mini|hochkant|Katholische Pfarrkirche St. Thomas Wallenfels () ist eine Stadt im Osten des oberfränkischen Landkreises Kronach in Bayern. Sie ist Teil der Region Oberes Rodachtal, ein staatlich anerkannter Erholungsort und vor allem durch die Flößerei bekannt.

Geographie Geographische Lage Wallenfels liegt im Naturpark Frankenwald im Tal der Wilden Rodach etwa 13 Kilometer östlich der Kreisstadt Kronach und gehört zur Planungsregion Oberfranken-West. Die höchste Erhebung im Gemeindegebiet ist der Geuserberg mit .

Gemeindegliederung Es gibt 23 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Ehemalige Gemeindeteile sind Lorchenmühle, die mittlerweile zum Gemeindeteil Schnaid (hintere) zählt, und Engelhardsgrün, Fallenhalsmühle, Heckenberg, Leutnitzhof und Schopfenmühle, die allesamt devastiert sind.

Klima Das Gemeindegebiet liegt klimatisch im Übergangsbereich zwischen Mittelgebirgs- und kontinental getöntem Klima. Die Temperaturunterschiede werden durch den hohen Waldanteil (über 80 %) gedämpft.

Geschichte Wallenfels gehörte ab 1195 zum Hochstift Bamberg. 1248 wurde es als „Waldenvels“ in einer Urkunde des Pfalzgrafen Otto I. erstmals urkundlich erwähnt (siehe auch Adelsgeschlecht Waldenfels). Der Ortsname lässt sich auf einen Burgnamen zurückführen, dessen Bestimmungswort der Personenname „Waldo“ ist. Im 16. Jahrhundert war der Personenname nicht mehr geläufig, so dass es zur Umdeutung „Wald“ kam (siehe #Wappen).W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. S. 233.

Ab 1300 wurde Waldenfels, das Markt- und Braurechte besaß, ein selbständiges bischöfliches Amt, etwa zur selben Zeit wurde die auch heute noch betriebene Flößerei auf der Wilden Rodach erstmals erwähnt. 1507 verlor der Ort seine Selbständigkeit und wurde Kronach unterstellt, 1525 wurde die Burg Waldenfels bei Bauernaufständen vollständig zerstört. Im Jahr 1541 erhielt der Markt Waldenfels von Karl V. ein eigenes Wappen verliehen. Im Zweiten Markgrafenkrieg wurden die Kirche und der Markt durch Brandstiftung zerstört. Am 4. Februar 1588 bekam Waldenfels infolge der Erneuerung der Marktrechte erstmals das Stadtrecht verliehen.

Im Dreißigjährigen Krieg überfielen die Schweden 1634 Waldenfels und brannten es nieder. Nach dem Dreißigjährigen Krieg begann die Namensänderung zu Wallenfels. Bis ins 18. Jahrhundert wurden in Urkunden beide Schreibweisen verwendet, danach setzte sich der Name Wallenfels durch.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Wallenfels 165 bewohnte Anwesen (4 Halbhöfe, 12 Güter, 7 halbe Güter, 1 Dreiachtelgut, 2 Viertelgüter, 9 Sölden, 6 halbe Sölden, 1 Drittelsölde, 4 Viertelsölden, 2 Achtelsölden, 3 Tropfhäuser, 97 Häuser, 4 halbe Häuser, 3 Mahlmühlen, 8 Schneidmühlen) und zu der Zeit 6 unbewohnte Anwesen (1 Halbhof, 1 Gut, 2 Halbgüter, 2 halbe Sölden). Das Hochgericht übte das bambergische Centamt Wallenfels aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft sowie die Grundherrschaft über alle Anwesen übte das Vogteiamt Wallenfels aus. Außerdem gab es noch ein Amtshaus, ein Forsthaus, eine Pfarrkirche, ein Pfarrhof, ein Schulhaus, ein Armen- und Gemeindehaus, ein Bräuhaus, ein Fronveste.H. Demattio: Kronach – Der Altlandkreis. S. 517. Hier werden unter Einberechnung von bewohnten herrschaftlichen, kirchlichen und kommunalen Gebäuden 168 Anwesen als Gesamtzahl angegeben.

