Als Mühlenkreis-Derby (auch Kreisderby oder Minden-Lübbecker Derby, nicht zu verwechseln mit OWL-Derby) bezeichnet man das Aufeinandertreffen zwischen den beiden ersten Männer-Handballmannschaften von GWD Minden und dem TuS N-Lübbecke.

Geschichte Die Mannschaften kommen aus dem ostwestfälischen Kreis Minden-Lübbecke, der auch als Mühlenkreis bezeichnet wird, und bei der Kreisreform 1973 (Bielefeld-Gesetz) aus den bisherigen Kreisen Minden und Lübbecke gebildet wurde.

In Anlehnung an das Revierderby im Fußball fiel häufig der Begriff Mutter aller Derbys.Doder macht die Kampa-Halle zum Tollhaus. Minden entscheidet Pokal-Derby kurz vor Schluss. kicker.de, 11. Dezember 2012, Stand 23. März 2017. Begegnungen der Reserve- oder Jugendmannschaften werden bisweilen als kleines Mühlenkreis-Derby bezeichnet. Unter die offizielle Zählweise fallen nur die Pflichtspiel-Begegnungen (Liga, DHB-Pokal) seit Einführung der Hallenhandball-Bundesliga 1966, obwohl es bereits in den 1930er-Jahren die ersten Duelle im Feldhandball gab. Anfangs zählte man sogar nur die Ligaspiele. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Hintergründe 250px|mini|Der Kreis Minden-Lübbecke

Die Rivalität zwischen beiden Vereinen fußt – im Gegensatz zu den meisten Derbys im Sport – weniger darauf, dass zwischen den beiden Städten so eine geringe Distanz herrscht und sie seit 1973 sogar im selben Kreis liegen, als in Gründen der sportlichen Entwicklung des TuS Nettelstedt und dessen Vorgeschichte.

Auslöser Während Minden in den 1960er-Jahren als Grün-Weiß Dankersen zu einer der bedeutendsten Handballmannschaften Deutschlands aufstieg, war Lübbecke damals als TuS Nettelstedt sportlich bedeutungslos und spielte in der Kreisliga. Der direkte Wechsel von Herbert LübkingJürgen Köhler: Lübking verließ GW Dankersen! Kapitän des Bundesligisten, Rekord-Nationalspieler und WM-Star geht zu TuS Nettelstedt / Ende seiner Karriere?. In: Mindener Tageblatt, Nr. 196, 26. August 1970, S. 11. (einem der weltbesten Handballer zu der Zeit) von Dankersen nach Nettelstedt sorgte 1970 deutschlandweit für großes Aufsehen. Lübking sah sich schweren Anfeindungen ausgesetzt. Obwohl kurz zuvor schon einige namhafte Dankerser Spieler von Nettelstedt abgeworben worden waren, war der Wechsel Lübkings das endgültige Fanal der Abneigung der GWD-Fans gegenüber Nettelstedt.

Sportliche Entwicklung Grün-Weiß Dankersen war gerade zum zweiten Mal deutscher Feldhandball-Meister geworden und befürchtete das Auseinanderbrechen seiner erfolgreichen Mannschaft. Wie sich ein Jahr später herausstellte, war diese Befürchtung zunächst unbegründet. Obwohl GWD von vielen Experten keinerlei Chancen eingeräumt wurden, weiter in der deutschen Spitze mitzuhalten, verteidigte man nicht nur seinen Feld-Titel, sondern wurde auch noch vollkommen überraschend zum ersten Mal Deutscher Hallenhandball-Meister.

Der TuS Nettelstedt seinerseits setzte mit seinen hochkarätigen Neuzugängen zu einer beispiellosen Siegesserie durch alle Spielklassen hinweg an. Jedes Jahr wurde der Aufstieg in die nächsthöhere Spielklasse gefeiert. 1976 kam es somit zum ersten Mühlenkreis-Derby in der Bundesliga.

