Die Liste der Stolpersteine in Bernburg (Saale) enthält alle Stolpersteine, die im Rahmen des gleichnamigen Kunst-Projekts von Gunter Demnig in Bernburg (Saale) verlegt wurden. Mit ihnen soll Opfern des Nationalsozialismus gedacht werden, die in Bernburg (Saale) lebten und wirkten. Zwischen 2017 und 2024 wurden insgesamt 64 Steine an 23 Adressen verlegt.
Verlegungen 25. März 2017: zehn Steine an zwei Adressen 25. Februar 2019: elf Steine an fünf Adressen 11. Dezember 2020: 15 Steine an sieben AdressenKatharina Thormann: Jeder Stein ein Schicksal. Dritte Aktion ohne großes Publikum. In: mz.de. Mitteldeutsche Zeitung. 16. Dezember 2020. Abgerufen am 22. Dezember 2020.Stolpersteine für Bernburg (Saale). Erinnerung, Gedenken, Information (PDF; 5,1 MB). In: bernburg.de. Dezember 2022. Abgerufen am 20. November 2024. 15. November 2024: 2 Steine an einer Adresse 19. November 2024: 26 Steine an acht Adressen28 neue Stolpersteine in Bernburg. In: bbglive.de. 18. November 2024.Torsten Adam: Gedenkkultur. Von Nachbarn denunziert, von Nazis hingerichtet - welche Schicksale sich hinter Bernburger Stolpersteinen verbergen. In: mz.de. Mitteldeutsche Zeitung. 20. November 2024. Abgerufen am 20. November 2024.
Liste der Stolpersteine
Adresse Datum der Verlegung PersonInschriftBild Badergasse 19 11. Dezember 2020 Alfred Mühlhausen (1888–1941) Alfred Mühlhausen wurde am 18. Juni 1888 in Bernburg geboren. Sein Vater war der Böttcher Friedrich Albert Mühlhausen, seine Mutter dessen Emma Frederike. Er wuchs in der Badergasse auf und wurde Kalkbrucharbeiter und half der Familie, da der Vater mittlerweile nicht mehr voll arbeiten konnte. Während des Ersten Weltkriegs wurde er am 3. Februar 1915 als Ersatzreservist eingezogen und zwei Monate später in Russland eingesetzt, wo er nach wenigen Tagen mit Katatonie ins Tilsiter Kriegslazarett eingeliefert wurde. Ohne Behandlung brachte man ihn im Juli 1915 in die Irrenanstalt Hildesheim und im Mai 1916 in die Landesheil- und Pflegeanstalt Bernburg. Nachdem Vater und Mutter 1918 bzw. 1928 verstorben waren, brachte man Alfred 1930 in die Landessiechenanstalt Hoym. Anfang 1941 brachte man ihn kurzzeitig in die Landesheilanstalt Altscherbitz, wo man die Krankenmorde koordinierte und ihn am 28. Februar 1941 in die Tötungsanstalt Bernburg schickte, wo er umgehend ermordet wurde. Hier wohnteALFRED MÜHLHAUSEN Jg. 1888 Seit 1915 mehrere Heilanstalten ‚verlegt‘ 28.2.1941 Bernburg ermordet 28.2.1941 ‚Aktion T4‘ 121x121px Breite Straße 42a 19. November 2024 Minna Philippstahl geb. Seelig (1871–1942) Minna Seelig wurde am 16. Juli 1871 in Inowrocław geboren. Über ihr Leben ist nicht viel bekannt, außer, dass sie Hugo Philippsthal heiratete und sich beide 1904 in Bernburg im Adressbuch nachweisen lassen. Hugo betrieb bis zu seinem Tod im Jahr 1921 ein Garderobengeschäft in der Breiten Straße 42a. Minna konnte als Witwe noch bis 1942 dort wohnen bleiben, obwohl der Hauseigentümer deutsch war und derartige Mietverhältnisse Jahre zuvor verboten wurden. Dann musste sie in die Mühlstraße 2 umziehen, also in ein Haus, das der Jüdin Pauline Israel gehörte. Diese beging am 4. November 1942 Selbstmord, eine weitere Bewohnerin, Bendix Therese, am 15. November 1942. Zusammen standen sie auf der Anfang des Monats erstellten Deportationsliste. Am 16. November 1942 wurde Minna über Magdeburg in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie am 24. April 1944 starb. Hier wohnteMINNA PHILIPPSTAHLgeb. SeeligJg. 