Die Bahnstrecke Nantes–Châteaubriant ist eine 63 km lange französische Bahnstrecke von SNCF Réseau. Sie verbindet die Regionshauptstadt Nantes mit dem nördlich gelegenen Châteaubriant. Sie befindet sich vollständig im Département Loire-Atlantique in der Region Pays de la Loire.

Sie wurde 1877 von der Compagnie du chemin de fer de Paris à Orléans (PO) in Betrieb genommen. 1980 stellte die SNCF den Personenverkehr und den größten Teil des Güterverkehrs ein, bevor sie die Strecke 2008 komplett schloss. 2014 wurde sie für den Personenverkehr im Rahmen eines Tram-Train-Projektes wiedereröffnet.

Geschichte Überblick 1866 Staatliche Entscheidung, die Strecke bauen zu lassen und die Konzession an die PO zu vergeben 23. Dezember 1877 Eröffnungsfahrt 1939 Erstmalige Einstellung des Personenverkehrs 1944 Zerstörung des pont de la Jonelière durch die Wehrmacht, dadurch Einstellung des Gesamtverkehrs 1948 Nach Wiederaufbau der Brücke Wiedereröffnung für Personen- und Güterverkehr 1. Juni 1980 Erneute Einstellung des PersonenverkehrsDes omnibus aux TER (1949-2002), s. Literatur, S. 195 1986 Güterverkehr nur noch Nantes–La Chapelle Seit 1990er Jahren Diskussionen über Wiedereinführung des Personenverkehrs 2008 Schließung ab Doulon 9./10. Juni 2008 Öffentliche Anhörung zur Wiedereröffnung November 2008 Feststellung des öffentlichen Interesses an einer Wiedereröffnung als Tram-Train 28. Februar 2014 Wiedereröffnung der Gesamtstrecke

Vorgeschichte Die Städte Le Mans, Rennes, Nantes und Angers wurden zwischen 1851 und 1863 mit Bahnstrecken untereinander verbunden.Buch Le rail en France, les 80 premières lignes, François et Maguy Palau, Selbstverlag, Juni 1995, page206, ISBN 978-2-9509421-0-4Louis de Kerjean, Revue de Bretagne et de Vendée – Inauguration du Chemin de fer de Rennes à Paris , éditions Mazeau et Forest aîné, lib Nantes, 1857, S. 470ffJean-Pierre Nennig, 4 : Rennes - Redon, in Le chemin de fer de Bretagne sud, JPN éditions, 2008, ISBN 2-9519898-5-7, S. 59François et Maguy Palau, 6.4 Le Mans-Sablé : 23 mars 1863, 6.27 Sablé-Angers : 7 décembre 1863, in Le rail en France: le second Empire, Band 2 (1858-1863), édition Palau, Paris, Mai 2001, ISBN 2-9509421-2-1, S. 218 Châteaubriant fand sich im Westen eines „Vierecks der Leere“ wieder., auf dem Internetangebot der Region, aufgerufen am 6. April 2017.

Ein Bahnanschluss wurde als wirtschaftliche Rettung angesehen, die Industrie und Landwirtschaft den Aufschwung ermöglichen würde; insbesondere der Metallindustrie, die unter starker Konkurrenz aus England litt. Die Regierung wollte vorrangig Laval (zwischen le Mans und Rennes an der Bahnstrecke Paris–Brest) mit der Loire verbinden, neben einer Variante nach Angers war auch eine nach Nantes über Châteaubriant in der Diskussion.

Am Ende entschied man sich für zwei Verbindungen. Die erste führte von Sablé nach Chateaubriant, die später einen Abzweig nach Laval erhielt und aus der sich die Bahnstrecke Sablé–Montoir-de-Bretagne entwickelte; sie wurde einschließlich des Bahnhofes in Chateaubriant an die Compagnie des chemins de fer de l’Ouest (Ouest, Betreiber von Paris-Brest) vergeben. Die Verbindung von Chateaubriant nach Nantes wurde als zweite gleichzeitig an die Compagnie du chemin de fer de Paris à Orléans (PO, Betreiber von (Paris–) Tours–Nantes) konzessioniert und am 26. Juli 1866 offiziell bestätigt.N° 16230 - Décret impérial qui approuve la convention passée, le 26 juillet 1868, entre le ministre de l'Agriculture, du Commerce et des Travaux publics, et la Compagnie du chemin de fer d'Orléans, 26 juillet 1868, Bulletin des lois de l'Empire Français XI, 69, 1622, Paris, Imprimerie Impériale, S. 244–251.

