mini|St. Johann Baptist von Nord vor dem Feldbergmassiv. mini|St. Johann Baptist von Südwest. hochkant=0.9|mini|Die Falkensteinische „Herrschaft aur dem Wald“, zugleich Gebiet der Pfarrei Breitnau bis 1799. St. Johann Baptist ist die römisch-katholische Pfarrkirche der Gemeinde Breitnau im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald von Baden-Württemberg. Die Pfarrgemeinde bildet mit den Pfarreien Mariä Himmelfahrt in Hinterzarten, St. Jakobus in Neustadt, Christkönig in Titisee und St. Nikolaus in Waldau die Seelsorgeeinheit Beim Titisee im Dekanat Neustadt des Erzbistums Freiburg. Besonders der Pfarrer und Kunsthistoriker Manfred Hermann hat die Geschichte und Gestalt der Kirche erforscht.

Geschichte der Pfarrei Anfänge Bis 1799 bildeten Hinterzarten, Breitnau und das Höllental dazwischen eine einzige Pfarrei mit dem Pfarrsitz in Breitnau und drei Kirchen, der Breitnauer, gut , Maria in der Zarten in Hinterzarten, , und St. Oswald (Höllental), , letzteres heute eine Kapelle in dem tief eingeschnittenen Tal.Höhenangaben nach von Thiessen 1998, S. 197. Welches die älteste Kirche ist, ist nicht sicher.Wollasch 1998. St. Oswald wurde nach einer Urkunde von 1462 im Jahr 1148 von Hermann von Arbon, Bischof von Konstanz, geweiht.L. Werkmann: Zwei Urkunden über die St. Oswalds-Kapelle im Höllenthal. In: Freiburger Diözesan-Archiv. Bd. 5, 1870, S. 359–361 (PDF; 48,0 MB). Das Pfarrgebiet gehörte damals den Herren von Falkenstein, bildete deren „Herrschaft auf dem Wald“,Liehl 1957, S. 275. wo im Westen auf einem steilen Bergsporn über dem Höllental ihre Burg Falkenstein lag. 1957 folgerte Ekkehard Liehl in einer ersten gründlichen Untersuchung aus dem Weihedatum, der Zugehörigkeit zum Falkensteiner Herrschaftsbereich und dem Baubefund, St. Oswald sei als Eigenkirche der Falkensteiner errichtet worden, „das älteste noch existierende sakrale Bauwerk des Hochschwarzwaldes“ und „zugleich die älteste Pfarrkirche der Falkensteinischen Herrschaft auf dem Wald“.Liehl 1957, S. 276. Jedoch habe St. Oswald diese Rolle „nur sehr kurze Zeit – wohl kaum 100 Jahre – gespielt“. Der Siedlungsschwerpunkt und die Pfarrei seien „sehr bald hinauf in die ‚Breite Owe‘ gerückt“ mit ihrem besseren Boden und ihrer günstigeren Besonnung. St. Oswald sei danach nur noch Filialkirche von St. Johann Baptist gewesen.

Liehls Hypothese wurde von anderen übernommen, so von Hermann Brommer und dem Historiker Hillard von Thiessen (* 1967),von Thiessen auf der Internetseite der Universität Rostock.Brommer 1988; von Thiessen 1998. und wird auch im Kirchenführer von 2008 wiederholt: St. Oswald sei „wohl die erste Pfarrkirche der ‚Herrschaft auf dem Walde‘“ gewesen, „zu der man die Kinder zur Taufe und die Toten zum Begräbnis hintrug“.Hermann 2008, S. 1. Der Kirchenführer berücksichtigt (und zitiert) dabei nicht die Ergebnisse von Bernhard Mangeis Dissertation Herrschaftsbildung von Königtum, Kirche und Adel zwischen Oberrhein und Schwarzwald. Mangei führt Belege an, dass die Besiedlung nicht vom Höllental aus auf die beiderseitigen Höhen vorgedrungen, vielmehr die Breitnauer Höhe vor dem Tal kultiviert worden sei. Auch die im 13. Jahrhundert einsetzende schriftliche Überlieferung nennt stets Breitnau als Pfarrsitz, zuerst der Liber decimationis des Bistums Konstanz 1275, wo von einem „plebanus in Braitenowe“, Breitnauer Pfarrer die Rede ist,W. Haid: Liber decimationis cleri constanciensis pro Papa de anno 1275. In: Freiburger Diözesan-Archiv. Bd. 1, 1865, S. 1–304, hier S. 208 (PDF; 25,8 MB). dann der Liber taxationis 1353: „Breitnow cum filia ad S. Oswaldum“.W. Haid: Liber taxationis ecclesiarum et beneficiorum in diocesi Constantiensi de anno 1353. In: Freiburger Diözesan-Archiv. Bd. 5, 1870, S. 1–118, hier S. 89 (PDF; 48,0 MB). „Somit ergibt sich aus dem Weihedatum der filia St. Oswald der Terminus ante quem für die Breitnauer Pfarrkirche, die wohl schon einige Zeit vor der Filiale bestanden haben wird. Ihr Patrozinium, Johannes der Täufer, könnte […] ottonischen Ursprungs sein.“Mangei 2003, S. 192.

