mini|Selbstbildnis mit Christophorusmotiv 1976, Ölmalerei Robert Seyfried (* 23. März 1905 in Mainz; † 2. Mai 1991 in Singen (Hohentwiel)) war ein deutscher Innenarchitekt, Maler und Bildhauer.

Leben Robert Seyfried wurde als viertes von insgesamt fünf Kindern des Schneidermeisters Karl August Seyfried und seiner Frau Maria, geb. Kuntz, in Mainz geboren. Die damalige Wohnung befand sich laut Adressbuch von 1907 in der Großen Bleiche 22 im zweiten Stockwerk.Gerhard Braun, Zum 80. Geburtstag von Robert Seyfried. In: Singener Jahrbuch 1985, S. 112–118Ulrich Riedlinger, 100. Geburtstag von Robert Seyfried: unvergessener Bohlinger Künstler. In: Singen-Jahrbuch, Bd. 40, 2006, S. 98.

Ausbildung Nach Abschluss der Volksschule besuchte er von 1918 bis 1922 die Mainzer Kunstgewerbeschule bei den Professoren Otto Rückert (Malerei und Graphik), Anton Josef Pleyer (Innenarchitektur) und Georg Köllner (Bildhauerei).Frank Leberecht, Robert Seyfried 65 Jahre, in: Jahrbuch Hegau-Geschichtsverein 1970/1, S. 394–397.

Er begriff sich anschließend nicht als freischaffender Künstler, sondern ging nach Düsseldorf und trat in ein Atelier für angewandte Kunst ein, welches er 1924 bereits als 19-Jähriger geleitet hat. Ferner war er in Düsseldorf freier Mitarbeiter bei den Akademie-Professoren Emil Fahrenkamp (Architektur) und Wilhelm Kreis (Bildhauerei).

Beginn der Berufstätigkeit mini|Berlin-Steglitz, Titania-Palast 2025 Die berufliche Laufbahn begann für Seyfried als Innenraumausstatter für neu zu errichtende Kinos im Deutschen Reich. Zuerst gewann er den Ende 1926 ausgelobten 1. Preis für die Innengestaltung des am 28. Januar 1928 feierlich eröffneten Titania-Palasts der National-Film-Theater GmbH in Berlin-Steglitz. Es war seinerzeit das modernste Lichtspielhaus in Europa und besticht noch heute zumindest in seiner äußeren Erscheinung.Rolf Grünewald: Der Titania-Palast 1928–1966 Berliner Kino- und Kulturgeschichte. Reihe Deutsche Vergangenheit Stätten der Geschichte Berlins Nr. 72. Edition Hentrich, Berlin 1992.

Ab 1927 trat er in Düsseldorf mit einem eigenen Atelier auf: "Seyfried & Weigandt Atelier für Raummalerei und Graphik" in der Schützenstr. 12A, seit 1933 in der Jordanstr. 1, wo er und Wilhelm "Willi" Weigandt auch ihre Wohnungen hatten.Adressbücher der Stadt Düsseldorf

Von dort stattete er im Auftrage der Universal-Film A.G. (UFA) zahlreiche Lichtspielhäuser aus, die durch Kriegsfolgen oder Umnutzung heute nicht mehr aufweisbar sind, so Allenstein (seit 1945 Olzstyn); Dresden; Düsseldorf; Flensburg; Leipzig.Gottfried Borrmann, Er schuf das Flair der alten Ufa. Der Mainzer Künstler Robert Seyfried und sein reich gefächertes Lebenswerk, in: Mainz Vierteljahreshefte für Kultur, Politik, Wirtschaft, Geschichte, 1/2000, S. 81 - 85 mit Abbn.

Auch in seiner Heimatstadt wurde 1929 ein UFA-Kino in der Große Bleiche 27 errichtet, für dessen Ausstattung ein 1. Preis überliefert ist. Darüber hinaus wurde er nach erfolgreich absolvierten Wettbewerben weiter mit Mainzer Cafés und Gaststätten bedacht. Ferner erfüllte er Aufträge in den Nachbarländern. Konkret zu nennen ist heute lediglich die Ausmalung des Speisesaales im Hotel ALFA in Luxemburg und die Gestaltung von Menükarten (datiert 31 und signiert mit dem Nachnamen).

1933 bis 1945 1933 wurde ihm von den Nationalsozialisten ein zweijähriges Malverbot auferlegt, welches er durch weitere Auslandsaufträge in Luxemburg und dem noch nicht an das Deutsche Reich wieder angeschlossene Saarland umging.Diese Lebenspassage in jeder Darstellung zu Seyfried. Eine erhebliche Beeinträchtigung seiner beruflichen Karriere erfolgte daraus nicht.

