Karl Konrad August Ruppel (* 30. Juli 1880 in Radeburg; † 19. April 1968 in Baunatal-Großenritte) war ein deutscher Privatgelehrter und Leiter der Abteilung „Hausmarken und Sippenzeichen“ im SS-Ahnenerbe.
Leben und Wirken Karl Konrad Ruppel kam als Sohn des Oberpfarrers Georg Wilhelm Ruppel und seiner Ehefrau Eugenie Emma Johanna, geborene Rausch, in Radeburg bei Dresden zur Welt. Seine Eltern stammten aus Nordhessen: der Vater aus Spangenberg, wo der Großvater Johann Henrich Ruppel (1821–1903) als Lehrer, Kantor und Rektor wirkte, und die Mutter aus Rengshausen. Die Familie Ruppel lässt sich seit dem 17. Jahrhundert in Schwarz bei Grebenau nachweisen; später übersiedelte sie nach Hausen bei Oberaula, wo Simon Ruppel (1798–1873) Bürgermeister war.
Ruppel besuchte die Fürstenschule St. Afra in Meißen und studierte von 1903 bis 1905 Rechtswissenschaft an der Universität Leipzig. Nach dem Referendardienst in Radeburg (1906–1908) legte er 1909 das Assessorexamen in Dresden ab, wo er anschließend mit Unterbrechung durch den Kriegsdienst 1915–1917 als Rechtsanwalt und Notar tätig war, so der Genealoge und Heraldiker Hermann Knodt (1880–1969) in einem Nachruf. Der Historiker Michael H. Kater gibt hingegen an, Ruppel habe zwei verschiedene Staatsexamen abgelegt, und betont, dass er nicht promovierte.
Ab Sommer 1937 war Ruppel für die Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe, die Wissenschaftsorganisation der Schutzstaffel (SS), tätig. Dem Sammler deutscher Hausmarken wurde im Oktober 1937 die Leitung der neugegründeten Abteilung „Pflegstätte für Hausmarken und Sippenzeichen“ übertragen, die er bis 1939 innehatte. Diese Abteilung war für die Erfassung von Hausmarken aus Deutschland zuständig, nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 auch für solche aus der „Ostmark“. Die von Ruppel aufgebaute Kartei mit einem Schwerpunkt auf dem Moselgebiet wird heute im Stadtarchiv Trier und im Niedersächsischen Landesarchiv Oldenburg aufbewahrt.
Bis zu seiner Ablösung durch Gilbert Trathnigg im Jahr 1938 war Ruppel zudem erster Leiter des im Oktober 1937 gestarteten Forschungsprojekts „Wald und Baum in der arisch-germanischen Geistes- und Kulturgeschichte“, dem – unter der Schirmherrschaft von Reichsforstmeister Göring und Himmler – mit 200.000 RM (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung etwa Euro) von 1937 bis 1939 der größte Etat aller Einzelprojekte des „Ahnenerbes“ zur Verfügung stand und das eine eigene Abteilung bildete. Es handelte sich laut dem Handbuch der völkischen Wissenschaften um „das größte einem Thema gewidmete geistesgeschichtliche Forschungsvorhaben im Dritten Reich“. Ruppel zählte mit dem Thema „Die Holzzeichen“ auch zu den Bearbeitern des Forschungsprojekts; ab 1938 war er dessen „Schriftleiter“. Auf einer Mitarbeiterliste aus dem ersten Halbjahr 1939 wird Ruppel als in Berlin-Dahlem wohnhaft geführt.
Er veröffentlichte die Abhandlung Die Hausmarke in der von ihm selbst herausgegebenen Schriftenreihe der Forschungsstätte für Hausmarken und Sippenzeichen im Ahnenerbe und verfasste Beiträge für die „Monatshefte für Germanenkunde zur Erkenntnis deutschen Wesens“ Germanien, in denen „vornehmlich die unteren wissenschaftlichen Ränge im ‚Ahnenerbe‘ publizierten“. Seine Hausmarken-Abteilung wurde aufgelöst, nachdem das „Ahnenerbe“ 1939 umstrukturiert wurde und sich vermehrt kriegswichtiger Forschung zuwandte. Am 30. November 1939 wurde Ruppel, dem bereits im Herbst 1937 von Wolfram Sievers der Erwerb des Doktorgrads bei SS-Hauptsturmführer Karl August Eckhardt nahegelegt worden war, wegen ungenügender akademischer Bildung bzw. akademischem Versagen aus dem „Ahnenerbe“ entlassen. Michael H. Kater bezeichnet ihn als „dubiösen Amateur“.
Sievers, der Geschäftsführer des „Ahnenerbes“, kompromittierte Ruppel 1941 beim Sicherheitsdienst des Reichsführers SS, indem er ihn in einem Brief als „politisch indifferent“ und „in weltanschaulicher Hinsicht nicht ganz klar“ bezeichnete. Dennoch wurde dieser 1943 erneut Mitarbeiter des Projekts „Wald und Baum“ und erhielt Forschungsbeihilfe für sein Thema „Die Holzzeichen“.
Ruppel war Rechtsanwalt in Bad Nauheim und von 1939 bis 1968 Mitglied im heraldischen Verein Herold.
Karl Konrad Ruppel war mit Edith Leschmann (1894–1963) verheiratet; die Ehe blieb kinderlos. Er starb 87-jährig im Altersheim Gertrudenstift in Baunatal-Großenritte und wurde in Arnoldshain im Taunus an der Seite seiner Gattin beigesetzt.
Schriften Die Hausmarke. Das Symbol der germanischen Sippe (= Schriftenreihe der Forschungsstätte für Hausmarken und Sippenzeichen im Ahnenerbe. Band 1). Alfred Metzner, Berlin 1939 (archive.org). Zeitgenössische Rezensionen: Erich W. Röhr in: Zeitschrift für Volkskunde. Neue Folge, Band 10 = Jahrgang 48, 1939, S. 240 (digi-hub.de). Eugen Fehrle in: Oberdeutsche Zeitschrift für Volkskunde. Jahrgang 13, 1939, S. 140 f. (archive.org). Günther Ullrich in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Germanistische Abteilung. Band 60, Nr. 1, 1940, S. 320–323, doi:10.7767/zrgga.1940.60.1.320.
Literatur
Weblinks
Eintrag über Ruppel, Karl Konrad August in GEPRIS Historisch
Einzelnachweise Ludwig Biewer, Eckart Henning (Hrsg.): Wappen. Handbuch der Heraldik. 20. Auflage. Böhlau, Köln [u. a.] 2017, ISBN 978-3-412-50372-7.
Michael H. Kater: Das „Ahnenerbe“ der SS 1935–1945. Ein Beitrag zur Kulturpolitik des Dritten Reiches. 4. Auflage. R. Oldenbourg, München 2006, ISBN 3-486-57950-9.
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