Geschichte bis Mitte des 18. Jahrhunderts links|mini|Maria in der Zarten (links), St. Johann Baptist und St. Oswald auf Johann Sebastian Schillings Deckengemälde mini|Sandsteinrelief am Turm aus der Zeit der Schnewlin von Landeck Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts erlauben die Quellen nur schlaglichtartige Einblicke in die Pfarrgeschichte. Namen von Pfarrern lassen sich (mit Lücken) ab Beginn des 16. Jahrhunderts nachweisen. Um 1350 wird Maria in der Zarten als Gnadenort erwähnt. 1416 wurde dort eine kleine Kirche errichtet, die ab 1437 von einem in Hinterzarten wohnenden Kaplan betreut wurde. In Breitnau selbst erhielt der Pfarrer 1701 Unterstützung durch eine neu eingerichtete Kaplansstelle. Die drei Priester hatten die Seelsorge in einem enormen Bereich zu bewältigen, mit Sonntagsmessen, zahllosen durch Tradition vorgeschriebenen Prozessionen, Beichtehören besonders in der Osterzeit, Taufen, Eheschließungen, Versehgängen, Beerdigungen. „Wurde der Priester zu einer Geburt oder einem Sterbenden gerufen, war größte Eile vonnöten. Vor allem aus diesem Grund hielten der Breitnauer Pfarrer und der Hinterzartener Kaplan je ein Pferd, für dessen Haferversorgung laut Zehntvertrag von 1766 die Breitnauer und Hinterzartener aufzukommen hatten (‚Versehhaber‘)“.von Thiessen 1998, S. 210. Hilfe bei der Seelsorge leisteten die Freiburger Franziskaner und die Neustädter Kapuziner.

Derweil wandelten sich sowohl die Herrschaft als auch die „Pfarrkinder“. 1408 erwarben die Schnewlin von Landeck das Areal von den verarmten Falkensteinern und behielten es in Besitz, bis es 1568 im Erbgang an die Freiherrn von Sickingen-Hohenburg kam, die in Ebnet residierten. Die letzte Änderung vor dem Übergang an das Großherzogtum Baden 1805 war der Anfall der Gemeinden Steig und Fahrenberg an die aus dem Elsass stammenden Herren von Pfirt. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts gab es in der Pfarrei drei Grundherrschaften: die Sickinger mit dem größten Anteil (Breitnau und Hinterzarten), die Pfirter mit Steig und Fahrenberg und die Grafen von Fürstenberg in Donaueschingen mit den am östlichen Rand gelegenen Tälern Eckbach und Siedelbach.von Thiessen 1998, S. 198–199. Zum fürstenbergischen Areal in Landeskunde online Baden-Württemberg: „Auf den Höfen saßen auch eine Anzahl fürstenbergischer Leibeigener (1484), die zur Vogtei Neustadt gehörten.“ Landesarchiv Baden-Württemberg: Breitnau. Landeskunde online Baden-Württemberg. In: leo-bw.de, abgerufen am 31. Mai 2017, .

Haupterwerbszweig der Bevölkerung war bis zum Ende des 17. Jahrhunderts die Landwirtschaft auf etwa hundert Hofgütern, die stets ungeteilt an den jüngsten Sohn vererbt wurden (Minorat). Aus den Besitzern wurde die Vögte gewählt, Vermittler zwischen Grundherrschaft und Untertanen. Vier Vogteien gab es im Gebiet der Pfarrei: die sickingischen Vogteien Breitnau und Hinterzarten, die pfirtsche Vogtei Steig (mit Fahrenberg) und die fürstenbergische Vogtei Eck- und Siedelbach.von Thiessen 1998, S. 200. Im Lauf des 18. Jahrhunderts änderte sich die soziale Zusammensetzung der Bevölkerung. Mit Glasbläserei und Uhrenherstellung entstanden neue Gewerbe. Vor allem in Steig und Hinterzarten überholten Händler, Holzuhrmacher und Löffelschmiede die Bauern in puncto Wohlstand: „eine Wachstumsregion, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Begriff war, die Oberrheinebene in den Schatten zu stellen“.von Theissen 1998, S. 201.