Entwicklung der Fan-Rivalität Die Abneigung beider Fanlager war gerade nach dem „Überlauf“ mehrerer Spieler zum TuS Nettelstedt und spätestens nach dessen Aufstieg in die Bundesliga extrem groß. Diese Rivalität ebbte in den 1980er-Jahren zunehmend ab. Inzwischen hatten auch andere Spieler die Seiten gewechselt und beide Vereine befanden sich kurzzeitig gar vor dem Sturz in die Drittklassigkeit. Anfang der 1990er-Jahre wurde die Atmosphäre wieder giftiger. Beide Teams kämpften mehrere Jahre gemeinsam an der Spitze der 2. Handball-Bundesliga um die Rückkehr ins Oberhaus. Als beide dann direkt nacheinander aufstiegen und man sich in der Bundesliga nahezu auf Augenhöhe begegnete, stieg die Rivalität wieder stark an.

Das Mühlenkreis-Derby fördert bei vielen Zuschauern ein für den Handballsport ansonsten sehr atypisches Verhalten hervor. So werden beide Mannschaften von den gegnerischen Fans bei jeder Gelegenheit ausgepfiffen. Beispielhaft hierfür ist der Einlauf der Mannschaften vor dem Spiel. Während in anderen Spielen der Gegner mit Beifall begrüßt wird, gibt es hier standesgemäß Pfiffe, Buhrufe und Schmähgesänge. Ebenfalls atypisch sind teilweise körperliche Auseinandersetzungen und Massenschlägereien zwischen den Fans.Christian Ciemalla: „Ey! Ab hier! In die Halle!“ – Enttäuschung in Lübbecke und Minden nach Vorfällen beim Derby. 21. März 2013, Stand 23. März 2017. Diese nahmen durch die Gründung der jeweiligen Ultra-Gruppierungen Commando 1924 (GWD) und Suptras Nettelstedt stark zu. Hallenverbote und Kollektivstrafen gegen die Fan-Gruppen folgten.Christian Ciemalla: TuS N-Lübbecke: Hallenverbot gegen Mindener „Commando 1924“. 29. März 2013, Stand 23. März 2017. Keine andere Handballbegegnung Deutschlands benötigt beziehungsweise benötigte zwischenzeitlich so viel Polizeipräsenz wie das Derby zwischen Minden und Lübbecke. Der Großteil der Fans beschränkt die Rivalität jedoch auf die Dauer des Spiels.

Fusionspläne Durch die räumliche Nähe beider Vereine gab es gelegentlich latente Überlegungen hinsichtlich einer Fusion. Diese verstummten allerdings immer wieder kurz nach ihrem Bekanntwerden vor allem auf Grund der abgeneigten Haltung der beiden Fanlager. So auch im Jahr 2002, als Lübbeckes Hauptsponsor Paul Gauselmann einen Zusammenschluss auf absehbare Zeit für angebracht hielt.Michael Lorenz: Lust auf Fusion hält sich unter GWD-Fans in Grenzen. Wenig positive Resonanz auf möglichen Zusammenschluss zwischen GWD Minden und TuS N-Lübbecke / „Die Fans werden das nicht mitmachen“. In: Mindener Tageblatt, Nr. 116, 22. Mai 2002, S. 25. Befürworter einer Zusammenführung begründen ihre Meinung fast ausschließlich mit dem Argument, dass sich im Kreis Minden-Lübbecke zwei und in Ostwestfalen-Lippe (inklusive des TBV Lemgo) gleich drei Bundesligisten einen Kampf um regionale Sponsoren liefern müssten.

