Die Koralmbahn (in früheren Planungen auch Koralpenbahn) ist eine österreichische Eisenbahn-Neubaustrecke zwischen den beiden Landeshauptstädten Graz (Steiermark) und Klagenfurt (Kärnten). Sie verkürzt die Fahrzeit zwischen beiden Städten für Fernverkehrszüge von rund drei Stunden auf 41 Minuten. Gemeinsam mit dem Semmering-Basistunnel soll sie entlang der Baltisch-Adriatischen Achse als Flachbahn den Güterverkehr erleichtern. Die Strecke ist 127 Kilometer lang und auf eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h ausgelegt. Kernstück der Koralmbahn ist der Koralmtunnel. Er hat zwei je 32,9 km lange Röhren; sie sind bis zu 1200 Meter hoch überdeckt von der Koralpe, landläufig Koralm genannt. Die Koralmbahn wurde ab Dezember 2010 abschnittsweise in Betrieb genommen. Der Güterverkehr auf der Strecke wurde im November 2025 aufgenommen; der planmäßige Personenverkehr auf der Gesamtstrecke begann im Dezember 2025, auf Teilstrecken bereits im Dezember 2010 (Steiermark) bzw. im Dezember 2023 (Kärnten).

Überblick Nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie wurden im Friedensvertrag von St. Germain per 10. September 1919 die Strecken der k.k. privilegierten Südbahngesellschaft auf drei Staaten aufgeteilt: Deutsch-Österreich, Italien und Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS-Staat).

Die 1863 und 1864 in Betrieb genommene „Kärntner Bahn“ (Marburg an der Drau–Bleiburg–Klagenfurt Hbf–Villach Hbf) kam 1919 durch die Abtrennung der Untersteiermark im Abschnitt zwischen Marburg und der neuen Staatsgrenze bei Bleiburg (heute Grenze zu Slowenien) zum SHS-Staat.

Um Mitte der 1920er Jahre erstrebte der Kärntner Landtag die Erstellung einer „Kärntner Ostbahn“ Klagenfurt Hbf–Wolfsberg–Packsattel–Mooskirchen–Graz. Auf Parlamentsebene wurde dies abgelehnt; ebenfalls das Projekt einer Koralpenbahn.Die Koralpenbahn. In: G.K.B.-Zeitung, 1. Jahrgang, Heft 16, Graz, 22. Februar 1930, S. 241–243. Damals wurde solch ein Bau auch als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit gewertet und das nämliche Projekt zur Schicksalsfrage Kärntens und der Steiermark erhoben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg – unter dem Eindruck des „Eisernen Vorhangs“ und der seit 1920 dauernden Randlage – wurde auf Wissenschaftsebene versucht, eine Koralpenbahn samt Koralpentunnel politisch bewusst zu machen, angestrebt von Karl Klugar, Vorstand des Instituts für Eisenbahnwesen und Verkehr an der TU Graz. Ihm folgte 1984 Klaus Riessberger und entwickelte als Institutsvorstand die „Drei-Loch-Theorie“ – Semmering-Basistunnel, Koralpentunnel und Bosruck-Basistunnel (samt Neuer Pyhrnbahn), welche die Steiermark aus ihrer Randlage herausführen sollten.

1990 titelte die Grazer Kleine Zeitung einen Gastkommentar: „Koralpenbahn mit zwanzig Jahren Verspätung“.Johann Pontasch: Koralpenbahn mit zwanzig Jahren Verspätung. In: Kleine Zeitung, Graz, 21. Februar 1990, S. 3. Zeitgleich, in den Jahren 1989 bis 1992, engagierte sich die Kleine Zeitung, unter Chefredakteur Fritz Csoklich, für den Ausbau der Eisenbahn in Südösterreich. Im März 1987 hatte anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der Eisenbahn in Österreich Günter Auferbauer in der Südost-Tagespost einen Ist-Soll-Vergleich verfasst, sinngemäß „Mehr Güter und Personen für die Eisenbahn“. Die fünf Teile der Serie wurden jeweils auf „Seite Drei“ platziert. Politische Aufmerksamkeit war erstmals erreicht worden.

In den folgenden Jahren war Josef Zeisler, Projektleiter bei der Eisenbahn-Hochleistungsstrecken-AG (HL-AG), zunächst für die Planung des gesamten Projekts, später für den Kärntner Abschnitt der Koralmbahn verantwortlich und spielte dabei eine maßgebliche Rolle bei der Ausarbeitung der Trassen- und Baukonzepte.

Die Koralmbahn hat ihre südwärts führende Fortsetzung – im Sinne der Baltisch-Adriatischen Achse (BAA) – ab dem Grenzbahnhof Tarvisio Boscoverde auf italienischem Territorium über die Pontafelbahn () Richtung Udine.

