Das Kloster Ringelheim wurde im 10. Jahrhundert als Frauenstift in Ringelheim (heute ein Stadtteil von Salzgitter) gegründet. 1153 wurde es in eine Benediktinerabtei umgewandelt, die bis 1803 bestand. Mit der Säkularisation 1803 wurde es in Privatbesitz übertragen und 1817 zu einem Schloss umgebaut.

mini|Klosterhof, links das Eingangsportal der Kirche St. Abdon und Sennen

Geschichte Umfeld der Gründung Ringelheim war seit der Christianisierung durch Fuldaer Mönche gegen Ende des 8. Jahrhunderts Sitz eines Archidiakonats. Seit dem 10. Jahrhundert war Ringelheim auch der Hauptort des Salzgaus und Sitz des Gogerichts. Die Komitatrechte (comitatus = Amtsbezirk eines Gaugrafen) waren zu der Zeit im Besitz der Immedinger. Die Besitztümer der Immedinger lagen überwiegend im Salzgau, weitere große Besitzungen lagen zwischen Weser und Elbe sowie in den heutigen Niederlanden.Chronik Ringelheim. S. 44–45, 52.

Gründungsurkunde Die Stiftungsurkunde des Klosters Ringelheim ist nicht mehr im Original erhalten, wurde aber mehrmals kopiert und liegt in einer Version aus dem Jahr 1573 vor. Diese Urkunde wird in älterer Literatur oftmals auf das Jahr 900 datiert. Man geht heute davon aus, dass die Urkunde von Otto I. ausgestellt wurde und dass daher die Jahresangabe falsch interpretiert wurde, denn Otto I. kam erst im Jahr 936 an die Macht. Aus den originalen Datumsangaben der Urkunde (17. Januar, 13. Indiktion, 5. Jahr der Königsherrschaft Ottos I.) ergibt sich eindeutig der 17. Januar 941. Die Jahresangabe „900“ beruhte dabei auf einem Rechenfehler bei der Umrechnung der Indiktion in die christliche Zeitrechnung.Petke: Stift Ringelheim. S. 96.

In der Abschrift der Urkunde sind Ergänzungen enthalten, die wahrscheinlich Mitte des 12./13. Jahrhunderts eingefügt wurden. Diese Zusätze zur originalen Urkunde sollten eine Umwandlung des Klosters sowie eine Teilung der Güter verhindern, was aber nicht gelang. Auffällig ist die Aufzählung von fünf bezeugenden Bischöfen, die die Bedeutung des Dokumentes hervorheben sollte. Dabei waren dem Schreiber einige Fehler unterlaufen, denn einen der genannten Bischöfe hat es nie gegeben und drei weitere waren im Jahr 941 nicht im Amt.Petke: Stift Ringelheim. S. 105–106.

Wann und durch wen die Verfälschung der Urkunde erfolgte, ist umstritten. Petke geht davon aus, dass sie bereits in der Mitte des 12. Jahrhunderts erfolgte und zum Ziel hatte, die Übertragung des Klosters an den Hildesheimer Bischof und die damit verbundene Umwandlung des Frauenklosters in ein Benediktinerkloster zu verhindern.Chronik Ringelheim. S. 56

Hartmann und Hausdorf hingegen sehen Abt Johann II. (1467–1480) als denjenigen, der die Urkunde verfälscht hat. Er wollte die Aufnahme des Klosters in die Bursfelder Kongregation verhindern, die eine Wiedereinführung der Regeln des Hl. Benedikts mit sich gezogen hätte. Er habe daher die Formulierung in die Urkunde aufnehmen lassen, dass . Danach könne das Kloster nur vom Kaiser oder Papst belangt werden, somit hätte er Schutz vor einer Verurteilung durch seinen Orden oder auch den Hildesheimer Bischof erhalten.Petke: Stift Ringelheim. S. 93;Hartmann und Hausdorf: Heimatgeschichte von Ringelheim. S. 7–8;Chronik Ringelheim. S. 56–58

Gründung des Klosters Das Kloster Ringelheim war nach dem 852 gegründeten Kloster Gandersheim, dem 847 gegründeten Kloster Lamspringe (erste schriftliche Erwähnung 872) und dem 940 gegründeten Benediktinerkloster St. Marien in Gandersheim die viertälteste Klostergründung und das drittälteste Kanonissenstift des Bistums Hildesheim. Die erste Urkunde, in der das Kloster genannt wurde, wurde 1021 ausgestellt. Inhalt war eine Übertragung des Gutes Hahausen durch Kaiser Heinrich II. an das Kloster.Petke: Stift Ringelheim. S. 97–98;Hartmann und Hausdorf: Heimatgeschichte von Ringelheim. S. 11.

