Perdikkas (; † 320 v. Chr., in der Forschung wurde sein Tod jedoch lange Zeit in das Jahr 321 v. Chr. datiert)Dagegen siehe unter anderem Rathmann, Perdikkas; 320 v. Chr. wird auch meistens in den neueren Handbüchern angenommen (wenngleich nicht immer), siehe Hans-Joachim Gehrke: Geschichte des Hellenismus. München 2003, S. 34f. war ein General Alexanders des Großen, nahm an dessen Feldzug gegen den persischen Herrscher Dareios III. teil und wurde nach dem Tod Hephaistions einer der ranghöchsten Vertrauten des Makedonenkönigs. Alexander, der ihn sehr schätzte, soll ihm auf dem Totenbett seinen Siegelring übergeben haben. Nach dem Tode Alexanders 323 v. Chr. wurde er Regent des Reichs. Gegen Perdikkas als Repräsentanten der Reichseinheit schlossen die mächtigen Diadochen Antigonos, Antipater, Krateros, Lysimachos und Ptolemaios ein Bündnis. Perdikkas überließ seinem Vertrauten Eumenes die Verteidigung Kleinasiens gegen Angriffe von Antipater und Krateros und zog selbst gegen Ägypten, um Ptolemaios anzugreifen. Da er bereits an der ägyptischen Grenze mehrere Fehlschläge einstecken musste, wurde er von mit seiner Militärführung unzufriedenen Offizieren umgebracht.

Leben Aufstieg Perdikkas war ein Sohn des Orontes aus dem Königshaus der makedonischen Provinz Orestis.Arrian, Anabasis 1,14,2; 1,28,4; Indike 18,5 Seine militärische Karriere begann er bereits unter König Philipp II., dem er als Leibwächter (somatophylax) diente. Bei der Ermordung des Königs 336 v. Chr. war er einer der drei Leibwächter, die den Attentäter Pausanias eigenhändig töteten.Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 16,94,4 Alexander der Große, der nun neuer makedonischer König wurde, ernannte Perdikkas sofort zum Befehlshaber einer Taxis der Pezhetairoi. Er kommandierte dabei Soldaten aus der Orestis und Lynkestis, für welche Aufgabe er schon aufgrund seiner Geburt besonders geeignet war.Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 17,57,2 Als Feldherr wird er erstmals 335 v. Chr. im Kampf gegen die Triballer genannt.Arrian, Anabasis 1,6,9 Im selben Jahr zeichnete er sich bei der Eroberung Thebens aus, bei der er schwer verwundet wurde.Arrian, Anabasis 1,8,1ff.; Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 17,12,3

Auf dem Asienfeldzug Alexanders nahm Perdikkas als Befehlshaber einer Phalanx an allen großen Schlachten teil, so zuerst am Granikos.Arrian, Anabasis 1,14,2 Bei der Schlacht bei Issos kämpfte er 333 v. Chr. als Kommandant seiner Taxis auf dem rechten FlügelArrian, Anabasis 2,8,3; Curtius Rufus, Historia Alexandri Magni 3,9,7 und wurde 331 v. Chr. während der Schlacht von Gaugamela, bei der er mit seinen Truppen in der Mitte der Phalanx stand,Arrian, Anabasis 3,11,9; Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 17,57,2 erneut verwundet.Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 17,61,3 Im Januar 330 v. Chr. erscheint er bei der Einnahme des strategisch bedeutenden Gebirgspasses der „persischen Tore“ weiterhin als Regimentskommandant.Arrian, Anabasis 3,18,5 Im weiteren Verlauf des Feldzuges wurde er 330 v. Chr. zu einem Leibwächter Alexanders und zum Kommandanten einer Kavallerieschwadron ernannt.

