Mastodon ist ein dezentraler Mikroblogging-Dienst, der anfänglich von Eugen Rochko und der von ihm in Jena gegründeten und in Berlin ansässigen Mastodon gGmbH entwickelt wurde. Mastodon ist als dezentrales Netzwerk konzipiert, das nicht auf eine Plattform beschränkt ist: Verschiedene Server, von Privatpersonen oder Institutionen eigenverantwortlich betrieben, können miteinander interagieren. Seit März 2024 sind über 15 Millionen Nutzer im Mastodon-Netzwerk registriert.
Das Projekt ist Freie Software und steht mit dessen Quelltext unter der GNU Affero General Public License zur Verfügung. Die Entwicklung und unter anderem der Betrieb der Server mastodon.social sowie mastodon.online werden fast ausschließlich durch Spenden an die Mastodon gGmbH finanziert. Neben diesen zwei eigenen Servern werden die restlichen über 10.000 Mastodon-Server von Privatpersonen, Vereinen/NGOs, Universitäten oder Regierungen selbst betrieben. Es steht jedem frei, seinen eigenen Server zu eröffnen. Alle Mastodon-Server sind Teil des Fediverse, also mit vielen weiteren sozialen Netzwerken wie zum Beispiel Threads, Pixelfed und Pleroma über das ActivityPub-Kommunikationsprotokoll vereint.
Geschichte Die Entwicklung von Mastodon begann im März 2016. In den ersten öffentlichen Projektdokumenten beschrieb Eugen Rochko Mastodon als Alternative zu GNU Social. Mastodon verfolgte anfangs eine API-first-Herangehensweise und Rochko verwendete damals cURL, um Mastodon zu steuern. Er erweiterte die Software nach der Universität in seiner Freizeit mit einer grafischen Benutzeroberfläche. Das Projekt Mastodon wurde von Eugen Rochko zuerst am 5. Oktober 2016 auf Hacker News öffentlich bekannt gemacht. Die ältesten noch aktiven Server sind mastodon.social, die Instanz des Entwicklers, awoo.space, social.tchncs.de und icosahedron.website.
Im April 2017 beschrieb The Verge in einem Artikel, Mastodon fühle sich noch nach einer kleinen Community an. Die starke Medienberichterstattung über das Netzwerk in diesem Monat löste ein starkes Wachstum der Nutzerzahlen aus. So zog etwa der erste japanische Server mstdn.jp in wenigen Tagen zehntausende neue Nutzer an. Bis zum Ende des Monats hatte Mastodon über Patreon ein Gehalt für Rochko und einen Teilzeit-Projektmanager finanziert, eine Nutzung durch Unternehmen und über 500.000 Nutzer. Das Wachstum führte zu Befürchtungen in der bestehenden Community, marginalisiert zu werden.
Ab Version 1.6 im September 2017 wurde das ActivityPub-Protokoll unterstützt (und auch OStatus als Ausweichlösung). Allerdings wurde die Implementierung des OStatus-Standards ab Version 3.0 entfernt und damit auch die Kompatibilität zu GNU Social.
Ende 2017 hatte Mastodon bereits die Nutzerzahlen von GNU Social überschritten und war damit zur größten Plattform im Fediverse geworden (siehe Abschnitt „Nutzung und Verbreitung“). Erste bekannte Persönlichkeiten, wie der Autor John Scalzi, waren dem Netzwerk bereits beigetreten. Immer wieder kam es zu Kontroversen in der Community – als Wil Wheaton sich im August 2018 einen Account auf einem Mastodon-Server anlegte, wurde sein Profil von bestehenden Nutzern, die die Art, auf die er seine Reichweite auf Twitter genutzt hatte, ablehnten, massengemeldet.
2018 kamen im Zuge des Cambridge Analytica-Skandals und der Ankündigung eines Verbots nicht jugendfreier Inhalte auf Tumblr weitere Popularitätsschübe auf Mastodon zu. So führte Mai 2018 eine Gesetzesänderung in den USA (Stop Enabling Sex Traffickers Act) zur Gründung von switter.at, einer offenen und freien Plattform für Sexarbeiter, die in kurzer Zeit die 100.000-Nutzer-Schwelle überschritt. Am 14. März 2022 wurde Switter eingestellt; zu diesem Zeitpunkt gab es über 430.000 Nutzer. Aktuell gibt es nur noch eine Informationsseite.