Bei der Gründung 941 wurde das Kloster als freie Reichsabtei unter den Schutz von König Otto I. gestellt, das Kloster unterstand also in weltlichen Dingen direkt dem Kaiser und in geistlichen Dingen nur dem Papst. Der Gründer Immad (auch Immat, Ymmat oder Immed genannt) gehörte dem Geschlecht der Immedinger an, er war ein Nachfahre des Sachsenherzogs Widukind.

Immad, dessen Familie das Patronat über das Kloster innehatte, widmete dieses den Heiligen Abdon und Sennen. Dies waren zwei persische Märtyrer, die während der Christenverfolgung unter Kaiser Decius um 250 in Rom gefoltert und hingerichtet worden waren. Bei der Gründung des Klosters wurde Imhilde (auch Emmihold, Eimuhold), die Tochter des Gründers Immad, durch Bischof Diethard von Hildesheim als Äbtissin eingesetzt.

Zur Ausstattung des Klosters übertrug Immad seine Besitztümer an „Äckern, Hausplätzen, Waldungen, Wiesen, Weiden, Gewässern, Mühlen, Fischerei und Jagd“ in Ringelheim, Wendhausen, Othfresen, Jerstedt, Wallmoden, Nauen, Sehlde, Gustedt, Haverlah und Veppstedt dem von ihm gegründeten Kloster.Chronik Ringelheim. S. 53–59

Frauenstift 941 bis 1153 mini|hochkant|Innenraum der Klosterkirche mit dem Ringelheimer Kreuz (Aufnahme 2010) Es ist nicht bekannt, wie lange die erste Äbtissin Imhild, die Tochter des Stifters Immad, dieses Amt innehatte und wer ihr als Äbtissin folgte. Überliefert ist, dass Judith, eine Schwester des Bischofs Bernward I., dieses Amt bis etwa 1000 innehatte. Wahrscheinlich aus Anlass ihres Todes schenkte Bischof Bernward dem Kloster ein hölzernes Kruzifix, das heute unter dem Namen Ringelheimer Kreuz bekannt ist. Der aus Linden- und Eichenholz gefertigte Korpus hängt seit 1993 im Dommuseum Hildesheim, für die ehemalige Klosterkirche St. Abdon und Sennen wurde eine Kopie gefertigt. Judith starb um das Jahr 1000 an einem 13. März, das genaue Jahr ist nicht überliefert, sie wurde in der Krypta der Klosterkirche beigesetzt. Ihre Grablege wurde Ende des 15. Jahrhunderts durch Abt Nikolaus I. wiedergefunden und geöffnet, ist aber in Folge vieler Zerstörungen und Umbauten der Kirche verschollen.

Eine weitere Äbtissin war Eilika, die Tochter des Grafen Heinrich von Reinhausen-Winzenburg und Nichte des Bischofs Udo von Hildesheim. Beginn und Ende ihrer Amtszeit sind nicht bekannt, es gibt nur eine Erwähnung aus dem Jahre 1103. Von ihr ist überliefert, dass sie hauptsächlich im Benediktinerkloster ihres Vaters in St. Christoph zu Reinhausen bei Göttingen lebte und daher die Leitung des Ringelheimer Klosters vernachlässigte.Hartmann und Hausdorf: Heimatgeschichte von Ringelheim. S. 10; Petke: Stift Ringelheim. S. 104.

Benediktinerkloster 1150 bis 1568 Mit der Amtszeit der Äbtissin Eilika verfiel das Kloster zunehmend. Dies führte dazu, dass 1150 auf dem Reichstag zu Würzburg auf Betreiben des Bischofs Bernhard I. das Kloster an das Bistum Hildesheim übertragen wurde. Zur Begründung hieß es in der Urkunde: „… und geben ihm die Abtei Ringelheim, die nun schon seit langer Zeit in weltlichen und geistlichen Dingen in argen Verfall geraten ist, zur Wiederherstellung der klösterlichen Zucht …“. Die Schenkungsurkunde wurde am 30. Juli 1150 (Namenstag der Hl. Abdon und Sennen) von König Konrad III. ausgestellt und wurde am 3. Januar 1153 durch Papst Eugen III. bestätigt. Mit der Schenkung erhielt das Bistum auch die Vogtei (Gerichtsbarkeit) über das Kloster.

Ein weiterer Grund für die Übertragung des Klosters an das Bistum waren die reichen Einnahmen, die die Kanonissen aus dem umfangreichen Grundbesitz erwirtschaftet hatten. Ein Drittel davon stand bisher der Äbtissin des Klosters zu, dieses fiel zukünftig dem Bischof bzw. dem Stift Godehard zu. Ein weiteres Drittel erhielten die Brüder des Klosters, der Rest wurde zur Versorgung der Armen verwendet. Bischof Bruno gab 1154 einen Teil der dem Bistum zugesprochenen Einnahmen an das Kloster zurück.Chronik Ringelheim. S. 64–66

Für das Kloster galten damit ab 1153 die strengen Regeln des Benediktinerordens und da die Kanonissen sich dem nicht unterwerfen wollten, wurden sie nach Derneburg verlegt. Als erster Abt wurde Rüdiger eingesetzt, ein Vertrauter des Bischofs, der bis dahin Prior des Benediktinerklosters St. Michael in Hildesheim gewesen war. Dieser brachte auch die ersten Benediktinermönche aus seinem Kloster nach Ringelheim.

