Leontodon biscutellifolius ist eine Art aus der Gattung Leontodon innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie wurde in der älteren Literatur als Unterart des Krausen Löwenzahns (Leontodon crispus ssp. asper ) angesehen.Christian Zidorn: ‘Leontodon’ and ‘Scorzoneroides’ (Asteraceae, Cichorieae) in Italy. In: Plant Biosystems. Vol. 146, 2012, S. 50–51.
mini|Habitus Beschreibung Vegetative Merkmale Leontodon biscutellifolius ist eine ausdauernde steifhaarige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 4 bis 20(–40) Zentimetern erreicht.Arne Strid, Kit Tan: Mountain Flora of Greece. Edinburgh University Press, Edinburgh 1991, S. 529–530. Sie bildet eine langspindelige, kräftige, senkrechte Pfahlwurzel. Die Faserwurzeln sind spärlich und haarfein. Die 1–6 Stängel sind aufrecht und an der Spitze mehr oder minder keulenförmig verdickt. Die zahlreichen Laubblätter sind in einer grundständigen Rosette angeordnet, 20–140(–190)3–15 mm groß,Arne Strid, Kit Tan: Mountain Flora of Greece. 1991, S. 529. schmal elliptisch bis fast spatelförmig, in den kurzen Stiel allmählich verschmälert, grob buchtig gezähnt bis fiederspaltig, mit dreieckig-lanzettlichen voneinander entfernten, am Rande oft wellig-krausen Abschnitten und beiderseits mit 2–6 strahligen Härchen besetzt.Arne Strid, Kit Tan: Mountain Flora of Greece. 1991, S. 529.
Zum Unterschied zu Leontodon cripus sind auf den Hüllblättern häufig ähnliche Sternhaare wie auf den Blättern. Am dicht mit Sternhaaren besetzten Randsaum der Hüllblätter haben die Sternhaare oft keine Basis und können miteinander verwachsen sein.
Generative Merkmale Leontodon biscutellifolius hat mittelgroße Köpfe, die vor der Anthese nicken. Die 12 bis 15 Millimeter lange Blütenhülle ist am Grunde etwas kraus behaart; die inneren Hüllblätter sind kahl oder auf den Mittelnerven behaart, die äußeren Hüllblätter sind am Rande dicht mit Sternhaaren behaart. Die gelben Blüten sind doppelt so lang wie die Hülle und unterseits oft rotgestreift.Arne Strid, Kit Tan: Mountain Flora of Greece. 1991, S. 529. Unter den einzeln endständig stehenden 25–40 mm breiten körbchenförmigen Blütenständen ist der aufrecht stehende Stängel etwas keulig verdickt und er ist bisweilen mit ein oder zwei, selten mehr, lanzettlichen Hochblättern besetzt, kurz steifhaarig. Die 15 bis 20 Millimeter langen Achänen sind alle gleichgestaltet, von der Mitte an in einen kurzhaarig-rauen 5 bis 7 Millimeter langen Schnabel zusammengezogen, kurz borstig behaart. Der schmutzig-weiße Pappus ist etwa halb so lang wie die Achäne und wird aus zwei Reihen von bis an den Grund dicht federigen Borsten gebildet; die der äußeren Reihe sind kürzer als die inneren.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 8.Arne Strid, Kit Tan: Mountain Flora of Greece. 1991, S. 530.
Die Blütezeit reicht von Juni bis Juli.
Verbreitung mini|Verbreitung von Leontodon biscutellifolius und Leontodon crispus. Erstere Art kommt nur ostmediterran sowie weiter über das südliche Osteuropa und Kaukasien bis zur Türkei vor. Letztere Art ist auf Süd-Europa beschränkt. In Europa kommt die Art vor in den Ländern Griechenland, Albanien, im früheren Jugoslawien, in Bulgarien, Rumänien, in der Ukraine in Russland und in der Türkei.
Die Verbreitung von Leontodon biscutellifolius liegt im nordiranisch – anatolisch – ostsubmediterranen Raum.H. Meusel, E. Jäger: Vergleichende Chorologie der Zentraleuropäischen Flora. Band III, Gustav Fischer, 1991, S. 130. Die Art kommt auf der nördlichen Balkanhalbinsel, im Banat sowie über Südrussland, die Krim bis nach Kleinasien, Armenien und von der Osttürkei sowie wahrscheinlich im Iran vor. Sie ist ein illyrisch – anatolisch – ostsubmediterran-pontisches Florenelement.H. Meusel, E. Jäger: Vergleichende Chorologie der Zentraleuropäischen Flora. Band III, 1991, S. 305.