Im Juli 2019 wechselte Gab, ein Netzwerk, das mit Hasstexten, Antisemitismus und Rassismus in Verbindung gebracht wird, auf einen Mastodon-Fork und betrieb plötzlich den größten Knoten des Netzes. In einer offiziellen Stellungnahme distanzierte sich Mastodon von Gab. Viele Instanzen und Apps blockierten daraufhin die Server von Gab, da es in völliger Opposition zu Mastodon und deren Philosophie gesehen wird.
Im Oktober 2021 stellte sich heraus, dass Donald Trumps soziales Netzwerk Truth Social den Mastodon-Quellcode kopierte und dessen Lizenz missachtete. Auch das als „lokal türkisches soziales Netzwerk“ angekündigte Next Social verwendete bei seinem Launch im Sommer 2025 den Mastodon-Quellcode unter Missachtung der Lizenz.
Die Anzahl der verfügbaren Apps vervielfachte sich Ende Januar 2023, nachdem Twitter plötzlich Drittanbieteranwendungen verboten hatte und sich mehr Entwickler für Mastodon interessierten.
Im Juni 2025 wurde Mastodon neben Wikipedia, OpenStreetMap, LibreOffice und mehr als 200 weiteren Projekten als einziges Social-Media-Angebot von der Digital Public Goods Alliance in die digitale Hall of Fame der Nachhaltigkeit aufgenommen. Im Oktober 2025 wurde Mastodon stellvertretend für die Idee des Fediverse mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet.
Seit 2021 wird die Entwicklung des Dienstes Mastodon von einem gemeinnützigen Unternehmen geleitet. Im November 2025 kündigte Mastodon-Gründer Eugen Rochko seinen Rückzug aus dem aktiven Tagesgeschäft des Unternehmens an. Persönliche Gründe und der Stress einer Unternehmensleitung haben ihn zu diesem Schritt veranlasst. Nachfolger wurde Felix Hlatky.
Meilensteine Oktober und November 2016 – Interface für mobile Endgeräte, Hashtags, Suche nach Nutzern, aus „Veröffentlichen“ wird im Deutschen „Tröt“ Dezember 2016 und Januar 2017 – Aus „reblog“ wird „boost“ (deutsch „teilen“), verschiedene Funktionen kommen hinzu, wie ein geschlossener Account, private Nachrichten, Inhaltswarnungen (Warnung vor reizauslösenden Inhalten) und Zwei-Faktor-Authentisierung Februar 2017 – Eine Meldefunktion für Verstöße gegen die Nutzungsbedingungen wurde eingeführt und die öffentliche Timeline wurde in eine lokale Timeline für die eigene Instanz und eine föderierte Timeline aufgeteilt März, April, Juni 2017 – Emojis können über den Editor den Beiträgen hinzugefügt werden, GIF-Autoplay kann in den Einstellungen deaktiviert werden, Spalten im Webinterface werden flexibel und Nutzer können ihren Account löschen August, September 2017 – Update des Mastodon Logos, Push-Benachrichtigungen werden implementiert, Mastodon implementiert ActivityPub nach OStatus, Beiträge können an das Profil geheftet werden Oktober, Dezember 2017 – Eigene Emojis können auf einer Instanz verwendet werden, alternative Texte für angehängte Medien (Bilder und Videos) zur Verbesserung der barrierefreien Darstellung, eine Listenfunktion wird eingeführt März 2018 – Eine Suchfunktion und eine Downloadfunktion zum Backup für Nutzerdaten wird eingeführt Mai 2018 – Die Metadaten des Nutzerprofils können flexibel angepasst werden, die Datenschutzerklärung wurde an die DSGVO angepasst September 2018 – Die Föderationsunterstützung ist um Möglichkeiten zum Auffinden von Inhalten erweitert worden, und die Darstellung der Profildaten wurde neu gestaltet Oktober 2018 – Linkvorschauen werden nun in Beiträgen angezeigt, und Links können in den Profildaten verifiziert werden April 2019 – Es können Umfragen erstellt werden. Keybase-Profile können nun verifiziert werden. Sie werden wie verifizierte Links im Profil dargestellt. Mai 2019 – Bilder in Beiträgen, die mit einer Inhaltswarnung versehen wurden, werden mittels Blurhash-Algorithmus verschwommen dargestellt anstatt hinter einer schwarzen Fläche versteckt. Dieselbe Darstellung wird auch auf Bilder angewendet, die nachgeladen werden. Bilder hinter dieser Darstellung werden nicht in den Browser-Cache geladen. Juni 2019 – Es wurde ein einspaltiges Layout zur Verbesserung des Benutzererlebnisses eingeführt. August 2020 – Der Audioplayer wurde überarbeitet, die