1936 wurde die Düsseldorfer Ateliergemeinschaft mit Weigandt aufgelöst und er bezog mit seinen Eltern in Mainz das Haus Schaftriebsweg 94.Adressbücher der Städte Mainz und Düsseldorf. Weigandt verblieb in Düsseldorf und richtete nach 1945 zahlreiche neue Kinos in Nordrhein-Westfalen ein.zu Weigandt

Am 26. Februar 1937 fand die Hochzeit mit Hildegard Riedlinger aus Bohlingen (heute Ortsteil von Singen am Hohentwiel) statt, die er in Mainz kennengelernt hatte. Das Ehepaar blieb anfänglich noch in Mainz, wo er zwei Ateliers betrieb, eines in der Altstadt, das andere am Schaftriebsweg. Aus diesem Jahr ist über eine Postkarte die Ausmalung einer Brauereistube in Aachen bekannt. mini|Schwetzingen, Wachhaus der ehemaligen Panzerkaserne 1938, Putzmosaik mit Motiv Die Gepanzerten 1938 erfolgte durch Vermittlung des Frankfurter Vertreters und Kunsthändlers Julius Nau der erste Kontakt Seyfrieds zu „August Wagner Vereinigte Werkstätten für Mosaik und Glasmalerei“ in Berlin. Diese ging 1934 aus der damaligen Firma Puhl & Wagner-Gottfried Heinersdorff hervor, welche ihr Renommée vor allem durch Mosaiksetzerei mit dem von ihr erfundenen Goldglas bezogen hatte.

Gemeinsam führten sie nun zahlreiche Aufträge für Wehrmacht und Polizei aus. Meist handelte es sich um Ausmalungen von Gemeinschaftsräumen in Kasernen und Mosaike wie 1938 an der Fassade eines Wachhauses der Kaserne in Schwetzingen und noch 1942 für die Hospitalkasernenkirche in Bad Kreuznach. Zu dieser Zeit war Seyfried bei der Polizei bereits dienstverpflichtet und stand im Range eines Oberwachtmeisters. Mit Darstellungen im Heimatstil und von historischen Kampffiguren wie Landsknechten und gepanzerten Rittern entzog er sich allzu martialischen Vorstellungen seiner Auftraggeber.Melanie Mertens, Tempelfront und Mälzerschlot. Baudenkmale der Stadt Schwetzingen, in: Badische Heimat, Heft 1, März 2016 / 96. Jahrgang, S. 41 - 51 (mit Abbildungen)

Seyfried war 1940 auf der Großen Deutschen Kunstausstellung in München mit einem Ölgemälde („Neubau der Mainzer Bahnhofshalle“) vertreten.https://www.gdk-research.de/de/obj19405511.html mini|Mainz, Stadthaus (ehemals Bundesbahndirektion) 1954, Bleiverglasungen (heutige Präsentation)Doch auch zivile Großaufträge gingen in dieser noch Zeit an ihn. 1938 entwarf er für das neu errichtete Gebäude der Reichsbahndirektion, Kaiserstr. 5 in Mainz (heute das Stadthaus), dem Kreyßig-Flügel, drei große Fenster mit Motiven der Entwicklung des Verkehrswesens bis hin zur Eisenbahn.

Die Ausführung "der 2 cm starken mausgrauen Scheiben in Glasschliff" erfolgte ebenfalls bei August Wagner in Berlin-Treptow. Auch eine Mosaikumrandung für den Innentürbereich des dortigen Großen Sitzungssaales ging an Seyfried und Wagner.Paul Hans Petri, Der Erweiterungsbau des Verwaltungsgebäudes der Reichsbahndiektion Mainz, in: Die Reichsbahn - amtliches Organ der Hauptverwaltung der Eisenbahnen des Vereinigten Wirtschaftsgebietes 15.1939, S. 310–315. Diese Verbindung blieb noch lange nach Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Auflösung 1969 der Firma bestehen, wobei auf deren zweitem Spezialgebiet, dem Glasschliff, nach 1945 weitere bedeutende Objekte entstanden. Einige in dieser Technik geschaffenen Werke sind in Mainz noch erhalten.

Im Sommer 1942 wurde Seyfried Bildberichter. Dazu ist anzumerken, dass diese Tätigkeitsbezeichnung nicht mit Fotografen von Frontgeschehen oder gar Massakern gleichzusetzen ist. Bildberichter waren Angehörige einer Propagandakompanie, die vor allem verharmlosende Fotos, bei Seyfried Gemälde, für die Leser der zahlreichen Heimat- und Propagandapublikationen, aber auch für das Ausland anzufertigen hatten.

Im August 1942 verlor er durch Bombardement der Britischen Luftwaffe sein Atelier mit Stadtwohnung in der Mainzer Altstadt und damit auch seine gesamten künstlerischen Arbeiten vor 1933. Den Fronturlaub nutzte Seyfried, um in fünf Bildern Aspekte der Zerstörung seiner Heimatstadt zu dokumentieren.Ausst. 1990, Nr. 10 bis 14.

