Die Werteunion (WU, Eigenschreibweise WerteUnion) ist eine im Jahr 2024 gegründete deutsche Kleinpartei und vorheriger Verein. Der 2017 gegründete Werteunion e. V. beanspruchte für sich, den „konservativen Markenkern“ der CDU und CSU zu vertreten, war aber keine anerkannte Parteigliederung von CDU oder CSU und in den Unionsparteien umstritten.
Die Mitgliederversammlung des Vereins beschloss im Januar 2024, die Namensrechte auf eine neu zu gründende Partei zu übertragen; diese wurde am 17. Februar 2024 gegründet. Der Verein selbst ist als Förderverein bestehen geblieben. Zum Parteivorsitzenden wurde anlässlich der Gründungsversammlung der Vereinsvorsitzende Hans-Georg Maaßen gewählt, der im Oktober 2025 aus der Partei austrat.
Durch den Übertritt des ehemaligen AfD-Abgeordneten Dirk Spaniel war die Werteunion zeitweise im 20. Deutschen Bundestag vertreten.
Partei Werteunion Anfang Januar 2024 gab Hans-Georg Maaßen als Vorsitzender des Vereins Werteunion bekannt, dass eine Parteigründung erwogen werde. So könnte man bei den Landtagswahlen in Thüringen, in Sachsen und in Brandenburg im Herbst 2024 antreten.
Am 20. Januar 2024 sprach sich bei einer Mitgliederversammlung des Vereins in Erfurt eine große Mehrheit der Anwesenden für die Neugründung einer „konservativ-liberalen Partei“ unter demselben Namen aus. Ihre Gründung solle „so zeitnah erfolgen, dass eine Teilnahme an den Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg im September gewährleistet“ werde. Die Parteigründung fand am 17. Februar 2024 auf dem Schiff MS Godesia auf dem Rhein statt. Maaßen betrat das Schiff in Remagen, weitere Mitglieder in Königswinter. Nach Parteiangaben wurde die Gründung in Bonn vollzogen, da die Werteunion an die Bonner Republik anknüpfen wolle. Der Werteunion e. V. bleibt als Förderverein bestehen.
Im Vorfeld der Landtagswahl in Thüringen 2024 löste sich die dortige Regionalpartei Bürger für Thüringen auf und schloss sich der Werteunion an. Ab Anfang April 2024 gründeten sich Landesverbände der Werteunion, zuerst in Thüringen, dann in weiteren Bundesländern. Ende Juni 2024 beschloss der Parteivorstand, eine Fusion mit Bündnis Deutschland anzustreben. Einem im November 2024 vorliegenden Fusionsvertrag stimmte der Bundesvorstand jedoch nicht zu. Im September 2024 trat Jörg Meuthen, ehemaliger Ko-Bundessprecher der AfD, der Werteunion bei. Im Oktober 2024 trat Jozef Rakicky, Landtagsabgeordneter in Niedersachsen und bisher AfD-Mitglied, der Werteunion bei, im Juni 2026 wieder aus.Jozef Rakicky auf der Website des Niedersächsischen Landtags
Jörg Meuthen legte den Vizevorsitz nach der verlorenen Landtagswahl in Baden-Württemberg am 10. März 2026 nieder.Weitere personelle Konsequenzen nach Stuttgart-Wahl. t-online, 10. März 2026, abgerufen am 11. März 2026. Somit führen die beiden verbliebenen Vizevorsitzenden Pantel und Pfeiffer den Verein bis zur Wahl eines neuen Vorsitzenden zu zweit.
Parteikrise und Machtkampf im Sommer 2025 Im August 2025 kam es innerhalb der Werteunion zu einer schweren Führungskrise, die öffentlich als „Putsch“ bezeichnet wurde, sowohl von Parteichef Hans-Georg Maaßen als auch von seinen parteiinternen Gegnern. Maaßen sah sich im Bundesvorstand zunehmend isoliert. Nach parteiinternen Machtverschiebungen und anhaltenden Spannungen erklärte er in einer Videokonferenz mit dem erweiterten Vorstand, er wisse nicht, „ob [er] in drei Wochen noch der Partei angehöre“.
In seiner vorbereiteten Rede kritisierte Maaßen eine „Machtübernahme“ durch Vorstandsmitglieder, denen er ihre Funktion ursprünglich selbst ermöglicht habe. Er beklagte, dass er in Vorstandssitzungen keine Tagesordnungspunkte mehr durchsetzen könne und von Kolleginnen und Kollegen wiederholt beleidigt worden sei. Parteiintern wurde dies von vielen als Hinweis auf eine abnehmende Rückendeckung gewertet. Berichten zufolge verfügte Maaßen im elfköpfigen Bundesvorstand nur noch über die Unterstützung von vier Mitgliedern und damit über keine Mehrheit mehr.
