mini|Plakatkampagne der australischen Regierung
Die Migrations- und Asylpolitik in Australien hat eine lange Tradition. Diese Politik hat historische Wurzeln in der White Australia Policy, die erstmals im Jahr 1901 Eingang in ein Gesetz fand, das der damals neugegründete Commonwealth of Australia verabschiedete. Der „Immigration Restriction Act 1901“ war der Ausgangspunkt für die Politik Australiens, die sich gegen die Einwanderung von Nichteuropäern richtet. Die Gesetzespraxis wurde zwar nach dem Zweiten Weltkrieg gelockert, doch durch den vermehrten Andrang von „Boatpeople“ seit den 1970er Jahren wurde diese Lockerung im Jahr 1992 aufgehoben und eine Einwanderungshaft eingeführt. Diese Politik führte auch dazu, dass bis heute sogenannte Boatpeople auf See aufgebracht und in Drittländer transportiert oder dort interniert werden können.
Die Migrationszone Australien in der heutigen Form, mit Militäreinsatz zur Überwachung, entstand im September 2001 in der Folge der Tampa-Affäre unter der liberalkonservativen Regierung von Premierminister John Howard. Howard wollte ein Anlanden von Passagieren der MS Tampa, ein norwegisches Frachtschiff, auf dem australischen Festland verhindern. Diese Migrationszone erstreckt sich weit entfernt der australischen Küste von Queensland, Western Australia und dem Northern Territory und sie reicht auch weit in internationale Gewässer hinein. Innerhalb dieser Zone befinden sich etwa 4000 Inseln, darunter die Weihnachtsinsel, Ashmore- und Cartierinseln und Cocos Islands wie auch technische Anlagen auf See wie beispielsweise australische Ölbohrinseln. Seit 2016 umfasst die Migrationszone auch Norfolk Island, ein Australisches Außengebiet.
Seit der nationalliberalen Regierung von Tony Abbott, die 2013 an die Macht kam, wurde der Slogan stop the boats zum Programm einer Operation Sovereign Borders (deutsch: Maßnahme: souveräne Grenzen) erklärt, eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Boatpeople. Asylsuchende, die kein Einreisevisum vorweisen können, wurden im April 2017 aufgrund der geltenden Rechtslage in Einwanderungshaft genommen und in Internierungslagern im Ausland untergebracht. Sein Nachfolger Malcolm Turnbull hielt an dieser Politik gegen die Boatpeople fest wie auch die derzeit amtierende konservative Regierung unter Scott Morrison (Stand Dezember 2019).
Australien nimmt durchaus Asylsuchende auf, beispielsweise im Finanzjahr 2015 und 2016 8460 Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak., o. A., auf Department of Immigration and Border Protection. Abgerufen am 3. April 2017 Australien erteilte auch von Mitte 2013 bis Mitte 2014 13.800 Flüchtlingen und ebenso zwischen 2012 und 2013 20.000 ein Visum.Westen Phippen: Australia’s Controversial Migration Policy, vom 29. April 2016, auf The Atlantic. Abgerufen am 28. März 2017 Doch gegen die Boatpeople geht die Regierung weiterhin strikt vor, denn sie kann davon ausgehen, dass die Bevölkerung die Boatpeople mehrheitlich negativ betrachtet, wie dies in einem Artikel auch am 1. Januar 2017 im Sydney Morning Herald festgehalten wird: Die Einwanderungshaft und die Deportation der Boatpeople in andere Länder sei derzeit in Australien wenig umstritten.
Vorgeschichte mini|Die erste Ausbreitung des Menschen bis Australien
Die erste Migration des australischen Kontinents fand vor etwa 50.000 Jahren statt, als eine kleine Gruppe von Homo sapiens auf dem menschenleeren Kontinent ankam und ihre eigene Lebensweise als Jäger und Sammler und ihre eigene Kultur gründeten. Es gibt ferner auch die These, dass vor 4000 Jahren eine weitere und größere Zuwanderung in Australien stattfand, was u. a. auch aus dem Vorhandensein der Dingos abgeleitet wird.Nicolas Wade: From DNA Analysis, Clues to a Single Australian, vom 8. Mai 2007, auf New York Times, abgerufen am 3. April 2017
Als die Briten Australien nach der Landung der First Fleet am 26. Januar 1788 in Port Jackson kolonisierten, ermordeten oder vertrieben sie anschließend im Verlauf der Kolonisierung einen großen Teil der indigenen Bevölkerung. Die Briten deportierten von 1788 bis 1868 mehr als 160.000 Sträflinge nach Australien und 1793 bis 1850 ließen sich 200.000 freie Siedler in den britischen Kolonien Australiens nieder., o. A., auf National Maritime Museum. Abgerufen am 3. April 2017
mini|links|Das Banner „ROLL UP – ROLL UP – NO CHINESE“ (Verschwindet Chinesen!) gilt als das erste rassistische Symbol Australiens. Es wurde in den Lambing Flat Riots getragen.