In Griechenland reicht das Verbreitungsgebiet bis zur Ägäis (Peloponnes, Chalkidiki und Berg Athos, Euböa, Attika). Sie fehlt auf den griechischen Inseln mit Ausnahme Euböas.Arne Strid: Atlas of the Aegean Flora. Part 1: Text & Plates. (= Englera. 33.1). Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin, Berlin 2016, ISBN 978-3-921800-97-3; Part 2: Maps. (= Englera. 33.2). ebenda 2016, ISBN 978-3-921800-98-0.
Habitat Leontodon biscutellifolius gedeiht zerstreut auf trockenen, grasigen Hängen, steinigen, sonnigen Weiden, an Felsen und im Felsschutt, an unbebauten Standorten. Als xerophile Art ist sie besonders gut an steinige Hänge und felsigen Trockenrasen in voller Sonne angepasst.
Ökologie Leontodon biscutellifolius zeigte sich bei vergleichenden Untersuchungen im thessalischen Olymp auf dem Plateau der Museen in über 2400 m als durch Fluginsekten meistbesuchte Pflanze,Nikolaos Makrodimos, George J. Blionis, Nikolaos Krigas, Despoina Vokou: Flower morphology, phenology and visitor patterns in an alpine community on Mt Olympos, Greece. In: Flora - Morphology Distribution Functional Ecology of Plants. 203(6), August 2008, S. 449–468. (PDF) obwohl er nur zu den mittelhäufigen blühenden Arten und nur mit mittlerem Deckungsgrad in den Vergleichsflächen aufgetreten war. Eine Blühdauer von 30 Tagen konnte dabei ermittelt werden. Als wichtigste Bestäuber wurden Hummeln (7,5 %), Schwebfliegen (39,8 %) und Schmetterlinge (18,8 %) gezählt. Für die Vermehrung der Leontodon-Arten ist praktisch immer Fremdbestäubung nötig. Dies unterscheidet sie von den eigentlichen Löwenzahn-Arten (Taraxacum) oder den Arten der formenreichen Gattung der Habichtskräuter (Hieracium), bei denen apomiktische Samenbildung ohne Bestäubung regelmäßig vorkommt.
Taxonomie Die Art wurde von Finch & Sell in der Flora Europaea sowie den diesem Florenwerk folgenden Autoren als Leontodon asper angegeben.Christian Zidorn: Leontodon and Scorzoneroides (Asteraceae, Cichorieae) in Italy. 2012, S. 45. In den überwiegenden Florenwerken u. a. Strid & Tan (1991) oder Gajić (1975) wurde Leontodon biscutellifolius dagegen meist als Unterart von Leontodon crispus als Leontodon crispus ssp. asper angegeben. Der Name Leontodon asper ist aufgrund der Homonymie zu Leontodon asper , ein Name der sich auf eine andere Art bezieht, nicht verwendbar. Der früheste korrekte Name ist daher Leontodon biscutellifolius Christian Zidorn: Leontodon and Scorzoneroides (Asteraceae, Cichorieae) in Italy. 2012, S. 51. Dieser Name wurde 1838 von Augustin Pyrame de Candolle in Prodromus Systematis Naturalis Regni Vegetabilis ... Band 7 Teil 1 Seite 103 ("Leontodon biscutellaefolium") veröffentlicht.
Literatur H. Pittoni: Leontodon L. In: S. Pignatti (Hrsg.): Flora d’Italia. Band 3, Edagricole, Bologna 1982, ISBN 88-206-2312-9, S. 242–248. Gajić: Leontodon L. In: M. Josifović (Hrsg.): Flora Srbije. Band VIII, SANU, 1975, S. 278. Arne Strid, Kit Tan: Mountain Flora of Greece. Band 2, Edinburgh University Press, Edinburgh 1991, ISBN 0-7486-0207-0, S. 529–530.
Einzelnachweise
Weblinks
Russische Seite mit zahlreichen Abbildungen von Leontodon biscutellifolius D.C. von der Krim Thomas Meyer, Michael Hassler: Mittelmeerflora.
Kategorie:Löwenzahn (Leontodon) Biscutellifolius