miniatur|Um die minderjährige schottische Königin Maria Stuart drehte sich das „Rough Wooing“ Das Rough Wooing (dt.: „Rüde Werbung“) war ein Krieg zwischen England und Schottland und dauerte von Dezember 1543 bis März 1551. Nach seinem Bruch mit Rom versuchte England erneut, Schottland zu erobern, teilweise um die Auld Alliance zu zerstören und um zu verhindern, dass Schottland den Franzosen als Sprungbrett für künftige Invasionen Englands diente. Den Krieg erklärte der englische König Heinrich VIII., um die Schotten zu zwingen, in eine Ehe seines Sohnes Eduard mit der jungen Maria Stuart einzuwilligen, sodass eine neue Allianz zwischen Schotten und Engländern entstehe. Eduard VI., der 1547 zum König gekrönt wurde, führte den Krieg fort, bis eine Änderung der Umstände ihn 1550 überflüssig machte. Es war der letzte größere Konflikt zwischen England und Schottland vor der Union der Kronen 1603, vielleicht mit Ausnahme der englischen Intervention bei der Belagerung von Leith 1560. Das Rough Wooing zählt zu den anglo-schottischen Kriegen des 16. Jahrhunderts.
Namensherkunft In Schottland hieß der Konflikt „Achtjähriger Krieg“ oder „Neunjähriger Krieg“. Die Idee des Krieges als „Wooing“ (dt.: Werbung) wurde viele Jahre später von Sir Walter Scott populär gemacht und der Begriff „Rough Wooing“ erschien in verschiedenen Geschichtsbüchern ab den 1850er-Jahren.
Der Name scheint von einer bekannten Bemerkung abgeleitet worden zu sein, die George Gordon, 4. Earl of Huntly, von Patrick Abercromby in seiner Ausgabe der Kriegsgeschichte von Jean de Beauqué zugeschrieben wurde: „Wir mochten die Art der Werbung nicht und wir konnten uns nicht dazu herablassen, in Liebe geschurigelt zu werden“ oder, wie der Historiker William Patten berichtete: „Ich mag diese Werbung nicht“. Der Historiker William Ferguson setzte diesen scherzhaften Spitznamen und die Wildheit und Verwüstung des Krieges in Kontrast: „Die englische Politik war es einfach, Schottland zu pulverisieren, es entweder die Ergebung zu schlagen oder es zu vernichten, und Hertfords Angriffe waren nichts so ähnlich wie dem totalen Krieg der Nazis, dem „Blitzkrieg“; Terrorregime, Auslöschung aller Widersacher, die Unterstützung von Kollaborateuren etc.“
Kürzlich nannte Marcus Merriman sein Buch „The Rough Wooings“, um die Aufteilung des Konfliktes in zwei oder drei unterschiedliche Phasen zu betonen.
Von der Schlacht von Solway Moss bis zur Schlacht von Ancrum Moor 1542 wurde eine schottische Armee in der Schlacht von Solway Moss besiegt und der schottische König Jakob V. starb bald darauf. Seine Tochter Maria Stuart hinterblieb als jugendliche Königin in der Obhut ihrer Mutter Marie de Guise. Die englische Heirat für Maria, die im Vertrag von Greenwich vorgeschlagen wurde, wurde vom schottischen Parlament unter Führung von Regent Arran unter Auflagen akzeptiert. Aber wegen einer starken inneren Fraktion, die eine Allianz mit Frankreich und die Beibehaltung der katholischen Konfession in Schottland befürwortete, ließ sich Regent Arran damit Zeit, die Heirat voranzubringen. Zwanzig Jahre später berichtete der englische Diplomat Ralph Sadler über Adam Otterburns Worte an ihn über die schottische Meinung zu dieser Heirat:
„Unsere Leute wollen es nicht. Und auch wenn der Gouverneur und einige Adlige es beschlossen haben, so weiß ich doch, dass nur wenige oder gar niemand von ihnen es [wirklich] wollen; und unser einfaches Volk mag es gar nicht. Ich bete dafür, dass Sie mir diese Frage erlauben: Wenn Ihr Bursche ein Mädchen wäre und Ihr Mädchen ein Bursche, würden Sie dann diese Angelegenheit mit derselben Ernsthaftigkeit verfolgen? (...) Und ebenso versichere ich Ihnen, dass unsere Nation niemals damit einverstanden sein wird, dass ein Engländer König von Schottland wird. Und so wird der gesamte Adel des Reiches zusammenstehen und sogar die einfachen Leute, und die Steine auf der Straße werden aufstehen und dagegen rebellieren.“