Zentrale Gegenspielerin war die frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel, eine der stellvertretenden Parteivorsitzenden. Gemeinsam mit dem ehemaligen AfD-Chef Jörg Meuthen bildete sie im Parteivorstand eine knappe Mehrheit gegen Maaßen. Beide waren erst Monate nach der Parteigründung beigetreten, hatten aber schnell führende Positionen übernommen. Maaßen warf dieser sogenannten „Pantel-Fraktion“ autokratisches Verhalten vor, umgekehrt beschuldigte man ihn selbst autoritärer Alleingänge, mangelnder Teamfähigkeit und einer Führungskultur, die nicht mit innerparteilicher Demokratie vereinbar sei.
Ein Streitpunkt war auch der geplante Umgang mit der Partei AfD. Während Maaßen in den vergangenen Jahren durch persönliche Treffen mit AfD-Politikern – darunter Alice Weidel – aufgefallen war, grenzte er sich in seiner Krisenrede nun deutlich von der Partei ab. Er bezeichnete die AfD zwar als Problemanalytikerin, aber nicht als freiheitlich oder konservativ. Diese neue Positionierung sorgte parteiintern ebenso für Unverständnis wie Maaßens wechselhafte Haltung zur CDU, die er einst als „herz- und hirntot“ bezeichnet hatte, bevor er sie später wieder als „Premiumpartner“ würdigte.
Zusätzlichen Konflikt löste eine geplante Änderung der Geschäftsordnung aus, die vorsah, dass der Parteivorsitz künftig nicht mehr automatisch den Vorsitz des Bundesvorstands übernimmt. Damit hätte Maaßen formell an Einfluss verloren. Zudem sei laut internen Kreisen vorgesehen gewesen, dass sich der Parteivorsitzende künftig öffentlich nur noch nach Abstimmung mit dem Vorstand äußern dürfe. Maaßen bezeichnete diese Pläne als Versuch, ihn zum „Alibi-Vorsitzenden“ zu degradieren.
Auch in personeller Hinsicht hatte Maaßen in den Monaten zuvor an Rückhalt verloren. Frühere Vertraute wie der ehemalige Vizeadmiral Kay-Achim Schönbach hatten die Partei verlassen – Schönbach wechselte zur Konkurrenzpartei Bündnis Deutschland. Maaßen wurde vorgeworfen, eine mögliche Fusion mit dieser Partei aus persönlichen Gründen blockiert zu haben. In seiner Funktion als Vorsitzender des Fördervereins der Werteunion betrieb er Ausschlussverfahren gegen mehrere ehemalige Weggefährten, darunter Schönbach und die frühere NRW-Landesvorsitzende Simone Baum.
Während Pantel und ihre Unterstützer öffentlich betonten, sie stünden für eine „gelebte innerparteiliche Demokratie“ und lehnten persönliche Angriffe ab, sah sich Maaßen massiven persönlichen Anfeindungen ausgesetzt. Er sprach von „Tötungsfantasien“ in privaten Nachrichten und beklagte einen „Psychoterror“, dem er in Vorstandssitzungen ausgesetzt sei. Beobachter bewerteten die Situation als eine existenzielle Krise für die junge Partei.
Trotz aller Vorwürfe schloss Maaßen eine erneute Kandidatur beim angekündigten Sonderparteitag nicht aus, machte diese jedoch von seiner „weiteren Lebensplanung“ abhängig. Die Partei, die bei der Bundestagswahl 2025 nur in Nordrhein-Westfalen angetreten war und dort 0,1 % der Stimmen erzielte, befindet sich seither in einer Phase der Selbstfindung. Der ursprüngliche Anspruch, eine konservative Kraft zwischen Union und AfD zu sein, wurde durch die Führungskrise, interne Machtkämpfe und das schwache Wahlergebnis schwer beschädigt. Anfang Oktober 2025 kündigte Maaßen auf der Plattform X an, vor dem Hintergrund von „skandalösen Entwicklungen in der Partei“ zum Parteitag am 8. November 2025 von seinem Amt als Parteivorsitzender zurückzutreten. Am 8. Oktober 2025 legte Maaßen den Parteivorsitz nieder und trat aus der Werteunion aus.
