Der Haleswiessee ist ein kleiner Bergsee in der Schafberggruppe im Salzkammergut, im Gemeindegebiet von St. Wolfgang in Oberösterreich.
Lage und Landschaft Der Haleswiessee liegt zwischen Atterseeregion und Wolfgangseeregion, in der Senke der Schafberggruppe zwischen Schafberg im Westen und Zimnitz/Leonsberg im Osten. Er befindet sich etwa 9 Kilometer nordwestlich von Bad Ischl, 7 Kilometer nordöstlich vom Ostufer des Wolfgangsees und 3 Kilometer südlich von Südufer des Attersees. Der Schwarzensee, der bekanntere der Wolfganger Bergseen, liegt gut 3 Kilometer südwestlich.
Der See befindet sich in einer Geländesenke auf Höhe, in deren nordöstlichem Teil. Dieses etwa 2½ km lange und ½ km breite Becken tieft sich um 50 Höhenmeter ein. Es gehört zu einem Talzug, der sich vom Wolfgangtal über den Rußbach nordostwärts zum Weißenbachtal erstreckt. Dessen Einsattelung ist der Fachbergsattel unweit nördlich von der Haleswies mit ca. Der Talzug trennt den Breitenberg () vom Leonsberg (). Im südwestlichen Teil der Senke liegt die Vorderhaleswiesalm beim See, die Hinterhaleswiesalm befindet sich schon oberhalb auf Gegen die Talung des Rußbachs südlich liegt eine Geländeschwelle mit der Pichleralm ().
Geologie und Hydrographie Der See entwässert bei Normalwasser in einem kleinen Gerinne, das sich südwestlich nach knapp 100 Metern mit dem mäandrierenden Gerinne vom Flachmoorbereich bei der Vorderhaleswiesalm vereint, und dann in nördlicher Richtung nach weiteren 100 Metern in einer Schwinde (Sinkloch, Ponor) verschwindet. Damit stellt sich die Haleswiessenke als Polje dar, eine karstmorphologische Beckenbildung.Lit. Müller 1972, S. 49, Sp. 2 (im PDF S. 4).
Das Gestein hier ist ein norischer Plattenkalk, um 220 Mio. Jahre alt. Südlich liegt die Grenze zwischen der Staufen-Höllengebirgs-Decke und der Schafberg-Decke, zwei Stücken des Tirolikums der nördlichen Kalkalpen.Lit. Laimer, Wimmer 2012, 2. Geologie und Tektonik, S. 96 f (pdf S. 2 f). Dadurch ist der Untergrund reich an Klüften. Anhand von Markierungsversuchen ist erwiesen, dass das Haleswies-Polje nicht – wie in hydrographischen Datensätzen angegebenSo führt das Gewässernetz den See im Einzugsgebiet Rußbach - bis zum Kuchleralmbach, HZB-Code 2-122-090-032-001, und das in der ÖK50 als Großer Schüttgraben geführte Gewässer als Oberlauf des Rußbachs (DORIS, Thema Wasser & Geologie, Layer Gewässer: Detaileinzugsgebeite und kleine Gewässer, abgerufen am 4. April 2017); die ÖK50 führt den Rußbach nur bis zur Pichleralm. – über den Rußbach nach Süden zur Ischl entwässert, sondern nach Norden, zum Äußeren Weißenbach beim Ort Weißenbach.Lit. Laimer, Wimmer 2012, insb. 4. Ergebnis, S. 101 (S. 7). Das Wasser tritt über einen Aquifer am unterlagerten Hauptdolomit im Sediment des Talbodens im Weißenbachtal aus, und braucht dafür um die 8 Monate. Eine Entwässerung in die wasserführenden Nebengräben des Weißenbachs, Richtung Loidlbach (bei Burgau zum Attersee, der nördliche Abfluss vom Fachbergsattel), oder gar einem der Bäche des Wolfgangtals konnte nicht nachgewiesen werden. Damit entspricht die Drainage im Untergrund der allgemeinen Streichrichtung des Königsee-Lammertal-Traunsee-Blattverschiebungssystems Richtung Nordnordost.Lit. Laimer, Wimmer 2012, 5.2. Karstdrainage im Bereich des Königsee-Lammertal-Traunsee-Blattverschiebungssystems, S. 101 f (S. 7 f).