miniatur|links|Facsimile einer zeitgenössischen Skizze, die den Aufmarsch von Herfords Truppen zeigt, bevor diese im Mai 1544 Edinburgh niederbrannten. miniatur|links|Bis heute erhaltene Gebäude in der Altstadt von Edinburgh In Schottland ergab sich der Bürgerkrieg durch die Gegnerschaft zwischen dem Regenten und der Douglas-Fraktion im Osten und dem Earl of Lennox im Westen in Glasgow. Mit diesem internen Hintergrund waren die Schotten dann mit dem Ärger von König Heinrich VIII. konfrontiert, als das schottische Parlament im Dezember 1543 den Vertrag von Greenwich ablehnte. Fünf Tage danach, am 20. Dezember, wurde durch einen englischen Gesandten, Henry Ray, den Berwick Pursuivant, in Edinburgh der Krieg erklärt. König Heinrich hatte eine Reihe schottischer Adliger, die bei der Schlacht von Solway Moss gefangen genommen worden waren, für eine Mission entlassen, weil er hoffte, dass sie einen Konsens über die Heirat errichten könnten. Im März 1544 sandte er seinen Richmond Herald zum schottischen Privy Council, um ihre Rückkehr zu fordern.
Größere Feindseligkeiten begannen mit dem Angriff auf Edinburgh am 3. Mai 1544 unter der Führung des Earl of Hertford und des Viscount Lisle. Hertford hatte Anweisung, Edinburgh niederzubrennen, und Heinrichs Proklamation vom 24. März 1544 gab Kardinal Beatons „eigenartiger Verlockung“ von Regent Arran die Schuld. Hertford hatte auch erwogen, eine englische Garnison in Leith zu stationieren, aber das Privy Council hatte dem Plan nicht zugestimmt. Heinrich VIII. hatte ihn auch gebeten, St Andrews zu zerstören, aber Hertford wies auf die zusätzliche Marschdistanz hin, die zu Schwierigkeiten führen hätte können. Nach der Brandschatzung von St Mynettes am Nordufer des Forth und der Einnahme von Fischerbooten als Landungsboote, landete die englische Armee in Granton und eroberten anschließend Leith. Hertford parlamentierte mit Adam Otterburn, der Provost von Edinburgh war, aber er war angewiesen, die Verhandlungen nicht abzuschließen. Am folgenden Tag fielen die Truppen durch Edinburghs Canongate in die Stadt ein und steckten sie an. Edinburgh Castle wurde durch Kanonenfeuer verteidigt, das die Royal Mile beherrschte. Hertford entschloss sich, die Stadt nicht zu belagern, sondern sie sorgfältig niederzubrennen. Laut einem englischen, zeitgenössischen Bericht wurden alle Häuser innerhalb der Vororte und der Stadtmauern niedergebrannt, auch Holyroodhouse und die Abtei. Die englischen Schiffe in Leith wurden mit geplünderten Gütern beladen und segelten zusammen mit den erbeuteten Schiffen Unicorn und Salamander zurück. Die Armee zog über Land nach England zurück, wobei sie Städte und Dörfer an ihrem Weg niederbrannte. Bald nach der Landung der englischen Truppen entließ Regent Arran den Earl of Angus und George Douglas of Pittendreich, die in Blackness Castle inhaftiert waren. Auch wenn diese die englische Heirat unterstützt hatten, benötigte Arran nun die Unterstützung der Familie Douglas gegen die englische Invasion. Nach diesem Angriff führten die Engländer Sir William Eure und Ralph Eure einige Überfälle über die Grenze bei Berwick-upon-Tweed aus, wobei sie Häuser niederbrannten und die Loyalität von Schotten kauften, die dann „Assured Men“ wurden.