Landesverbände Landesverband Landesvorsitzender Gründung Mitglieder 34x34px Baden-Württemberg Dirk Spaniel 6. Juli 2024 ca. 200 34x34px Bayern Jörg Uhlig 12. Oktober 2024 34x34px Berlin Bernd Pfeiffer 21. September 2024 34x34px Brandenburg vakant 12. Mai 2024 60 34x34px Bremen Ingo Wendelken 1. Juni 2025 34x34px Hamburg Aaron Jöcker 8. Dezember 2024 34x34px Hessen Alfred Hermann 20. Juli 2024 34x34px Mecklenburg-Vorpommern Olaf Schümann 5. Mai 2024 34x34px Niedersachsen Steffen Grüner 23. Juni 2024 34x34px Nordrhein-Westfalen Sylvia Pantel 11. Mai 2024 rd. 360 34x34px Rheinland-Pfalz Eugen Radtke 27. Juni 2024 34x34px Saarland Thorsten Schwarz 15. Februar 2025 34x34px Sachsen Heiko Petzold 14. April 2024 50 34x34px Sachsen-Anhalt Josef Freiherr von Beverfoerde 14. September 2024 34x34px Schleswig-Holstein vakant 7. April 2024 34x34px Thüringen Hans Pistner 7. April 2024 75
Wahlen Jahrin %2024—n. a.0,3 %—————0,3 %—0,6 %20250,0 %————n. a.—————2026———n. a.0,2 %—n. a.n. a.—n. a.— n. a. = nicht angetreten
Wollte die Werteunion ursprünglich zur Bundestagswahl 2025 antreten, tat sie dies jedoch infolge des auf den 23. Februar 2025 vorgezogenen Wahltags nicht bundesweit. Die Landesverbände Bayern, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein hatten trotzdem einen Wahlantritt angekündigt. Zugelassen wurde nur die Landesliste in Nordrhein-Westfalen. Mit 6.803 Zweitstimmen erreichte sie gerundet 0,0 % der bundesweiten Wählerstimmen. Bezogen auf das Landesergebnis NRW gibt die Wahlleitung 0,1 % an, genauer gerechnet ergibt sich im Land 0,0646 %, im Bund 0,0137 %. Nur vier Parteien schnitten bundesweit schlechter ab, mit dreistelligen Stimmenzahlen. Bei der Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg erzielte sie 0,2 % der Zweitstimmen und 0,1 % der Erststimmen.
Jugendorganisation Die Junge Werteunion (Eigenschreibweise: Junge WerteUnion) ist die Jugendorganisation der Partei. Sie tritt seit Anfang 2024 öffentlich als Arbeitsgruppe des bestehenden Vereins auf. Seit dem 25. September 2024 steht sie unter der kommissarischen Leitung von Nico Röhrs.
Vorgeschichte: Verein Werteunion Struktur und Personal Der eingetragene Verein wurde am 25. März 2017 in Schwetzingen gegründet und hatte im Februar 2020 nach eigenen Angaben ca. 4000 Mitglieder. Seit der Mitgliederversammlung am 4. Oktober 2025 setzt sich der Bundesvorstand wie folgt zusammen:
AmtNameVorsitzenderKay-Achim SchönbachStellvertretende Vorsitzende/rSimone Baum, Peter Roskothen, Martin Lohmann †, Markus MittwochSchatzmeisterCarl Maria FalckBeisitzerChristoph Wald, Regina De Facendis, Silvia Burzlauer, Klaus-Peter Jürcke, Daniel Bornholdt
Vorsitzende der Landesverbände
Bundesvorsitzende Alexander Mitsch (März 2017 bis Mai 2021) Max Otte (Mai 2021 bis Januar 2022) Simone Baum (Sprecherin von Januar 2022 bis Januar 2023) Hans-Georg Maaßen (28. Januar 2023 bis 4. Oktober 2025) Kay-Achim Schönbach (seit 4. Oktober 2025)
Mitglieder und Unterstützer siehe :Kategorie:Person (Werteunion)
Gründung und erste Jahre
Der Verein Freiheitlich-Konservativer Aufbruch, der sich später in Werteunion e. V. (Eigenschreibweise: WerteUnion) umbenannte,Amtsgericht Stuttgart, Vereinsregisterblatt 722628, ab 2019 Amtsgericht Mannheim Vereinsregisterblatt 702453, Satzungsänderung zu Name und Sitz am 7. April 2018 beschlossen und am 5. März 2019 im Vereinsregister eingetragenUnzufriedene CDU-Konservative – Was die Werteunion ist und was sie will. zdf.de, 11. Februar 2020. wurde am 25. März 2017 von Mitgliedern der CDU und der CSU in Schwetzingen gegründet. Eine Reihe namhafter Unionspolitiker referierte auf Veranstaltungen der Gruppierung, so am 16. März 2018 der ehemalige sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt in Dresden unter dem Titel Die Euro-Krise – was bedeutet sie für uns?Veranstaltung in Dresden – Milbradt informiert bei WerteUnion und CDU über die Euro-Krise. In: Focus, 22. Februar 2018.