Unterstützung weiterer Audio- und Videoformate bekanntgegeben. März 2022 – Postings können bearbeitet werden. November 2022 – Mit Version 4 wurde die Benutzeroberfläche grundlegend überarbeitet. Außerdem wurde unter anderem die Möglichkeit eingeführt, Beiträge zu bearbeiten, einen Übersetzungsdienst für Beiträge einzubinden, Beiträge nach Sprachen zu filtern, eigene Nutzerrollen anzulegen, Hashtags zu folgen sowie die Unterstützung von neuen Medienformaten. Aus „Tröt“ wurde wieder „Veröffentlichen“. September 2023 – Version 4.2 ermöglichte erstmals das Suchen nach Beiträgen. Es wurden mehrere Suchoperatoren implementiert und eine von der App Ivory inspirierte neue Suchoberfläche im Webinterface. Der Onboarding-Flow wurde erneuert. Ein neues Modal fragt beim Interagieren mit Posts auf fremden Servern nach der Heim-Instanz, um auf den Post in der eingeloggten Oberfläche weiterzuleiten. Oktober 2024 – Version 4.3 beinhaltete Benachrichtigungen über verlorene Follower/Followings durch Adminaktionen, die Gruppierung von Benachrichtigungen, ein Redesign des Postverfasser-Interfaces, Überarbeitungen der Folgeempfehlungen. Linkvorschauen journalistischer Artikel konnten nun auf das Fediverse-Profil des Autors verweisen. Juli 2025 – Version 4.4 ermöglichte das Anheften von Posts, Hashtags und Profilen auf dem eigenen Profil, vereinfachte das Erstellen und Verwalten von Listen, überarbeitete den Audioplayer sowie die Steuerung beim Betrachten von Medien, änderte erneut den Onboarding-Flow, und fügte Administrator-Features hinzu: Neben der Möglichkeit, Mails an sämtliche Instanznutzer zu schicken, waren dies interne Notizen zu Moderationsentscheidungen, und die Option des Abfragens eines Mindestalters für Nutzer. Zitierte Posts konnten erstmals angezeigt (aber nicht erstellt) werden. November 2025 – Mit Version 4.5 wurde das Zitieren von Posts ermöglicht. Mastodon suchte nun erstmals automatisch nach allen Antworten im Fediverse auf in der Timeline auftauchende Posts. Für Administratoren wurde es möglich, das Anzeigen bestimmter Feeds anzupassen. Das Moderationsinterface wurde erweitert.
Name und Logo mini|alternativtext=Eine Zeichnung eines freundlich grüßenden gelben Mammuts|Eine Variante des Mastodon-Maskottchens
Es gibt verschiedene Theorien für die Benennung des sozialen Netzwerks nach der Mammut-Art Mastodon. Teilweise wurde behauptet, Eugen Rochko habe den Namen nach der gleichnamigen US-amerikanischen Metal-Band Mastodon gewählt. In einem Interview mit dem Online-Magazin Mashable im Jahr 2017 bestritt er dies aber und sagte, die Plattform sei tatsächlich nach dem Urzeittier benannt worden.
Neben dem Icon gibt es das Mastodon auch als Maskottchen, das ein freundlich und einladend winkendes oder ein kindlich lachendes kleines Mastodon zeigt. Davon sind mehrere Grafiken verbreitet, die immer wieder neu interpretiert werden.
„Mastodon“ wurde im April 2022 als Wortmarke beim EUIPO angemeldet und eingetragen.
Funktionen Auf Mastodon können angemeldete Nutzer Kurznachrichten verbreiten. Diese werden umgangssprachlich oft „Toots“ – übersetzt „Tröts“ – genannt. In der Standardeinstellung sind pro Beitrag 500 Zeichen möglich, diese lassen sich aber gemäß ActivityPub-Protokoll auf dem Server anpassen. Die Beiträge können kommentiert, geteilt und favorisiert werden.
Nutzer erstellen einen Account auf einem der Server (auch genannt Instanz) und können von dort aus mit allen anderen kooperierenden Servern sowie weiteren Diensten des Fediverse interagieren, so als sei es eine Plattform. Die inzwischen über 11.200 Instanzen sind über instances.social und FediDB zu finden.
Technik Das Backend ist in Ruby on Rails geschrieben, für das Frontend kommen die JavaScript-Bibliotheken React.js und Redux zum Einsatz.
Apps Seit 2021 bzw. 2022 gibt es offizielle Apps für iOS und Android, die ebenfalls Open-Source sind. Die Apps wurden mit öffentlichen Geldern aus dem Prototype Fund unterstützt. Darüber hinaus gibt es eine Reihe weiterer Apps für alle Plattformen mit teilweise größerem Funktionsumfang.
Nutzung und Verbreitung