Spiele zwischen GWD Minden und dem TuS N-Lübbecke

Die Statistik Stand: 12. März 2022 40px|alt= GWD Minden – 40px|alt= TuS N-Lübbecke Wettbewerb Spiele   Siege Remis Siege Tore Handball-Bundesliga 46 22 7 17 1113:1106 2. Handball-Bundesliga 16 8 3 5 315:294 DHB-Pokal 7 4 n.a. 3 177:170 offizielle Zählung (nur Bundesliga, 2. Bundesliga und DHB-Pokal) 69 34 10 25 1605:1570 Verbandsliga 2 0 0 2 13:39 Landesliga 2 2 0 0 30:17 Gauklasse 2 2 0 0 16:6 Aufstiegsrunde zur Gauliga 1 1 0 0 11:7 Bezirksklasse 2 1 0 1 19:14 1. Kreisliga 1 0 1 0 14:14 Pflichtspiele 79 40 11 28 1708:1667 Freundschaftsspiele 33 17 3 13 815:787 Gesamt 112 57 14 41 2523:2454

Die Spiele {| class="wikitable mw-collapsible" style="width:100%; text-align:center;" |- ! colspan="11"| Liste und Statistiken aller bekannten Spiele zwischen GWD Minden und dem TuS N-Lübbecke |- ! colspan="2" style="width:6%;"| Nr. ! colspan="3" style="width:21%;"| Wettbewerb / Spieltag ! style="width:13%;"| Datum / Uhrzeit ! style="width:13%;"| Heim ! style="width:13%;"| Gast ! style="width:13%;"| Ergebnis ! style="width:9%;"| Zuschauer ! style="width:12%;"| Spielstätte |- |colspan="11" style="text-align:center;"| … |- |style="width:3%"| ||style="width:3%"| 1 ||colspan="3"| Bezirksklasse (Gruppe Minden) – 7. Spieltag || So., 10. Nov. 1935 || TV Jahn Nettelstedt || TV Eiche Dankersen ||style="background:#CC0000; color:#FFFFFF;"| 7:5 (6:0) || || |- |colspan="2"| |style="background:#FFE4C4; color:#000000;"| Bemerkungen |colspan="8" style="background:#FFE4C4; color:#000000; text-align:left;"| Es sind keine näheren Statistiken bekannt. |- | || 2 ||colspan="3"| Bezirksklasse (Gruppe Minden) – 14. Spieltag || So., 23. Feb. 1936 || TV Eiche Dankersen || TV Jahn Nettelstedt ||style="background:#007700; color:#FFFFFF;"| 14:7 (3:4) || || |- |colspan="2" rowspan="3"| |rowspan="2" style="background:#FFE4C4; color:#000000;"| Torschützen |style="background:#FFE4C4; color:#000000;"| Eiche |colspan="7" style="background:#FFE4C4; color:#000000; text-align:left;"| Naue (5), Molthan (3), Nottmeier (2), Pohlmann (1), Bornemann (1), unbekannt (2) |- |style="background:#FFE4C4; color:#000000;"| Jahn |colspan="7" style="background:#FFE4C4; color:#000000; text-align:left;"| Thie (3), unbekannt (4) |- |style="background:#FFE4C4; color:#000000;"| Schiedsrichter |colspan="8" style="background:#FFE4C4; color:#000000; text-align:left;"| Schnell |- | || 3 ||colspan="3"| Aufstiegsrunde zur Gauliga || 1946 || TSV Grün-Weiß Dankersen || TuS Nettelstedt ||style="background:#007700; color:#FFFFFF;"| 11:7 (?:?) || 2.000 || |- |colspan="2"| |style="background:#FFE4C4; color:#000000;"| Bemerkungen |colspan="8" style="background:#FFE4C4; color:#000000; text-align:left;"| Es sind keine näheren Statistiken bekannt. |- | || 4 ||colspan="3"| Gauklasse Ostwestfalen 1950/51 – 9. Spieltag || So., 31. Dez. 1950 || TuS Nettelstedt || TSV Grün-Weiß Dankersen ||style="background:#007700; color:#FFFFFF;"| 0:0 || n.a. || |- |colspan="2"| |style="background:#FFE4C4; color:#000000;"| Bemerkungen |colspan="8" style="background:#FFE4C4; color:#000000; text-align:left;"| Der TuS Nettelstedt sagte das Spiel kurz vor Anwurf wegen angeblicher Unbespielbarkeit des Platzes ab. Später wurde das Spiel jedoch mit 0:0 Toren und 0:2 Punkten für Grün-Weiß Dankersen gewertet. |- | || 5 ||colspan="3"| Gauklasse Ostwestfalen 1950/51 – 22. Spieltag || So., 4. März 1951 || TSV Grün-Weiß Dankersen || TuS Nettelstedt ||style="background:#007700; color:#FFFFFF;"| 16:6 (6:4) || 500 || |- |colspan="2" rowspan="2"| |rowspan="2" style="background:#FFE4C4; color:#000000;"| Torschützen |style="background:#FFE4C4; color:#000000;"| GWD |colspan="7" style="background:#FFE4C4; color:#000000; text-align:left;"| Rösener (7), Erwin Schütte (5), Wüllenweber (3), Otto (1) |- |style="background:#FFE4C4; color:#000000;"| TuS |colspan="7" style="background:#FFE4C4; color:#000000; text-align:left;"| Tiemann (6) |- | || 6 ||colspan="3"| Landesliga Westfalen (Staffel 1) – 4. Spieltag || So., 28. Sep. 1952 || TuS Nettelstedt || TSV Grün-Weiß Dankersen ||style="background:#007700; color:#FFFFFF;"| 8:15 (7:7) || || |- |colspan="2"| |style="background:#FFE4C4; color:#000000;"| Bemerkungen |colspan="8" style="background:#FFE4C4; color:#000000; text-align:left;"| Es sind keine näheren Statistiken bekannt. |- | || 7 ||colspan="3"| Landesliga Westfalen (Staffel 1) – 15. Spieltag || So., 11. Jan. 1953 || TSV Grün-Weiß Dankersen || TuS Nettelstedt ||style="background:#007700; color:#FFFFFF;"| 15:9 (6:5) || || |- |colspan="2"| |style="background:#FFE4C4; color:#000000;"| Bemerkungen |colspan="8" style="background:#FFE4C4; color:#000000; text-align:left;"| Es sind keine näheren Statistiken bekannt. |- | || 8 ||colspan="3"| Verbandsliga Westfalen – 2. Spieltag || Sa., 14. April 1973 17:30 || TSV Grün-Weiß Dankersen || TuS Nettelstedt ||style="background:#CC0000; color:#FFFFFF;"| 3:21 (1:13) || 300 || Minden |- |colspan="2" rowspan="2"| |rowspan="2" style="background:#FFE4C4; color:#000000;"| Aufstellungen |style="background:#FFE4C4; color:#000000;"| GWD |colspan="7" style="background:#FFE4C4; color:#000000; text-align:left;"| Uwe Marburger – Meese, Bernd Böke, Heiner Becker, Wullkotte, Manfred Lohaus, Beermann (1/1), Hartmut Weng (2/1), Gebhard Rütz, Kasten, W. BeckerTrainer:? |- |style="background:#FFE4C4; color:#000000;"| TuS |colspan="7" style="background:#FFE4C4; color:#000000; text-align:left;"| Willi Möhle – Günter Rubin (3), Herbert Nottmeier (3), Heinz-Dieter Grothe, Horst Selle, Könemann (1), Jürgen Buhrmester (2), Lothar Bekemeier, Herbert Lübking (8), Jürgen Glombek (1), Erwin Heuer, Hans-Jürgen Schulenburg (3)Trainer:? |- | || 9 ||colspan="3"| Verbandsliga Westfalen – 9. Spieltag || So., 3. Juni 1973 10:45 || TuS Nettelstedt || TSV Grün-Weiß Dankersen ||style="background:#CC0000; color:#FFFFFF;"| 18:10 (10:4) || 400 || Lübbecke |- |colspan="2" rowspan="2"|