hatte die beiden Schwestern Luise und Bertha. Nachfahren seines Neffen Karl Nordheim sind der Kantor Gottfried Steffen,Auszeichnung fürs Lebenswerk. In: Amtsblatt Landkreis Sömmerda. Nr. 50 / 30. Dezember 2014 ( PDF). der Medienkünstler Chris Ziegler und die Musikerin Silke Wolter.Mitwirkung als Oboistin an der Produktion der LP Zahraj Nam Rejku Sorbische-Folklore mit Sprjewjan, Amiga 1990.Studio für Musik und Therapie
Seine musikalische Ausbildung erhielt Pätzold in Breslau. Zunächst war er wissenschaftlicher und musikalischer Hauslehrer beim Grafen Yorck von Wartenburg. In Erdmannsdorf lernte ihn König Friedrich Wilhelm IV. kennen, der ihn fortan förderte. Pätzold besuchte das Königliche Musik-Institut Berlin, anschließend übertrug ihm der König die Schlossorganistenstelle sowie den Musikunterricht im Königsberger Waisenhaus. Neben diesen Ämtern wirkte Pätzold als Gesangslehrer in Schulen sowie als Privat-Musiklehrer, vor allem im Klavierspiel. Knapp sieben Jahre lang war er Dirigent an der Musikalischen Akademie Königsberg als Nachfolger von Eduard Sobolewski; um 1860 übernahm er die Leitung des Orgel-Unterrichts-Instituts zu Königsberg,Nekrolog, In: Signale für die musikalische Welt. Leipzig 1861, 19. Jg., Nr. 12, S. 127. wobei er auch für die Leitung des Instituts für Kirchenmusik in die engere Wahl kam.Hans Huchzermeyer: Beiträge zu Leben und Werk des Kirchenmusikers Ernst Maschke (1867–1940) sowie zur Geschichte der Kirchenmusikinstitute in Königsberg/Preussen (1824–1945). Diss. Paderborn 2012, S. 81.
Bei seinem plötzlichen Tod hinterließ Pätzold seine Frau und eine kleine Tochter. Anerkennend heißt es, er war „ein rechtschaffener Character, als Künstler rein und strenge“.
Von Hermann Pätzold ist ein handschriftlicher Brief überliefert, den er als 20-Jähriger (1844) aus Breslau an seine Eltern verfasst hat. Darin bittet er um einen neuen Rock für seine Hauslehrertätigkeit und berichtet von der Aufführung einer Passage aus der Schulmeisterkantate von Georg Philipp Telemann am Geburtstag von Friedrich Wilhelm IV.:
Von Pätzolds Vater ist ein Reisetagebuch erhalten, in dem dieser seine Reise nach Königsberg beschreibt, wo er die Todesumstände seines Sohnes zu klären suchte. Dabei wurde er zum Zeugen der Königskrönung Wilhelm I., die er ebenfalls schilderte.Stefan Wolter: Der Prinz und das Proradies. Halle 2009, S. 106.
Musikalisches Werk Pätzold hatte als praktischer Künstler seine bedeutendste Stärke im Orgelspiel, welches er begeistert ausübte. Er schrieb mehrere Orchester-, Orgel-, Chor- und Salonkompositionen, die er zum Teil selbst zur Aufführung gelangen ließ. Neben einem Choralbuch veröffentlichte er um 1860 das Lyrische Album Op. 2 (acht Stücke für Pianoforte), Frauenchöre und Nachklänge Op. 5. Die drei vierhändigen Stücke erschienen im Musikverlag Julius Schuberth und Comp. in Hamburg.
Kritik Pätzolds Lyrisches Album Op. 2 in acht Stücken verglich die zeitgenössische Kritik mit den Albumsblättern Op. 124 von Robert Schumann; ein Werk, zu dem das Pätzoldsche eine Art „Pendant“ sei: „Hat man in dem Werke überall Freude an sonnigen Combinationen in durchgeführten Motiven, wobei das lyrische Element treu bewahrt und nicht etwa in Reflexion verflüchtigt wird, so bietet sich andererseits auch eine vortrefflich gehandhabte Harmonik voll hübscher Züge und pikanter Momente dar.“Signale für die musikalische Welt. 18. Jg., Nr. 35, Leipzig 1860, S. 414.
Zu den Nachklängen Op. 5 heißt es, es sei „ein neckisch spielendes Stück, leicht gleiten seine Rhythmen dahin“.Signale für die musikalische Welt. 19. Jg., Nr. 15, Leipzig 1861, S. 172.
Tod während der Aufführung Ausführlich berichtete die Zeitschrift Signale für die musikalische Welt (1861) über den Tod des Künstlers:
Siehe auch Musik in Königsberg Liste ostpreußischer Musiker und Musikkritiker
Literatur Hugo Riemann: Musik-Lexikon. Band 2, Paderborn 2015, ISBN 978-3-8460-8633-9. Rudolf Vogler: Die Musikzeitschrift „Signale für die musikalische Welt“ 1843–1900. Bosse, Regensburg 1975, ISBN 3-7649-2589-2.
Einzelnachweise
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