Das Kernstück der Koralmbahn ist der Koralmtunnel. Bis ins Jahr 2009 wurden sowohl auf Kärntner Seite als auch auf steirischem Boden jeweils Sondierstollen vorgetrieben. Im weststeirischen Frauental erfolgte am 20. März 2009 der Spatenstich für das Baulos „Koralmtunnel I“, womit der eigentliche Tunnelvortrieb offiziell gestartet wurde.Thomas Wieser: Kärnten rückt immer näher. In: Kleine Zeitung vom 20. März 2009, S. 63. Der Koralmtunnel sollte bis zum Jahr 2016 zuerst einspurig fertiggestellt werden, die Teilstrecke Graz Hbf–Deutschlandsberg eingleisig bereits Ende 2010.

Der Termin zur gesamtheitlichen Fertigstellung der Strecke wurde mehrmals verschoben: von ursprünglich 2016 auf 2018 usw. Die Inbetriebnahme des Gesamtverkehrs erfolgte zum Fahrplanwechsel per 14. Dezember 2025.

Seit dem 13. Dezember 2010 verkehrte die Linie S6 Graz Hauptbahnhof–Wies-Eibiswald teils über die Südbahn und die Koralmbahn. Dabei waren der Bahnhof Werndorf an der Südbahn und der an der Koralmbahn neu errichtete Bahnhof Hengsberg einbezogen. Die Fahrzeit auf der Relation Graz Hbf–Deutschlandsberg verkürzt sich von 55 Minuten (über Lieboch) auf 40 Minuten (über Werndorf). Seit der endgültigen Fertigstellung der Koralmbahn verkehren auf dem Abschnitt bis Wettmannstätten alle Züge der S6 über die Strecke. Sie nutzen dabei bereits auch den Flughafentunnel der Koralmbahn und fahren nicht mehr über Werndorf. Zwei kurze Verbindungsstrecken binden den Bahnhof Weststeiermark an die Wieserbahn an. Dort halten nun alle in Richtung Deutschlandsberg fahrenden Regionalzüge der Linien S6 und S61.

Auf Kärntner Seite verkehrt seit dem Fahrplanwechsel vom 10. Dezember 2023 die Linie S3 auf der Strecke Wolfsberg–Lavanttalbahn–St. Paul im Lavanttal–Koralmbahn–Wiederndorf-Aich–Jauntalbahn–Bleiburg–Drautalbahn–Mittlern–Koralmbahn–Klagenfurt Hauptbahnhof. Derart sind Streckenteile der Lavanttalbahn, der Jauntalbahn und der Drautalbahn (ursprünglich als „Kärntner Bahn“ errichtet) an die Koralmbahn angebunden.

Abschnitte Graz Hbf–Feldkirchen { "type": "ExternalData", "service": "page", "title": "Koralmbahn.map" } mini|Anschluss der Koralmbahn an die Südbahn und die Wieserbahn mini|Bahnnetz der Steiermark seit Inbetriebnahme der Koralmbahn Im Dezember 2002 begann der mehrgleisige Ausbau des 1,715 km langen Streckenabschnittes Graz Hauptbahnhof–Graz Don Bosco. Erforderlich wären sechs Gleise, je zwei für die Koralmbahn, Südbahn, Steirische Ostbahn. Infolge Platzmangels konnten nur vier Gleise eingebaut werden: Das Ostbahn-Gleispaar mündet, Richtung Hauptbahnhof, in das Gleispaar der Südbahn.

Die seit 1846 verwendete zweigleisige Südbahntrasse Graz Hauptbahnhof–Spielfeld-Straß war anno 1956 ab Graz Puntigam auf ein Gleis rückgebaut worden; zweigleisig erhalten blieb die Ausweiche Lebring. Mittlerweile erfolgten Streckenadaptierungen und der zweigleisige Ausbau. Aktuell sind nur noch die beiden Südbahn-Streckenabschnitte Werndorf–Wildon–Lebring und Leibnitz–Ehrenhausen–Spielfeld-Straß eingleisig in Betrieb.

Mit der künftig durchgängig zweigleisigen Südbahn-Hochleistungsstrecke Graz Hauptbahnhof–Spielfeld-Straß–Maribor erhält das Cargo Center Graz (CCG) mehr Transportkapazität.

Zwischen 2019 und 2022 wurde die zweigleisige Südbahn-Teilstrecke Graz Hbf–Graz Puntigam auf vier Gleise ausgebaut. Im selben Zeitraum wurden die Bahnhöfe Graz Puntigam und Feldkirchen-Seiersberg grundlegend umgebaut.