+ Äbtissinnen und Äbte des Klosters Amtszeit Name seit 941 Äbtissin Imhild um 1000 Äbtissin Judith um 1103 Äbtissin Eilika von Gleichen 1153–1175 Abt Rüdiger etwa 1176 bis 1190 Abt Rudolf 1191 bis nach 1203 Abt Alexander 1208–1210 Abt Bernhard I. 1225–1227 Abt Eberhard 1233–1259 Abt Gerhard um 1276 Abt Berthold 1295–1298 Abt Heinrich I. um 1306/07 Abt Detlef 1331–1332 Abt Aschwin 1390–1392 Abt Heinrich II. von Gustedt 1401–1404 Abt Heisso um 1420 Abt Gottfried um 1428 Abt Heinrich III. 1444–1458 Abt Heinrich IV. 1458–1467 Abt Berthold III. 1467–1480 Abt Johann II. 1485–1501 Abt Nikolaus I. 1529–1538 Abt Nicolaus Mund bis 1544 Abt Adolf 1547 Abt Theodoricus bis 1570 Abt Christianus 1570–1613 Abt Heinrich Wirsche (luth.) 1613–1623 Abt Reiner Schrader (luth.) 1623–1629 Abt Georg Lohmann (luth.) ab 1629 Abt Peter Clistovius 1658–1692 Abt Henricus Timon 1692–1703 Abt Abdon Könich 1703–1704 Abt Joachim Oelrich 1704–1713 Abt Franz Schlichting 1713–1746 Abt Bernward Peumann 1746–1762 Abt Franziskus Freihoff 1780–1794 Abt Blasius Brandt 1794–1803 Abt Godehard Arnold Um nicht in die Auseinandersetzungen zwischen dem späteren Kaiser Otto IV. und Philipp von Schwaben um die deutsche Königskrone hineingezogen zu werden, ließ Abt Bernhard I. (1208 bis 1210) das Kloster unter den besonderen Schutz von Papst Innozenz III. stellen. In dieser vom Papst am 6. Juni 1209 ausgestellten Urkunde wurden alle Güter des Klosters aufgeführt. Danach besaß das Kloster in 61 Orten fast 10.000 Morgen Land, die im Gebiet zwischen Magdeburg und Oldenburg sowie Peine und Seesen lagen, hauptsächlich aber im Salzgau. Dazu kamen noch 15 Höfe, 60 Hausstellen, vier Mühlen, drei Kirchen, das gesamte Dorf Hahausen sowie Allmenderechte an Weiden, Wiesen und Wäldern. Die Güter waren meistenteils verlehnt, da auf Grund der oft großen Entfernungen eine Eigenbewirtschaftung durch die Klosterbrüder nicht möglich war. Zur Verwaltung richtete das Kloster in Watenstedt, Groß Flöthe und Ringelheim drei Haupthöfe ein, an denen Gericht gehalten wurde, die Grundhörigen ihre Abgaben leisten mussten und andere regelmäßige Treffen stattfanden.Chronik Ringelheim. S. 71–74

Die Wohldenberger Grafen verpfändeten dem Kloster 1227 die Vogtei über Söderhof und Wendhausen. Wendhausen konnten die Mönche 1251 käuflich erwerben, die Siedlung fiel etwa 100 Jahre später wüst. In Söderhof erwarben die Mönche 1532 von Aschwin von Cramm ein Stück Land, der Ort war seitdem bis zum Verkauf 1932 ein Vorwerk des Klosters.Chronik Ringelheim. S. 46, 49; Kunstdenkmäler, S. 238–240

Im 13. Jahrhundert begann die Abtei damit, weit entfernten Besitz zu verkaufen, da, wie es hieß, das Kloster den Schutz dieser Dörfer wegen der großen Entfernungen nicht gewährleisten könne. Im Gegenzug wurde weiterer Besitz aus der näheren Umgebung erworben. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Klosters. Zum einen war das Kloster 1420 und 1473 in den Fehden der Hildesheimer Bischöfe verwüstet worden. Zum anderen gingen die Erträge durch Ernteausfälle zurück, wie sie zu Beginn der Kleinen Eiszeit häufiger auftraten. Um ihren Verpflichtungen nachkommen zu können, war die Abtei gezwungen, einen Teil ihrer Güter zu verkaufen, auch mussten Teile des Klosterschatzes veräußert werden.Chronik Ringelheim. S. 79