1871deportiert 1942Theresienstadtermordet 24.4.1944120x120px Clara-Zetkin-Platz 1 11. Dezember 2020 Moritz Eisemann (1878–1938) Moritz Eisemann wurde am 7. Dezember 1878 in Bad Salzungen geboren. Er wurde Kaufmann und kam spätestens 1924 nach Bernburg, wo sein Schwiegervater Charles London (1839–1913) einen Landesproduktenhandel betrieb, den – nach dem fast gleichzeitigen Tod von Charles und seiner Frau Johanna – Charles’ Töchter Friederike und Ida weiterführten. Moritz heiratete Ida und wurde 1932 zudem Vorsitzender der Ortsgruppe des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Er engagierte sich gegen den wachsenden Antisemitismus und setzte sich aktiv gegen die Verwüstungen der Novemberpogrome 1938 zur Wehr. Man brachte ihn in das KZ Buchenwald, wo am 19. November 1938 seine Sterbeurkunde ausgestellt wurde, in der man Herzinfarkt als Todesursache angab. Friederike und Ida überlebten, da sie die US-amerikanische Staatsangehörigkeit besaßen und am 16. Mai 1942 in die USA abgeschoben wurden, nachdem man sie Weihnachten 1941 verhaftet hatte. Hier wohnte MORITZ EISEMANN Jg. 1878‚Schutzhaft‘ 1938 Buchenwald ermordet 19.11.1938 120x120pxFriedensallee 13 (ehemals Kaiserstraße 13) 11. Dezember 2020 Hedwig Gumpel geb. Leyser (1872–1942) Hier wohnteHEDWIG GUMPELgeb. LeyserJg. 1872gedemütigt / entrechtetFlucht in den Tod26.11.1942120x120px Dr. Max Gumpel (1901–?) Hier wohnteDR. MAX GUMPELJg. 1901‘Schutzhaft‘ 1933 u. 19351935 die Bank enteignetFlucht 1937England120x120px Friedensallee 27 (ehemals Kaiserstraße 27)25. Februar 2019 Abgerufen am 4. Mai 2026. Sidonie Simonsohn geb. Fried (1880–1944) Sidonie geb. Fried stammte aus Wien, wo sie eine Gesangs- und Schauspielausbildung begann. 1898 zog sie mit ihrer Familie nach Berlin. 1900 lernte sie Alfred Simonsohn kennen, den sie am 7. Januar 1902 heiratete. Alfred Simonsohn besaß in Bernburg eine Zigarrenfabrik und eine Kunstblumenfabrik. Zusammen mit ihrer Mutter übersiedelte Sidonie Simonsohn zu ihrem Mann nach Bernburg. Das Paar hatte zwei Söhne und eine Tochter. 1911 bezog die Familie eine Wohnung in der Kaiserstraße 27. Durch die Hyperinflation von 1923 verlor die Familie einen bedeutenden Teil ihres Vermögens. Die Zigarrenfabrik musste 1928 geschlossen werden. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten stand die Kunstblumenfabrik am 1. April 1933 auf der Boykottliste. Am 21. September 1936 starb Alfred Simonsohn. Im gleichen Jahr verlor die Familie ihre Wohnung, da Juden nicht mehr im gleichen Haus wohnen durften wie Nichtjuden. Sie zogen zunächst in die Friedrichstraße 9 und nach dem Tod der Vermieterin 1938 ins jüdische Gemeindehaus. 1939 übersiedelte Sidonie Simonsohn zu ihrem Sohn Berthold nach Hamburg. Am 19. Juli 1942 wurde sie mit ihrem Sohn Berthold und ihrer Tochter Ilse ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort starb Sidonie Simonsohn am 7. August 1944 an den Folgen einer Nierenbeckenentzündung. Ihre Kinder überlebten den Zweiten Weltkrieg. Abgerufen am 4. Mai 2026. Hier wohnteSIDONIE SIMONSOHNgeb. FriedJg. 1880deportiert 1942Theresienstadtermordet 7.8.1944 120px Friedrichstraße 17 19. November 2024 Anneliese Gross (1910–1943) Anneliese Gross wurde am 8. April 1910 als Tochter von Adolf und Berta Gross geboren. Sie lässt sich noch 1932 in Bernburg nachweisen, wo sie als Verkäuferin tätig war, zog dann aber mutmaßlich nach Berlin um, wo sie in den Stadtteilen Prenzlauer Berg und Charlottenburg nachweisbar ist. Zudem wurde sie am 3. März 1943 von Berlin aus in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Hier wohnteANNELIESE GROSSJg. 1910deportiert 1943Auschwitzermordet120x120px Berta Gross geb. Hecht (1885–1942) Berta Hecht wurde am 30. August 1885 in Nesselröden geboren und kam 1910 mit ihrem Ehemann Adolf Gross (1875–1920) nach Bernburg, wo ihre Tochter Anneliese geboren wurde. Adolf arbeitete zunächst als Handlungsgehilfe, konnte aber bereits 1917 als selbständiger Kaufmann am Markt tätig werden. Um das Jahr 1920 erwarb er das Haus Friedrichstraße 17 und betrieb dort einen Textilladen, verstarb aber am 14. November 1920. Berta übernahm daher das Geschäft und führte es noch etwa zehn Jahre weiter. Der Name hat Adolfs sich bis heute an der Fassade erhalten. 