Der Haleswiessee wird von zwei Bächen gespeist, dem Großen Schüttgraben vom Breitenberg und dem Bach von der Hinterhaleswiesalm. Bei Normalwasserstand hat er ein Ausmaß von etwa 190 × 130 Metern und eine Tiefe von durchschnittlich 1,5 Metern, mit 4 Meter Maximaltiefe.Lit. Müller 1972, Tabelle Der Haleswiessee in Zahlen, S. 53 (pdf S. 8). Dabei treten saisonell starke Spiegelschwankungen auf, periodisch nach der Schneeschmelze und episodisch bei Starkniederschlägen geht der See über, und kann dann den ganzen Beckengrund auf über 1000 Meter Länge umfassen. So hatte der See Juli 1968 7 m Tiefe.Lit. Müller 1972, Überflutungen, S. 51, Sp. 1 f (pdf S. 6). Der im Gelände nachweisliche Höchstwasserstand, der konstant und mit gewisser Regelmäßigkeit erreicht zu werden scheint, liegt bei 4,5 Meter über Normalniveau und 8,5 m Maximaltiefe, der See hat dann mit etwa 300.000 m³ die zehnfache Normalwassermenge. Mit 3,5 km² ist sein Einzugsgebiet dann doppelt so groß wie im Normalfall, die Gerinne in die Mooswiesen des Becken-Südteils sind nur episodisch. Diese Hochwässer laufen normalerweise innerhalb weniger Tage durch die dann ersoffene Schwinde ab, können sich aber auch mehrere Wochen halten. In der älteren Literatur wird berichtet, der See trockne regelmäßig aus. Das findet nicht statt, der Seespiegel scheint bei Normalwasser sogar weitgehend konstant zu sein.Lit. Müller 1972, S. 49, Sp. 1 und S. 51, Sp. 2 (pdf S. 4 resp. 6).
Südöstlich oberhalb, bei der Bramingaualm, auf etwa , liegt ein weiteres Polje mit Schwindloch. Dessen Entwässerung ist noch ungeklärt.
Natur und Klima Im Becken bildet sich ein kleines HochmoorHaleswiessee und Moos. Ökofläche OEKF02137. Land Oberösterreich: Naturschutz-Datenbank GENISYS (via DORIS, Thema Naturschutz). und Nieder- und Zwischenmoore.Haleswiesalm. Ökofläche OEKF07445. Land Oberösterreich: Naturschutz-Datenbank GENISYS. Der Almgrund wird als beschrieben, der See als . Eine naturschutzrechtliche Unterschutzstellung steht aber aus.
Eine Besonderheit ist auch das Mikroklima,Lit. Müller 1972, Lufttemperatur, S. 52, Sp. 1 f (pdf S. 7). hier bildet sich regelmäßig ein Kältesee, mit Temperaturen unter −30 °C (so −32 °C im Winter 1970/71) gehört die Haleswies wohl zu den Kältepolen Österreichs.Der amtliche Tiefstwert für bewohnte Regionen ist −36,6 °C im Jahr 1929 in Zwettl im Waldviertel. Im unbesiedelten Raum gibt es noch deutlich kältere Senken, so das Grünloch bei Lunz, mit über −52 °C (Stand der Angaben 2016). Da sich hier aber keine Messstelle befindet, scheint der Ort in amtlichen Angaben nicht auf.
Geschichte und Erschließung Der Ortslage wird schon 1416 im Mondseer Urbar als Haelleins wis genannt,Urbar Mondsee 1416 (ältestes vollständig erhaltenes Urbar); in: Konrad Schiffmann (Hrsg.): Die mittelalterlichen Stiftsurbare des Erzherzogtums Österreich ob der Enns. (Österr. Urbare III/2/1), Teil 1: Lambach, Mondsee, Ranshofen, Traunkirchen. Wien/Leipzig 1912; auch in dsslb.: Historisches Ortsnamenslexikon für Oberösterreich, 1935; Angabe nach Lit. Müller 1972, S. 47, Sp. 1 f (pdf S. 2). wohl nach einem Besitzer, spätere Erwähnungen auf Hasel- sind volksetymologische Fehldeutungen.
Heute führt eine Forststraße von Rußbach herauf, sie zweigt beim Kösselfall von der Schwarzenseestraße (L1293) ab. Der Wanderweg über den Fachberg, der von Weißenbach am Attersee nach Rußbach oder über den Schwarzensee nach St. Wolfgang führt, passiert den Haleswieskessel nördlich oberhalb. In den Zeiten der St.-Wolfganger Wallfahrt und des Ischler Salzschmuggels war dieser Weg vielbegangen. Vom Fachbergsattel führt ein Steig über die Hinterhaleswiesalm zum See, und Forstwege zur Vorderhaleswiesalm.
Literatur H. J. Laimer, H. Wimmer: Die unterirdische Entwässerung des Haleswies-Poljes (Oberösterreich) / Subsurface Drainage of the Haleswies Polje (Upper Austria). In: Beiträge zur Hydrogeologie 59 (Graz 2012), S. 95–104 (Artikel online, researchgate.net). Guido Müller: Das Gebiet des Halleswiessees im Salzkammergut. Ein landeskundlicher Überblick. In: Oberösterreichische Heimatblätter Jg. 26 (1972), Heft 1/2, S. 47–53 ().
Einzelnachweise
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