Heinrich „Heinz“ Holzhauer (* 21. April 1935 in Bad Selters) ist ein deutscher Jurist und Rechtshistoriker. Er lehrte Bürgerliches Recht und Deutsche Rechtsgeschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, wo er zeitweise Direktor des Instituts für Rechtsgeschichte war.

Leben Heinrich Holzhauer wurde als Sohn von Martha Holzhauer, geborener Schrauth, und des Ingenieurs Peter Holzhauer geboren. Nach dem Abitur 1955 in Darmstadt studierte er Rechtswissenschaft an den Universitäten in Marburg und Freiburg im Breisgau. Nach der ersten juristischen Prüfung 1959 blieb Holzhauer an der Universität Marburg und war als Fakultätsassistent und wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Nach dem zweiten Examen war er Assistent bei dem Rechtshistoriker Ekkehard Kaufmann. 1967 wurde Heinz Holzhauer mit der Dissertation Das Problem der Willensfreiheit in der Strafrechtslehre des 19. Jahrhunderts und seine Bedeutung für den Schulenstreit zum Dr. jur. promoviert. Die Arbeit erschien 1970.Heinz Holzhauer: Willensfreihet und Strafe. Das Problem der Willensfreiheit in der Strafrechtslehre des 19. Jahrhunderts und seine Bedeutung für den Schulenstreit (= Quellen und Forschungen zur Strafrechtsgeschichte. Band 1). Erich Schmidt Verlag, Berlin 1970. Im Wintersemester 1970/71 folgte in Marburg die Habilitation mit der Arbeit Die eigenhändige Unterschrift. Geschichte und Dogmatik des Schriftformerfordernisses im deutschen Recht, die 1973Heinz Holzhauer: Die eigenhändige Unterschrift. Geschichte und Dogmatik des Schriftformerfordernisses im deutschen Recht. Athenäum, Frankfurt am Main 1973, ISBN 978-3-7610-6116-9. erschien. Nach mehreren Lehrstuhlvertretungen erhielt er 1979 einen Ruf nach Münster als Nachfolger von Rudolf Gmür. Hier lehrte er von 1980 bis 2000 als Professor für Bürgerliches Recht, Handelsrecht und Rechtsgeschichte. Auch nach seiner Emeritierung hielt Holzhauer Vorlesungen an Universitäten, unter anderem in Düsseldorf, Paris (Nanterre) und Moskau.

In den 1980er-Jahren gründete Holzhauer zusammen mit Schulfreunden, u. a. Helmut Markwort, eine Laienspielgruppe. Das Liebhaber-Ensemble gab in der Folgezeit in mehreren Städten die traditionsreiche Darmstädter Lokalposse Datterich von Ernst Elias Niebergall (1841), neben einer Vorstellung 2015 bei den Bad Hersfelder Festspielen unter der Leitung von Dieter Wedel zuletzt im Jahr 2022 in Darmstadt mit der Besetzung von Hans-Joachim Heist in der Hauptrolle. Als Gäste wirkten zeitweise auch Mathias Döpfner, Volker Bouffier, Frank Lehmann, Margit Sponheimer und Hermann Otto Solms mit. Holzhauer führte jeweils Regie und übernahm – außer im Jahre 2022 – stets die Hauptrolle.

Heinrich bzw. Heinz Holzhauer ist evangelisch hatte 1962 geheiratet.

Werk Holzhauers frühe Arbeiten beschäftigen sich mit den Grundlagen des Rechts, insbesondere mit der Strafrechtsgeschichte und Rechtsanthropologie. Mit seiner Habilitationsschrift unternahm er den Versuch, die Rechtsgeschichte mit der Dogmatik des geltenden Rechts zu verbinden, was sich in den folgenden Jahren als seine charakteristische Arbeitsweise herausbildete. Ein Schwerpunkt im geltenden Recht bildeten insbesondere das ErbrechtVgl. etwa Heinz Holzhauer: Erbrechtliche Untersuchungen: Einschränkung der Verwaltungstestamentsvollstreckung im Handelsrecht. Die Teilbarkeit von Annahme und Ausschlagung im System des Erbrechts. Hermeneutische und dogmatische Probleme des § 1948 BGB. N. G. Elwert Verlag, Marburg 1973, ISBN 978-3-7708-0490-0. und das Familienrecht.Vgl. Heinz Holzhauer (Hrsg.): Familien- und Erbrecht. Freiwillige Gerichtsbarkeit. Metzner, Frankfurt am Main 1984, ISBN 978-3-7875-3334-3.Vgl. auch Heinz Holzhauer (Hrsg.): Das gesamte Familien- und Personenrecht. […]. Nomos, Baden-Baden 1978, ISBN 3-7890-6475-0. Loseblattsammlung. Die Ausgestaltung des heutigen Rechtsinstitut der Betreuung wird mit Holzhauers Arbeiten in Verbindung gebracht. Daneben stehen Arbeiten, die Recht und Literatur miteinander verbinden, z. B. über das Recht in Annette von Droste-Hülshoffs Judenbuche oder die Darstellung von Eheschließungen in Opernlibretti.

In der adelsrechtlichen Streitigkeit um die rechtmäßige Nachfolge als Oberhaupt der Albertinischen Linie des Hauses Wettin wirkte Heinz Holzhauer 2015 als Gutachter. In einem späteren Vortrag griff Holzhauer die Thematik erneut auf und setzte sie in Verbindung zur erbrechtlichen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts.

Im Frühjahr 2021 brachte er sich durch juristische Publikationen in die Diskussion um die Entschädigungsforderungen der Hohenzollern ein.Heinz Holzhauer: Die Vermögensauseinandersetzung der Republik Preußen mit ihrem vormals regierendem Königshaus. In: Juristen Zeitung. 2021, Nr. 2, S. 87 ff. Er verneinte unter anderem einen Anspruch auf Entschädigung Georg Friedrich Prinz von Preußens, da er ein Vorschubleisten des nationalsozialistischen Systems durch dessen Urgroßvater Kronprinz Wilhelm feststellte.Heinz Holzhauer: Der Vorschub des Kronprinzen. In: Die Öffentliche Verwaltung. 2021, Nr. 1, S. 21 ff.

Literatur Holzhauer, Heinrich (Heinz). In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 545. Stefan Christoph Saar, Andreas Roth, Christian Hattenhauer (Hrsg.): Recht als Erbe und Aufgabe: Heinz Holzhauer zum 21. April 2005, Berlin 2005, ISBN 3-503-07945-9. Andreas Roth: Heinz Holzhauer zum 70. Geburtstag. In: Zeitschrift für das gesamte Familienrecht. 2005, S. 684. Stefan Christoph Saar: Heinz Holzhauer zum 80. Geburtstag. In: Zeitschrift für das gesamte Familienrecht. 2015, S. 725.

Weblinks

Heinz Holzhauer auf der Internetseite der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der WWU Münster Schriftenverzeichnis Videointerview mit Heinz Holzhauer

Einzelnachweise

Kategorie:Privatrechtler (20. Jahrhundert) Kategorie:Privatrechtler (21. Jahrhundert) Kategorie:Rechtshistoriker (20. Jahrhundert) Kategorie:Rechtshistoriker (21. Jahrhundert) Kategorie:Sachbuchautor (Rechtswissenschaft) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Münster) Kategorie:Absolvent der Philipps-Universität Marburg Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1935 Kategorie:Mann