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 kam der Ort zu Bayern. Mit dem Gemeindeedikt wurde 1808 der Steuerdistrikt Wallenfels gebildet, zu dem Fallenhalsmühle, Hammer, Heckenberg, Kirchbühl, Leutnitzhof, Lorchenmühle, Neuengrün, Neumühle, Oberwellesmühle, Schindelthal, Schnaid (hintere), Schnaid (mittlere), Schnaid (vordere), Schnappenhammer, Schopfenmühle, Stumpfenschneidmühle, Unterwellesmühle, Wellesberg und Wolfersgrün gehörten. 1818 entstand die Ruralgemeinde Wallenfels, zu der Fallenhalsmühle, Hammer, Leutnitzhof, Neumühle, Schopfenmühle und Stumpfenschneidmühle gehörten. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Kronach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Kronach (1919 in Finanzamt Kronach umbenannt). In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde auf dem Gemeindegebiet Schmölz gegründet. Ab 1862 gehörte Wallenfels zum Bezirksamt Kronach (1939 in Landkreis Kronach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Kronach (1879 in Amtsgericht Kronach umbenannt).H. Demattio: Kronach – Der Altlandkreis. S. 605. Die Gemeinde hatte ursprünglich eine Fläche von 13,600 km²., die sich vor 1928 auf 13,421 km² verringerte. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde auf dem Gemeindegebiet Wellesbach gegründet.

Ende des 19. Jahrhunderts gab es im Ortsbereich sechs Sägemühlen: die Felsenschneidmühle, die Angerschneidmühle, die Bergschneidmühle, die Stöckerschneidmühle, die Klingerschneidmühle und die Gemeindeschneidmühle.infranken.de: Die Lebensadern von Wallenfels. 10. September 2020. 1900 bekam Wallenfels mit der Rodachtalbahn einen Bahnanschluss, 1976 wurde die Strecke stillgelegt. In den Jahren 1909 bis 1915 wurde die Wilde Rodach aus Gründen des Hochwasserschutzes aus dem Ort an den südlichen Rand des Tales verlegt. Dabei entstanden die Obere und die Untere Schleuse mit jeweils über etwa 70 Meter langen Floßgassen.

Bei Nachforschungen zur Ortsgeschichte zu Beginn der 1950er Jahre wurde anhand von Urkunden festgestellt, dass Wallenfels einst den Namen Waldenfels trug und bereits Stadtrechte besessen hatte, diese aus nicht klar nachvollziehbaren Gründen im Laufe der Zeit jedoch wieder verlor. Der Marktgemeinderat verfasste deshalb Anfang Februar 1954 einen Antrag an das bayerische Innenministerium, in dem die erneute Verleihung der Stadtrechte und eine Namensänderung zur historischen Schreibweise gefordert wurde. Während die Wallenfelser Bevölkerung die Namensänderung im Rahmen einer Bürgerversammlung im Februar 1954 noch mehrheitlich begrüßte, änderte sich die öffentliche Meinung im Laufe der folgenden Wochen. Dies hatte unter anderem wohl praktische Gründe, da die Namensänderung die Anpassung zahlreicher Verwaltungsdaten, Briefköpfe etc. erforderlich gemacht hätte. Der Marktgemeinderat zog den Antrag auf Ortsnamensänderung daraufhin wieder zurück. Die Stadtrechte wurden Wallenfels am 14. August 1954 durch den damaligen bayerischen Innenminister Wilhelm Hoegner erneut verliehen.

Im September 1994 wurde das Rathaus der Stadt Wallenfels durch Brandstiftung massiv beschädigt.

Am 14. Oktober 2004 wurde die Ortsumgehung der B 173 eröffnet.

Am 12. November 2015 erlangte Wallenfels traurige Bekanntheit in den internationalen Medien durch den Fund von acht Babyleichen in einem Anwesen in der Stadtmitte.Acht Babyleichen in Wohnung gefunden – 45-Jährige gefasst. In: tagesspiegel.de, 13. November 2015. Tagelang wurde der Ort von internationalen Medienvertretern belagert.

Ende September 2022 war Wallenfels wieder in den nationalen Medien präsent, nachdem der jahrzehntelange sexuelle Missbrauch durch einen hier tätigen katholischen Priester öffentlich wurde.br.de

Religionen Die Einwohner von Wallenfels sind überwiegend katholisch. Im Stadtgebiet gibt es vier katholische Gotteshäuser. Die evangelische Pfarrgemeinde Unterrodach-Wallenfels unterhält in Wallenfels einen Betsaal für evangelische Christen.

Eingemeindungen Folgende Gemeinden wurden im Zuge der Gebietsreform in Bayern in die Stadt Wallenfels eingegliedert:

EhemaligeGemeinde Einwohner(2014) Einwohner(1970) Datum der Eingemeindung Anmerkung Wallenfels 2159 2864 Geuser 38 64 01.07.1972 ohne den Ort Haid, der nach Reichenbach kam Neuengrün 137 180 01.07.1971 Wellesberg mit Ober- und Unterwellesmühle am 1. April 1951 eingegliedert Wolfersgrün 215 286 01.07.1972 Wellesberg mit Ober- und Unterwellesmühle am 31. März 1951 ausgegliedert Schnaid 312 519 01.01.1972

Einwohnerentwicklung In den 1970er Jahren wurde der Höchststand von über 4000 Einwohnern erreicht. Seitdem ist die Einwohnerzahl aufgrund des demografischen Wandels und von Abwanderungen teilweise stark zurückgegangen und hat sich seit den 1970er Jahren um 35 % verringert. In den letzten Jahren konnte der Rückgang durch verschiedene Maßnahmen gebremst werden. Mittelfristig geht man von 2500 Einwohnern aus.