Bau, Eröffnung und erste Betriebsjahre Die Planungen begannen 1872 und die endgültige Trasse wurde im Dezember 1873 genehmigt, nicht ohne Druck der Gemeinden, einen Halt in ihrem Ort zu erhalten. Sechs Zwischenbahnhöfe waren anfangs vorgesehen: Saint-Joseph-de-Porterie, La Chapelle-sur-Erdre, Sucé-sur-Erdre, Nort-sur-Erdre, Abbaretz und Issé. Die Bauarbeiten dauerten bis zur Eröffnungsfahrt am 23. September 1877, am selben Tag wurde auch Châteaubriant–Segré (–Sablé) in Betrieb genommen. In den folgenden drei Jahrzehnte öffneten auf lokalen Druck hin fünf weitere Bahnhöfe: Doulon, Casson, Le Pavillon (bald in Saffré-Joué umbenannt), La Claie und La Cantraie., auf dem Internetangebot Patrimoine des Pays de la Loire der Region, abgerufen am 6. April 2017.

mini|Personenzug in La Chapelle-sur-Erdre um 1900 Châteaubriant entwickelte sich im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts zu einem Bahnknoten. 1881 wurde die Strecke nach Rennes eröffnet, 1881 bis 1885 wurde etappenweise die Verlängerung der Bahnstrecke aus Sablé nach Montoir-de-Bretagne in Betrieb genommen. 1896 folgte die Strecke nach Messac (an der Bahnstrecke Rennes–Redon), die 1906 bis Ploërmel verlängert wurde. In Doulon bestand von 1885 bis 1939 (Personenverkehr) beziehungsweise 1989 Anschluss an die Bahnstrecke Segré–Nantes. In La Chapelle zweigte von 1901 bis 1952 (Personenverkehr auch nur bis 1939) eine Bahnstrecke Blain–La Chapelle-sur-Erdre ab.

Personenverkehr bis 1980 mini|Bahnhof Nort-sur-Erdre um 1900 mit zwei Zügen Die Strecke wurde nur schwach von Reisenden genutzt. Bis 1980 gab es nicht mehr als drei planmäßige Hin- und Rückfahrten pro Tag.Des omnibus aux TER (1949-2002), s. Literatur, S. 458 Die Fahrzeit betrug zwischen zwei und dreieinhalb Stunden. Teilweise wurden Güterzügen Reisezugwagen mitgegeben. 1934 betrug der Umsatz mit Fahrgästen 10 892 Francs, weniger als ein Viertel der ebenfalls von der PO betriebenen Bahnstrecke Saint-Nazaire–Le Croisic.

1938 brauchten die Züge noch 1 h 13 min. 1939 wurde die Strecke für den Personenverkehr geschlossen, gleichzeitig mit vielen anderen Nebenstrecken in Frankreich. Doch die Busse waren teilweise überfüllt, so dass die junge SNCF erneut Personenwagen an Güterzüge hängte. 1944 sprengte die Wehrmacht die Brücke von Jonelière, womit die Strecke komplett unbenutzbar war.TramTrain Nantes-Châteaubriant: l'histoire de la ligne avec cartes postales et vidéo, Artikel von France 3 vom 26. Februar 2014, abgerufen am 8. April 2017

1948 war die Brücke wieder aufgebaut und sowohl der Reise- als auch der Güterverkehr wurden wieder aufgenommen. Im Personenverkehr wurde sie vor allem für den Schüler- und Berufsverkehr genutzt.

Ende des Personenverkehrs 1980 Nachdem 1977 noch ein entsprechendes Gesetz abgelehnt worden war, wurde den SNCF am 24. September 1979 erlaubt, den unrentablen Personenverkehr auf Nebenstrecken einzustellen oder auf die Straße zu verlagern.Des omnibus aux TER (1949-2002), s. Literatur, S. 188f Zum 1. Juni 1980 endete der Personenverkehr, der Rückzug Anfang der 1980er Jahre betraf insgesamt etwa 10 000 km französischer Bahnstrecken.

Zu diesem Zeitpunkt betrug das Defizit der Linie 4,47 Millionen Francs. Jeder Zug war mit durchschnittlich 34 Reisenden besetzt, womit diese Bahnstrecke die am stärksten nachgefragte der damals geschlossenen Verbindungen war.

Der letzte Triebwagen verkehrte am 31. Mai 1980.Bernard Ciry,Réouverture de la ligne Nantes-Châteaubriand en tram-train, Revue générale des chemins de fer, Juli/August 2014, S. 54–61Film der letzten Fahrt auf Youtube, eingestellt von Robert Riffier, Zugbegleiter der Fahrt

Güterverkehr In den 1880er Jahren wurde hauptsächlich Eisen aus Segré zu den Schmieden und Hüttenwerken in Nantes, Chantenay, Saint-Nazaire und Trignac befördert. Die Bahn erlaubte die Gewinnung von Eisen, die Metallindustrie, den Maschinenbau und die Landwirtschaft weiterzuentwickeln, deren Produkte hauptsächlich in Châteaubriant, Nort-sur-Erdre, Abbaretz und Issé verladen wurden. Feldbahnen vom Typ Decauville brachten bis 1931 Eisenerz von den Bergwerken bei Abbaretz zu den Bahnhöfen in Abbaretz und Issé. – (verschwundene) Tagebaue bei Abbaretz, auf den Internetseiten Patrimoine des Pays de la Loire, abgerufen am 23. März 2014. Für einige Hochöfen bei Abbaretz und im benachbarten Moisdon-la-Rivière brachte die Bahn nichts mehr, sie waren zu veraltet. Auch Vertreter von Nort-sur-Erdre verlangten die Wiedereröffnung einer Kohlegrube, deren Schließung 1864 mit schlechter Verkehrsverbindung begründet worden war, was die Besitzer jedoch ablehnten; 1927 wurde sie endgültig zugeschüttet., – Kohlegruben bei Languin, auf der Website Patrimoine des Pays de la Loire, abgerufen am 23. März 2014.

1909 erreichte das Frachtaufkommen in Châteaubriant das des regionalen Konkurrenten in Couëron. Zu dieser Zeit bis in die 1920er Jahre wurden im Bereich Saint-Joseph einige Industriebetriebe aufgebaut und mit Anschlussgleisen mit dem Bahnhof Saint-Joseph verbunden. Hier, im Norden von Nantes, entwickelten sich die Lokomativbauer Batignolles-Châtillon, die Heizungsbauer Saunier Duval, eine Landmaschinenfabrik und eine Großmühle. Ähnliches geschah in Châteaubriant, wo die Firma Huard 1907 in eine neue Fabrik am Bahnhof umzog; 1930 wurde die Gießerei Leroy gegründet; als letztes folgte 1972 ein Güterwagenwerk mit Anschluss an die Strecke nach Montoir-de-Bretagne., auf dem Webangebot Patrimoine des Pays de la Loire, abgerufen am 23. März 2014., Firmenwebseite SDH ferroviaire, abgerufen am 23. März 2014. Alle diese Firmen empfingen oder versendeten Güter mit der Eisenbahn; ebenso eine Molkerei in Issé, die Butter für Paris und London produzierte, hinzu kamen landwirtschaftliche Produkte.

Während der Zeit von 1950 bis 1970 reduzierte und konzentrierte sich der Güterverkehr auf Düngemittel aus den Fabriken bei Issé und Nort-sur-Erdre.

Schließung 2008 Nach der Einstellung des Personenverkehrs 1980 blieb die Strecke bis Issé für die dortige Düngemittelfabrik in Betrieb., – Die an die Strecke Nantes-Châteaubriantanschließende Industrie, Webangebot Patrimoine des Pays de la Loire, abgerufen am 16. März 2014. Ein bis zwei Züge pro Monat fuhren nach La Rochelle, ins Elsass und in die Pyrenäen. – Düngerwerk Issé, Webangebot Patrimoine des Pays de la Loire, abgerufen am 16. März 2014. Nachdem die Fabrik 1986 verkauft wurde, entfiel dieser Verkehr. Es blieb noch der Getränkehersteller France Boissons in La Chapelle-sur-Erdre, der bis 2008 durchhielt, dem Jahr, in dem der Grundsatzbeschluss zum Tram-train fiel.« Bientôt un tram-train au nord de Nantes », Artikel in n°182 der Revue Rail Passion von Dezember 2012, Seiten 19–23 damit endete der Güterverkehr auf der Strecke.

Projekte zur Wiedereröffnung mini|Umbau in Issé Gegen Ende der 1970er Jahre wurde in Nantes über den Aufbau einer „métro léger“ (Stadtbahn, der Begriff Straßenbahn wurde damals gemieden), wurde ein Teil der Bahnfläche für einen symbolischen Franc verkauft. > In den 1980er Jahren wurde die Straßenbahnlinie 1 zur Station Beaujoire verlängert und kreuzt die Bahnstrecke auf gleicher Höhe.

mini|Triebwagen im Bahnhof von Sucé-sur-Erdre 2014. In einigen Planungsvarianten hätte hier der elektrische Vorortverkehr enden sollen. Als die Planungen zur Wiedereröffnung in den 1990er Jahren begannen, standen drei Varianten zur Diskussion. Die erste sah eine Wiederinbetriebnahme der ganzen Strecke mit Dieseltriebwagen vor. In den beiden anderen wurde eine Verwendung von elektrischen Leichttriebwagen (Tram-Train) von Nantes bis Sucé-sur-Erdre vorgesehen; die in der einen Variante in der Nähe von Babinière auf die Straßenbahnlinie 2 wechseln sollten; ab Sucé sollten in beiden Varianten Dieseltriebwagen nach Châteaubriant fahren. Am Ende wurde eine weitere Varianten gewählt, die Tram-Trains für die komplette Linie vorerst ohne Mitbenutzung des Straßenbahnnetzes zu verwenden.