In der Zeit des Goldrauschs in Australien von 1851 bis 1860 wanderten etwa 600.000 Personen ein, darunter 81 Prozent Briten, 10 Prozent Europäer und 7 Prozent Chinesen.. S. 5, vom Juni 2015, auf Department of Immigration and Border Protection. Abgerufen am 19. April 2017 Mit der damaligen massenhaften Einwanderung stieg die Bevölkerungszahl innerhalb eines Jahrzehnts auf 1,2 Millionen an und veränderte die damalige Sträflingskolonie Australien in eine zivile Gesellschaft.
Zwischen den europäischen und chinesischen Goldsuchern gab es mehrere Konflikte und gewaltsame Auseinandersetzungen auf den Goldfeldern, wie beispielsweise am 4. Juli 1857 im Buckland Riot in Victoria und am 14. Juni 1861 im Lambing Flat Riot in New South Wales.Raymond Markey: |archiv-datum=2017-10-19 Race and organized labor in Australia, 1850-1901, vom Januar 1996, auf Historian Research. Abgerufen am 17. April 2017 Die Ursache dieser Konflikte werden in den unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsweisen wie auch im Wettbewerb um die besten Goldclaims gesehen. Als Reaktion auf diese Unruhen wurden Jahr 1857 in Victoria und 1861 in New South Wales Beschränkungen über die Einwanderung von Chinesen hinsichtlich ihrer Aufenthaltsdauer, Familien und Arbeitsaufnahme erlassen.Archives in Brief 33 – Chinese migration and settlement in New South Wales, o. A., auf records.nsw.gov.au. Abgerufen am 13. März 2017 In der Zeit des australischen Goldrauschs arbeiteten etwa 40.000 Chinesen auf den Goldfeldern. Diejenigen, die nach dem Ende des Goldrauschs in Australien blieben, betrieben vor allem Restaurants und Wäschereien. Um 1861 betrug der Anteil der Chinesen an der Bevölkerung Australiens 3,3 Prozent.. S. 6, vom Juni 2015, auf Department of Immigration and Border Protection. Abgerufen am 20. April 2017
Ferner arbeiteten und migrierten zahlreiche, sogenannte „afghanische Kamelführer“, die jedoch auch aus unterschiedlichen Ländern stammten. Diese Menschen leisteten einen großen Beitrag bei der Erkundung Australiens. Zahlreiche Asiaten und Insulaner, die in der frühen australischen Perlenindustrie arbeiteten, ließen sich ebenfalls nieder. Aufgrund anderer Lebensweisen und Kulturen wurden sie von den europäischstämmigen Bewohnern in separate Stadtteile und Siedlungen verdrängt., auf Flinders Range Research. Abgerufen am 2. April 2017 Ferner gab es auch einen kleinen Anteil von Maoris, die den 1830er Jahren in der sich rasch entwickelten Holzwirtschaft in der Nähe von Sydney arbeiteten.. S. 6, vom Juni 2015, auf Department of Immigration and Border Protection. Abgerufen am 20. April 2017
mini|hochkant|Insulaner werden am Heimatstrand rekrutiert (Darstellung um 1892)
Zum Betreiben der arbeitsintensiven Zucker- und Baumwollplantagen im frühen Queensland wurden von 1863 bis 1903 etwa 60.000 melanesische Insulaner als sogenannte Blackbirded-Arbeiter auf Schiffen nach Queensland transportiert, wo sie drei Jahre dort arbeiten mussten.South Sea Islanders call for an apology, vom September 2013, auf ABC. Abgerufen am 3. April 2017 Im Gründungsjahr des Commonwealth of Australia trat der Pacific Island Labourers Act vom 23. Dezember 1901 in Kraft. Dieses Gesetz brachte mit sich, dass die Administration von 1904 bis zum 31. Dezember 1906 etwa 7500 Insulaner in ihre Heimat repatriierte. Lediglich etwa 1600 von ihnen konnten in Queensland bleiben.Museum Victoria: Encyclopædia Britannica: White Australia PolicyBrij V. Lal, Kate Fortune: The Pacific Islands: An Encyclopedia, Volume 1. University of Hawaii Press, 2000, ISBN 082482265X, S. 621 Führende Politiker von Queensland und New South Wales betonten seinerzeit, dass es für Asiaten und Farbige in Australien keine Zukunft geben würde., auf Department of Immigration and Border Protection. Abgerufen am 2. April 2017