Als der Makedonenkönig im Frühjahr 328 v. Chr. endgültig den Widerstand in Sogdien brechen wollte, war Perdikkas der Anführer einer der fünf selbständig operierenden Heeresgruppen, die damals in Sogdien einfielen und sich in Marakanda wieder vereinigten.Arrian, Anabasis 4,16,2f. Perdikkas nahm sodann am Indienfeldzug Alexanders teil. Er kommandierte zunächst 327 v. Chr. zusammen mit Hephaistion jene Truppen, die unter dem Geleit des Fürsten Taxiles den Fluss Kophen abwärts und durch die Landschaft Peukelaotis marschierten, die dabei durchzogenen Gebiete unterwarfen (etwa nach längerer Belagerung die Stadt des Fürsten Astes erstürmten) und dort auf den Indus stießen, wo er den Kophen aufnahm. Sie begannen mit der Errichtung einer Schiffsbrücke über den Indus, die beim Eintreffen Alexanders, der inzwischen nördlich des Kophen gegen kriegerische Gebirgsstämme gekämpft hatte, fertiggestellt war.Arrian, Anabasis 4,22,7f.; 4,28,5; 4,30,9; Curtius Rufus, Historia Alexandri Magni 8,10,2 Während der Schlacht am Hydaspes (Juni 326 v. Chr.) befehligte Perdikkas mit Hephaistion die Kavallerieattacke gegen den linken Flügel des indischen Königs Poros.Curtius Rufus, Historia Alexandri Magni 8,14,15 Er war auch als Kommandant eines Truppenkontingents am Angriff auf den Zentralort der Maller beteiligt.Arrian, Anabasis 6,9,1 Während dieses Sturms wurde Alexander durch einen Pfeilschuss schwer verletzt, und laut ArrianArrian, Anabasis 6,11,1f. schrieben einige Quellen Perdikkas die Entfernung des Pfeils aus der Brust des Königs zu, andere hingegen dem Arzt Kritodemos von Kos.Dieser Arzt wird von Curtius Rufus (Historia Alexandri Magni 9,5,23–30) als Kritobulos von Kos bezeichnet. Nach der Genesung und Abreise des Königs fiel Perdikkas die Aufgabe zu, die noch im Gebiet der Maller stationierten Truppen Alexander nachzuführen. Dabei besiegte er einen kriegerischen Nachbarstamm der Maller, die Abastanen, und vereinigte danach seine Soldaten mit jenen Alexanders, der am Zusammenfluss des Akesines und Indus lagerte.Arrian, Anabasis 6,15,1

Während der folgenden Kämpfe in Indien und des Rückzugs nach Westen taucht Perdikkas nicht in den Quellen auf. Erwähnt wird er erst wieder anlässlich der Massenhochzeit in Susa 324 v. Chr., auf der er die Tochter des Atropates, des Satrapen von Medien, heiratete.Arrian, Anabasis 7,4,5 Als wenig später Hephaistion, der enge Vertraute Alexanders, unerwartet starb, wurde Perdikkas dessen Nachfolger als Anführer der Hetairenreiterei und rückte nun zu einem der höchstrangigen Getreuen des Königs auf. Der Titel Chiliarch, den Hephaistion geführt hatte, wurde jedoch nicht mehr vergeben.Arrian, Anabasis 7,14,10; Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 18,3,4; Plutarch, Eumenes 1 Im Mai 323 v. Chr. gehörte Perdikkas zu jenen Freunden Alexanders, die mit dem König in Babylon am Trinkgelage des Medios von Larissa teilnahmen.Pseudo-Kallisthenes 3,31,20f. Bald danach erkrankte Alexander tödlich und Perdikkas blieb an dessen Sterbelager.Pseudo-Kallisthenes 3,32,10f.; Curtius Rufus, Historia Alexandri Magni 10,5,6

Alexanders Tod und Nachfolgefrage mini|250px|Das Profil dieses Reiters auf dem „Alexandersarkophag“ wurde häufig für eine Darstellung des Antigonos Monophthalmos gehalten. Da es sich dabei allerdings um eine Szene aus der Schlacht von Issos handelt, gilt dies mittlerweile als unwahrscheinlich. Hingegen wird heute eine Darstellung des Perdikkas angenommen. Auf einer Giebelseite des Sarkophags wird zudem seine Ermordung dargestellt.(Archäologisches Museum Istanbul) Alexander der Große soll auf seinem Sterbebett in Babylon seinen Siegelring an Perdikkas weitergereicht haben,Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 17,117,3 und 18,2,4; Curtius Rufus, Historia Alexandri Magni 10,5,4 und 10,6,5; Iustinus, Epitoma historiarum Philippicarum Pompei Trogi 12,15,12; Metzer Epitome 112; Lukian von Samosata, Dialogi mortuorum 13,2 mit dem Wunsch, dass „der Stärkste“ die Herrschaft über sein Reich übernehme. Manche Quellen führen dies als Legitimierung des Nachfolgeanspruchs an.Diskussion dazu bei Michael Rathmann: Perdikkas zwischen 323 und 320. S. 9–26. So berichtet der Alexanderhistoriker Curtius Rufus, dass der Leibwächter (Somatophylax) Aristonous während der Beratungen zur Neuordnung des Reichs die Ansicht vertrat, durch die Weiterreichung des Siegelrings an Perdikkas habe Alexander selbst diesen zu seinem Nachfolger bestimmt.Curtius Rufus, Historia Alexandri Magni 10,6,16 Demgegenüber hält etwa Siegfried Lauffer zwar die Übergabe des Siegelrings an Perdikkas für glaubhaft, meint aber, dass Perdikkas dabei als Ranghöchster vom sterbenden Makedonienkönig vielleicht nur mit der Übernahme der Regierungsgeschäfte betraut wurde, aber nicht ohne Weiteres die Sukzession antreten sollte.Siegfried Lauffer: Alexander der Große. 3. Auflage, Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1993, ISBN 3-423-04298-2, S. 188 f.; ähnlich Werner Huß: Ägypten in hellenistischer Zeit 332–30 v. Chr. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47154-4, S. 81.