Die wichtigste Lebensgrundlage des Pfarrers war der Zehnt, der nur ihm, nicht aber dem Hinterzartener Kaplan zustand. Hinzu kamen die Stolgebühren zum Beispiel für Taufen. Vor 1615 war der Zehnt von einer Natural- in eine Geldabgabe umgewandelt worden, die von den Gemeinden eingezogen wurde. 1615 beantragte Pfarrer Michael Schaffner eine Erhöhung über die damaligen 132 fl. hinaus, nach von Thiessen kein ungebührliches Verlangen, denn der Wert des Geldzehnten war durch Inflation gesunken. Es kam dennoch zum Streit mit den zehntpflichtigen Breitnauern und Hinterzartenern.von Thiessen 1998, S. 217. Der Hinterzartener Kaplan meinte, der Pfarrer „seye nicht werth, daß Er mit den Heyligen Sakramenten umbgange“. Pfarrer Schaffner beschuldigte daraufhin den Kaplan, er habe ein Verhältnis mit seiner Köchin. Die wiederum antwortete, wenn der Pfarrer recht habe, „daß sie mit dem Kaplan Huoreren treybe, so thue der Pfarrharr ein Gleiches, mit seiner Schwester“. Erst unter Schaffners Nachfolger Jacob Metzger wurde 1616 ein neuer Zehntvertrag über eine Summe von 260 fl. abgeschlossen.von Thiessen 1998, S. 219.

Beginnend mit dem Dreißigjährigen Krieg wurde die Pfarrei in die Kriege des 17. Jahrhunderts hineingezogen. Die Erdbefestigungen im Schwarzwald, auch auf Breitnauer Gebiet, vermochten im Pfälzischen Erbfolgekrieg die Franzosen nicht abzuhalten. Bei einem Scharmützel mit kaiserlichen Soldaten am 23. Februar 1690Hermann 2008, S. 2. brannte das halbe Dorf mitsamt dem Pfarrhaus nieder; die Kirche wurde beschädigt, der Friedhof als improvisierte Schanze völlig umgegraben.

Carl Ludwig Magon

Mit Magon, Pfarrer in Breitnau von 1745 bis 1794, ändert sich die Quellenlage. Dank seiner Konflikt- und Schreibfreudigkeit übertrifft die Zahl der Dokumente aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts alles aus der Zeit davor um ein Vielfaches. Magon wurde am 30. Oktober 1720 in Villingen als Sohn eines relativ wohlhabenden Kaufmanns geboren, studierte in Freiburg bis 1492 Theologie, arbeitete nach der Priesterweihe kurz als Vikar in Umkirch, dann vom 16. März 1745 bis zu seinem Tod am 1. Mai 1794 als Pfarrer in Breitnau. Aus seinem von Liehl und von Thiessen ausführlich beschriebenen Wirken sind besonders bemerkenswert in chronologischer Folge der Neubau seiner Kirche, der Bau einer Schule, ein neuer Zehntstreit und der Kampf gegen die Erhebung von Hinterzarten zur eigenen Pfarrei. Ein rastloser Projekteschmied, stieß er oft nicht nur die Laien, sondern auch den Konstanzer Bischof und die Grundherren vor den Kopf. Seine „Stärke lag nicht zuletzt darin begründet, daß er sich in fast allen seinen Handlungen mit seinem Gott einig wußte, ja als dessen Werkzeug ansah. Was Magon auch tat, was er auch plante, er brachte es stets mit Gottes Willen in Einklang. Magons Gott war ein sehr aktiver, in das weltliche Geschehen eingreifender, seinen Willen ausdrückender Gott, mit dem der Pfarrer im Gebet in reger Kommunikation stand.“von Thiessen 1998, S. 223.

Bleibendes Verdienst Magons ist, beginnend 1752, die Errichtung der bis heute bestehenden Pfarrkirche. Er musste sie gegen den erbitterten Widerstand seiner Bauern durchsetzen, bei denen er „einen allbereits zerfallenen gottesdienst, eine allgemeine lauigkeit in ausübung christlicher tugend werkhen, eine dichte finsternuss in erkenntnuß einiger wahrheiten, offenbahre seel und leib verderbliche mißbreüch“ vorfand (siehe unten).von Thiessen 1998, S. 195. Aus den vom Kirchenbau übriggebliebenen Materialien ließ Magon 1753 eine kleine Schule bauen, ein „schuhl- und christen lehr häußlein“,von Thiessen 1998, S. 239. Es wurde durch ein 1913 eingeweihtes Gebäude ersetzt, das seit 2011 „Carl-Ludwig-Magon-Schule“ heißt.Dieter Maurer: Das Schulgebäude wird 100 Jahre alt. In: Badische Zeitung. 24. Oktober 2012, abgerufen am 23. Mai 2017. 1761 versuchte Magon die Unterstützung des Bischofs für eine Erhöhung des Zehntbetrags auf 500 fl. zu gewinnen; das Einkommen des Pfarrers müsse schon aus Prinzip höher sein als das der übrigen Einwohner, sonst leide der „pfarrliche högst nothwendige respect“.von Thiessen 1998, S. 226. Nach fünf Jahren zäher Verhandlungen – Magon hatte es mit drei Grundherren zu tun, den Sickingern, den Pfirtern und den Fürstenbergern – einigte man sich auf 460 fl. und 100 Sester Hafer bei Verzicht auf die Stolgebühren und der Verpflichtung, für jeden Verstorbenen drei Seelenmessen zu lesen. Die bischöfliche Genehmigung erfolgte zum 12. Januar 1778.von Thiessen 1998, S. 231.