mini|links|Lager der streikenden Schafscherer in Hughenden, Zentral-Queensland, 1891
Im Jahr 1889 war die Bevölkerung Australiens auf etwa drei Millionen Personen angestiegen. Zu Beginn der 1890er Jahre entstand eine Wirtschaftskrise in Australien. In der Folge übten Unternehmer Druck auf die Löhne aus und die europäischen Arbeiter wehrten sich. Es kam zu Streiks, bei denen die Arbeit niedergelegt wurde, während chinesische und nichtaustralische Arbeiter zu niedrigen Löhnen weiter arbeiteten oder als Streikbrecher eingesetzt wurden., o. A., auf australianworkersheritagecentre.com.au. Abgerufen am 2. April 2017Radical Chinese labour in Australian history, vom Dezember 2015, auf marxistleftreview.org. Abgerufen am 2. April 2017 Dies führte auch dazu, dass die frühe australische Arbeiterbewegung einer Zuwanderung abgeneigt gegenüberstand und aufgrund der wirtschaftlich schlechten Verhältnisse kam auch die Einwanderung zum Erliegen.
Ab 1901: „Immigration Restriction Act“ Im Jahr 1901 beendete der neu konstituierte Commonwealth of Australia die Migration von nicht aus Europa stammende Personen, als sie den „Immigration Restriction Act of Australia 1901“ erließ. Dieses Gesetz wird häufig als die Geburtsstunde der Politik des weißen Australiens bezeichnet. Dieses Gesetz und das Gesetz Pacific Island Labourers Act 1901 waren mit die ersten Gesetze des neuen australischen Bundesstaats. Sie trugen einen rassistischen Charakter. In der Folge des Immigration Restriction Act wurden Kenntnistests in einer beliebigen europäischen Sprache, und nicht nur in Englisch, zum Kriterium einer Einwanderung.Stefanie Affeldt: Consuming Whiteness. Australian Racism and the ‘White Sugar’ Campaign. Lit-Verlag, Münster 2014, ISBN 3-64390-569-6, S. 152–188, online Berühmt wurde der Schreibtest, der dem einwanderungswilligen, tschechischen Kommunisten und Journalisten Egon Kisch in den 1930er Jahren abgefordert wurde. Kisch beherrschte mehrere Sprachen und Englisch fließend. Nachdem er bereits mehrere Tests in unterschiedlichen Sprachen bestanden hatte, wurde er aufgefordert, das Vaterunser in schottisch-gälischer Sprache niederzuschreiben. Dies war ihm verständlicherweise nicht möglich. Dieser Fall kam vor das höchste Gericht in Australien, das lediglich in diesem speziellen Fall den schottisch-gälischen Sprachtest für „zu obskur“ erklärte.. S. 14, vom Juni 2015, auf Department of Immigration and Border Protection. Abgerufen am 22. April 2017
War nur ein Wort in dem 50 Wörter umfassenden Test falsch geschrieben, bedeutete dies die Ablehnung des Einwanderungsantrags. Im Jahr 1909 fanden beispielsweise 1359 derartige Tests statt, wobei lediglich 52 Personen bestanden. Daraufhin wurde dieser Test in einen Diktattest abgeändert und damit weiter erschwert. Nun bestand nach 1909 keiner mehr diesen Test.Textpassagen aus dem Jahr 1932 (Englisch). Auf vrrom.na.gov.au. Abgerufen am 2. April 2017
In den Jahren von 1905 bis 1914 wanderten etwa 390.000 Menschen in Australien ein. Es waren vor allem Briten (Iren, Engländer und Schotten) und Neuseeländer. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs war die Bevölkerung Australiens auf etwa fünf Millionen angewachsen.. S. 16, vom Juni 2015, auf Department of Immigration and Border Protection. Abgerufen am 20. April 2017