Anatolij Anatolijowytsch Scharij (, * 20. August 1978 in Kiew, Ukrainische SSR, Sowjetunion) ist ein ukrainischer prorussischer Politiker,Selenskis Bannstrahl trifft Putins Freund in der Ukraine, NZZ, 25. Februar 2021 Betreiber des Nachrichtenportals Sharij.net, Nowoje Isdanije als Webvideoproduzent und Blogger sowie eines YouTube-Kanals als Vlogger.
Leben Anatolij Scharij ist in Kiew geboren und aufgewachsen. In seiner Jugend litt er mehrere Jahre unter pathologischem Spielen. Eine Beziehung half ihm, seine Sucht zu beenden. Scharij studierte an der Kiewer Höheren Panzer-Ingenieurschule und schloss sein Studium mit Erfolg ab.
Im Jahr 2013 verlobte er sich mit Olga Bondarenko in der Europäischen Union. Olga Scharij ist die Chefredakteurin von Sharij.net und beschäftigt sich auch mit dem Bloggen.
Journalistische Tätigkeit Anatolij Scharij begann seine journalistische Tätigkeit Anfang 2005. Er arbeitete als Autor für verschiedene Magazine in Russland und der Ukraine, darunter Sewodnja und der Moskowski Komsomolez.
Ende 2006 schrieb er einen letzten Artikel für die russische Frauenzeitschrift MyJane, in dem er den Einsatz von Kindern als „professionelle Bettler“ in Kiew thematisierte: Seit 2009 arbeitete Scharij nur noch mit Internet-Zeitungen zusammen.
Im Oktober desselben Jahres veröffentlichte er einen Artikel im ukrainischen Internetmagazin From-UA. In diesem verdächtigte er das Odessaer Kinderheim „Schemtschuschinka“ (Жемчужинка, dt. „Perlchen“), Waisen als Kinderprostituierte anzubieten. Seinen Verdacht begründete er unter anderem damit, dass sich in dem unverhältnismäßig großen Gebäude nur 23 Kinder befänden, die von einer doppelt so großen Anzahl von Heim-Mitarbeitern betreut würden. Zudem tauchten vor dem mit Videokameras und Wachmännern ausgestatteten Haus Nachts regelmäßig teure Autos auf, die erst am Morgen wieder wegführen. Ein zuvor gesunder 4-jähriger Junge sei nach einwöchigem Aufenthalt im Heim in die psychiatrische Abteilung des örtlichen Krankenhauses eingewiesen worden. In einem anderen Fall habe eine Frau ein 5-jähriges Mädchen aus dem Kinderheim adoptieren wollen. Beim Spielen mit dem Kind habe dieses versucht, der Frau Zungenküsse zu geben. Noch im Jahr 2007 hätten daraufhin die Vorsitzende der „Gesellschaft für Chancengleichheit“, Swetlana Djatschenko, sowie der Abgeordnete der „Starken Ukraine“ in der Werchowna Rada, Michail Sirota, eine medizinisch-psychologische Untersuchung der Kinder im „Schemtschuschinka“ gefordert. Dies habe das Kinderheim mit der Begründung abgelehnt, dass eine solche Untersuchung ein Trauma bei den Kindern verursachen würde. Sofort nachdem sich der Inlandsgeheimdienst SBU des Falls angenommen habe, sei die Besucherliste des Kinderheims verschwunden. Die SBU-Mitarbeiter hätten daraufhin Anatolij Scharij mitgeteilt, dass die Geschichte sehr „dunkel und unangenehm“ sei, man aber „nichts tun“ könne. 2008 kam der Politiker Michail Sirota, der ausgesagt hatte, dass in der „Schemtschuschinka“ begangene Vergewaltigungen von den Strafverfolgungsbehörden gedeckt würden, bei einem Autounfall ums Leben.
Im Sommer 2010 zeigte die Geschäftsführerin des Wohltätigkeitsfonds „K“, Oksana Dogan, die das Kinderheim hatte bauen lassen, Scharij wegen Verleumdung an. Am 4. August 2010 veröffentlichte der Journalist einen Artikel, in dem er bestritt, Falschaussagen getätigt zu haben. Am 15. April 2010 erhielt er einen Anruf von einem Festnetz-Telefon in Odessa. In diesem „riet“ ihm ein unbekannter Mann, für seine Behauptungen zu bezahlen, ansonsten würde man ihm „den Kopf abschneiden“. Noch am selben Tag wandte sich Scharij diesbezüglich an den SBU, dort reagierte man allerdings nicht auf die Androhung. Am 19. September 2010 wurde Anatolij Scharij von einem Gericht für schuldig befunden und dazu verpflichtet, eine Entschädigung in Höhe von 1.000 Griwna an das Waisenhaus „Schemtschuschinka“ zu zahlen.