Gegen diese Überfälle errangen die Schotten im Februar 1545 einen Sieg in der Schlacht von Ancrum Moor. Schottland wurde am 6. Juni 1546 im Vertrag von Camp (auch Vertrag von Ardres) eingeschlossen, der den Italienischen Krieg 1542–1546 beendete. Dies sorgte für 18 Monate Frieden zwischen England und Schottland. Aber im Mai 1546 hatten Lords aus Fife den frankophilen Kardinal Beaton auf St Andrews Castle ermordet. Diese protestantischen Lords wurden als die „Castilians“ bekannt und belegten die Burg mit einer Garnison gegen Regent Arran, wofür sie auf militärische Unterstützung aus England hofften.
Von der Schlacht bei Pinkie Cleugh bis zum Frieden Die Engländer behielten ein Fort, das sie in Langholm an der schottisch-englischen Grenze etabliert hatten. Regent Arran, der es nicht durch diplomatische Verhandlungen zurückgewinnen konnte, ließ nach einem erfolglosen Angriff im Juni schließlich am 17. Juli 1547 gewaltsam zerstören. Zur gleichen Zeit nahm eine französische Seestreitmacht St Andrews Castle von den „Castillians“ ein. Am 24. Juli ordnete Arran an, dass sieben Leuchtfeuer vorbereitet werden sollten, um vor einem befürchteten englischen Angriff von See her zu warnen. Das erste sollte in St Abb's Head sein, das zweite in Dowhill bei Fast Castle, das dritte auf dem Doun Law bei Spott, das vierte auf dem North Berwick Law, das fünfte auf dem Traprain Law, das sechste auf Arthur’s Seat oder auf Edinburgh Castle und das siebte am Binning’s Craig bei Linlithgow. Den Haltern dieser Leuchtfeuer wurde befohlen, Reiter vorzuhalten, die die Nachricht von der Invasion zum nächsten Leuchtfeuer bringen sollten, wenn sie bei Tag hereinkäme. Die Städte von Lothian, die Grenzregion und das Tal des Forth erhielten den Befehl, sicherzustellen, dass alle Männer zwischen 16 und 60 Jahren, die dort lebten, bereit wären, auf das Signal zu reagieren.
Eine englische Invasion unterdrückte dann im September 1547 alle inneren Streitigkeiten, als die Engländer ein größeres Gefecht in der Schlacht bei Pinkie Cleugh bei Musselburgh gewannen und den größten Teil des südlichen Schottlands militärisch okkupierten. Haddington wurde eingenommen, ebenso Broughty Castle bei Dundee. Ab 5. April 1548 ließ Sir Robert Bowes ein Fort in Lauder bauen. Die zunehmende Unterstützung aus Frankreich bestand u. a. in der Entsendung von Militäringenieuren wie Migliorino Ubaldini, der Edinburgh Castle und Dunbar Castle verstärkte. Unter dem Kommando von Baron Grey of Wilton wurde Musselburgh von den Engländern am 9. Juni 1548 niedergebrannt und Dunbar am 12. Juni. Am 16. Juni kamen 10.000 Mann französische Truppen in Leith an und belagerten Haddington mit Artillerie.
Maria Stuart wurde in Sicherheit gebracht und im August 1548 mit dem Dauphin von Frankreich verlobt und Piero Strozzi begann zusammen mit 300 schottischen Arbeitern, Leith zu befestigen. Strozzi war in Haddington ins Bein geschossen worden und wurde von vier Leuten in einem Stuhl herumgetragen, um die Arbeiten zu beaufsichtigen. Bis zum Mai 1549 bestand die englische Armee an der Grenze aus 3200 Soldaten, davon 1700 deutsche und 500 spanische und italienische Söldner. Aber mit der wachsenden Militär- und Finanzhilfe aus Frankreich, die Paul de Thermes brachte, konnten die Schotten ihren Widerstand aufrechterhalten. André de Montalembert, sieur d'Essé, nahm am 19. Juni 1549 Inchkeith ein.
Vertrag von Boulogne