1939 wurde die Familie Buchhalter genötigt, in das Haus umzuziehen, aber Berta ging zur selben Zeit in das Landwerk Neuendorf, wo junge Leute durch eine Ausbildung auf die Auswanderung vorbereiten wurden. 1941 wurde das Landwerk in ein Zwangsarbeitslager umgewandelt und am 3. April 1942 wurde Berta in das Warschauer Ghetto deportiert. Hier wohnteBERTA GROSSgeb. HechtJg. 1885deportiert 1942Ghetto Warschauermordet120x120px Hallesche Straße 2525. März 2017Zehn Stolpersteine in Bernburg verlegt. In: bbglive.de. 25. März 2017. Abgerufen am 4. April 2017. Denny Sally Freiberg (1942–?) Denny Sally Freiberg wurde am 9. März 1942 als zweites Kind von Ilse und Rolf Freiberg geboren. Er wurde nach Ilses inzwischen verstorbenem Vater Sally Lewy (siehe Markt 8/9) benannt. Im Alter von nur einem Monat wurde er am 13. April 1942 gemeinsam mit seinen noch in Bernburg verbliebenen Familienmitgliedern über Magdeburg ins Ghetto Warschau deportiert, wo er später ermordet wurde. Sein genaues Todesdatum ist unbekannt.. Abgerufen am 4. Mai 2026. Hier wohnteDENNY SALLYFREIBERGJg. 1942deportiert 1942Ghetto Warschauermordet 120px Gittel Freiberg (1939–?) Gittel Freiberg wurde 1939 als erstes Kind von Ilse und Rolf Freiberg geboren. Sie wurde am 13. April 1942 gemeinsam mit ihren noch in Bernburg verbliebenen Familienmitgliedern über Magdeburg ins Ghetto Warschau deportiert, wo sie später ermordet wurde. Ihr genaues Todesdatum ist unbekannt. Hier wohnteGITTEL FREIBERGJg. 1939deportiert 1942Ghetto Warschauermordet 120px Ilse Freiberg geb. Lewy (1915–?) Ilse Lewy arbeitete als Verkäuferin in einer Zweigstelle des Geschäfts ihres Vaters in der Halleschen Straße 25d. Sie heiratete später ihren Kollegen Rolf Freiberg und hatte mit ihm zwei Kinder. Sie wurde am 13. April 1942 gemeinsam mit ihren noch in Bernburg verbliebenen Familienmitgliedern über Magdeburg ins Ghetto Warschau deportiert, wo sie später ermordet wurde. Ihr genaues Todesdatum ist unbekannt. Hier wohnteILSE FREIBERGgeb. LewyJg. 1915deportiert 1942Ghetto Warschauermordet 120px Rolf Freiberg (1912–?) Rolf Freiberg stammte aus Kroppenstedt und arbeitete für Sally Lewy als Dekorateur. Später heiratete er dessen Tochter Ilse und hatte mit ihr zwei Kinder. Er wurde am 13. April 1942 gemeinsam mit seinen noch in Bernburg verbliebenen Familienmitgliedern über Magdeburg ins Ghetto Warschau deportiert, wo er später ermordet wurde. Sein genaues Todesdatum ist unbekannt. Hier wohnteROLF FREIBERGJg. 1912deportiert 1942Ghetto Warschauermordet 120px Hallesche Straße 4325. Februar 2019 Alfred Katzenstein (1881–?) Alfred Katzenstein stammte aus Bad Salzuflen und betrieb in Bernburg seit 1911 ein Metallwarengeschäft. 1933 und erneut 1935 war sein Geschäft von Boykottaufrufen der nationalsozialistischen Machthaber betroffen. Am 13. August 1935 wurde Katzenstein wegen Steuerhinterziehung zu drei Jahren Zuchthaus und einer Geldstrafe verurteilt. Er wurde zunächst ins Gefängnis von Bernburg eingewiesen und 27. November 1935 in die Strafanstalt Brandenburg-Görden verlegt. Katzensteins letztes Lebenszeichen ist eine Unterschrift auf einem Formular vom 22. April 1936, mit dem die Löschung seiner Firma aus dem Handelsregister bestätigt wurde. Danach verliert sich seine Spur. Abgerufen am 4. Mai 2026. Hier wohnteALFRED KATZENSTEINJg. 1881verhaftet 1935Gefängnis BernburgZuchthausBrandenburg-GördenSchicksal unbekannt 120px Jenny Katzenstein (1883–ca. 1942)