Auch von der Belagerung von Leningrad (heute wieder Sankt Petersburg) im Sommer 1942 bis Frühjahr 1943 gibt es zahlreiche großformatige, sorgfältig ausgeführte Gouache-Impressionen. Ungefähr 30 dieser Gemälde holte er von seiner Dienststelle noch aus dem brennenden Berlin nach Mainz und brachte sie in das Haus seiner Eltern.Ausst. 1990, Nr. 1 - 9

Sowohl die Mainzer als auch die Bildberichtsbilder befinden sich noch heute in Familienbesitz, wurden aber zum großen Teil auch später ausgestellt.

1944 bis zu seiner Gefangennahme 1945 war er in dieser Funktion in Frankreich bei Riom in der nördlichen Auvergne eingesetzt und kam von dort in amerikanische Kriegsgefangenschaft nach Donauwörth-Berg. Offenbar hatten es Künstler dort nicht schwer. Ihnen wurde neuwertiges Malmaterial zur Verfügung gestellt und zu Weihnachten wurde eine Ausstellung in der Heilig-Geist-Kirche unter Seyfrieds Führung ausgerichtet.Gerhard Braun, Bilder zum Wiederaufbau - Robert Seyfried wäre am Donnerstag 95 Jahre alt geworden, in: Singener Wochenblatt 22.3.1995.

Neuanfang in Bohlingen 1948 1947 erfolgte die Entlassung und 1948 der offizielle Zuzug nach Bohlingen, wo das junge Paar zwei Zimmer im Hause der Eltern der Frau auf dem Gelände von deren Sägewerk beziehen konnten.

Dennoch blieb er noch bis 1960 auch im (nun ohne s geschriebenen) Schaftriebweg 94 gemeldet, wo seine Schwestern Frieda und Maria weiterhin lebten.Adressbücher der Stadt Mainz (Stadtarchiv Mainz). Von Bohlingen aus betrieb Seyfried nun seine Aktivitäten, wofür sein Schwiegervater Otto Riedlinger dem Ehepaar 1951 ein eigenes Haus mit Atelieranteil errichtete. Die ersten Aufträge nach 1945 waren noch für seine alte Heimat in Rheinland-Pfalz bestimmt. Das erforderte eine große Reisetätigkeit.

1950/51 beteiligte er sich gemeinsam mit Oberbaurat Richard Jörg an zwei Wettbewerben zum Wiederaufbau des Stadttheaters von Mainz und malte als Preisträger die Saaldecke in beachtenswerter moderner Weise aus was zu Kontroversen zwischen dem konservativ eingestellten Oberbürgermeister Franz Stein und den modern denkenden Seyfried und Jörg führte.Richard Jörg, Das Mainzer Stadttheater 1832 und 1952, in: Die Neue Stadt, 1952, VI. Jg., H. 7, S. 282 - 290 (zu Seyfried S. 286 Farbgebung).Sascha M. Salzig, Von der bürgerlichen Repräsentation zur Eventkultur: die Architektur des Mainzer Stadttheaters von Georg Moller im kulturhistorischen Wandel. Lindenberg im Allgäu 2016, dort S. 140 - 146 (5.3. Die Geschichte des Wiederaufbaus 1950/51) Ferner wurden von Seyfried sechs mosaikbesetzte Säulen entworfen, die bei Wagner in Berlin gefertigt worden sind. Von diesen Arbeiten blieb nach zweimaliger Umgestaltung zum späteren Staatstheater nichts mehr übrig. Für den Rosengarten in Mannheim, heute Kongresszentrum, entwarf er fünf Scheiben für Glasschliff, um Blindfenster im Mozartsaal zu dekorieren. Auch hier modern gestaltend stellen sie den Sonnenlauf vom Aufgang bis zum Untergang dar. Heute befinden sie sich im Johann Wenzel Stamitz Saal.

Der Wiederaufbau brachte zahlreiche Aufträge für die Innenausstattungen von Bahnhofsrestaurants und neu errichtete Hotels ein. Viele dieser Projekte entstanden unter dem bekannten Architekten Hans-Joachim Lenz. Es liegt allerdings in der Natur solcher Einrichtungen, dass bei späterem Betreiberwechsel die Ausstattung radikal ausgewechselt und entsorgt wurde. Gleiches gilt für die zahlreichen Ausstattungen von Betriebseinrichtungen. mini|379x379px|Erzingen, Friedhof Aussegnungshalle 1966, Bleiverglasung Am Bodensee und am Hochrhein von Waldshut über Lörrach bis hin nach Weil am Rhein gewannen nun auch zunehmend die zumeist öffentlich beauftragten Arbeiten die Überhand. Zahlreiche Schulneubauten wurden mit Farbverglasungen, Bronzeskulpturen und Wandschmuck als Stein- und Aluminiumreliefs, aber auch farbigen Keramikwänden und Mosaiken ausgeschmückt. Ebenso wurden Rathäuser, Landratsämter und Gemeindehallen von ihm künstlerisch ausgestattet. Durch die in den 1960er und 70er Jahren geförderte „Kunst am Bau“ gelangte Seyfried zu öffentlicher Wirksamkeit und großer Bekanntheit.