Die Leibwächter riefen nun die wichtigsten Gefolgsleute (Hetairoi) des verstorbenen Königs sowie die militärischen Befehlshaber zu einer ersten Unterredung in den Palast von Babylon. Doch bald zogen auch viele Soldaten vor den Palast und forderten ihr Mitspracherecht ein, sodass sich eine mitstimmungsberechtigte makedonische Heeresversammlung bildete. Perdikkas ließ Alexanders Gewand, Diadem und Waffen ausstellen und legte dort auch den ihm erst am Vortag übergebenen Siegelring nieder. Er drang darauf, die Niederkunft der von Alexander hochschwangeren Roxane abzuwarten und wenn sie einen Sohn zur Welt brächte, diesen als neuen König anzuerkennen. Mit dieser Empfehlung stieß er jedoch auf Widerstand, da Roxane nicht makedonischen Geblüts, sondern „Orientalin“ war. Nearchos sprach sich für Herakles, den etwa vierjährigen unehelichen Sohn Alexanders von der persischen Adligen Barsine, als geeigneten Nachfolger aus. Der Wortführer der Infanterie, Meleagros, der in heftiger Opposition zu Perdikkas stand, unterstützte hingegen den Vorschlag eines einfachen Soldaten, den nun ebenfalls zur Versammlung herbeigeholten geistesschwachen Halbbruder Alexanders, Arrhidaios, als neuen König anzuerkennen. Ptolemaios, der später ägyptischer Monarch werden sollte, wandte sich entschieden gegen das Königtum des regierungsunfähigen Arrhidaios oder eines der Söhne Alexanders, in welchem Fall die tatsächliche Macht auf längere Zeit in den Händen eines zu bestellenden Regenten liegen würde. Stattdessen solle ein Gremium der führenden Mitstreiter Alexanders alle bedeutenden Entscheidungen beschließen. Bei den folgenden Beratungen des Führungszirkels setzte sich Perdikkas durch, der – auf Vorschlag Peithons – gemeinsam mit Leonnatos zum Vormund des erwarteten Sohns der Roxane eingesetzt wurde, während Antipater und Krateros die Leitung der Regierungsgeschäfte im europäischen Teil des Reichs übertragen erhielten.Curtius Rufus, Historia Alexandri Magni 10,6,1–7,9; Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 18,2,1 ff.; Iustinus, Epitoma historiarum Philippicarum Pompei Trogi 13,2,4–3,2; dazu Siegfried Lauffer: Alexander der Große. S. 189 f. und Werner Huß: Ägypten in hellenistischer Zeit 332–30 v. Chr. S. 82 f., der in der äußeren Abfolge der ersten Streitigkeiten der Diadochen um die Neuverteilung der Macht dem Curtius Rufus (Historia Alexandri Magni 10,6–10), folgt, danach ebenso dieser und die folgenden Absätze dieses Artikels.

Dies hatte aber eine Empörung der in der Entscheidung außen vor gelassenen Infanteristen (Pezhetairoi) zur Reaktion, die eigenmächtig Arrhidaios unter dem dynastischen Namen Philipp zum König proklamierten und mit Alexanders Gewand bekleideten. Perdikkas zog sich daraufhin mit seinen Gefolgsleuten in den Raum zurück, in dem Alexander aufgebahrt lag, doch die Arrhidaios unterstützenden, von Meleagros angeführten Infanteristen verfolgten Perdikkas und schleuderten Speere nach ihm. In der Folge entwich Perdikkas aus dem Palast, blieb aber in Babylon und scharte die Reiterführer um sich. Mehrere Tage lang herrschte eine gespannte Situation; das Fußvolk übernahm die Kontrolle in Babylon, während Perdikkas die Getreidezufuhr zur Stadt abschnitt.Curtius Rufus, Historia Alexandri Magni 10,7,10–8,13; Arrian, FGrH 156 F 1,2–3; Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 18,2,2 ff.; Iustinus, Epitoma historiarum Philippicarum Pompei Trogi 13,3,2–10