Streckenlänge: 7,0 km Strecken-Längsneigung: max. 8 ‰ Kunstbauten: 13 Unterführungen; zweigleisige Brücke in zwei 25-m-Längsteilen über die A2 (mit 2 Kränen, während 2 Nächten, 22.–24. April 2022 eingehoben; westlich neben der Südbahnbrücke, östlich neben der Geh-Rad-Brücke)Ulrich Dunst: Eisenbahnbrücke über A2 steht : „Alles hat perfekt funktioniert, aber jetzt sind wir müde“. In: Kleine Zeitung, Print, 25. April 2022, S. 12 f.Mit Kränen: Eisenbahnbrücke wird eingehoben. orf.at, 23. April 2022, abgerufen am 25. April 2022. Baufortschritt: Graz Puntigam–Feldkirchen-Seiersberg viergleisiger Ausbau bis Ende 2023 vollzogen Aktuelle Nutzung: Graz Hauptbahnhof–Graz Puntigam viergleisig (je zwei Gleise für Koralmbahn und die Südbahn), Graz Puntigam–Feldkirchen-Seiersberg zweigleisig (Südbahntrasse); Koralmbahntrasse in Adaptierung

Feldkirchen–Wettmannstätten Im Bereich von Feldkirchen soll künftig die Steirische Ostbahn an die Südbahn und die Koralmbahn angeschlossen werden. Die Trassenauswahl dieser Verknüpfung wurde im Juni 2008 abgeschlossen.

Der 1695 Meter lange Hengsbergtunnel liegt zwischen Werndorf bzw. Weitendorf und Wettmannstätten; mit dessen Bau war Mitte 2008 begonnen worden. Der Tunneldurchschlag erfolgte am 30. April 2009. Seit 13. Dezember 2010 wird der Hengsbergtunnel für den Betrieb der S-Bahn-Linie 6 in Dieseltraktion genutzt.

Im September 2020 begannen die Arbeiten am sogenannten „Flughafenast“, konkret am Abschnitt Feldkirchen–Weitendorf. Insgesamt enthält dieser 13 km lange Abschnitt zwölf Brücken und eine 3,2 km lange Unterflurtrasse. Aufgrund des dicht besiedelten Gebietes wird die Koralmbahntrasse im Bereich südlich der A-2-Querung, unterhalb der Landesstraße B 67 zum Flughafen und bis Zettling in einem Tunnel geführt. Auf diese Weise wird ein Höchstmaß an Umwelt- und Lärmschutz erreicht. Zwölf neue Brücken werden im Rahmen des Koralmbahn-Abschnitts hergestellt – sechs Eisenbahnbrücken und sechs Straßenbrücken. Besondere architektonische Aufmerksamkeit erhielt dabei die Brücke (Straßenbrücke der Gemeindestraße über die A 9 und Koralmbahn) im Bereich der Gemeindestraße Werndorf–Weitendorf. Sie hat eine Spannweite von 125 Metern, wiegt 3500 Tonnen und gilt als das Tor zur Koralmbahn.

Streckenlänge: 24,3 km Strecken-Längsneigung: max. 10 ‰ Tunnel und Unterflurtrassen: Länge 5,8 km Tunnelausbruch-Querschnitt mit Sohlgewölbe (bergmännisch): 117 m² Tunnelquerschnitt Endausbau: 77 m² Kunstbauten: 2 Unterflurtrassen, 1 Tunnel, diverse Brücken Baufortschritt: Abschnitt Werndorf–Weitendorf–Wettmannstätten in Teilbetrieb Inbetriebnahme: Werndorf–Hengsberg–Wettmannstätten: Seit 13. Dezember 2010, eingleisig; S-Bahn-Linie S6, Dieseltraktion.

Diskutierte Flughafenanbindung Die Situierung des ab Anbeginn geplanten „Regionalbahnhofs Flughafen Graz“ ist im Streckenprofil aus dem Jahr 2008 mit den km-Marken 7,985–9,800 festgeschrieben. Der Abschnitt Feldkirchen–Weitendorf sollte mittels Trassen-Verschwenkung eine Anschlussstelle zum Flughafen Graz und an das öffentliche Verkehrsnetz ermöglichen. Am unterirdischen Bahnhof im Flughafengebäude sollten auch Fernreisezüge halten. 2024 entschied das Verkehrsministerium, dass die Koralmbahn vorerst ohne einen Bahnhof „Flughafen Graz“ in Betrieb gehen sollte. Man erstellte aber einen Rohbau, um im Bedarfsfall einen Bahnhof „Flughafen Graz“ einfügen zu können.

Hengsbergtunnel