Bis zu Beginn des Jahres 2012 war er Leiter der „Untersuchungs“-Abteilung des ukrainischen Internetmagazins Obosrewatel (dt. „Der Kolumnist“). Danach floh er laut eigenen Angaben vor Repressionen der Regierung unter Wiktor Janukowytsch aus der Ukraine und beantragte Asyl in der Europäischen Union. Ursache für die vermeintliche Verfolgung war ein Strafverfahren gegen ihn, nachdem Scharij bei einer McDonald’s-Filiale einen Mann mit einer Gummigeschosswaffe beschossen hatte. Laut eigenen Angaben tat Scharij dies, nachdem der Mann seine Ehefrau angegriffen hatte. Darüber hinaus lief gegen Scharij ein Verfahren, wonach er beschuldigt wird, absichtlich falsche Angaben zu einem Verbrechen gemacht und erfundene Beweise vorgelegt zu haben. Bis heute hat das Bezirksgericht Schewtschenkiwskiji in Kiew dem Auslieferungsersuchen der Staatsanwaltschaft nicht stattgegeben und die Durchsuchung und Verhaftung Scharijs in Abwesenheit annulliert.Доступ тимчасово обмежено!, auf reyestr.court.gov.ua
Ermittlungen 2011 Im Frühjahr 2011 begann Scharij, Artikel über den Kampf gegen organisierte Kriminalität zu schreiben. Scharij beteiligte sich persönlich an Aktionen wie der „Schließung des illegalen Casinos“. Im Jahr 2011 führte Scharij zusammen mit Journalisten des TV-Kanals 1+1 eine Reihe von Ermittlungen durch, die der „Überdachung“ des Drogenhandels in der Ukraine durch das Büro für die Bekämpfung des Drogenhandels gewidmet waren. Am Mittwochabend, 13. Juli, wurde das Auto von Anatolij Scharij, der mit der Fernsehgruppe „1+1“ ein illegales Kasino entdeckt hatte, in Kiew beschossen. Die Polizei leitete einen Fall der Schießerei ein, während das Kasino 34 Spielautomaten beschlagnahmte.Преступники обстреляли автомобиль журналиста после того, как он раскрыл нелегальное казино в Киеве, auf delo.ua
Am 6. Juni, dem ukrainischen Journalistentag, wurde Scharij von dem stellvertretenden Innenminister Wasyl Farynnik „für seine Professionalität und Objektivität bei der Berichterstattung über die Arbeit des Innenministeriums“ ausgezeichnet.Шарий: мы не боимся милицию и будем работать дальше, auf obozrevatel.com
Angriff Am 12. Juli 2011 um 3.30 Uhr, wenige Stunden nach dem Vorfall in einem illegalen Casino, als Scharij und das Filmteam von TV-Kanal 1+1 im Raum von den entflohenen Arbeitern eingesperrt wurden, wurde ein Schuss auf Scharijs Auto auf der Radtschenko-Straße abgegeben. Infolgedessen wurden die Windschutzscheibe und die Heckscheibe des Autos zerschossen, die Innenverkleidung wurde durch Schrotkugeln beschädigt
Das Strafverfahren Nr. 09-22896 nach Teil 2 des Artikels 383 des ukrainischen Strafgesetzbuches wurde wegen des Attentats auf den Journalisten im Oktober 2011 eröffnet. Der Leiter des Pressedienstes der Kiewer Polizei, Wolodymyr Polischtschuk, legte die Version vor, nach der man Scharij „nur erschrecken wollte“, weil die Schießerei bereits begonnen hatte, als er aus dem Auto sprang.
Am 14. Juli wurde der Fall des versuchten Attentats unter die persönliche Kontrolle von Präsidenten Janukowitsch, dem stellvertretenden Generalstaatsanwalt Kusmin und dem Innenminister Mogiljow gestellt. Scharijs Vernehmungen dauerten jeweils 6-10 Stunden, und am 15. Juli wurden von ihm Fingerabdrücke und DNA-Proben genommen.
Politisches Asyl Der Jahresbericht 2011 der Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ nannte den Angriff auf Scharij als einen der Beweise für die sich verschlechternde Situation für Journalisten in der Ukraine.
Am 19. März 2012 gab er ein Interview, in dem er behauptete, in der Europäischen Union zu sein und in Litauen Asyl beantragte.
Am 8. Juni 2012 berichteten die Medien, Scharij habe in der Europäischen Union Asyl erhalten. Scharij ist der erste ukrainische Journalist, dem in den letzten Jahren den Flüchtlingsstatus in den EU-Ländern zuerkannt wurde.
Am 16. Juli 2013 wurde Scharij auf Ersuchen der ukrainischen Behörden von Interpol in den Niederlanden verhaftet. Am 18. Juli gab das ukrainische Außenministerium eine Erklärung zu einer möglichen Auslieferung von Scharij ab. Am selben Tag weigerte sich jedoch ein niederländisches Gericht, Scharij an die Ukraine auszuliefern.
Nach dem Euromaidan 2014 Seit 2014 positioniert sich Scharij als Kritiker der neuen ukrainischen Regierung und der Medien.Анатолий Шарий: на Украину сейчас едут работать фрики, auf rusplt.ruАнатолий Шарий: «Война, похожая на вялотекущую шизофрению, продолжится», auf aif.ruАнатолий Шарий: «Ссора России и Украины — на долгие десятилетия», auf aif.ru Aufgrund des „öffentlichen Auslachens der Ukraine und der ukrainischen Armee“ sowie des Singens von „Kreml-Propagandaliedern“ prüfte das litauische Innenministerium im Februar 2015 seinen Flüchtlingsstatus.Литва може позбавити притулку українця Шарія через його випади проти України (Litauen kann Scharij als Folge seiner Angriffe auf die Ukraine den Asylstatus entziehen) In: radiosvoboda.org, 19. Februar 2015 (ukrainischsprachig)
Am 14. November 2017 trat Scharij der Europäischen Journalisten-Föderation bei.
Im Mai 2021 hob Litauen seinen Flüchtlingsstatus auf und erklärte ihn zur Persona non grata. Scharij lebt gegenwärtig in Spanien. Dort wurde er laut Angaben des ukrainischen Geheimdienstes am 4. Mai 2022 wegen Verdachts auf Hochverrat verhaftet. Nach kurzer Zeit wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt, muss sich aber regelmäßig bei den Behörden melden und darf das Land nicht verlassen.Ralf Streck: Spanien nimmt ukrainischen Exil-Journalisten fest. heise online, 6. Mai 2022, abgerufen am selben Tage.
Ermittlungen und Resonanzereignisse Am 12. Mai 2018 veröffentlichte Scharij auf Facebook Screenshots von geschlossenen Postings von Wasyl Maruschynets, Konsul der Ukraine in Hamburg, die Aufrufe zum „Tod der Antifaschisten“ enthielten.
Im Juni 2018 veröffentlichten Scharij Anatolij und seine Ehefrau Olga Scharij die Dokumente der Vernehmungen des ukrainischen Aktivisten Gennadij Afanasjew, die Aussagen Gennadijs gegen Oleg Sentsow (der zu dieser Zeit am Verhungern war) enthielten.
Am 14. Januar 2020 führten Mitarbeiter Sicherheitsdienst der Ukraine der Abteilung für Wohnungswesen und kommunale Dienstleistungen der Stadt Mykolajiw eine Durchsuchung auf der Grundlage des Beschlusses durch, der im Rahmen der Ermittlung des Strafverfahrens zu möglichen Verstößen beim Wiederaufbau des Sobornaya-Platzes erlassen wurde.
Seit Februar 2021 wirft die Sluschba bespeky Ukrajiny ihm Staatsverrat sowie die Herabsetzung von Bürgern aufgrund ihrer Rasse, Nationalität, religiösen Überzeugungen, Behinderung und anderer Kriterien vor.
Rezeption Im Oktober 2016 äußerte sich der russische Journalist Wladimir Posner, der durch sein Eintreten für die Sichtweise der Sowjetunion im Kalten Krieg im Westen bekannt wurde, zu Anatolij Scharij. Er sagte, dass dieser das Recht hätte, „Journalist“ genannt zu werden. Denn anders als viele andere würde er „die Dinge beim Namen nennen“: „Er hat sich erlaubt (und wie ich verstehe, erlaubt er es sich weiterhin) die Wahrheit über die Ukraine zu schreiben und zu sagen.“ Diese Unterstützung widersprach anderen Einschätzungen, welche Scharij attestiert hatten, dass „er sich selber Journalist nenne“.
Politische Positionen Haltung zur Politik in Russland