mini | rechts | Namensgeber Auguste Kerckhoffs (1835–1903) Das Kerckhoffs’sche Prinzip oder Kerckhoffs’ Maxime ist ein im Jahr 1883 von Auguste Kerckhoffs formulierter Grundsatz der modernen Kryptographie, welcher besagt, dass die Sicherheit eines (symmetrischen) Verschlüsselungsverfahrens auf der Geheimhaltung des Schlüssels beruht anstatt auf der Geheimhaltung des Verschlüsselungsalgorithmus. Dem Kerckhoffs’schen Prinzip wird oft die sogenannte Security through obscurity gegenübergestellt: Sicherheit durch Geheimhaltung des Verschlüsselungsalgorithmus selbst, möglicherweise zusätzlich zur Geheimhaltung des bzw. der verwendeten Schlüssel.
Historisches
Das Kerckhoffs’sche Prinzip ist der zweite der sechs Grundsätze zur Konstruktion eines sicheren Verschlüsselungsverfahrens, die Kerckhoffs 1883 in La cryptographie militaire einführt:
Die sechs Grundsätze sind:
Das System muss im Wesentlichen unentzifferbar sein. Das System darf keine Geheimhaltung erfordern und kann ohne Schaden in die Hände des Feindes fallen. Das System muss leicht übermittelbar sein und man muss sich die Schlüssel ohne schriftliche Aufzeichnung merken können. Das System sollte mit telegraphischer Kommunikation kompatibel sein. Das System muss transportabel sein und die Bedienung darf nicht mehr als eine Person erfordern. Das System muss einfach anwendbar sein.
Ein Chiffriersystem, das diesen Anforderungen entsprach, existierte damals nicht.
Moderne Kryptographie
Das Kerckhoffs’sche Prinzip findet Anwendung in der modernen Kryptographie. Daraus ergeben sich folgende Vorteile:
Es ist viel schwieriger, einen Algorithmus geheim zu halten als einen Schlüssel. Geheime Algorithmen können durch Reverse Engineering aus Software- oder Hardware-Implementierungen rekonstruiert werden. Es ist schwieriger, einen kompromittierten Algorithmus durch einen anderen zu ersetzen als einen kompromittierten Schlüssel.
Kerckhoffs’ Prinzip fordert zwar lediglich, dass das Bekanntwerden eines Algorithmus keine nachteiligen Sicherheitsauswirkungen haben darf. Damit Experten das Verfahren gründlich auf potenzielle Schwächen und Sicherheitslücken untersuchen können, ist die Offenlegung aber nahezu zwingend. In der modernen Kryptographie hat es sich bewährt, Algorithmen gleich nach der Entwicklung bzw. Weiterentwicklung zu veröffentlichen, damit jederzeit ausreichend viele Fachleute Kenntnis davon haben und Peer Reviews durchführen können. Das sollte jederzeit möglich sein, denn die Technik unterliegt stetiger Entwicklung. So kann ein als sicher geltendes System auch durch Fortschritte in der Kryptoanalyse unsicher werden. Es kann Jahre dauern, einen kryptographischen Algorithmus einer gründlichen Prüfung zu unterziehen, und eine große Zahl von Fachleuten kann den Prozess beschleunigen.
Es wurde zum Beispiel der Algorithmus AES in einem öffentlichen Ausschreibungsverfahren bestimmt, in dem viele Experten Vorschläge für einen neuen, möglichst sicheren Chiffrieralgorithmus einreichten und untersuchten. „Open Source geht nicht zu Lasten der Sicherheit“, heißt es auch in einem gleichnamigen Security-Insider-Artikel. Auch steigt dadurch das Vertrauen in den Algorithmus, nicht mit einer Hintertür versehen zu sein, da sich Hintertüren in einem veröffentlichten Algorithmus leichter auffinden lassen.
Die Erfahrung in der Kryptologie zeigt zudem, dass sich viele von ihren Entwicklern geheim gehaltene Verfahren nach oder mit ihrer Offenlegung als schwach erwiesen haben und gebrochen wurden. Beispiele sind die GSM-Algorithmen A5/1 und A5/2, kryptographische Algorithmen der Zutrittskontrollkarten Mifare Classic und Legic prime und das Verschlüsselungsverfahren Magenta. Auf der anderen Seite ist ein geheimer kryptographischer Algorithmus nicht notwendigerweise unsicher.
Die am weitesten verbreiteten Verschlüsselungsalgorithmen wie AES und RSA sind in allen Details offengelegt, sodass das Kerckhoffs’sche Prinzip Anwendung findet.
Literatur
Auguste Kerckhoffs: La cryptographie militaire. In: Journal des sciences militaires. Bd. 9, S. 5–38 (Jan. 1883), S. 161–191 (Feb. 1883). Bruce Schneier: Applied Cryptography. 2. Auflage, Wiley, 1996, ISBN 0-471-11709-9. Niels Ferguson, Bruce Schneier: Practical Cryptography. Wiley, 2003, ISBN 0-471-22357-3, S. 23.
Weblinks CrypTool, E-Learning, Werkzeuge und Programme zum Thema Verschlüsselung
Einzelnachweise
Kategorie:Kryptologie