Gemeinde Wallenfels Jahr Einwohner Häuser Quelle 1840 1396 1852 1616 1855 1602 1861 1534 1867 1550 1871 1630 220 1875 1711 1880 1771 1885 1682 243 1890 1556 236 1895 1591 1900 1667 262 1905 1735 1910 1822 Jahr Einwohner Häuser Quelle 1919 1831 1925 2077 332 1933 2216 1939 2243 1946 2791 1950 2841 438 1952 2806 1961 2586 502 1970 2854 1987 3459 932 2008 2968 2015 2783 922 2018 2657 924

Ort Wallenfels Jahr 1818 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2015Einwohner 922 1493 1581 1648 1630 2019 2788 2536 2825 2533 2159Häuser 158 237 256 322 429 492 666 Quelle Zahlen & Fakten > Detail auf der Website wallenfels.de

Politik Stadtrat Der Stadtrat hat 15 Mitglieder einschließlich des hauptamtlichen Ersten Bürgermeisters. Die Sitze sind wie folgt verteilt: mini|Rathaus

Partei / Liste Sitze 2002 Sitze 2008 Sitze 2014 Sitze 2020 CSU 5 7 10 8 SPD 4 3 3 3 FW 8 7 4 4 Gesamt 17 17 17 15

Ab dem Jahr 2020 hat der Stadtrat wegen des Einwohnerrückganges nur noch 14 Mitglieder zuzüglich des Ersten Bürgermeisters.

Bürgermeister 1978–1996: Manfred Nürnberger (CSU) 1996–2014: Peter Hänel (Freie Wähler) seit 2014: Jens Korn (CSU)

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Städtepartnerschaften : Seit 1984 ist die englische Stadt Bingham bei Nottingham Partnerstadt von Wallenfels. Zur Förderung der Städtepartnerschaft wurde 1985 der Verein Förderkreis Bingham-Wallenfels e. V. gegründet; gegenseitige Besuche finden regelmäßig statt.

Musikvereine Musikverein Wallenfels e. V. Wallenfelser Blasmusik e. V. Blasmusik Neuengrün/Schlegelshaid e. V.

Tourismus Von Mai bis September finden alljährlich Floßfahrten auf der Wilden Rodach statt, zu denen an den Wochenenden zwischen 500 und 1000 Gäste kommen. Bei der Wallenfelser Kirchweih Ende Juli wird die Nachtfackelfloßfahrt Rodach in Flammen mit tausenden Besuchern durchgeführt. Zur dauerhaften Sicherung dieser Touristenattraktion ist ein größeres Staubecken im Bereich des Stadtteils Schnappenhammer geplant.

Das beschilderte Wanderwegenetz des Wanderzentrums Wallenfels eignet sich für Touren unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade. Es gibt die Lehrpfade Geopfad am Silberberg und Lamitzpfad bei Schnappenhammer. Wallenfels ist Teil des Nordic-Walking-Zentrums Oberes Rodachtal.

Durch das Wallenfelser Stadtgebiet verläuft der Frankenweg sowie der Fränkische Marienweg.

Bauwerke mini|Hammerschneidmühle

Hammerschneidmühle an der Wilden Rodach; 1997 generalüberholt, ist seitdem wieder als Sägemühle in Betrieb Schlossbergkapelle auf dem Schloßberg mit Kreuzweggang Stadtpfarrkirche St. Thomas Historische Schleusenbauwerke an der Wilden Rodach aus der Zeit der Flößerei (obere und untere Schleuse in Wallenfels)

Bau- und Bodendenkmäler

Sport An Sport- und Freizeiteinrichtungen gibt es Tennis- und Fußballplätze, eine Skate-Anlage, ein beheiztes Freibad mit Beachvolleyballfeld, einen Camping- und Zeltplatz, einen Bolzplatz, ausgeschilderte Mountainbike- und Nordic-Walking-Strecken und für Radfahrer und Inline-Skater ein ausgedehntes Radwegenetz.

Sportvereine FC Wallenfels SV Wolfersgrün/Neuengrün Tennisverein Wallenfels TTC Wallenfels Schützengesellschaft Wallenfels

Regelmäßige Veranstaltungen Feierabendmarkt, jeden 1. und 3. Donnerstag im Monat Am Faschingsdienstag findet alljährlich der Wallenfelser Faschingsumzug statt. Büttenabende in der Faschingszeit Ostermarkt Fronleichnamsprozession mit der Schwedenfahne und dem Soldatenzug sowie die Flurumgangsprozession Schützen- und Volksfest im Juni Wallenfelser Kirchweih mit Rodach in Flammen am letzten Juli-Wochenende Weihnachtsmarkt am ersten Adventswochenende

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft